Am 29.07. präsentiere ich auf Coloradio unter dem Titel „Die feiste Fresse des Krösus“ skurrile Storys, die sich mit festgefahrenen Verhaltensweisen unserer Wohlstandsgesellschaft auseinandersetzen. Eine ganze Stunde lang geht es um Betrug, illegalen Schnapsverkauf und Etikettenschwindel. Mein Vortrag wird von klirrenden Gitarren und zerhackten 8-Bit-Sequenzen der Dresdner Elektroband live at kalibou beach unterstützt, die eigens für diese Lesung neue Tracks produzierte. Los geht’s um 22 Uhr.
Eben lese ich, dass die Tour de France in diesem Jahr wie in den vorigen von einem gewissen Alberto Contador gewonnen wurde. Sagt mal, Leute bei der Pharmaindustrie, ist das nicht doch ein bisschen zu dicke aufgetragen, wenn der Name des Siegers jetzt schon klingt wie ein Medikament? Da müssen wir uns also wohl bald auf Fernsehwerbung dieser Art gefasst machen: “Contador – Kraft und Ausdauer für die langen Wege! Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.”
Am Mittwoch, den 28. Juli, lese ich ab 20 Uhr auf Einladung der Dresdner Künstlerin Christine Schiewe als Gast in ihrer Ausstellung “WIR WERDEN VERFOLGT” in der Galerie Grafikladen (Weißer Hirsch, Plattleite 66, Straßenbahnlinie 11). Es gibt einige artistisch verfremdete Gedichte der Künstlerin selbst zu hören, dazu einige meiner Versuche und Geschichten, die sich auf hoffentlich amüsante Weise dem Thema “Verfolgung” zumindest entfernt nähern werden. Die Ausstellung ist übrigens sehr sehenswert, sie beschäftigt sich mit verschiedenen Spielarten der Überwachung, unter anderem am Beispiel der Staatssicherheit, aber ohne moralischen Impetus, dafür mit Witz und ungewöhnlichen Einfällen.
AN EVAS GRAB
ADAM:
Wo immer sie war,
da war das Paradies.
Mark Twain

Am 14.07. reisen die Herren von Sax Royal in die Hauptstadt und stellen dort ihr neues Buch Sax Royal. Eine Lesebühne rechnet ab vor, das im Frühjahr im Verlag Voland & Quist erschienen ist. Im legendären Club Kaffee Burger, in dem auch die Reformbühne Heim und Welt ihren Stammsitz hat, lesen sie ab 21:30 Uhr eine Auswahl ihrer schönsten Texte. Mit von der Partie ist auch Ahne, einer der berühmtesten Lesebühnenautoren der Welt, bekannt u.a. durch seine Bücher Zwiegespräche mit Gott und Neue Zwiegespräche mit Gott, die ebenfalls im Voland & Quist Verlag erschienen sind.
Sax Royal – Buchpremiere | 14. Juli | Mittwoch | 21:30 Uhr | Kaffee Burger (Torstraße 58/60 in 10119 Berlin) | AK 5 Euro
Bereits zum siebten Mal präsentiert der livelyriX e.V. unter dem Titel Grand Slam of Saxony die Offenen Sächsischen Meisterschaften des Poetry Slam. Das jährliche Finale aller sächsischen Dichterwettbewerbe findet traditionell als Open Air Poetry Slam in der Jungen Garde im Dresdner Großen Garten statt. Es messen sich die zehn Autoren, die in der vergangenen Saison bei den poetischen Schlachten in Dresden, Leipzig und Chemnitz die meisten Erfolge einfahren konnten. Kurzgeschichten mit Witz treffen dabei auf mitreißende Gedichte, Rap-Poetry und politische Satiren. Am Ende entscheidet allein das Publikum über den Sieger, der im Herbst zu den deutschprachigen Meisterschaften des Poetry Slam nach Essen fahren wird. Moderatoren des Abends sind Stefan Seyfarth und Michael Bittner.

Mit dabei im Wettbewerb sind der Vorjahressieger Udo Tiffert, der Berliner Rapper und Poet Gauner, die Leipziger Autorin Franziska Wilhelm, aus Berlin Micha Ebeling von der Lesebühne LSD, der junge Slammer Bleu Broode aus Jena, die Poetin JaNaKlar aus Leipzig, Marc-Oliver Schuster aus Detmold, der Dresdner Erzähler Konstantin Turra, André Herrmann von der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Thomas Jurisch vom Dresdner Poetengeflüster. Außerhalb des Wettbewerbs wird als Featured Poet Julius Fischer auftreten. Der Leipziger ist nicht nur dem Dresdner Publikum als Mitglied der Lesebühne Sax Royal und Teil der Band “The Fuck Hornisschen Orchestra” bestens bekannt. Er gewann den “Grand Slam of Saxony” im Jahr 2007.
Grand Slam of Saxony – Open Air Poetry Slam | 30. Juli | Freitag | Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr | Junge Garde (Großer Garten) | VVK 7,50 Euro AK 10 Euro | Karten sind in der Scheune oder an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich
In einem Zug hängt das Werbeplakat einer Wohnungsbaugenossenschaft, darauf zu sehen Menschenmassen vor einem überfüllten Zug:
“Warum pendeln Sie noch? Wir haben doch schöne Wohnungen in dieser wunderbaren Stadt!”
Der unbefangene Leser fragt sich: Macht die Bahn jetzt schon Werbung für ihre Abschaffung? Wieso nicht demnächst Autowerbung mit dem Slogan:
“Warum fahren Sie denn immer noch mit der Bahn in diesen immer verspäteten Zügen voller schlecht gelaunter Zeitgenossen mit und ohne Uniform?”
Wer an diesem Wochenende den Weg nach Leipzig findet, der kann die Gelegenheit nutzen, um das livelyriX-Sommerfestival zu erleben. An drei Tagen (Fr-So) veranstaltet der livelyriX e.V. im Garten der Distillery ein buntes Programm: Am Freitag geht ein hochkarätig besetzter Poetry Slam und am Sonnabend ein Song Slam über die Bühne, während der Sonntag den Autorinnen und Rap-Poeten gehört. An allen Tagen gibt es außerdem Poetry Clips und hoffentlich rauschende After-Show-Partys. Auch Royalisten sind vertreten: Mit dabei als Autor und Musiker ist Max Rademann, als Moderator kommt Julius Fischer zum Einsatz.
Das livelyriX-Festival wird von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Stadt Leipzig gefördert.
Eine Gruppe kostümierter Fußballfans entert zum stillen Schrecken der Stammgäste das Lokal. Sofort stimmen die Patridioten Gesänge an: “Wir trinken das schäumende Bier und wir scheißen dem Wirt auf die Theke! Schenket ein, schenket ein, schenket ein! Wir wollen alle besoffen sein!” Dem Trend zur Gleichberechtigung folgend sind auch einige Freundinnen mit dabei. Eine flüstert peinlich berührt ihrem grölenden Partner zu: “Du, muss das sein? Ich schäme mich so!” Ihr Lebensabschnittsgefährte kontert souverän: “Ach! Darüber mache ich mir gar keine Gedanken!”
Nach längerer Pause kann, wer mag, am Freitag Julius Fischer mal wieder beim Dresdner livelyriX Poetry Slam in der Scheune erleben. Ab 21 Uhr misst er sich hier mit neun anderen Dichtern, so unter anderen mit den Kollegen Micha Ebeling, Jana Klar, Marc Schuster und Sarah Bosetti. Wer ihn am Freitag verpassen sollte, aber auch jeder andere Dresdner Mensch kann sich ersatzweise oder zusätzlich darauf freuen, dass er auch beim 7. Grand Slam of Saxony am 30. Juli in der Jungen Garde als Featured Poet auftreten wird.