Donnerstag, 9. Februar: Lesebühne Sax Royal mit Gast André Herrmann in der scheune

Am Donnerstag, den 9. Februar, startet unsere Lesebühne Sax Royal mit vollem Elan in die dreizehnte Saison ihres Schaffens – die gewiss nicht zum Unglücksjahr werden wird. Der aus Indien zurückgekehrte Max Rademann wird einiges über seine Reiseabenteuer zu erzählen wissen – nicht oft verschlägt es ja einen Erzgebirgsmenschen in subtropische Gefilde. Neue Geschichten, Gedichte und Lieder werden aber auch die anderen Stammautoren im Gepäck haben: Für Erzählungen auf dem schmalen Grat zwischen Realismus und Groteske zuständig ist der Wahlberliner Roman Israel. Ebenfalls aus der Hauptstadt reist Michael Bittner an, der am liebsten das steinige Feld der politischen Satire beackert. Der Poesie hingegen ist der Dresdner Dichter Stefan Seyfarth verschrieben, den es jüngst aus Strehlen nach Striesen verschlug – auch dies eine Odyssee, die Spuren hinterlassen hat.

Außerdem begrüßen die Royalisten als Stargast einen ihrer liebsten Kollegen: André Herrmann aus Leipzig von der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, der Autor des Erfolgsromans „Klassenkampf“ und mehrfache deutschsprachige Poetry-Slam-Champion mit dem Team Totale Zerstörung.

Wie immer dürfen sich die Fans der Lesebühne auch noch auf allerlei andere Späße und unverlangte Zugaben freuen.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 9. Februar | Donnerstag | Einlass: 19:30 Uhr, Beginn: 20 Uhr | Scheune | Vorverkauf: 5 Euro zzgl. Gebühr, Abendkasse: 5/7 Euro

Wie man nicht über die Sache streitet

Oft kommt man, im Internet oder im noch wirklicheren Leben, in die Verlegenheit, mit einem Andersdenkenden sprechen zu müssen. Solche Diskussionen bergen Gefahren. Man kann sich blamieren, weil man im Streit nicht recht behält. Oder man wird am Ende gar von den Argumenten des Gegners überzeugt. Um dies zu verhindern, haben sich eine Reihe von Kunstmitteln bewährt. Die zehn besten seien hier zum allgemeinen Nutzen vorgestellt:

Erklären Sie gleich vorneweg, die ganze Sache sei ohnehin unwichtig und nicht der Rede wert. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, aus dem Gespräch auszusteigen, sobald es irgendwie brenzlig wird.

Behaupten Sie, es seien beide Meinungen gleich berechtigt, weshalb es gar keinen Zweck habe, über die eine oder über die andere zu diskutieren. Es habe eben jeder seinen Standpunkt und damit gut. So ein Unentschieden ist auf jeden Fall immer noch besser als eine Niederlage.

Versichern Sie Ihrem Gegenüber, es sei gar nicht fähig und würdig, über ein so wichtiges und komplexes Problem mitzureden. Es fehle doch erkennbar an Lebenserfahrung, an einem Abitur oder an einem Penis.

Reden Sie nicht über die Meinung Ihres Gegners, sondern über die Gefühle, die dessen Haltung bei Ihnen auslöst. Insbesondere schmerzliche Empfindungen geben Ihnen zweifellos das Recht, die Sache nicht weiter zu besprechen und als Sieger der Herzen das Schlachtfeld zu verlassen. Tränen lügen nicht.

Kritisieren Sie nicht die Argumente Ihres Feindes, unterstellen Sie ihm besser üble Motive. Weisen Sie ihm nach, dass er nur vom Neid angetrieben wird oder als bezahlter Agent finsterer Mächte agiert.

Wechseln Sie im passenden Moment das Thema, vorzugsweise zu einem, das dem Gegner unangenehm ist. Versucht dieser, Sie zurück zur Sache zu rufen, dann werfen Sie ihm vor, er habe wohl etwas zu verbergen und wolle im passenden Moment das Thema wechseln.

Reden Sie ausschließlich in unverständlichen Andeutungen, raunen Sie möglichst vieldeutig, sodass es Ihrem Kontrahenten unmöglich wird, Sie bei irgendeiner konkreten Aussage zu fassen. Werden Sie zum Mäuslein, das dem Jäger stets entkommt, weil es immer ein Schlupfloch in der Nähe findet.

Äußern Sie die Behauptung, auch Hitler, Stalin und Dieter Nuhr hätten in dieser Sache nachgewiesenermaßen die gegnerische Position vertreten, was deren Falschheit, ja Bösartigkeit schon zur Genüge beweise und jede weitere Diskussion überflüssig und sogar gefährlich mache.

Brüllen Sie so laut und ausdauernd Beleidigungen, dass die Stimme des Feindes nie zu hören ist. Halten Sie sich, wenn nötig, außerdem auch noch die Ohren zu. Der Feind wird nach einer Weile entnervt abwinken und verschwinden.

Hauen Sie Ihrem Gegner tüchtig auf’s Maul und laufen Sie dann ganz schnell davon.

Michael Bittner

Zitat des Monats Januar

Die Männer aus den Gesellschaftsklubs und die Arbeiter-Gruppe weichen in den mittleren F[aschismus]-Punktwerten nicht wesentlich voneinander ab. Das wird nur den überraschen, der alle wichtigen Unterschiede in den sozialen Verhaltensweisen aus der sozio-ökonomischen Gruppenzugehörigkeit zu erklären gewohnt ist, und der die Arbeiter als Hauptträger liberaler Ideen sieht. Natürlich wird ihnen auf Grund der gegebenen ökonomischen und sozialen Tatsachen die entscheidende Rolle im Kampf gegen die wachsende Konzentration wirtschaftlicher Macht zufallen, wenn sie im eigenen Interesse handeln, doch wäre es leichtsinnig, die Empfänglichkeit für faschistische Propaganda in diesen Massen zu unterschätzen. Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund für die Annahme, die autoritären Strukturen, mit denen wir uns hier beschäftigen, seien innerhalb der Arbeiterklasse weniger stark entwickelt als in anderen Bevölkerungsschichten.

Erwähnenswert ist, als weiterer Aspekt des „funktionalen“ Charakters des Antisemitismus, daß wir häufig Angehörigen anderer Minderheiten mit stark „konformistischen“ Tendenzen begegneten, die ausgesprochen antisemitisch reagierten. Unter den verschiedenen Fremdgruppen war kaum eine Spur von Solidarität zu finden; vielmehr ist es die Regel, die „Last abzuschieben“, andere Gruppen zu diffamieren, um den eigenen sozialen Status in ein besseres Licht zu rücken.

Schon der beiläufige Blick in das Material genügte, um die Vermutung zu bestärken, daß die sozial Unterdrückten häufig eher dazu neigen, den Druck an andere weiterzugeben, als sich mit ihren Leidensgenossen zu verbünden.

Theodor W. Adorno in: ders., Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson und R. Nevitt Sanford: Studien zum autoritären Charakter (1950)

Julius & Micha bei radio eins

Jede Woche produziert seit einigen Monaten unser Julius Fischer gemeinsam mit dem Kollegen Sebastian Lehmann den Podcast „Zwei zu viel“ für radioeins. Gast der jüngsten Ausgabe vom 26.1.2017 war Michael Bittner. Er las seinen Text Das Lachen der Schweine, führte mit Julius ein Live-Hörspiel auf und plauschte mit beiden Gastgebern über die Weltlage. Wer die Sendung nachhören möchte, klicke einfach hier.

Donnerstag, 12. Januar: Die Dresdner Lesebühne Sax Royal feiert 12. Geburtstag!

Unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal feiert am 12. Januar ihren 12. Geburtstag! Kaum zu glauben, aber wahr: Seit nunmehr zwölf Jahren begeistern die Royalisten allmonatlich in der Scheune ihr Publikum mit Geschichten, Gedichten und Liedern zwischen Tiefsinn und Hochkomik. Humoristischer Ausbruch und literarischer Anspruch schließen sich dabei nicht aus, sondern finden zueinander wie Faust und Auge. Zur Feier des Tages präsentieren die Stammautoren nicht nur wie immer neue Texte, sondern auch einige ihrer größten Erfolge aus den vergangenen Jahren sowie diverse, voraussichtlich größtenteils positive Überraschungen.

Mit dabei ist Michael Bittner, der nach Berlin geflüchtete Kolumnist, Satiriker und politische Verzweiflungstäter. Nicht fehlen darf natürlich auch Julius Fischer, der aus Funk und Fernsehen bekannte komische Liedermacher und Hassyist aus Leipzig. Mitreißende Geschichten im Gepäck hat wie stets Roman Israel, der sich für seine Erzählungen immer öfter durch Reisen inspirieren lässt. Dafür, dass auch die Lyrik ihren gebührenden Platz erhält, sorgt der Dresdner Dichter Stefan Seyfarth.

Außerdem begrüßen die Stammautoren zum Jubiläum auch noch einen Stargast: Michael Schweßinger ist Schriftsteller und Bäcker. 1977 im fränkischen Waischenfeld geboren, lebt und arbeitet er momentan in Bukarest und Leipzig, wo er seit vielen Jahren in der Literaturszene als Autor und Verleger bekannt ist. Immer wieder treibt es ihn durch die Welt, so etwa nach Tansania, Irland und Rumänien. Immer unterwegs ist er auf der Suche nach den dunklen, geheimnisvollen, zerrissenen Helden und ihren verborgenen Geschichten.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne – 12. Geburtstag | 12. Januar | Donnerstag | Einlass: 19:30 Uhr, Beginn: 20:00 Uhr | Scheune | Vorverkauf: 5 Euro zzgl. Gebühr, Abendkasse: 5/7 Euro

Maximen gegen den Verschwörungswahn

Maßgebliche Vorbemerkung: Das Wort „Wahn“ hat hier keine psychopathologische Bedeutung, vielmehr bezeichnet es ein feindbezogenes Denken, das sich beständig selbst die eigene Richtigkeit bestätigt. Auch sind die aufgezeichneten Maximen keine Denkvorschriften. Es handelt sich um Regeln, die mir in den letzten Jahren in den Sinn gekommen sind, wenn ich meine eigenen Gedanken davon abhalten wollte, auf Irrwege zu geraten. Ich bin weit davon entfernt, diese Forderungen selbst immer zu erfüllen.

***

Der Wahn ist nicht das Gegenteil der Vernunft. Er ist Übertreibung, Verlust des Gleichgewichts. Intelligenz schützt ebenso wenig wie Wissen vor dem Wahn. Hat der erst einmal gezündet, wird die Intelligenz zu seinem Antrieb und das Wissen zum Treibstoff.

Gehe davon aus, dass viele Menschen sich der Wahrheit von verschiedenen Seiten nähern können. Wer aber behauptet, ihr alleiniger Besitzer zu sein, hat sie bloß vergewaltigt.

Zweifle an allem, aber zweifle auch an deinem Zweifel. Das sicherste Kennzeichen des Wahns ist selbstgewisse Sicherheit.

Denke daran, dass nichts ohne Ursache ist, aber vieles ohne Absicht geschieht. Es gibt Zufälle.

Ziehe wahrscheinliche Erklärungen unwahrscheinlicheren vor und die langweiligen Erklärungen den interessanten.

Unterstelle keine Bosheit, wo Dummheit als Erklärung ausreicht.

Misstraue jedem Einfall, der dir gefällt. Auch Beifall beweist nichts, am wenigsten der von Freunden.

Suche nach Tatsachen, die deinem Weltbild widersprechen. Konfrontiere jeden deiner Gedanken mit seinem Gegensatz. Spricht mit Leuten, deren Meinungen dir zuwider sind.

Vergiss nie, dass auch deine Gegner einmal recht haben können, selbst wenn sie gewöhnlich lügen.

Der Verblendete vereinigt alle seine Feinde zu einem gewaltigen Popanz; der Kritiker versucht, jedem einzelnen Gegner gerecht zu werden.

Überprüfe, ob das schöne Muster, das du entdeckt hast, in der Wirklichkeit oder doch nur in deinem Kopf existiert. Die Welt ist unendlich, kompliziert und voller Widersprüche – es kann kein Bild von ihr geben, das abgeschlossen, klar und einfach wäre.

Schließe nicht daraus, dass es in der Vergangenheit wirklich Verschwörungen gegeben hat, darauf, dass du es heute wieder mit einer zu tun haben musst.

Verbringe nicht zu viele kostbare Tage mit der Fackel in der Hand in Höhlen, um nach Geheimnissen zu suchen – die meisten Wahrheiten spazieren im hellsten Sonnenschein durch die Straßen.

Erinnere dich an deinen letzten Rausch: Oft hält gerade der Trunkenste sich selbst für völlig nüchtern.

Schau mal ein Weilchen aus dem Fenster, trink ein Glas Wasser und schlaf eine Nacht drüber.

 

Michael Bittner

Zitat des Monats Dezember

Diese verdammten Könige sind hier auf Erden doch nur Schafsköpfe, die zu nichts weiter taugen, als ihre Untertanen zu quälen und die Welt durch ihre abscheulichen Kriege, die ihr einziges Vergnügen sind, in Verwirrung zu bringen.

Rabelais: Pantagruel (1532)

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Liebe Freunde von Sax Royal! Wir wünschen euch und allen euren Lieben ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest! Solltet ihr noch immer den Kauf der Weihnachtsgeschenke vor euch her prokrastinieren, schaut doch mal in die Rubrik Bücher, da findet ihr unsere neuesten Produkte zum Kauf. Wir würden uns sehr freuen, euch am 12. Januar wiederzusehen, wenn wir in der Scheune den 12. Geburtstag unserer Lesebühne feiern – wie immer mit schönen Geschichten, Liedern und einigen Überraschungen. Tickets gibt es schon im Vorverkauf. Schließlich wünschen wir euch und uns noch was: Nämlich, dass das Jahr 2017 wenigstens ein ganz, ganz kleines bisschen weniger beschissen wird als das vergangene Jahr.

Donnerstag, 8. Dezember: Unsere Lesebühne Sax Royal in der Scheune

Sax RoyalWieder am gewohnten zweiten Donnerstag des Monats präsentiert unsere Lesebühne Sax Royal am 8. Dezember ein brandneues Programm in der Scheune. Während im Rest der Stadt Dresden die besinnungslose Besinnlichkeit ausbricht, hemmungslos gestriezelt und totgeköchelter Glühwein vertilgt wird, bleiben wir gewohnt heiter, kritisch und bissig. Unsere Gäste dürfen sich wie stets auf amüsante Geschichten aus dem Alltag der Künstler und auf satirische Attacken auf den Zeitgeist freuen. Aber auch Gedichte und Lieder sind wie immer zu erwarten. Mit dabei sind wie immer: Michael Bittner, der nach Berlin vertriebene Kolumnist und Erzähler, Julius Fischer, der lustige Liedermacher aus Leipzig, Roman Israel, der Romanautor und Weltenbummler und Stefan Seyfarth, der Dresdner Rap-Poet und Lyriker.

Tilman Birr neuAußerdem begrüßen die Stammautoren diesmal auch noch einen besonderen Gast: den Autor, Songwriter und Kabarettisten Tilman Birr aus Berlin, seines Zeichens Mitglied der Lesebühne ihres Vertrauens in Frankfurt am Main und der Lesebühne Zentralkomitee Deluxe in Berlin. Er hat nicht nur zahlreiche Preise eingeheimst, sondern mit dem Buch On se left you see se Siegessäule: Erlebnisse eines Stadtbilderklärers auch einen echten Beststeller geschrieben. Zuletzt erschien seine CD Ich hab ’nen LKW für dich geklaut.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 8. Dezember | Donnerstag | 20 Uhr | Scheune (Alaunstraße 36-40) | Vorverkauf: 5 Euro zzgl. Gebühr, Abendkasse: 5/7 Euro

Max Rademann: „Der barbarische Kalender“

Barbarischer KalenderEs gibt nur ein Wort im Deutschen, das in der Lage ist, beinahe jede Lebenssituation treffend auf den Punkt zu bringen: „Barbarisch!“ Jeden Tag beobachten wir Szenen, die man als barbarisch bezeichnen muss. Dieses wunderbare Wort beschreibt dabei jedoch nicht ausschließlich unangenehme Erlebnisse, nein, es kann ebenso als Ausdruck inniger Begeisterung verwendet werden. Es ist ein Wort von universeller Bedeutung, kraftvoll, schön und immer zutreffend. Der barbarische Kalender von Max Rademann beweist dies an 365 Tagen im Jahr eindrucksvoll. Als Abreißkalender bietet er jeden Tag Erbauung durch neue heitere Zeichnungen. Da er zudem nur Daten, aber keine Wochentage kennt, handelt es sich um einen immerwährenden Kalender.

Erhältlich überall, wo es Bücher gibt!

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