
Am kommenden Donnerstag, den 11. Februar, beginnt nach einem rauschenden Geburtstag im Januar für die Lesebühne Sax Royal das sechste Jahr ihres literarischen Schaffens. Mit frischem Mut und durchweg brandneuen Texten nehmen die fünf Autoren Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth diese Aufgabe in Angriff. Wie immer dürfen die Zuschauer ein buntes Programm von Geschichten, Gedichten und Liedern erwarten, die die Exotik des Alltags einfangen und Nachhilfe im Klassenkampf geben. Wenn alles klappt, gibts in der Bonusrunde ein neues Hörspiel aus Feder und Kehle von BiFi Productions. Los gehts wie immer um 21 Uhr in der Dresdner Scheune.
Vor einer Weile wies ich an dieser Stelle auf die Ausstellung OHNE UNS! hin, die sich mit der Dresdner Kunst und alternativen Kultur vor und nach 1989 beschäftigt. Nicht weniger empfehlenswert ist der Katalog zur Ausstellung, der zahlreiche Aufsätze und Originaldokumente versammelt und fast so etwas wie eine Gesamtdarstellung zur Dresdner Alternativkultur bietet. Eben in diesem Buch stieß ich auf ein interessantes Dokument, das 1988 unter dem Titel ORTS BESTIMMUNG DER ZEIT / DRESDEN EIN DUTZEND JAHRE EINER LITERATUR in der Untergrundzeitschrift “Bizarre Städte” erschien. Wie man schon an der Merk Würdigen Getrennt Und Zusammen Schreibung merkt, war hier die Avantgarde am Werk. Der Autor Manfred Wiemer beschreibt in diesem Text die Literaturszene in Dresden mit Insider-Wissen. Und irgendwie kommt einem da viel bekannt vor:
Eine Dresdner Literaten Szene? sucht man hier die Dichter? [...] Nein, keine Literatenszene. Nie.
Tja, da kann man nur zustimmen.
Da können die Straßen heißen wie sie wollen. Kleist E.T.A. Hoffmann, Tieck, Novalis, Schiller, Jean Paul … fanden sich ein, für Momente. – Aufgeschlossen ist diese Stadt: für die Ankommenden. Aber sie hält keine Dichter.
Wer denkt da nicht an Stefan Seyfarths Verse: “jener, der hier glück und ruh fand / hat stets in den sand geschrieben / wer in der elbestadt besteht / wird tagsdrauf vom wind verweht” (aus: dresden dilemma, 2004)
Sie bezahlt eifrig die Bliemchenliteraten “Zum Margerittentag”. Ein reiches Publikum OBERreferenten OBERlehrer OBERstudienräte OBERärzte OBERkellner OBERloschwitzer steht zur Auswahl, das sich von Kunst mit dem Hauch der avantgarde nicht die Salons beschmuddeln läßt.
Sondern lieber den Turm ungelesen ins Regal stellt?
Eine Stadt, die neue Kunst verhindert. Bewährtes beklatscht: Barock Oper Dixieland
Wie sich die Zeiten ändern! Gut, dass Dresden heute “die dynamischste Stadt Deutschlands” ist (laut Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft).
MYTHOS Dresden? Die konservative Geistelei führt sich selbst vor täglich; man stochert im gesicherten, wo nichts und niemand abrutscht; Intelligenz-Kreise pauken die Vokabeln ihrer Rechtfertigung; und wenn niemandem mehr etwas einfällt, geht man in die Oper.
Und nun zum Ausblick:
Man muß sich nichts vormachen. Eine Emanzipation Dresdner Literatur steht nicht ins Haus.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass der Autor Manfred Wiemer heute Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz der Stadt Dresden ist.
Es nähert sich mal wieder der 13. Februar in Dresden. Gott hat den Jahrestag der Bombardierung diesmal auf einen Sonnabend gelegt, weshalb noch mehr Nazis als sonst anreisen können, um zu demonstrieren. Die CDUFDP hat glücklicherweise reagiert und zumindest Märsche aller Art in der Nähe von Touristen verboten – aus den Augen, aus dem Sinn. Gesetzentwürfe zum Verbot von Menstruationsbeschwerden und Regenwetter sollen schon in der Schublade liegen.
Glücklicherweise sind sich die wenigen Dresdner, die sich überhaupt für die Sache interessieren, darin einig, wen es zu bekämpfen gilt: die Extremisten. Aber wer sind diese Fanatiker, Radikalen, Chaoten und Terroristen? Ganz einfach: all die, die die Ruhe von Unserschönesdresden stören durch unangenehme Kundgebungen. Ob es nicht vielleicht doch einen kleinen Unterschied gibt zwischen den Faschisten und denen, die sich ihnen entgegen stellen? Nicht, wenn man der Logik all jener folgt, für die alle, die sich jenseits der goldenen Mitte bewegen, schon “Extremisten” sind. Die sächsische Politikwissenschaft, das ZDF und die CDU haben in den letzten Jahren einen Begriff zum endgültigen Durchbruch verholfen, der deswegen so erfolgreich ist, weil er das unbestimmte Gefühl der Mehrheit bestätigt: Die Kommunisten waren ja genauso schlimm wie die Nazis, ach was, eigentlich waren die ja dasselbe.
Der Begriff “Extremismus” ist kein wissenschaftlicher. Wissenschaftliche Begriffe haben nur einen Sinn, wenn sie einen Sachverhalt differenzierter begreifen helfen, als das zuvor möglich war. Das Wort “Extremismus” hilft hingegen, Differenzen einzuebnen, Sachverhalte zu verschleiern, falsche Gleichsetzungen zu ermöglichen. Er entlastet das Denken. Deswegen ist er so beliebt.
Man sollte meinen, wenigstens Menschen mit sprachlichem Feingefühl, also Journalisten, sollten dieser Versuchung aus dem Wege gehen können. Aber auch in der Presse hat sich der Begriff mit dem Segen von Verfassungsschutz und Politologie widerstandslos durchsetzen können. Um überhaupt noch Unterschiede zu machen, muss man jetzt also immer von Rechtsextremisten (formerly known as Nationalsozialisten) und Linksextremisten reden. Im letzten Jahr schrieb ein hiesiger Journalist entsprechend über die “rotbraune” Antifa. Was wollte er damit sagen? Dass die Antifaschisten in Wirklichkeit Faschisten sind? Oder dass wir uns – hallo, Simpsons-Fans! – vor den Kommunistennazis hüten müssen? Nein, natürlich: Er wollte uns sagen, dass beide ganz schlimm “totalitär” drauf sind. Was das heißt? Das wusste er sicher selber nicht. Die Antifa meint, dass jede Form öffentlichen Gedenkens an deutsche Opfer dazu dient, einen nationalen Geschichtsmythos zu konstruieren, um die deutsche Kriegsschuld und die Verbrechen der Deutschen zu relativieren. Die Nazis meinen, dass der deutsche Versuch, die halbe Menschheit auszurotten oder zu versklaven, nicht nur nachträglich gerechtfertigt werden kann, sondern auch schnellstens wiederholt werden sollte. Extremisten unter sich?
Das Fatalste am Unwort “Extremismus” ist die Deformation, die es im Denken der Menschen bewirkt. Die Politik wird zur Skala zwischen ganz rechts und ganz links. Zeigerausschläge vom mittleren Normalwert, egal in welche Richtung, machen Angst. Die politischen Differenzen werden zu quantitativen Unterschieden. Genährt wird die Illusion, es gäbe eine “Mitte”, die schon deswegen im Recht ist, weil sie sich in der Mehrheit befindet. Und es gerät in Vergessenheit, dass die Ideologie und Praxis der Nationalsozialisten nicht deswegen bekämpft werden sollte, weil sie “extrem”, sondern weil sie falsch und bösartig ist.
Ich korrigiere mit diesem Text teilweise eine frühere Auffassung, ohne mich ansonsten der Antifa in ihrer Bewertung des sogenannten Gedenkens anzuschließen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Empörung las ich den Artikel in der SZ vom 30./31.01.2010 über Michael Bittners “Erleuchtung”. Wer ist Michael Bittner? Noch nie gehört und wahrscheinlich auch nichts verpasst!
Wer ist der Dalai Lama? Das weiß jeder. Er setzt sich unermüdlich für den Frieden ein.
Warum macht sich Michael Bittner über ihn lustig? Wer ist er und was macht er besser, dass er sich das getrauen kann? Er ist nur so dreist, und nimmt sich dieses Recht einfach raus. Es war schon immer so, dass die dümmsten Menschen sich die größten Frechheiten trauen und keinen Mangel an Selbstwertgefühl haben.
Aber mal ehrlich – den Artikel in der SZ kann man sich sparen. Viel geschrieben und nichts gesagt. Michael Bittner live? Nein danke. Er kann meiner Ansicht nach maximal helfen, die Volksverdummung voranzutreiben.
E***** L******
Eine kleine, aber repräsentative Ausstellung des Werkes der Fotografin Evelyn Richter kann zur Zeit im Loschwitzer Leonhardi-Museum betrachtet werden, was hiermit dringlich empfohlen sei. Zu sehen gibt es natürlich einige jener Schwarzweißfotografien aus dem Alltag der DDR, mit denen die Fotografin besondere Bekanntheit erlangte. Die Bilder konterkarieren das Bau-Auf-Pathos der offiziellen Propaganda, verfallen dabei aber nicht in sentimentale Bebilderung der Tristesse, sondern zeichnen sich durch hintergründigen Witz aus. Von großem Einfühlungsvermögen zeugt eine Serie von Porträts bekannter Persönlichkeiten vornehmlich aus dem kulturellen Leben des Ostens. In einer weiteren Serie sind Bilder ausgestellt, auf denen die Fotografin neben ihrem Objekt zugleich sich selbst als Fotografierende in Szene setzt. Und im Obergeschoss kann man schließlich ihre bebilderte Leidenschaft für die Musik nachvollziehen. Evelyn Richter bezeichnet sich übrigens lieber als Dokumentaristin denn als Kunstfotografin – mit der schlagenden Begründung, der letztere Begriff erinnere sie an Kunsthonig.
Die Ausstellung läuft bis 5. April. Der Eintritt kostet ermäßigt 2 Euro. Öffnungszeiten: Di-Fr: 14-18 Uhr, Sa-So: 10-18 Uhr.
Wenn man sich dafür entscheidet, an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn mit Hilfe einer sogenannten EC-Karte den Fahrpreis zu entrichten, sollte man nicht vergessen, nach Abschluss des Zahlungsvorgangs die Karte wieder zu entnehmen (und nicht etwa stecken zu lassen), denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Karte am nächsten Tag nach der Rückkehr von der Reise als Fundsache im Informationsbüro des Bahnhofes noch aufzufinden sein könnte, ist äußerst gering (“Die Dinger werden alle sofort zerschnitten.”).
Am 27. Januar präsentiert Michael Bittner ein literarisches Solo-Programm im schönen Freiberg. In der Studentenkneipe “Zum Teufel” (Petersstraße 5) liest er als Gast des Alte Mensa e.V. ab 21 Uhr eine Auswahl seiner Geschichten, Kolumnen und Satiren. Ein Abend literarischer Aufklärung, der zugleich nutzen und erfreuen soll.
Wenn man Papiermüll neben einem Wertstoffcontainer abstellt, weil selbiger (wie immer) schon seit Tagen überfüllt ist, sollte man darauf achten, keine Schriftstücke mit dem eigenen Namen zu hinterlassen, da ansonsten möglicherweise eine “Zeugin Frau Schmieder” eine Anzeige beim Ordnungsamt erwirken kann, die zu einem Verwarnungsgeld von 20,00 Euro wegen Verstoßes gegen § 12 Abs. 2 der Abfallwirtschaftssatzung führt.


Am kommenden Dienstag, den 26. Januar, liest unser ebenso großartiger wie sympathischer Kollege Ahne in der Reihe “livelyriX Poetry unlimited” um 21 Uhr in der Scheune. Ahne war lange Jahre Mitglied der legendären Surfpoeten und liest immer noch jede Woche bei der Berliner Reformbühne heim & welt. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt das beim Dresdner Verlag Voland & Quist erschienene Werk “Neue Zwiegespräche mit Gott”. Das Publikum darf sich also auf viele neue Dialoge mit dem Fürsten des Universums freuen. Für musikalische Erquickung wird kein Geringerer als Royalist Marcos Pachaly aka Max Rademann sorgen! Auf seiner elektronischen Orgel wird er wieder Proben seiner unsterblichen Tastenkunst geben.
Liebe Freunde, nach nunmehriger einjähriger Abstinenz meinerseits soll dieser Block etwas von dem schillernden Dings, was mein Leben ist, zurückbekommen. Und mein Leben ist schillernd, wie dieses Foto beweist:

Meine gewohnte Lebenswelt...
Ich lebe im Apostrophen-Zeitalter und diese Menschen dort sind meine Kumpels, Apostrophen, ganz so wie ich.
Aber sei es drum, der Titel dieses Artikels verrät’s: Die Knickgeschichten sind wieder da (Olé!!).
Was Knickgeschichten sind, wurde hier von mir schon einmal ausführlichst erklärt.
Jetzt aber auch schon der Satz der Woche:
Ab heute badet der Gewichtheber auf der Matratze das georgische Erdöl an!
So ist das und nicht anders!