Zwei Monate Bloggen

Zwei Monate sind es nun schon, die unser sax royal Blog online ist – vielleicht auch Zeit, ein erstes kleines Resümee zu ziehen. Zunächst müssen wir uns natürlich bedanken: Bei all den Besuchern, die unsere Seite schneller entdeckt haben als wir selbst geglaubt hätten. Besonders freut es uns, dass so viele von Euch uns auch Kommentare hinterlassen haben. Macht weiter so! Habt ihr Ideen, mit der wir unsere Seite für Euch noch interessanter und nützlicher machen können? Dann nichts wie her damit! Auf alle Fälle kann ich schon einmal versprechen, dass es in nicht allzu langer Zeit auch eine Abteilung geben wird, in der ihr auch Texte von uns in Wort, Ton und vielleicht auch Bild abrufen können werdet.

Was mich selbst angeht: Bloggen macht Spaß! Und auch meine Befürchtung, es wäre eine Qual, regelmäßig Beiträge verfassen zu müssen, hat sich als unbegründet erwiesen. Was mir noch nicht so gefällt, ist die Tatsache, dass unser Blog sich teilweise noch wie ein Veranstaltungskalender ausnimmt. Ich werd versuchen, meine Beiträge in Zukunft noch persönlicher und literarischer zu halten.

Zum Schluss auch Dank an all die Websites und Weblogs, die uns inzwischen verlinkt haben. Wie die Seitenleiste hoffentlich zeigt, revanchieren wir uns gern – unsere Link-Liste scheint mir mittlerweile ein ganz brauchbarer Zugang zur Welt der Lesebühnen-, Slam- und Spoken-Word-Literatur.

Am schönsten aber sind wir immer noch live statt virtuell: Die nächste Lesebühne gibt’s am Donnerstag, den 08. März um 21:00 Uhr in der scheune.

Offene Bühne im Hecht

Seit einem halben Jahr findet jeden letzten Sonntag im Monat die „Offene Bühne im Hecht“ statt. Egal ob Musik, Literatur oder Theater, alles kann hier vor einem äußerst dankbaren Publikum vorgetragen werden und das Beste ist: jeder kann mitmachen.

Dem Zuschauer wird dabei bei kostenlosem Eintritt (sic!) und moderaten Bierpreisen ein vielfältiges Programm geboten.

Wann: 25.02. / 20 Uhr

Wo: E2 (Erlenstraße 2 gegenüber Leonardo)

Warum: Was auf Slams und Lesebühnen nicht erlaubt und verpönt ist, hier habt ihr die Möglichkeit, einmal richtig die Sau rauszulassen! Bringt eure Triangel mit und performt „You are the dancing Queen“ live vor Publikum! Oder kommt mit eurem Kanarienvogel und lasst ihn eure neusten literarischen Ergüsse vortragen!

Kommt zeitig! Die Stühle sind knapp! Wir sehen uns dort!

http://www.offene-buehne-im-hecht.de/

Nils Heinrich in Döbeln

Obwohl nicht weit entfernt von Dresden, war ich noch nie zu einem Auftritt in Döbeln. Im Gegensatz zum wunderbaren Komödianten Nils Heinrich – der prompt sogar vom Lokalfernsehen „waldheimtv“ gefilmt wurde. Und dieser Film, den ich eben im Blog der Lokalrunde gefunden habe, sprengt alle Dimensionen – er ist schlicht und einfach von kosmischer Schönheit und göttlichem Humor! Ich kann’s euch nicht beschreiben – ihr müsst ihn unbedingt HIER anschauen – und wenn ich sage unbedingt, dann meine ich UNBEDINGT !!!

Der Beitrag ist auch an anderer Stelle online – Nils Heinrich hat ihn bei Clipfish hochgeladen.

Slam am 16.02.

Stefan und ich hatten gestern wieder einmal die Ehre, den livelyriX Poetry Slam in der scheune moderieren zu dürfen. Was uns beim letzten Mal wie eine einmalige Schickung Gottes vorkam, scheint sich nun regelmäßig zu wiederholen: Wieder standen mehr als 300 Menschen vor dem Eingang und harrten in der Kälte geduldig aus, so als würde oben Nirvana ein Reunion-Konzert spielen. Wieder mussten wir schweren Herzens einige der Zuspätgekommenen wegschicken, weil der Saal schlicht und einfach voll war. Und wieder trieb die Stimmung des Publikums von Anfang an die Poeten zu Höchstleistungen.

Eine ganze Abordnung aus dem Nordwesten begeisterte schon in der Vorrunde: MaYa Birken, die auch als Verlegerin von zeter & mordio im Bereich Spoken Word unterwegs ist, entlarvte die Ideologie der Frauenzeitschriften, bevor Markus Freise, der Autor des Hörbuchs Still Trying to Write Love Songs über eine fast misslungene Frustsauftour erzählte. Marc-Oliver Schuster aus Lage machte seinem Nickname „Die Katze“ (sorry, Julius!) mit der Geschichte Katze ist krank alle Ehre. Und Mischa-Sarim Vérollet, wie die beiden ersten aus Bielefeld, versuchte sich selbst durch den akustischen Genuss von SLAYER zu vermännlichen. Aus dem heimischen Osten waren aber auch Dichter zum Wettbewerb angetreten: Stammgast Uwe Gaitzsch aus Dresden trug ein Gedicht gegen Blumen vor. Ein Team namens Lazlo & Trashokowsky performte, ohne ihre Gitarre, die wir ihnen regelgemäß verbieten mussten, Beat-Poesie. Markus Klose aus Görlitz erzählte von einer früh gestrandeten Bootsfahrt auf der Spree. Jens Kassner aus Leipzig war zum ersten Mal da und überzeugte prompt mit einer sehr schwarzhumorigen und gelungenen Geschichte eines Paars, das aus Liebe einen schwungvollen Organhandel in Gang setzt. Unser Max vertrat die Lesebühne sax royal würdig mit seiner Sage vom Männlein mit dem güldenen Schnurrbart. Und last but not least muss ich natürlich noch unseren besonderen Gast von der Chaussee der Enthusiasten aus Berlin erwähnen: Jochen Schmidt, der in der Reihe „Meine wichtigsten Körperfunktionen“ seine Ängstlichkeit gegenüber Kinderkrankheiten und Unfällen aller Art gestand.

Es konnten nur drei Poeten ins Finale gelangen – und das Publikum entschied sich für Mischa aus Bielefeld, Marc-Oliver Schuster aus Lage und Jochen Schmidt aus Berlin. Mischa und Marc-Oliver benutzen den Finalauftritt um zu beweisen, dass auch ernste und mit großer Leidenschaft vorgetragene Texte über das Ende von Beziehungen auf der Bühne des Poetry Slams ihren Platz haben. Jochen Schmidt verzichtete dagegen nicht auf Pointen, überzeugte aber einmal mehr vor allem durch seine präzise und auch sich selbst gegenüber schonungslose Beobachtungsgabe. Den Text hatte er seinem – inzwischen abgeschlossenen – Blog Schmidt liest Proust entnommen.

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Stefan und ich konnten uns beim abschließenden Applaus nicht zwischen Jochen und Marc-Oliver entscheiden – also gab es diesmal gleich zwei Gewinner. Gratulation! Und dieser Slam hätte wirklich noch mehr Sieger verdient gehabt …

Knickie Nr.4

Und wieder eine allseits beliebte Knickgeschichte, diesmal sehr sehr traurig im Sinne von traurig:

Nie höre ich neben der bärtigen Frau den Mond.

Na dann!

Skandal !

Seit Jahren treffen sich die Poeten der Dresdner Lesebühne sax royal allwöchentlich zum Dichterstammtisch in Hebeda’s Familieneinkehr. Keinem unserer Gäste haben wir diese wunderbare Lokalität, in der sich die Dresdner Lumpenbohème planmäßig um den Verstand trinkt, vorenthalten. Die Luft ist üblicherweise zum Schneiden dick, der Rauch begrenzt die Sichtweite auf 50 cm, man ist glücklich, wenn man am Wochenende noch einen Stehplatz ergattert. Besonders lockte uns aber eins: Der halbe Liter Beck’s kostete 1,80 € – das Hebeda’s war unser ganz persönlicher Beckstageraum.

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Doch welcher Schreck fährt Roman und mir in die Glieder, als wir uns heute Abend wie gewohnt an unseren reservierten Tisch setzen! Das Beck’s kostet jetzt 1,90 €! Was sollen wir tun? Aufhören zu trinken?! Einen Boykott einleiten?! Die UNO kontaktieren?! Uns eine neue Stammkneipe suchen?! Vielleicht das Bautzner Tor oder Leo’s Bierstube?! Wenn ihr uns helfen könnt, scheut euch nicht, uns unter „Kommentare“ Ratschläge zu erteilen.

13. Februar

Es naht wieder einmal der Jahrestag der Bombardierung Dresdens – und mit ihm der alljährliche Naziaufmarsch. Zu diesem Anlass haben mich zwei Aufrufe erreicht, die ich Euch nicht vorenthalten will:

Die zivilgesellschaftliche Gruppe Bürger.Courage, ein Freundeskreis gegen rechtsextremes Denken, ruft Euch dazu auf, unter dem Motto „Diese Stadt hat Nazis satt“ an der offiziellen Gegendemonstration teilzunehmen, die um 17:00 Uhr am Albertplatz startet.

Wem das zu brav ist, der interessiert sich vielleicht für die antifaschistische Demonstration „Deconstruct!“, die ab 16:00 Uhr vor der Altmarkt-Galerie (Dr.-Külz-Ring) gleich gegen das gesamte Gedenken an die Bombardierung Dresdens antritt. Motto dieser Veranstaltung: „Gegen jeden Geschichtsrevisionismus! Deutsche TäterInnen [sic!] sind keine Opfer!“ Welch wunderbar humoristische Blüten doch die Political Correctness treiben kann. Könnten doch die Jungs [und Mädels!] von der Antifa über sich selbst lachen, sie wären die heitersten aller Zeitgenossen.

Zitat des Monats Februar

Hier schon wieder eine neue Rubrik – das Zitat des Monats. Alle, die bei der letzten Lesebühne zu Gast waren, kennen es schon. Allen anderen sei es hier nachgereicht. Das Zitat für den Monat Februar, nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des Stadtmagazins DRESDNER, stammt vom Sänger der vielversprechendsten, am höchsten gehandelten und alternativsten Band Dresdens namens Polarkreis 18:

Interviewer: Felix, mir ist aufgefallen, dass du auf dem neuen Album die Stimme vielseitiger einsetzt. Was ist dir wichtiger: Die Inhalte oder das Gefühl?

Felix: Das Gefühl auf jeden Fall. Es geht nicht um das, was man singt, sondern wie man es rüberbringt.

The next Breaking Story

Eine neue Knickgeschichte findet den Weg in den Olymp des Bloggens, den Sax Royal-Block. Auch ich möchte an dieser exponierten Stelle meiner Freude über die gestrige Lesebühne Ausdruck verleihen, sage DANKE und YEAH YEAH YEAH.
Die neue Geschichte:

Während der Klausur verliebte sich der Maulwurf im Schlachthof in den Pferdeflüsterer.

Wenn das mal keine Hoffnung macht.

Woche der Kontraste

Es kommt vor, dass man von Zeit zu Zeit – angeschlagen von der Vielzahl der Auftritte – vergisst, was man eigentlich an seiner literarischen Subkultur hat. Doch dann hat man wieder einmal die Ehre, an einer herkömmlichen Lesung der traditionellen Subventionskultur teilzunehmen und weiß wieder, warum man sich – ihrer einmal entwöhnt – nicht mehr so recht dafür begeistern kann.

So saß ich jüngst in einem Dresdner Theater, vormittags, und war eingeladen, aus Uwe Timms autobiografischer Erzählung Am Beispiel meines Bruders zu lesen. Die Presse hatte von der Veranstaltung irgendwie keinen Wind bekommen. Den Eintritt bezahlt haben dann acht Leute, von denen ich vier eingeladen hatte. Danke, Schatz! Die waren aber sehr gut betreut: von einer Kassiererin, zwei Garderobenfrauen, einem Techniker, dem Theaterchef und der künstlerischen Leiterin, die sich so intensiv auf das Thema (Zweiter Weltkrieg, Nazis und so) vorbereitet hatte, dass ihr bei der Vorstellung mein Name entfallen war. Immerhin blieben bei der unvermeidlichen Podiumsdiskussion im Anschluss die üblichen Wortmeldungen von Selbstdarstellern aus und es kam ein ganz angenehmes Gespräch zu Stande. So ein intimer Rahmen hat ja auch Vorteile.

Ach, wie erquickend und belebend war dann die gestrige Lesebühne! Es war sicherlich eine der schönsten überhaupt bisher, ungefähr 80 sehr aufgeschlossene und heiter gestimmte Leute lauschten unseren neuesten Texten. Ich geb’s zu, ein wenig stolz bin ich schon auf meine Geschichte mit dem Titel Franziska und der Kaffeehausstecher – aber ich wurde dazu auch inspiriert von den zwei ebenso talentierten wie reizenden Leipziger Autorinnen Franziska Wilhelm und Clara Ehrenwerth, die ich von dieser Stelle aus mal herzlich grüßen möchte. Ich freu mich schon wie Bolle auf die nächste Lesebühne am 08. März – dann habe ich hoffentlich auch meine nächste Georg-Geschichte fertig. Und Max wird endlich seine größten Erfolge live an der Orgel präsentieren!

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