Slam am 16.02.

Stefan und ich hatten gestern wieder einmal die Ehre, den livelyriX Poetry Slam in der scheune moderieren zu dürfen. Was uns beim letzten Mal wie eine einmalige Schickung Gottes vorkam, scheint sich nun regelmäßig zu wiederholen: Wieder standen mehr als 300 Menschen vor dem Eingang und harrten in der Kälte geduldig aus, so als würde oben Nirvana ein Reunion-Konzert spielen. Wieder mussten wir schweren Herzens einige der Zuspätgekommenen wegschicken, weil der Saal schlicht und einfach voll war. Und wieder trieb die Stimmung des Publikums von Anfang an die Poeten zu Höchstleistungen.

Eine ganze Abordnung aus dem Nordwesten begeisterte schon in der Vorrunde: MaYa Birken, die auch als Verlegerin von zeter & mordio im Bereich Spoken Word unterwegs ist, entlarvte die Ideologie der Frauenzeitschriften, bevor Markus Freise, der Autor des Hörbuchs Still Trying to Write Love Songs über eine fast misslungene Frustsauftour erzählte. Marc-Oliver Schuster aus Lage machte seinem Nickname „Die Katze“ (sorry, Julius!) mit der Geschichte Katze ist krank alle Ehre. Und Mischa-Sarim Vérollet, wie die beiden ersten aus Bielefeld, versuchte sich selbst durch den akustischen Genuss von SLAYER zu vermännlichen. Aus dem heimischen Osten waren aber auch Dichter zum Wettbewerb angetreten: Stammgast Uwe Gaitzsch aus Dresden trug ein Gedicht gegen Blumen vor. Ein Team namens Lazlo & Trashokowsky performte, ohne ihre Gitarre, die wir ihnen regelgemäß verbieten mussten, Beat-Poesie. Markus Klose aus Görlitz erzählte von einer früh gestrandeten Bootsfahrt auf der Spree. Jens Kassner aus Leipzig war zum ersten Mal da und überzeugte prompt mit einer sehr schwarzhumorigen und gelungenen Geschichte eines Paars, das aus Liebe einen schwungvollen Organhandel in Gang setzt. Unser Max vertrat die Lesebühne sax royal würdig mit seiner Sage vom Männlein mit dem güldenen Schnurrbart. Und last but not least muss ich natürlich noch unseren besonderen Gast von der Chaussee der Enthusiasten aus Berlin erwähnen: Jochen Schmidt, der in der Reihe „Meine wichtigsten Körperfunktionen“ seine Ängstlichkeit gegenüber Kinderkrankheiten und Unfällen aller Art gestand.

Es konnten nur drei Poeten ins Finale gelangen – und das Publikum entschied sich für Mischa aus Bielefeld, Marc-Oliver Schuster aus Lage und Jochen Schmidt aus Berlin. Mischa und Marc-Oliver benutzen den Finalauftritt um zu beweisen, dass auch ernste und mit großer Leidenschaft vorgetragene Texte über das Ende von Beziehungen auf der Bühne des Poetry Slams ihren Platz haben. Jochen Schmidt verzichtete dagegen nicht auf Pointen, überzeugte aber einmal mehr vor allem durch seine präzise und auch sich selbst gegenüber schonungslose Beobachtungsgabe. Den Text hatte er seinem – inzwischen abgeschlossenen – Blog Schmidt liest Proust entnommen.

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Stefan und ich konnten uns beim abschließenden Applaus nicht zwischen Jochen und Marc-Oliver entscheiden – also gab es diesmal gleich zwei Gewinner. Gratulation! Und dieser Slam hätte wirklich noch mehr Sieger verdient gehabt …

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  1. Vielen Dank für einen unglaublichen Slam! Und Respekt an dieses grandiose Publikum.

    Comment von Mischa — 19. Februar 2007 #

  2. Bei Euch tobt das Leben und ich sitzt hier in Hamburg… So ein Mist! Wär gern dabei gewesen… Grüße Steffen

    Comment von Steffen Haas — 20. Februar 2007 #

  3. Ja, da kann ich mich Mischa nur anschließen. Das war ein toller Slam und hat sehr viel Spaß gemacht bei Euch. Super Location, geniales Publikum, nette Veranstalter. Da bin ich trotz vier Stunden Fahrt gerne wieder mal dabei. Grüße! 🙂

    Comment von maYa — 27. Februar 2007 #

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