
Unglaublich, dieser Fischer! Unser Julius hat auf seiner Bayern-Tournee wieder unglaublich abgeräumt und sowohl in Regensburg (zusammen mit Lars Ruppel und Volker Strübing) als auch in München (zusammen mit Sebastian Krämer) Siege eingefahren. Im Claudio-Poetry-Blog wird er vom Münchener Slam-Magnaten Ko Bylanzki als “einer der besten Storyteller Deutschlands” gefeiert.
Julius, schreib uns doch bitte schnell, wie’s war!
Hab mir heute nach längerer Pause mal wieder ein Exemplar der Dresdner Lokalpostille namens Sächsische Zeitung gekauft – darin unvermeidlicherweise auch das Wochenendmagazin, das wie immer gewohnte Qualität bietet: Im “Porträt der Woche” wird uns Kathrin Geibert vorgestellt, die in Riesa das Geschäft Tabak-Spezial betreibt, in der Rubrik “Sachsens Verleger” erfahren wir, dass Peter Rölke Bücher für Kletterer, Naturfreunde und Wanderlustige macht und eine ganze Seite “Lebensart” steht unter dem Motto “Deftiges aus Omas Mehlsack”.
Den größten Teil aber bestreiten Stefan Schirmer und Frank Tausch mit einer Reportage über ebenso öffentlichkeitswirksame wie kurzlebige Panikwellen mit dem Titel “Auf dem Rummelplatz der Hysterie“. Neben BSE, SARS und der Vogelgrippe vergessen die beiden sächsischen Enthüllungsjournalisten auch nicht, die Debatte um den Rechtsextremismus zu erwähnen: “Nachdem ein Deutsch-Äthiopier in Potsdam angeblich von Rechtsradikalen ins Koma geprügelt worden war, entbrannte eine Debatte über No-go-Areas. Es entstand der Eindruck, in weiten Teilen Ostdeutschlands regiere der braune Mob.” Gut, dass der Hype vorüber ist!
Warum nur wollen bloß alle nach Berlin?
Im ICE nach Leipzig sitze ich neben einem jungen westdeutschen Paar, offensichtlich auf dem Rückweg von einer unwillkommenen Geschäftsreise in den Osten – Phänotyp „in der Werbung“ oder „was mit Medien“. Ein ängstliches ostdeutsches Rentnerehepaar stolpert verwirrt durch den Gang. Sie schauen sich Hilfe suchend nach einem Platz für ihre monströsen Koffer und Taschen um, aber trauen sich natürlich nicht, jemanden danach zu fragen – sie sind schließlich Ossis. Als sie sich dem Gepäck der jungen westdeutschen Frau nähern, weist diese ihnen den Weg: „Da hinten ist eine riesengroße Gepäckablage!“ Die zwei Alten lächeln verkniffen, nicken und stolpern weiter. „Ich stelle mein Gepäck lieber wieder auf den Boden“, fährt die junge Frau fort, „Sonst kommt wieder einer von DENEN. DIE fragen dich ja nie. DIE fassen deine Sachen ja einfach so an. Das finde ich immer ein bisschen befremdlich.“ Und ich denke, dass ich eher Leute befremdlich finde, die das Wort „befremdlich“ benutzen. Kein Wunder, dass man im Osten Leute aus dem Westen zum Kotzen findet.
Im InterCity nach Hannover setzen sich drei Männer und eine junge Frau aus dem Osten an den benachbarten Tisch. Mit Hilfe ihrer Schals und der Fahne, die sie am Zugfenster befestigen, geben sie sich selbst ostentativ als Fans von Energie Cottbus auf dem Weg in den Westen zu erkennen. Sie breiten eine mitgebrachte Tischdecke aus und verzehren gut gelaunt Wurstbrote mit Spreewaldgurken. Ab und an höre ich es ploppen, wenn ein neues Bier geöffnet wird. Es ist halb zwölf am Vormittag. Während die Jungs sich über Fußball unterhalten, spielt die junge Frau mit einem mitgebrachten Laptop. „Ich hab ja keen Kompjuta.“ „Keen Kompjuta, echt jetze? Dann haste ooch keen Intanet?“ „Nee, braucht man das denn jetze?“ „Na aber, Intanet? Das is doch nu aber fast, möcht ich sagen, unvazichtba, oder?“ Die junge Frau stimmt ihrem Freund zu, ohne vom Bildschirm aufzublicken. Ein westdeutsches Ehepaar mittleren Alters sitzt neben mir und wirft irritierte bis ärgerliche Blicke hinüber zu den rülpsenden Brüdern und Schwestern aus der Zone. Im Gegensatz zu mir können sie der Situation eben kein ethnologisches Interesse abgewinnen. Kein Wunder, dass man im Westen Leute aus dem Osten zum Kotzen findet.
Continue reading Einmal Essen und zurück…
Liebe Freunde der Fernsehunterhaltung, endlich, ENDLICH ist es soweit. Am 8.April wird im WDR um 0.00 Uhr (nach ZimmerFrei!) der Poetry Slam ausgestrahlt, an dem ich mitgewirkt habe. Es ist eine Wucht! Also, wenn ihr nichts vorhabt. Gucken!
Ansonsten natürlich immer SOnntags mit anderen großen Slammern und Slammerinnen.
Viel Spaß.
Ich sage Hallihallo,
heute Abend ist Lesebühne, ich freue mich mächtig gewaltig und aufgrund dessen und aufgrund meiner allseits guten Laune hier mal wieder eine höchst kryptische Knickgeschichte. Dazu ist anzumerken, dass einem die feste Form der Knickgeschichten manchmal einen Streich spielt, bspw. wenn Hilfsverben wie müssen eingetragen werden, hier ein darauf wie Deckelchen auf Töpfchen passendes Exempel:
Am letzten Tag müssen wir auf Sizilien Adolf Hitler.
Wahnsinn. Papa Dada hätte seine Freude damit.
Bildet Euch. Lest Charms und Prokowjew.
Bei der Dresdner Lesebühne sax royal präsentieren wieder die fünf Stammautoren ihre brandneuen Geschichten, Gedichte und Hörspiele. Es lesen in fliegendem Wechsel: Roman Israel, der von seinem Helden Zschaschik erzählt, Julius Fischer, der vom WDR als Nachfolger für Sabine Christiansen vorgeschlagen wurde, Michael Bittner, der sich von seiner Heimat Pieschen inspirieren lässt, Max Rademann, der erzgebirgische Erzphilosoph und Stefan Seyfarth, der Nachtschwärmer mit den ausgeschlafenen Texten.
Scheune | 08.03.07, Donnerstag | 21.00 Uhr | 4,- (erm.) / 6,- Euro
Yeah, nehmt dies!!!
Nun, weil Johann Wolfgang Goethe high noon riesenkrass auf der Kellertreppe mit Bier betrügt, bläst Gott die Mutti, da Marlene alternierend Holger häkelt.
Was für ein Satz, Herr Sasse, was habe ich gefeixt, sie können sich das nicht vorstellen!!!
Aus unterschiedlichsten Gründen entschlossen sich die Herren Seyfarth („Musste mal wieder raus!“), Bittner („Ich hab doch nischt zu verlieren, du Homo!“) und Fischer („egomane Ruhmsucht!“), eine kleine Lesetour zu machen, die sie in den Süden und das grüne (sic!) Herz der Republik führte. Während Fischer seine Semesterferien dazu nutzt, so viele Orte wie möglich abzuarbeiten, an denen man vorlesen und trinken kann, hat es für die beiden erstgenannten nur für eine kleine Tour gereicht, umso erfolgreicher und schöner, dass am ersten Abend im Café Atlantik in Freiburg, eingeladen von Sebastian23 vor marodierender Menge das gesamte sächsische Team das Finale des dortigen Poetry Slams abwickeln konnte. So gingen also die drei Preise (3. Ein sehr schlechter Whiskey, 2. Ein Bourbon – Bourbon!!!, 1. Ein Johnny) an Seyfe, Julio Pescatores und an den Sieger des Abends, Michael „Lausitz-Plautze“ Bittner, der sich wieder einmal zum „Freak“- Sein bekannte. Weitere Poeten des Abends waren Nadja Schlüter, Grohacke, Wolf Hogekamp und Poeten aus der Region, allen voran Gereon, der goldene Adler, ein Verrückter mit Zöpfchen und einem lilafarbenen Poncho, der Rudolf Steiner bereimte. Freiburg!
Es wurde munter getrunken bis in die Dämmerung. Das hielt uns jedoch nicht davon ab, am nächsten Tag gut gelaunt nach Marburg zu fahren, Marburg sage ich, das seinem jüngsten und doch größten Spross Lars Ruppel beim abendlichen Slam alle Ehre machte, was wohl bedeuten soll, dass sie in Scharen kamen. Es waren doppelt so viele wie in den beschaulichen Club hinein passten, was uns dazu bewog, einfach zwei Slams zu machen. Es scheiterte letztendlich an der Technik. Auch an diesem Abend war das Feld hochkarätig und nicht alle Sachsen schafften es, das Publikum an seiner kitzeligsten Stelle zu kitzeln. Nur einer war da, der sich an allen vorbei schwang, an Seyfe und Bitte, an Wolf Hogekamp, an Peter Janicki, an den beiden Tobis (Kunze und Heyel), an Sulaiman aus Paderborn (dessen Name auf der Slamlandkarte wohl noch eine kleine Schneise ziehen wird, sagt mir mein linkes Knie) und an all den anderen – Ich.
Es war ein typischer Fischer-Abend: Gleich als erster dran und darüber so erbost, dass er seinen Text dem Publikum dermaßen entgegen schrie, dass es nicht anders konnte, als ihn ins Finale und von dort weiter in den seligsten aller Himmel zu schicken.
Auch hier wurde munter getrunken bis in die Dämmerung.
Für Stefan war die Tour am Samstag vorbei, er sehnte sich nach seinen Lieben in Tres(d)en (Was ein Wortspiel!), Micha und ich fuhren zu mir, um am Sonntag in Jena zusammen mit Udo Tiffert und Christian Meyer den grandiosen Klub Kryptonym: Farce aufzuführen, eine Veranstaltung von Christian und mir, bei der wir uns immer zwei Autoren einladen und die dann lesen lassen oder strippen, je nach Lust und Laune. Wir haben Hölderlin gerappt! Hölderlin! Dio-Dio-Dio-Diotima! Was war das schön. Danke an dieser Stelle an Michael und Udo, an Stefan, Sebastian und Lars und all die anderen für unvergessene und jetzt auch endlich verarbeitete Stunden. Ich freu mich auf nächstes Mal.