Nach längerer Zeit mal wieder eine Reise, der man den Titel des (leider eingeschlafenen) Blogs von Mischa Vérollet geben könnte: Mit Text und Schlafsack. Stefan und ich waren eingeladen, beim allerersten Poetry Slam in Eisenach mitzuwirken. Organisiert und moderiert wurde das Ganze vom sympathischen Gastgeber Julian Gerhard, der seine Arbeit beim Jugendtheater Eisenach nutzte, um seine Chefin für die Idee zu begeistern, einen Poetry Slam veranstalten zu dürfen. Mit vollem Erfolg! Zwar nahmen nur fünf Autoren teil, das Publikum strömte dafür umso reichlicher. Und es war mal wieder eine interessante Erfahrung, die Reaktion von Menschen zu sehen, die ohne alle Vorkenntnisse und -urteile einem für sie noch ganz neuen Literaturformat begegnen und sich binnen weniger Minuten mitreißen lassen. In solchen Momenten wird jedem noch so skeptischen Zeitgenossen deutlich, dass da doch irgendwas dran sein muss am Phänomen “Poetry Slam”. Aber gut, mein Lob mögen kritische Zeitgenossen vielleicht dadurch entwerten wollen, dass sie auf das Freibier, den selbst gemachten Nudelsalat und den Siegerpokal hinweisen, mit dem die gewieften Thüringer mich bestochen haben. Sei’s drum! Ich wünsche dem Eisenacher Poetry Slam … eine Zukunft, eine erfolgreiche würde es auf alle Fälle werden.
Heute war ich gemütlich Eis schlecken an der Schauburg, ich esse dort immer die „Kinderbombe“ mit viel Schlagsahne und Smarties oben drauf. Und da ess ich so gemütlich in mich rein und da kommt einer mit zerzausten Haaren und verfaulten Zähnen und will Kleingeld von mir, angeblich für einen Obdachlosen. Und ich denke: Du spinnst wohl, du kriegst gar nichts von mir! Und da hat der mich einfach angespuckt. Einfach so.
Ja, ist das nicht eine Frechheit, wie man in unserem schönen Dresden behandelt wird? Erst wird die Stadt mit hässlichen Bauwerken verschandelt (ich erinnere an die neobarocken Bausünden um 1900, das Rundkino zu DDR-Zeiten und nach der Wende den Postplatz und nicht zu vergessen: die Feuertreppe am Pirnaischen Platz) und jetzt das. Ja, müssen wir uns das bieten lassen? Ich meine: Nein!
Also: Dresdner dieser Stadt: Auf die Barrikaden! Das Altbewehrte bewahren! Kein Geld für neue Seltsamkeiten!
Gülz (Dichter)
Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich jemandem erzähle, ich würde „nach Hause“ fahren, wenn ich auf dem Weg nach Dresden bin. Eigentlich bin ich ja woanders „zu Hause“. Zumindest war ich es. Und eigentlich ist es ja schön, aus der Stadt mal wieder raus aufs Land zu fahren. Man lernt die Heimat in der Fremde wieder schätzen oder zumindest ertragen, wenn man nicht mehr auf sie angewiesen ist. Wenn ich in den letzten Jahren „nach Hause“ aufs Land fuhr, dann meistens, weil ich einen Termin bei meiner Zahnärztin hatte. Das war sicher nicht sehr geschickt, verbinden sich doch so alle meine Heimatbesuche mit Schmerzen. Als Pawlowscher Hund müsste ich aufheulen, jedesmal wenn jemand die Worte „nach Hause“ in den Mund nähme. Ich habe es aus irgendeinem Grund nie fertig gebracht, mir einen Zahnarzt in Dresden zu suchen. Schmerzen sind eben doch Vertrauenssache. Jetzt geht meine Zahnärztin in Rente und mir wird nichts anderes übrig bleiben.
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Jeden zweiten Donnerstag des Monats gehört seit mehr als zwei Jahren die Bühne der scheune den Autoren der Dresdner Lesebühne sax royal und ihren brandneuen Geschichten, Gedichten, Songs und Hörspielen – so auch wieder am Donnerstag, dem 10. Mai. Ab 21:00 Uhr lesen in fliegendem Wechsel: Stefan Seyfarth, der Nachtschwärmer mit den ausgeschlafenen Texten, Michael Bittner, der Entdecker der Poesie der Wirklichkeit, Roman Israel, der Dresdner Chefdramatiker, Julius Fischer, bekannt aus Funk und Fernsehen und Max Rademann, der die geheimen Sagen des Erzgebirges auf dem Dachboden seiner Großmutter entdeckt hat. Als besondere Zugabe haben diesmal Roman Israel und Harry Haninger ein kleines Programm aus ihrer Reihe “Lyrik und Gitarre” vorbereitet.
[Da war sie auch schon wieder vorbei, unsere Lesebühne im Mai. Danke an alle Besucher! Wenn ihr Kommentare habt, kritische oder lobende oder sonstige, dann freuen wir uns auf eure Meinung, die ihr hier eintragen könnt.]
Vor ein paar Tagen wurde in Dresden, gleich bei mir um die Ecke, ein 26-jähriger Türke von drei Schlägern überfallen und verprügelt. Nach Zeugenaussagen soll einer der drei Männer, die noch einen Hund mit sich führten, das Opfer zuvor in der Straßenbahn rassistisch beleidigt haben.
Was sagt die sächsische Polizei dazu? “Ein ausländerfeindlicher Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden“, so ihr Sprecher.
Mensch, wenn die sächsische Polizei nicht so auf Draht wäre, die Nazis hätten wirklich leichtes Spiel.
Heute las ich in der Sächsischen Zeitung vom MDR-Literaturpreis. Die Redakteurin schwärmte geradezu vom Sieger und lobte seinen und auch alle anderen Sieger-Texte als stilistisch einwandfrei, denn die Preisträger hatten pflichtgemäß (!) und meisterhaft den Judith-Hermann-Stil kopiert. Als ich das gelesen hatte, dachte ich, mich hackts. „Sind die total bescheuert!“, brüllte ich meine Freundin an. Und fast hätte ich mich dabei an meinem Müsli verschluckt.
Gestern hatte ich bereits Teile des Siegertextes im Radio gehört und heute im Internet gelesen und kann dem Sieger nur mein Bravo bekunden, einen „brisanten“ Stoff auf derart langweilige Weise darzubieten, das können doch eigentlich nur Leute, die an Literaturinstituten studiert haben.
Mit kleinen pseudo-witzigen Wörtchen wie „Arsch“ wird versucht Radikalität vorzutäuschen. Und das mit Erfolg. Die Rentner schütteln empört darüber den Kopf und die Juroren haben sich schon vor Wochen ihren Teil dazu gedacht: Mensch, der ist aber krass und vor allem lustig: ha ha ha. „Witzigkeit kennt keine Grenzen!“
Ewige Rückblenden, Beschreibungen und ewig lange Gedankengänge im Text, den ich persönlich in drei/vier Sätzen abgehandelt hätte, lassen mich fragen: was will denn der Text überhaupt von mir? Berührt er mich? Nein! Macht er Lust auf mehr? Nein! Hat er einen Nutzen? Nein! Wie viele ähnliche Texte zu solch überaus „brisanten“ Themen, wie sie in der SZ aufgeführt werden (alternde Männer/Frauen, demente Mutter im Altersheim, alkoholkranker Vater in der Klinik etc.) gibt es bereits: Mehr als eine Million.
Fazit: Die „neue“ deutsche Literatur wird dem „neuen“ deutschen Fernsehen immer ähnlicher: Keine Lust auf Experimente. Ergo: Wiederholungen, tote Hose, Stagnation.
Gestern besuchte ich nach einer – mir jetzt selbst nicht mehr nachvollziehbaren – mehr als einjährigen Pause mal wieder den livelyriX Poetry Slam in Leipzig. Den gibt’s bekanntlich schon länger als unsere Dresdner Schwesterveranstaltung und in der Frühphase unseres Poetry Slams im Studentenclub Bärenzwinger (die Älteren werden sich erinnern) leisteten oft Leipziger Poeten bei uns Entwicklungshilfe. Ich war neugierig, wie sich die Veranstaltung wohl in der Zwischenzeit entwickelt haben würde – und kann nur sagen: zum allerbesten.
Immer eine Reise wert ist eigentlich schon der Regionalexpress “SAXONIA” zwischen Dresden und Leipzig. Ich teilte mir ein Sachsen-Ticket mit einem jungen Franzosen, der ein freiwilliges soziales Jahr in Weimar absolviert. Ich kramte mein schlechtes Französisch hervor, um ihm mitzuteilen, dass ich schon mal Paris besucht hatte. Er sagte mir in gutem Deutsch, er sei noch nie in Paris gewesen. In der Etage unter uns stimmte während der Fahrt derweil eine uniformierte und alkoholisierte Fußballmannschaft einen (ja, nur einen) Gesang an: Zur Melodie von Yellow Submarine, “Wir ham alle Stadionverbot, Stadionverbot, Stadionverbot …” Glückwunsch und Beileid an alle, die musikalisch genug sind, um jetzt im Kopf mitzusingen.
Beim Veranstaltungsort Ilses Erika angekommen, setzte ich mich zunächst mit einem Bier und einer Currywurst in den angeschlossenen Biergarten, wo mein Freund und Kollege Julius Fischer seit neuestem als Barkraft seinen Charme in Trinkgeld umsetzt. Es war sein zweiter Arbeitstag und er machte seine Sache schon sehr professionell. Nach Spätshopverkäufer Stefan nun also der zweite Royalist, der sein Geld mit dem Verkauf von Alkohol verdient. Der Poetry Slam selbst war dank eines durchaus kritischen, aber gleichzeitig sehr begeisterungsfähigen Publikums eine wunderbare Sache. Sehr positiv fiel mir auch die Moderation von “Matze” Spengler auf, der souverän und mit trockenem Humor durch den Abend führte. Bei einem Poeten blitzte auch mal wieder die Unberechenbarkeit auf, die den Poetry Slam so eigenwillig macht: Ein Hobbypoet aus Leipzig-Grünau begnügte sich nicht mit dem Vortrag von humoristisch gemeinter Lyrik, sondern begann auf Zuruf damit, sich auszuziehen. Nach seinem Auftritt verbarrikadierte er sich dann eine Weile im Backstage-Raum und brüllte wüste Verwünschungen. Ich lasse seinen Namen mal weg, denn ich habe Angst, dass er meine Adresse herausfindet und mir den Kopf abschneidet. Kein Scheiß. Gewonnen hat übrigens (vor meiner Wenigkeit und Nadja Schlüter) eine junge Debütantin mit sehr lyrischen und ernsthaften Texten, ich glaube sie hieß Maren, die sich leider mit ihrem Siegersekt sofort aus dem Staub machte. Julius und ich ließen den Abend … wie soll man sagen … ausklingen bei einer Flasche Bourbon.
Via Spiegel Online bin ich auf den von Nils Minkmar verfassten Artikel Der Hochmut des Westens gestoßen, der in der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen ist. Beiträge zum Islam und Muslimen in Europa gingen bislang sehr einseitig und undifferenziert mit dem Thema um. Zumindest die Beiträge, die ich vernommen habe. Aber gut, die Köpfe der am lautesten zu vernehmenden Meinungsbildner Beckstein und Schäuble sind nun mal stark nach rechts geneigt und deren Ideen scheinen auch die immer gleichen Synapsen anzusprechen. Sehr wohltuend dagegen der Artikel von Nils Minkmar. Und hier noch ein weiterer Artikel in der FAZ von ihm.
Vorgestern hörte ich im Deutschlandfunk einen interessanten Bericht über einen jungen Mann aus Zittau, nennen wir ihn mal “Heiko”, der nach sechs Jahren der Ausbildung und Arbeit in Bayern in seine Heimat zurückgekehrt war – und das bei niedrigeren Löhnen und längeren Arbeitszeiten und … wie gesagt, nach Zittau. Der Journalist musste aus Heikos Geschichte leider in der üblichen Weise einen “Trend” basteln, um seinen Bericht verkaufen zu können: Angeblich kehrten tausende junger Ostdeutscher ihrem beruflichen Exil, in dem sie stets Fremde geblieben seien, den Rücken und kehren heim ins boomende Ostdeutschland. Grund dafür seinen auch die “Rückholaktionen”, die die ostdeutschen Länder inzwischen gestartet hätten – so wirbt etwa die Oberlausitz auf der sehr sehenswerten Homepage SACHSE KOMM ZURÜCK um abgewanderte Facharbeiter.
Wie schon unser Name sax royal Die Dresdner Lesebühne verrät, können wir nicht zurückkehren – wir sind nämlich noch gar nicht weg. Warum, fragt jetzt vielleicht so mancher, wollt ihr denn aber überhaupt fort aus der blühenden Zukunftsstadt Dresden mit all ihren Möglichkeiten? Ganz einfach: Weil einem als Autor immer schmerzlicher bewusst wird, dass Dresden die Analphabetin unter den Städten ist. Die Literatur spielt in der Dresdner Öffentlichkeit keine Rolle, von den Dresdner Autoren ganz zu schweigen. In Dresden verirren sich zu Lesungen von Ingo Schulze oder Thomas Brussig fünfzig Leutchen, das muss man erstmal schaffen! Zu anderen verirrt sich gar niemand. Und wenn Events wie unsere Lesebühne oder der Poetry Slam im Gegenteil hunderte von jungen Leuten anziehen, dann interessiert sich wiederum der offiziöse Kulturbetrieb dafür nur recht wenig. Und außerhalb der “Elbmetropole” interessiert sich ohnehin kein Schwein dafür, was hier geschieht, wenn nicht gerade eine Brücke gebaut oder NPD gewählt wird. Ach, was soll die Sachlichkeit: Dresden kotzt mich an! Ich will hier weg! Wer bezahlt mir einen Umzug?
Doch dann kommt der bescheidene Poet wieder zur Besinnung: Vielleicht ist es doch besser hier zu bleiben und die stille und hartnäckige Untergrundarbeit fortzusetzen. Dann besteht immerhin nicht die Chance, irgendwann mal reumütig bei “Sachse komm zurück” anklopfen zu müssen …
Hallo. Hier ist wieder der Gülz. Heute schreibe ich aus Eigennutz, denn ich suche auf diesem Weg die Frau fürs Leben.
Wenn ich aus dem Fenster kucke, sehe ich täglich diese zarten Personen in aufgedonnerten Nuttenleibchen und Nuttenschminke herumlaufen. So eine will ich nicht! Dass das mal klar ist! Eine Frau muss ordentlich aussehen. Ich fordere deshalb euch Frauen auf, statt Bauchfrei-Shirts Rollkragenpullover und statt Miniröcken die gute alte Wollstrumpfhose zu tragen.
Und ich will auch keine Frau, die sich täglich mit Bier vollpumpt und die im Hals- und Gesichtsbereich nach Nikotin stinkt. Wo sind die Frauen, die es, wie ich, lieben, zu einst oder zu zweit einsame Spaziertouren rund um den Neumarkt zu machen oder im Kurfürstenhof einen Kamillentee zu trinken? Wo sind die Frauen, die es schaffen, mich mit ihrem gepflegten Äußeren und mit einem schlichten christlichen Haarschnitt geil zu machen?
Wo sind die Frauen, die nicht andauernd geküsst oder befummelt werden müssen? Wo sind die Frauen, die sich an der Schönheit der Natur und an mir freuen können?
Ich bin 50 kg schwer und 1,50 m hoch.
Also. Bist du christlich und nicht schweinisch und vor allem tugendhaft wie Sau, aber immer noch nicht von mir überzeugt? Dann lies dieses Gedicht, das ich extra für dich geschrieben habe:
Ich sehe deine Augen, hey,
Mein Herz tut weh,
Mein Herz tut weh,
O Schmerz, das Herz.
Ich habe Blumen dir gekauft.
Mein rotes Herz tut weh,
O Herz, o Herz,
O Rosenschmerz.
Achso und was ich noch sagen wollte: Dein Aussehen ist mir absolut nicht egal. Wenn du denkst, dass du nicht hübsch genug für mich bist, dann lass es sein! Ich habe keine Lust mich mit irgendwelchen Schwuppen beschäftigen zu müssen.
Dein lieber Gülz