Zu viel Zukunft – Punk in der DDR

Eben komme ich aus der Ausstellung too much future – Punk in der DDR 1979-89, die noch bis zum 14.10.2007 im Stadtmuseum Dresden zu bestaunen ist. Fazit: Unbedingt ansehen! Und -hören! Ebenso erstaunlich wie erfreulich, dass eine so interessante und außergewöhnliche Schau den Weg in dieses repräsentative Haus gefunden hat.

Natürlich ist die Musealisierung einer Subkultur stets ein Zeichen dafür, dass die ehemalige Brisanz längst vergangenen Zeiten angehört. Wäre dem nicht so, dann hätten auch die Versuche, den Punk ins kulturelle Gedächtnis zu überführen, keine Chance. Das kann man bedauern – und wem schaudert es nicht, wenn er sieht, wie im Kaufhaus ein „Punk-Lexikon“ auf Käufer wartet? Wer sonst beim Anblick von Punks die Straßenseite wechselt, kann nun beim Milchkaffee über die Subversivität des Punk diskutieren. Doch hat man sich mit dem Unvermeidlichen abgefunden und lässt sich auf die Ausstellung ein, dann findet man ein Mischung aus Bild-, Ton- und Textdokumenten, die ihr Möglichstes tut, der Gefahr der Konventionalität zu entgehen.

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Fliegen bald die Unterhöschen?

Ich weiß wirklich nicht, ob mir dieser ganze Ruhm nicht zuviel wird …

Als Stefan, Roman und ich letztens bei der Offenen Bühne im Hecht parlierend vor der Tür standen, kam doch ein junger Mann mit seiner Freundin Bekannten spontan auf uns zu, erkannte uns als drei Fünftel von sax royal und bekannte sich als Fan. Am besten, so rief er euphorisch aus, gefalle ihm Roman Israel. Geht mir genauso.

Wann ist bloß diese verfluchte Sommerpause endlich vorbei?

(Ach ja … am 11. Oktober um 21:00 Uhr.)

Lesetipp: Lesebühnenkultur in Berlin

Zu einer interessanten Entdeckungsreise nach Berlin aufgebrochen ist der Münchner Literaturveranstalter Ko Bylanzky: Er besucht, vielleicht auf der Suche nach Gästen für seine eigene Lesebühne Westend ist Kiez, Tag für Tag die verschiedensten Berliner Lesebühnen und berichtet darüber im Poetry Blog auf Claudio.de. Lesenswerte Berichte in Text und Bild, die auch kritische Worte nicht scheuen, gibt es über Die Dienstagspropheten, Die Surfpoeten, Die Brauseboys, das Kantinenlesen, die Reformbühne Heim & Welt und LSD – Liebe statt Drogen. Mittlerweile gibt es auch noch ein abschließendes Fazit.

Die Vielfalt der Berliner Szene kann einen schon ein wenig neidisch stimmen. Auf der anderen Seite lassen die Berichte aber auch erkennen, wie schwer es mittlerweile ist, in der Hauptstadt mit neuen Bühnen noch Aufmerksamkeit und Publikum zu erringen. Es steht mithin nicht zu befürchten, dass die Dresdner Lesebühne sax royal es der Brücke nachtut und geschlossen nach Berlin zieht – auch wenn man manchmal nicht übel Lust dazu hätte.

Offene Bühnen in Dresden

Am Wochenende schlenderte ich durch die Inseln im Hecht, das Stadtteilfest des Dresdner Hechtviertels. Angenehm entspannt war die Atmosphäre, glücklicherweise fehlen hier noch all die Sauftouristen aus der Provinz, die die Bunte Republik Neustadt mittlerweile fast in ein Volksfest wie jedes andere verwandeln. Hier, im „Hecht“, findet man noch jene skurrile Mischung aus alteingesessenem Proletariat und studentischer Bohème, die man in der Neustadt nur noch in einigen versteckten Hinterhöfen bewundern kann. Überhaupt: Das Viertel macht sich! Viele Kneipen, Cafés und Galerien haben sich in die noch immer nicht flächendeckend sanierten Straßenzüge geschmuggelt. Wenn sich die „Szene“ weiter so rasant von der Neustadt nach Westen aufmacht, ist sie in zwanzig bis dreißig Jahren wirklich bei mir in Pieschen angekommen.

Der inoffizielle Schlusspunkt des Festes fand am Sonntagabend im E-Zwo, der Zweigstelle des Leonardo, statt. Die Offene Bühne im Hecht, gerade erst ein Jahr alt geworden, hat sich bereits zum immer überfüllten Treffpunkt von Kleinkünstlern aller Genres entwickelt. Was Steffen Haas und der Steffen Kunath da gemeinsam auf die Beine gestellt haben, ist wirklich beachtlich.

Dass die junge Literatur- und Kleinkunstszene in Dresden im Moment einen Aufschwung erlebt, ist auch der Presse nicht entgangen. So erscheint in der nächsten Ausgabe des Kulturmagazins DRESDNER, erhältlich ab dem 30. August, ein ausführlicher „Report“, der sich mit all den erblühenden Offenen Bühnen in Dresden beschäftigt. Der lesenswerte und gut informierte Artikel von Sabine Dressler, an dem nur einige falsch geschriebene Namen stören, stellt nicht nur die Offene Bühne im Hecht vor, sondern auch das von Thomas Jurisch ins Leben gerufene Poetengeflüster im Ligner-Schloss. Und auch die größte Dresdner Veranstaltung, die ein Offenes Mikrofon für Poeten bietet, der livelyriX Poetry Slam in der scheune wird vorgestellt: Stefan Seyfarth, bekanntlich nicht nur Mitglied unserer Lesebühne sax royal, sondern auch Moderator des Poetry Slams, beantwortete gemeinsam mit dem Veranstalter Leif Greinus diverse Fragen der Journalistin. Auch kritische Bemerkungen zur fehlenden Beziehung zum offiziösen Dresdner Literaturbetrieb fielen dabei nicht unter den Tisch.

Satire im Vergleich

„Humorkritik“ – so heißt eine der lesenswertesten Rubriken im Satiremagazin TITANIC. Wie sieht’s aber mit der Kritik der Branche der satirischen Zeitschriften selbst aus? Hier daher mein ganz persönlicher Rezensionsrundblick auf Grundlage der Augustausgaben des „endgültigen Satiremagazins“ TITANIC, des „Satiremaganzins“ EULENSPIEGEL und „Deutschlands führender Satirezeitschrift“ pardon.

Was genau an pardon „führend“ sein soll, erschließt sich dem Leser nicht auf Anhieb. Die Auflage ist es sicherlich nicht, wohl schon eher der Ruf der Zeitschrift: Mit bis zu 1,5 Millionen Lesern war die Zeitschrift in den sechziger und siebziger Jahren das größte Satiremagazin Europas. Dann aber spaltete sich ein Teil der Redaktion, bekannt geworden als „Neue Frankfurter Schule“, ab und gründete TITANIC. 1980 verließ auch Chefredakteur Hans A. Nikel die Zeitschrift, die wenig später eingestellt wurde. Wiederbelebt wurde das Magazin nun 2004 unter altem Namen und Logo von Verleger, Chefredakteur, Autor und Zeichner Bernd Zeller, der früher sein Brot als Gagschreiber und Quoten-Ossi für Harald Schmidt verdiente. Nach dessen Angaben versteht sich pardon als Alternative zur vermeintlich zu unpolitisch gewordenen TITANIC – ein Anspruch, der den Texten nicht unbedingt gut tut. Die Beiträge lesen sich allesamt angestrengt verkopft und könnten als FAZ-Kolumnen durchgehen. Das Titelbild ist gleich ganz humorfrei. Thematisch scheint man sich mit geradezu dänischem Mut besonders des Kampfs gegen den Islamofaschismus angenommen zu haben – die Bedrohung durch Muslime muss im Verlagsort Jena inzwischen sehr zugenommen haben. Als ich das letzte Mal dort war, begegneten mir noch keine. Lichtblicke in der auch grafisch sehr drögen Ausgabe waren die unbeschwert komischen Beiträge von Björn Högsdal, bekannt von Lesebühnen und Poetry Slams. Überhaupt merkwürdig, dass diese Szene von der satirischen Presse bis dato kaum wahrgenommen wird.

Deutschlands auflagenstärkste, aber immer noch vor allem im Osten beheimatete Satirezeitschrift ist der EULENSPIEGEL. Wer sich vom scheußlichen Titelbild von Peter Muzeniek nicht abschrecken lässt und das Magazin aufblättert, ist angenehm überrascht: Das Heft bemüht sich sichtbar, keinen allzu ostalgischen Anschein zu erwecken. Die langweiligen Karikaturen von Reiner Schwalme und Freimut Woessner erinnern zwar unangenehm an die letzte Lektüre der Sächsischen Zeitung. Aber zum Ausgleich gibt es auch sehenswerte Vertreter ihres Genres wie Guido Seiber, der vor den negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung auf Nazis warnt („Sonnenbrandglatzen“). Leider übt sich der EULENSPIEGEL in der verzichtbaren Unsitte, Leserbriefe zu veröffentlichen. „Euer Heft ist echt toll“, „Endlich kann ich Euch auch in Castrop-Rauxel am Kiosk kaufen“ usw. usf. Die eigentlichen Textbeiträge sind von unterschiedlicher Qualität. Positiv fiel mir Wolfgang Mocker auf, der in einem Text über das deutsch-polnische Verhältnis die gegenseitigen Vorurteile lustvoll von innen heraus dekonstruierte. Schön obszön war ein Text von Florian Kech, der über ein baldiges „Wichsverbot“ spekulierte. Wie man den Zeilen entnehmen konnte, ist der Autor mit den Auswüchsen der Anti-Onanie-Kampagne des 18. und 19. Jahrhunderts vertraut. In der nächsten Ausgabe gibt’s bestimmt empörte Leserbriefe.

Es hilft alles nichts: Das beste deutsche Satiremagazin ist nach wie vor TITANIC. Selbst die sinnfreisten Provokationen sind noch zehnmal subversiver als alle angestrengten Polit-Essays der pardon zusammen. Schon der Titel: Ein Bild von Osama bin Laden mit der Überschrift: „Hoffnung in Deutschland: Kann er SCHÄUBLE stoppen?“. Ein schönes Beispiel für den maliziösen Charme des Magazins, der den beiden braven Konkurrenten leider ganz abgeht. Natürlich gibt es auch unangenehme Erscheinungen, insbesondere Martin Sonneborn mit seiner langweiligen und nimmer enden wollenden PARTEI-Aktion, dessen Humorverständnis unangenehm an den jungen Goebbels gemahnt. Immer noch zumeist Highlights sind die Texte von Max Goldt – wenn auch in dieser Ausgabe mal nicht. Einen lesenswerten Geburtstagsgruß an Fidel Castro sendet Dietmar Dath. Und wirklich ganz und gar unverzichtbar bleibt die Eröffnungsrubrik „Briefe an die Leser“ mit ihren wunderbar persönlichen Abrechnungen. Den Literaturfreund schließlich freut, dass unter dem Titel „Offenbacher Anthologie“ endlich einmal der dichterische Dünnbrettbohrer Joachim Sartorius ins Visier genommen wird. Gesamtnote für TITANIC: 3+.

Rückblick: Romantik in der Hofmühle

Gestern startete im Museum Hofmühle in Dresden-Plauen das Programm „DresdenRomantik“, das ich zusammen mit der Künstlerin Anke Zeißig ins Leben gerufen habe. Anke war leider kurzfristig erkrankt, ansonsten klappte aber alles wie am Schnürchen.

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Zitat des Monats August

Aufmerksame Leser wissen längst: Es ist meine Lieblingsbeschäftigung, fremde Menschen in der Straßenbahn zu belauschen. Warum? Werft einfach einen Blick auf folgende Frucht meines Hobbys, ein neues Zitat des Monats aus der Rubrik „Aufs Maul (geschaut)“. Diesmal aus dem weiteren Bereich der Moral.

Eine ältere Frau spricht zu einer Bekannten: „Also ich muss sagen, ich bin ja für Sterbehilfe. Wenn’s bei mir soweit ist, sollnse mir die Spritze geben. Immer dieses Gemache mit ethischen Fragen …“

Wirklich wahr.

Donnerstag: Romantische Literatur in Dresden

Am kommenden Donnerstag, den 23. August, startet um 19:00 Uhr die Veranstaltungsreihe „Dresden Romantik„, die Anke Zeißig und Michael Bittner gemeinsam für das Museum Hofmühle Dresden entworfen haben. Los geht es mit einer Lesung von Michael Bittner zur Literatur der Romantik in Dresden: Gab es eine „Dresdner Romantik“ oder war die idyllische Residenzstadt wie so oft später nur ein Erholungsziel der literarischen Avantgarde? Ein Abend mit außergewöhnlichen Texten von Novalis, E.T.A. Hoffmann, Theodor Körner, Ludwig Tieck u.v.m. Ihr erreicht den Veranstaltungsort, die ehemalige „Bienert-Mühle“, direkt am Haltepunkt Plauen (S-Bahn 3, Bus-Linien 82 und 89).

Das Konzept der ganzen Reihe könnt Ihr hier nachlesen >>>>>

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Weltpremiere gelungen!

Eine wunderschöne inoffizielle Premiere feierte das literarische Programm „StadtLandFluss“ von Udo Tiffert und mir am letzten Freitag mitten im Herzen der Zielgruppe – emotional wie geografisch gesehen!

Wir waren nämlich zu Gast beim Jugendverein Tenne e.V. im zauberhaften Dörfchen Buchholz mitten in der Oberlausitz, wo wir mit unseren Geschichten zum Leben in der Lausitz die anwesenden 40 jungen und alten Eingeborenen voll und ganz überzeugen konnten. Auch eine Lokalreporterin der Sächsischen Zeitung zeigte sich angetan und wird hoffentlich reichlich Werbung für unseren nächsten Auftritt im Görlitzer Theater Apollo am 26.09. machen.

Eigentlich müssen Generalproben ja in die Hose gehen … aber ich bin ganz zuversichtlich, dass wir trotzdem nun auch die offizielle Weltpremiere meistern werden.

Kunst und Schweineorgel in Chemnitz

Sollte diesen kurzfristigen Hinweis jemand lesen, den es morgen (20.08) rein zufällig nach Chemnitz verschlägt, dann lade ich herzlich in die Galerie Laterne, Karl-Liebknecht-Str. 19 ein. Dort hat die junge und unendlich talentierte Künstlerin Maja Wunsch eine Vernissage. Anlässlich dieses Ereignisses, möchte die junge Dame eine dicke Fatsche vom Stabel lassen. Also klemm ich mir meine Schweinorgel unter den Arm und werde ebenso am Ort des Geschehens auftauchen um für ein musikalisches Rahmenprogramm zu sorgen. Könnte durchaus ein guter Abend werden. Also wiegesagt, kann ja sein, dass doch der eine oder andere ausgerechnet morgen in Chemnitz verweilt und abends noch nach einem Highlight sucht. Ihr seid alle willkommen…

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