StadtLandFluss 1 – Lesung in Buchholz
Frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt melde ich mich gleich mit einer höchst erfreulichen Nachricht: Die Weltpremiere des literarischen Programms “StadtLandFluss”, in dem Udo Tiffert und ich uns mit dem Leben in der Lausitz auseinandersetzen, feiert am kommenden Freitag seine Weltpremiere – und Ihr seid herzlich eingeladen!
Am Freitag, den 17. August, präsentieren ab 19:00 Uhr Udo Tiffert und Michael Bittner, die gebürtigen Lausitzer zweier Generationen, ihr literarisches Programm “StadtLandFluss” vor Ort beim Jugendverein Tenne e.V. in Buchholz/Vierkirchen (Oberlausitz). Ebenso poetisch wie satirisch beschäftigt es sich mit dem Leben in dieser östlichsten Region Deutschlands – zwischen Stagnation und Hoffnung, zwischen Landflucht und Heimkehr.
Sollte sich tatsächlich ein Leser dieses Blogs so tief in die Oberlausitz verirren, gebe ich ihm ein Bier aus. Versprochen!
Rettet die Heimat des funkelnden Fips
Am vergangenen Wochenende hat es mich endlich einmal wieder in meine reizende Heimat, das Erzgebirge, verschlagen. Und ehrlich, auch wenn es dort keine Spätshop´s und kein Hebeda´s gibt, irgendwie ist es dort schön. Was dort die Schönheit ausmacht, da muss ich mich mal als unverbesserlicher Romantiker outen, dass ist die Natur. In Wald und Heide habe ich dort schon viele unvergessliche Dinge erlebt. Auf weiches Gras gebettet, im Schatten einer Buche, kann man da ganz wunderbare Sachen machen (vor allem zu zweit). Auf einer Waldeslichtung Prosecco schlürfen, dem Rauschen der Baumwipfel und dem Vogelgezwitscher lauschen, das sind alles so Sachen die einem für einige Stunden alles Unangenehme vergessen machen. Im erzgebirgischen Wald kann man einfach richtig schön SEIN.
Tja, und was wollen da jetzt gewisse Idioten starten? Sie wollen die B 93 von Schneeberg quer durch den Wald nach Johanngeorgenstadt bauen, und weiter noch Richtung Karlovy Vary. So eine richtig “schöne” Monstertransitstrecke. Mal ehrlich, das ist noch um einiges krasser, als eine Waldschlösschenbrücke. Das Erzgebirge definiert sich nun einmal über seine Natur, diese ist quasi eine regionseigene Ressource. So eine abgefuckte Transitstrecke sorgt ja nur dafür, dass man diese Region noch schneller durchfahren kann und die Schönheit der Natur bleibt im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Abartig ist das. Und es ist auch zu befürchten, dass man diesen Bau letztendlich einfach durchzieht. Ich, als erzgebirgischer Sagendichter, habe mir sämtliche Inspiration in den Wäldern meiner Heimat geholt. Hallo! Dort leben sie schließlich, der funkelnde Fips, der Grottengolf, das Männchen mit dem güldenen Schnurrbart. Und sie sind alle in höchster Gefahr. Soll ich etwa zukünftig sattdessen über Fernfahrer auf der B 93 schreiben? Dieser Bau muss verhindert werden. Ich und meine Sagenfiguren, wir werden da nur bedingt etwas tun können. Genauso wie eine Bürgerinitiative. Da kommt einem echt die Galle. Denjenigen, welche diesen Bau geplant haben, möchte ich gerne ins Gesicht sch*****. Ehrlich.
Jetzt mag vielleicht nicht jedem das Erzgebirge besonders am Herzen liegen. Dann empfehle ich einen Ausflug in die dortigen Wälder (mit Partner und Prosecco), und ihr werdet einsehen, dass eine Ultrastrasse mitten durch den Wald alles versaut. Alles!
Und genau diese Tatsache muss ins Bewusstsein der Leute gelangen. Es kann doch nicht ständig alles, was irgendwie schön ist, zerstört werden. Der funkelnde Fips muss überleben…
Urlaub II
Bevor ich mich nun auch in einen wohlverdienten Urlaub nach Ungarn aufmache, möchte ich eine unterhaltsame Beobachtung meines letzten wohlverdienten Urlaubs (letzte Woche) der Öffentlichkeit zum Verzehr preisgeben. Ich war in Berlin und habe mir ein sehr effektives 3-Tages-Museumsticket gekauft, also war ich drei Tage in den angesagtesten Museen der “Stadt mit dem Fernsehturm” (Julius Fischer).
So führte mich mein Weg in den Hamburger Bahnhof, das Museum für Gegenwart (gut, das nicht Gegenwartskunst drin steht, das ließe sich leicht verwechseln). Neben der hoch gelobten, aber irgendwie am Thema vorbei schrammenden bzw. durch christliche Indoktrinierung total überinterpretierten “Schmerz-Ausstellung” besuchte ich die Werksammlung “There is never a stop and never a finish” zu Ehren des unlängst verstorbenen amerikanischen Künstlers Jason Rhoades. Und ich dachte, die Zeiten von Ekelkunst und dieser “einfach-mal-ausprobieren”-Konzept/Performance-Haltung seien mit Joseph Beuys gegessen. Nichts da. In fünf aufeinander folgenden Hallen wurden Werke von Künstlern inszeniert, die allesamt “dem Phänomen Trash in der bildenden Kunst seit den 1960er Jahren” huldigten oder es bestätigten.
In der Ankündigung heißt es neben Warnungen wegen pornographischer Inhalte: “Die in der Ausstellung vertretenen Künstlerinnen und Künstler arbeiten mit Akkumulationen von Alltagsmaterialien in greller Farbigkeit oder von verderblichen Materialien.”
Stimmt. Gab es im ersten Raum noch 20 Quader mit 30 Jahre altem Käse zu bewundern, ging es eine Art Geisterbahn des schlechten Geschmacks (über Plastikfiguren im Brötchen als Verarbeitung von 9/11, infantile Hitlergemälde mit Signierung “andy hope 1930″ bis zu Videoinstallationen mit weihnachtlichen Sagengestalten, nackter Haut und viel flüssiger Schokolade) entlang, die in einem Raum mündete, wo nichts anderes zu sehen war als drei Fernseher. Im ersten Fernseher ist der Künstler Paul McCarthy (Vorsicht, kein Beatle!) zu sehen, wie er sich seinen Penis mit roter Farbe bemalt, auf dem zweiten, gegenüberliegenden Fernseher bemalt er sich den Hintern, auf dem dritten sieht man ihn herum springen, nackt. Ich bin sehr glücklich, dass ich dieses Ticket hatte, weil ich mir sonst vor Wut über die blanke Geldverschwendung sicherlich Gewalt angetan hätte. Aber geht, geht ruhig weiter in diesen Tempel des Bösen. Darüber hinaus ist die Sammlung Berggruen “Picasso und seine Zeit” und das direkt daneben befindliche Art-Deco-Museum, sowie das Fotographie-Museum (alles in Charlottenburg) äußerst zu empfehlen sowie die gemütliche Waffeltrödelei “Kauf dich glücklich” in einer Seitenstrasse der Kastanienallee. Schönen Sommer. Ich fahre jetzt erst einmal zu Hippie-Fest nach Budapest (dieser Reim ist nicht gewollt!).