Unser schöner Neumarkt blüht. Stück um Stück wachsen Barockhäuser in alter Manier in die Höhe und an manchen Stellen fühlt man sich zum Glück endlich wieder in die Zeit Augusts des Starken zurück versetzt.
Aber immer öfter gibt es Ärger. Autos, Busse, Postkutschen und Touristengruppen verschandeln die historische Kulisse. Man kann nicht für ein paar Sekündchen gemütlich am Neumarkt verweilen und staunen oder sein Schälchen Heeßen trinken, ohne dass einem irgendwelche Touristen die Sicht versperren.
Der Neumarkt sollte deshalb endlich abgeriegelt werden. Touristen dürften nur noch von bestimmten Aussichtsplattformen auf den Platz Einsicht nehmen. Und das alles, damit der Platz noch schöner wird und all jenen offen steht, die Dresden zu ihrer Heimat auserkoren haben und sich in ihrem tiefsten Innern mit dieser Stadt verbunden fühlen, wie ich z.B. So wird der Platz endlich wieder zu dem, was er einmal war: ein Platz der Erholung, der Freizeit, der Harmonie und des Ausgleichs im Herzen von Dresden.
Tief bewegt, euer:
Gülz
Liebe Literaturfreunde,
es ist erstaunlich: Seit ich mich mit meinem Kollegen Udo Tiffert in unserem Programm “StadtLandFluss” mit der Lausitz beschäftige, springt mir immer öfter in die Augen, dass viele bekannte Autoren aus eben jener Region kommen. Sollte die Lausitz etwa ein bisher weithin unterschätztes Reservoir von dichterischem Nachwuchs sein?
So findet sich auch in der Kurzbiografie von Tom Schulz die ein wenig verschämt wirkende Auskunft, der Autor sei “1970 in der Oberlausitz geboren”. Wo wohl genau? Ich hatte ihn bei der Leseinsel der jungen Verlage auf der Leipziger Buchmesse lesen gehört und war schon neugierig geworden. Nun habe ich auch endlich mal die Zeit gefunden, seinen jüngsten Lyrikband Vergeuden, den Tag zu lesen, der 2006 im renommierten Independent-Verlag kookbooks erschienen ist.
Die Lyrik von Tom Schulz lässt sich vielleicht am besten als Impressionismus beschreiben. In freien Rhythmen reihen sich drei- bis vierzeilige Versgruppen, in denen sich bunt stark subjektiv gefärbten Eindrücke aus dem Alltag, der Medienwelt und der Literatur mischen, einander ergänzen und widersprechen. Um nicht in einen platten Realismus zu verfallen, setzt der Dichter alles daran, die Eindrücke in möglichst origineller Weise zu verfremden: Das Alltägliche wird zum Grotesken, Wirklichkeitssplitter aus den verschiedensten Bereichen verschmelzen, einfache Slogans gewinnen als Wortspiele ungeahnte Vieldeutigkeit. Heraus kommen Gedichte, bei denen man die Metaphern nicht mehr aus einer vermeintlich “normalen” Sprache herauspräparieren und deuten kann – jedes Gedicht ist ein unauflösbarer metaphorischer Komplex, der manchmal eine ganz neue Sicht auf die Welt öffnet, manchmal aber auch hermetisch bleibt. Was hier so kompliziert klingt, ist beim Lesen im Gegenteil meist lustvoll und amüsant, vor allem wegen der herrlichen Beobachtungsgabe des Autors für die Poesie und den Witz des Alltags: “im Jobcenter ein Mob/aus Akademikern und Eisenbiegern”.
Bergen liegt zwar tatsächlich hinter sieben eben solchen, aber keineswegs hinter dem Mond: Die zweitgrößte Stadt Norwegens ist eine schicke und betriebsame City, die vor Touristen und Studenten überquillt. Sie hat etwa die Größe von Chemnitz, ansonsten kann man sie sich allerdings am besten als genaues Gegenteil dieser mittelsächsischen Metropole vorstellen. In der letzten Woche hatte ich Gelegenheit, Bergen zu besuchen. Mein alter Schulfreund Robert, der im Gegensatz zu mir etwas Vernünftiges studiert hat, arbeitet mittlerweile in einem Architekturbüro der Hafenstadt.

Einen Urlaub in Norwegen kann ich hier guten Gewissens nur Menschen empfehlen, die ihren Frieden mit dem Kapitalismus geschlossen haben. Das Land ist dank seiner Öl- und Gasvorräte zu einigem Reichtum gekommen – so debattiert man etwa im laufenden Kommunalwahlkampf vor allem darum, wie das überschüssige Geld verteilt werden soll. Wie in wohlhabenden Ländern üblich, sind die Menschen auf den Straßen gut gelaunt, freundlich und immer ein wenig in Eile, weil sie mit der Übererfüllung des hedonistischen Plansolls vollauf beschäftigt sind. Die Preise aber halten mit der Erhöhung des Lebensstandards locker mit: So muss man etwa für die Fahrt mit dem Flybussen vom Airport in die Stadt schon mal 75 Kronen berappen. Das sind 10 Euro. Ein mittelgroßer Einkauf schlägt schon mal mit 50 € zu Buche. Woran besonders der Alkohol (dank strikter Gesetzgebung und hoher Steuern) einen nicht unmaßgeblichen Anteil hat. Ein halber Liter Bier kostet 2,50 € – im Supermarkt.

Atem beraubend ist die Natur in den Bergen Norwegens. Wenn es regnet (und es regnet eigentlich immer), dann verwandeln sich die Wälder in Zauberlandschaften aus einer anderen Welt. Man streift durch einen Vorhang aus Nebel und Niesel. Überall tropft und plätschert und rauscht es. Durch die grünen Gräser, Farne und Büsche huschen kichernd Trolle. Und aus Felsspalten schießen plötzlich Wasserfälle die Berge hinab, ergießen sich in die dunklen, unabsehbar verschlungenen Fjorde, die diese zerklüftete Landschaft durchziehen. Käme nicht im unpassendsten Moment immer ein Jogger den Weg entlang geschnauft, man möchte sanft auf dem Moos entschlummern.
Vom 03. bis 07. Oktober finden in diesem Jahr unter dem Titel SLAM 2007 die Meisterschaften des deutschsprachigen Poetry Slam in Berlin statt.
Nachdem am 01.09. die Anmeldefrist für Poeten abgelaufen ist, steht nunmehr fest: Zwei Autoren der Dresdner Lesebühne sax royal haben sich dafür entschieden, teilzunehmen. Dies sind Michael Bittner und – in seiner Funktion als amtierender sächsischer Champion – Julius Fischer.
Wünschen wir den beiden Helden wie dem ganzen Literaturfest Glück und Erfolg!