… wenn ich schon mal beim verbalen Rundumschlag bin: Ist dir denn wirklich kein besserer Titel für deine spitzeneinfallsreiche aktuelle Story eingefallen als “Geboren am 9. November ’89 – Die Kinder des Mauerfalls werden volljährig“?
Wie wär’s denn zum Beispiel gewesen mit: “Gezeugt am 9. November ’89 – Die Opfer des Mauerfalls brechen ihr Schweigen“? Nichts zu danken.
… dass ein schlechter Stil den hohlen Kopf verrät? Nein? Dachte ich mir – wie hätten Sie sonst folgenden Aufruf fabrizieren können, mit dem Sie ein Bürgerbegehren gegen den Bau eines modernen Gewandhauses auf dem Neumarkt vom Zaun trompeten wollen:
Das Herz unserer Stadt blutet. Das Herz unserer Stadt wurde verwüstet und bis auf die Grundmauern zerstört und steht heute wieder vor einem zarten Aufwuchs. Rund um unsere mächtige Frauenkirche entsteht wieder ein Platz, ein Ort, den wir alle in unseren Herzen tragen und den wir weiter hegen und pflegen. Wir alle, alt wie jung, spüren diese Unvergleichkeit und makellose Schönheit, die das Herz unserer Stadt für uns alle wieder öffnet. Der historische Wiederaufbau unseres Neumarktes ist eines unserer wichtigsten Anliegen. Es ist uns bis heute geradezu beispielhaft gelungen. Unseren Neumarkt als sinnstiftenden Ort, als Zentrum unserer Heimatstadt weiter in diesem historischen Flair zu entwickeln, ist das Gebot der Stunde.
Erheben Sie mit uns Ihre Stimme für den wahren Dresdner Neumarkt. Lassen Sie nicht zu, dass der Gewandhausplatz mit einem modernen Bauwerk verunstaltet wird und die noch frischen Wunden im Herzen unserer Stadt neu aufgerissen werden. Kämpfen Sie mit uns gegen die Arroganz dieser modernen Architektur, kämpfen Sie mit uns für unser historisches Zentrum, damit unser Neumarkt als das Herz unserer Stadt wieder auch in unser aller Herzen einzieht. Schließen Sie sich uns an und unterschreiben Sie mit für die Freiheit dieses Platzes, frei von jeglicher Bebauung, frei für uns als die Bürgerinnen und Bürger Dresdens.
Schauen Sie mal, Herr Fischer, wie ein paar kleine Veränderungen ihrem Text noch viel mehr Leben einhauchen:
Der Arsch unserer Stadt blutet. Der Arsch unserer Stadt wurde verwüstet und bis auf die Grundmauern zerstört und steht heute wieder vor einem zarten Aufwuchs. Rund um unsere mächtig gewaltige Frauenkirche entsteht wieder ein Platz, ein Ort, eine Stelle, eine Freifläche, ein Raum, ein Kontinuum, ein Dingsbums, den wir alle in unseren Ärschen tragen und den wir weiter hegen und pflegen und fegen. Wir alle, alt wie jung, dick wie dumm, spüren diese Unvergleichkeit und makellose Schönheit, die den Arsch unserer Stadt für uns alle wieder öffnet. Der historische Wiederaufbau unseres Neumarktes unseres ist unseres eines unserer wichtigsten unserer Anliegen. Es ist uns bis heute geradezu beispiellos gelungen. Unseren Neumarkt als sinnstiftenden Ort, dem der Sinn stiften geht, als Zentrum unserer Heimatstadt weiter in diesem historischen Flair zu entwickeln, ist das 1. bis 10. Gebot der Stunde, des Tages, der Woche, des Monats, des Jahre, wenn nicht gar der Ewigkeit.
Erheben Sie mit uns Ihre Stimme für den totalen Dresdner Neumarkt. Lassen Sie nicht zu, dass der Gewandhausplatz mit einem modernen Bauwerk entartet und die noch taufrischen Wunden im Arscherl unserer Stadt neu aufgerissen werden. Igitt! Kämpfen Sie mit uns, d.h. mit mir und der liberalen FDP, gegen die Armut, ach nein tschuldigung, lieber gegen die Arroganz dieser modernen Architektur, dieser eitlen Gebäude, kämpfen Sie mit uns (FDP, nicht vergessen!) für unser (naja, im übertragenen Sinne) historisches Zentrum, damit unser (siehe oben) Neumarkt als der Arsch unserer Stadt wieder auch dann bald später in unser aller Ärsche einzieht. Schließen Sie sich uns an und unterschreiben Sie mit für die Freiheit dieses Platzes, die Freiheit aller Menschen, frei von jeglicher “Entwicklung”, frei von “Verstand”, frei von “Geschmack” und gerade deswegen für uns als die Bürgerinnen und Bürger Dresdens.
[via ugly dresden]
Ihr seht eigentlich gar nicht so scheiße aus? Seid auch sonst ganz nett? Habt sogar ein Auto? Und trotzdem klappt es einfach nicht mit den Frauen – und ihr habt keine Ahnung warum? Vielleicht kann euch folgende Anekdote auf die Sprünge helfen:
Neulich sitze ich im Zug und belausche höre zufällig das Gespräch zwischen drei jungen Frauen, die anscheinend eben von einem Besuch bei einem männlichen Bekannten in Cottbus zurückkehren. “Der ist echt eklig”, ruft eine von ihnen aus, “Ich glaube, der wäscht sich nie! Der hat immer dasselbe Handtuch im Bad hängen. Und abends duscht der sich nicht mal, der legt sich einfach so ins Bett!” – “Ja, genau! Und wisst ihr was: Der putzt sich auch nicht die Zähne!”, ergänzt eine andere, “Ich hab einen Test gemacht und am Morgen die Zahnpastatube umgedreht und auf eine bestimmte Stelle gelegt. Und die lag am nächsten Tag immer noch gee-nau-soo-daa. Der Typ ist so eklig!”
Männliche Singles dieser Erde! Es mag banal und unwahrscheinlich klingen, aber: Der erste Schritt zum Herzen einer Frau ist gründliche Körperhygiene!
Es gibt Menschen, die noch nie wirklich in Cottbus gewesen sind. Es gibt Menschen, die sich auch bisher nie sonderlich für Cottbus interessiert haben. Es gibt Menschen, die glauben, Cottbus wäre ein brandenburgisches Kaff, bestehend aus einem Dutzend in den Sandboden gerammten Plattenbauten, bewohnt von Spreewaldgurken. Es gibt Menschen wie mich.
Und doch ist es die seligste Stunde für jeden aufgeklärten Menschen, wenn er sich eines Besseren belehren lassen kann. Dies geschah gestern, als ich gemeinsam mit Udo Tiffert zum dritten Mal unser literarisches Programm “Stadt Land Fluss” über das Leben mit der Lausitz vor einschlägigem Publikum absolvierte. Nicht nur, dass ich mich bei einem Rundgang vorher bereits überzeugen konnte, dass es in der Innenstadt von Cottbus durchaus lauschige Plätze voll historischer Bausubstanz gibt – nein, auch die anschließende Lesung war über alle Maßen gelungen. Selten habe ich so freundliche und großzügige Gastgeber wie die vom Buchhaus Heron erlebt, selten ein so begeisterungsfähiges Publikum. 60 Menschen, junge wie ältere, lauschten, lachten und lobten im Anschluss. Als Geschenk dürfen wir uns nun auch noch historische Karten der Lausitz an die Wand hängen – für einen bekennenden Freund der Atlanten wie mich ein Hochgenuss. Ein wirklich bezauberndes Jazz-Konzert beschloss einen rundum gelungenen Abend, nach dem ich Cottbus-Frevler eifrig Abbitte leisten muss und nur alle anderen Verblendeten auch dazu aufrufen kann …
[Am Mittwoch, den 07. November wird übrigens Julius Fischer nach Cottbus reisen und als Stargast ab 20:00 Uhr am “Slow Slam” im Glad-House teilnehmen. Mal sehen, was er uns dann berichten wird.]
Am Sonnabend, den 03.11.2007, bestreiten ab 20:00 Uhr Udo Tiffert und Michael Bittner zum dritten Mal ihr literarisches Programm “StadtLandFluss” zum Leben in der Lausitz.

Mit ebenso poetischen wie satirischen Texten über das Leben mit und ohne die östlichste Region Deutschlands gastieren sie diesmal in Cottbus. Die Lesung findet im Rahmen des 15. Cottbuser Lese-Herbstes im Buchhaus Heron statt. Cottbuser – Kommt ocke vorbei, is do sonst eh nüscht los!
Mit dem schönen Monat November erscheint natürlich auch eine neue Ausgabe des Kulturmagazins DRESDNER und mit ihr ein neuer literaturkritischer Beitrag aus meinem Füller. Diesmal habe ich eine Rezension zum neuen Gedichtband von Durs Grünbein geschrieben, der auf den nicht eben bescheidenen Titel Strophen für übermorgen hört.
Beim Wiederlesen ist mir noch einmal bewusst geworden, dass es eigentlich unmöglich ist, auf so kleinem Raum einem Lyrikband gerecht zu werden. Aber die noch schlechtere Alternative wäre, dass Lyrik überhaupt nicht mehr in solch journalistischem Rahmen vorkommt. Zumindest hoffe ich, einen Punkt getroffen und ein Unbehagen in Worte gefasst zu haben, das viele andere Leser teilen.