Julius in München

Am Sonntag kann Julius Fischer nicht wie gewohnt beim livelyriX Poetry Slam in Leipzig mitmischen, der ab 21:00 Uhr im Ilses Erika die allerletzte Chance bietet, sich für den GRAND SLAM OF SAXONY zu qualifizieren.

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Erfreulicher Grund seines Fehlens: Julius Fischer ist verdientermaßen wieder einmal als einer von zehn Autoren beim “größten Poetry Slam Europas” in München im Rennen. Los geht’s gegen 21:00 Uhr im Club Substanz. Münchner Leser dieses Blogs, schenkt ihm Eure Unterstützung! Besonders du, Nadine!

Der falsche Nazi-Alarm

Vor zwei Tagen wurde der CDU-Politiker Stanislaw Tillich zum neuen sächsischen Ministerpräsidenten gewählt und erhielt – bis auf eine – alle Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU und SPD.

Durch die Online-Medien der ganzen Republik aber jagte die Meldung eines neuen „Skandals“ im sächsischen Landtag: Nachdem der NPD-Kandidat Johannes Müller drei Stimmen mehr bekommen hatte als die NPD-Fraktion Mitglieder zählt, fühlte sich zuerst SPIEGEL ONLINE an die letzte Ministerpräsidenten-Wahl in Dresden erinnert, bei der NPD-Kandidat Uwe Leichsenring (inzwischen wohnhaft in Walhalla) zwei Stimmen aus anderen Fraktionen erhalten hatte. Wie Stefan Niggemeier zuerst bemerkt und dokumentiert hat, verbreitete sich nun ausgehend von diesem „Leitmedium“ des Qualitätsjournalismus eine Epidemie immer gleicher Meldungen über einen angeblichen „Eklat“ im sächsischen Landtag, die fast alle Online-Medien infizierte. Am schönsten mal wieder die großartige „taz“ mit ihrer Schlagzeile „Pseudo-Demokraten stimmen für NPD“. Es ist doch immer schön, wenn man seine Vorurteile bestätigt bekommt.

Dabei ist die Erklärung für die drei zusätzlichen Stimmen recht nahe liegend – sitzen doch immer noch vier ehemalige NPD-Fraktionsmitglieder im Landtag. Dass sich die NPD selbst damit brüstet, angeblich „etablierte“ Stimmen erhalten zu haben, versteht sich wohl von selbst.

Humoristische Empfehlung: Stephen Colbert

Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Format der Late Night Show in erbärmlichem Zustand vor sich hin dümpelt, ist es im Mutterland USA quicklebendig. Und dies überraschenderweise gerade dadurch, dass neue Shows entstanden sind, die sich konsequent der politischen Satire verschreiben. Neben den Fake News von Jon Stewarts The Daily Show ist hier vor allem der Colbert Report zu nennen. Namensgeber Stephen Colbert spielt in dieser Show konsequent und mit schauspielerischer Klasse einen jener erzkonservativen Kommentatoren, die man in freier Wildbahn im amerikanischen Fernsehen und Radio zuhauf finden kann. Insbesondere parodiert er den egomanen und rechtslastigen Meinungsmacher Bill O’Reilly, der eine erfolgreiche Sendung beim Bush-treuen Sender FOX News moderiert. Beide kennen lernen kann man auf ganz erstaunliche Weise in dem folgenden, sehr sehenswerten Video:

Die Wahl der Qual: Dresden sucht eine(n) neue(n) Bürgermeister(in)

Am 8. Juni ist es soweit: Die Dresdner wählen eine(n) neue(n) Oberbürgermeister(in). Und das Rennen ist so spannend und offen wie lange nicht mehr. Die Kandidatin der CDU, Helma Orosz, hat in den Umfragen einen hauchdünnen Vorsprung von nur 30% vor den Kandidaten der anderen antretenden Splitterparteien (SPD, FDP, GRÜNE, LINKE), die jeweils so um die 10% für sich verbuchen können.

Jede Stimme also kann die entscheidende sein, deswegen sollte sich der mündige Staatsbürger gewissenhaft über die Kandidaten informieren. Zumindest einen ersten Eindruck kann er sich jetzt mit Hilfe der Video-Aufzeichnung einer Diskussion aller Kandidaten verschaffen, die von der Sächsischen Zeitung und dem Dresden Fernsehen veranstaltet wurde.

Favoritin Helma Orosz (CDU) wirkt – gelinde gesagt – eher unsympathisch, kann dafür aber in Atem beraubender Zeit Sätze produzieren, die nichts als Phrasen enthalten. Peter Lames, dem seine SPD-Mitgliedschaft so peinlich ist, dass er sie vorsichtshalber auf seinen Wahlplakaten nirgends erwähnt, wirkt leicht verpeilt und auch ein wenig steif, aber er kann einige rhetorische Volltreffer landen und mit Vorschlägen im Bildungsbereich punkten. Dirk Hilbert von der FDP wirbt auf seinen Plakaten damit „Ein Dresdner für Dresden“ zu sein – und in der Tat scheint es seine hervorstechendste Eigenschaft zu sein, dass er in der Stadt wohnt, in der er wohnt. Der Linke Klaus Sühl will allen Schulkindern ein kostenloses Mittagessen verschaffen. Defizite weist er noch in der Kenntnis der Stadt Dresden auf. Eva Jähnigen ist die Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen und – nun ja – ist so, wie man sich eine Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen vorstellt. Und dann sitzt in der Runde noch Friedrich Boltz von den Freien Wählern, der zwar selbst nicht den Anschein erweckt, an seinen Sieg zu glauben, aber dafür angenehm unaufgeregt diskutiert.

Die Stadt Berlin zeigt mir, dass ich aus der Provinz komme (Folge 342)

Am Bahnhof Südkreuz spricht mich ein Fremder an.

„Sorry?“

„Yes?“

„Do you know where I can buy some crack here?“

„Buy what?“

„Crack.“

„Crack?“

„Yes, crack.“

„I don’t know.“

„Okay.“

Ende des Gesprächs.

Literatur am Wochenende

Allerlei Veranstaltungen mit Royalisten summieren sich am kommenden Wochenende und seien hier wärmstens empfohlen:

Am Freitag (23. Mai) findet diesmal der livelyriX Poetry Slam in der Dresdner scheune statt. Wie immer messen sich ab 21:00 Uhr zehn junge Poeten, moderiert von Stefan Seyfarth und Michael Bittner. Es wird spannend, denn dieser Slam bietet die letzte Chance in Dresden, sich für den GRAND SLAM OF SAXONY am 18. Juli zu qualifizieren. [Nachtrag: Einen Rückblick könnt Ihr hier lesen.]

Am Sonnabend (24. Mai) gastiert Michael Bittner beim Berliner „Kantinenlesen„. Los geht’s um 20:00 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei. Was ein Dresdner beim „Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen“ zu suchen hat, habe ich schon an anderer Stelle geklärt. Mit dabei übrigens auch Udo Tiffert und Ivo Smolak von Liebe Statt Drogen.

Am Sonntag (25. Mai) vertreten Stefan Seyfarth und Max Rademann unsere Lesebühne Sax Royal beim Studentenfestival “TU in Szene“. Ein buntes Programm aus Musik, Literatur und Theater beginnt um 19:00 Uhr im Hörsaalzentrum der TU Dresden. Der Eintritt ist übrigens frei!

Lesetipp: Der deutsche Literaturbetrieb

Eine lesenswerte und kontrovers diskutierte Polemik gegen die Mechanismen des deutschen Literaturbetriebs hat Oliver Jungen unter dem Titel „Autorenförderung? Hungert sie aus!“ für die FAZ verfasst. Jungen ist der Ansicht, dass die Schwemme von Literaturpreisen, Stipendien und sonstigen Subventionen nicht die deutsche Dichtung bereichert, sondern zu einem Heer staatstreuer und blutleerer Literaturbetriebsnudeln führt. Echte Autoren mit zwingenden Texten ließen sich nicht züchten, sondern hätten sich in der Vergangenheit immer nur gegen den Widerstand des Staates an die Öffentlichkeit gekämpft. Wie gesagt, ein lesenswerter Beitrag und ein interessantes Thema.

Lustige Deutsche (2): Georg Büchner

buechner.jpgNachdem im ersten Teil dieser Reihe mit dem paradoxen Titel „Lustige Deutsche“ Ludwig Tieck vorgestellt wurde, widmet sich der zweite einem Autor, der diesen „König der Romantik“ trotz aller Differenzen sehr zu schätzen wusste: Georg Büchner. Den meisten Literaturfreunden werden bei diesem Namen wohl Erinnerungen ihrer Schullektüre von Woyzeck durchs Hirn purzeln. Manch einer weiß vielleicht auch noch aus der Lektüre des Hessischen Landboten, dass der mit 23 Jahren verstorbene Autor zu den wenigen deutschen Dichtern gehörte, die sich ernsthaft auch in die politische Praxis mischten. Aber der echte Kenner schätzt an Büchner ein weit weniger bekanntes Faktum: Er war witzig! >>> Continue reading Lustige Deutsche (2): Georg Büchner…

Heute: Roman Israel in der Galerie Treibhaus

romanmatthias.jpgAm heutigen Freitag (16. Mai) stellt in Dresden unser Royalist Roman Israel gemeinsam mit dem Pianisten Matthias Krüger erstmals sein neues Programm “Lyrik + Klavier” komplett vor. Romans einzigartige Gedichte haben hier ihre akustische Entsprechung gefunden. Los geht’s um 20:30 Uhr in der Galerie Treibhaus, die ihr in der Katharinenstraße findet, im Hof neben der Groove Station.

Hier schon mal eine Hörprobe vorab:

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Roman Israel und Matthias Krüger, live bei Sax Royal, 10.04.2008, scheune

Zitat des Monats Mai

„Für den Kinofilm „Mein Kampf“ hat das Produktionsteam in Zittau ideale Bedingungen vorgefunden.“

 

(aus der Sächsischen Zeitung)

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