Dresden hat Angst

Man sollte aufpassen, wo man seine Augen hinwirft! Sonst passiert einem, was mir letztens geschah, als ich meinen Blick über die Titelseite der Sächsischen Zeitung schweifen ließ: Eine Studie wollte da herausgefunden haben, wovor die Menschen in Dresden sich fürchten. Und das Ergebnis: Am meisten Angst haben die Dresdner vor Begegnungen mit „Drogenabhängigen“ und „Punkern“.

Gut, dass mich keiner gefragt hat, wovor ich Angst habe – vor den Dresdnern!

Dresdner Aphorismen (11)

Der Münchner liebt seine Stadt wie eine kostspielige Prostituierte, der Berliner liebt sie wie seine launische Ehefrau und der Dresdner – wie seine gute alte Großmutter.

Literaturtipp: Ahne in Dresden

ahne2.gifAm kommenden Freitag, den 27. Juni, kehrt mit Ahne einer der uns liebsten Lesebühnenkollegen zurück nach Dresden. Er ist Mitglied der Surfpoeten und der reformbühne heim & welt in Berlin. Er liest ab 21:00 Uhr in der Groove Station aus seinem neuen Buch “Was war eigentlich morgen” (Voland & Quist). Man darf sich sicher nicht nur auf neueste Geschichten und Zwiegespräche mit Gott freuen, sondern auch auf einige seiner klassischen Meisterwerke.

Dresden, wie es schlägt und schreit

Aus ganz Deutschland werden harmonische oder zumindest halbwegs friedliche Fußballfeste nach der Partie Deutschland-Türkei gemeldet – nur nicht aus der Zone: Sachsen und besonders Dresden werden ihrem Ruf mal wieder mehr als gerecht. Ein Haufen Nazis hat den nationalen Taumel dankbar genutzt, um zu randalieren und einen türkischen Döner-Laden in der Neustadt zu überfallen. Und hunderte normale junge Deutsche auf den Straßen schauen zu.

Da hatte man sich ja an die neue schwarz-rot-gelbe Fähnchenschwenkerei schon halbwegs gewöhnt, da dachte man, es ist doch schon ein Fortschritt, wenn die Deutschen ihren Patrotismus jetzt immerhin bei Fußballspielen und nicht mehr bei Völkermorden ausleben, da war man eigentlich dadurch beruhigt, dass dieser neue Nationalismus sich auf Party und Konsum beschränkt und keinen wirklichen Inhalt mehr hat – aber wenn man dann selbst in die grölende Masse gerät, kann man sich einfach des Ekels nicht erwehren. Was gibt es Erbärmlicheres, als diese deutschen Fans, die ihren Sieg nur dadurch genießen können, dass sie den unterlegenen Gegner auch noch verhöhnen? Der Deutsche kann eben seine Stärke nicht anders fühlen, als indem er Schwächere erniedrigt.

„Der Patriotismus des Franzosen besteht darin, daß sein Herz erwärmt wird, durch diese Wärme sich ausdehnt, sich erweitert, daß es nicht mehr bloß die nächsten Angehörigen, sondern ganz Frankreich, das ganze Land der Civilisazion, mit seiner Liebe umfaßt; der Patriotismus des Deutschen hingegen besteht darin, daß sein Herz enger wird, daß es sich zusammenzieht, wie Leder in der Kälte, daß er das Fremdländische haßt, daß er nicht mehr Weltbürger, nicht mehr Europäer, sondern nur ein enger Teutscher seyn will.“ (Heinrich Heine, 1835)

And the Winner is …

… NIEMAND! NIEMAND konnte die überwältigende Mehrheit auf sich vereinigen: 66% der Dresdner stimmten beim zweiten Wahlgang zum Amt des Oberbürgermeisters für NIEMAND.

Stellvertretend für NIEMAND wird aber in den nächsten 7 Jahren Helma Orosz die Amtsgeschäfte übernehmen. Das bedeutet nun also: 7 Jahre CDU, 7 Jahre Regenwetter, 7 Jahre schlechten Sex. Dresden hat den Bürgermeister, den es verdient. Gute Nacht.

Sommerspaß am Albertplatz!

Das sonnige Wetter nutzten gestern etwa 300 Nationalsozialisten zu Ausflügen im Dresdner Stadtgebiet. Da ihnen eine Demonstration in Dresden-Pappritz verboten worden war, versammelten sie sich der Einfachheit halber spontan an den verschiedensten Plätzen der sächsischen Landeshauptstadt. So marschierten auch etwa fünfzig Männer und Frauen mit Sommerfrisuren über den Albertplatz in der Dresdner Neustadt. Die Polizei, kurz zuvor noch mit zwei Mannschaftswagen vor Ort, hatte sich rechtzeitig zurückgezogen, um einen ungestörten Ablauf zu gewährleisten. Menschen, die bei der Polizei anriefen, bekamen die Gelegenheit, ihre Adressen zu hinterlassen. Kommentar der Polizei, die einige Platzverweise aussprach: „Wir wollen hoffen, dass sie sich daran halten. Es ist ein Kommen und Gehen.“ Die Polizei urteilte im Rückblick: „Sie halten sich an keine Auflagen.“ – „Da kann man nichts machen.“

Zitat des Monats Juni

„Kinder sind in Deutschland unser wichtigster nachwachsender Rohstoff. Deswegen müssen wir in ihre Bildung investieren.“

 

(irgendein Funktionär vorhin im Radio)

Kulturtipp: Baustelle Heimat

Ist es nicht irgendwie wieder herrlich typisch für Dresden, dass der aufgeschlossenste Vertreter der Kultur, dem wir bisher in dieser Stadt begegnet sind, ausgerechnet der Chef des Museums für Sächsische Volkskunst ist? Jedenfalls absolvierten Stefan und Max gestern eine sehr schöne Lesung beim dortigen „Heimatabend“ vor vielen Zuschauern.

Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Euch gleich noch einmal auf die dortige Ausstellung „Baustelle Heimat“ hinzuweisen, die auch für jene interessant sein dürfte, die bisher noch nie an einen Besuch im Volkskunstmuseum dachten. Die Schau ist nämlich alles andere als traditionalistisch, sondern beschäftigt sich auf assoziative Weise mit dem Begriff Heimat, lädt zum interaktiven Bau einer eigenen Stadt ein und bietet ein Forum für alle gerade in Dresden brennend aktuellen Diskussionen von Brücke bis Neumarkt.

Geöffnet ist das Volkskunstmuseum (Köpckestraße zwischen Carolaplatz und Neustädter Markt) täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr. Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Oktober. Am 29. August gibt’s den dritten „Heimatabend“.

Heute Abend: Max und Stefan im Volkskunstmuseum!

Am 20. Juni sind Max Rademann und Stefan Seyfarth zu Gast beim “Heimatabend“, den das Museum für Sächsische Volkskunst in Dresden anlässlich der neuen Ausstellung “Baustelle Heimat” veranstaltet. Beschauliche Gemütlichkeit ist nicht zu erwarten, wenn Max seine wenig jugendfreien Sagen aus dem Erzgebirge präsentiert und Stefan das ganz besondere Biotop der Dresdner Neustadt literarisch beleuchtet. Motto des Abends: Das Volk ist nicht tümlich.

Los geht’s um 18:00 Uhr im Jägerhof/Köpckestraße (zwischen Carolaplatz und Neustädter Markt). Der Eintritt ist frei!

„Ich will die Jungs Blut weinen sehen!“

Es ist an der Zeit, mich zu outen. Ich bin Fussball-Fan. Ich weiß nicht, wann ich es geworden bin, ich weiß nicht, woher das kommt, diese Faszination dafür, „wie 22 Männer in kurzen Hosen einem Ball hinterher rennen“ (Zitat irgendwelcher Leute, die dieses Argument für besonders stichhaltig erachten bezüglich der Sinnlosigkeit dieses Spiels).

Fussball ist ein Spiel und hat bestimmte Regeln, ich finde diese Regeln gut, andere spielen Schach, das ist im Prinzip wie Fussball nur ohne Würfel.

Sollen sie nur. Continue reading „Ich will die Jungs Blut weinen sehen!“…

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