Vergangenen Samstag traten wir also unsere Reise ins schöne Erzgebirge an um dort unsere Texte zu präsentieren. Es ging schon gut los. In Dresden schüttete aus Kübeln, aber je näher wir unserem Ziel kamen, desto mehr hellte sich der Himmel auf. Der Hammer! Das habe ich bisher nur umgekehrt erlebt. In Schwarzenberg war bereits seit Freitag Altstadtfest und dementsprechende Stimmung. Als ich endlich mal wieder den heimischen Dialekt vernahm überkam mich ein Lachkrampf. Das ist ein Sound, unbeschreiblich. Auf dem Markt fand gerade eine Kindermodenschau statt, welche von einer richtigen “Muddie” kommentiert wurde. Ein köstlicher Empfang. Dann betraten wir den Kulturladen Rademann und als ich Julius den Raum zeigte, in welchem wir später lesen sollte, hieß es: “Waaas? Hier lesen wir? Nee, ne?” Nun, bis zu diesem Zeitpunkt standen auch noch einige künstlerische Exponate herum, aber als der Raum dann bestuhlt war und wir das eine oder andere Bier getrunken hatten, wurde es richtig gemütlich. Und die Schwarzenberger kamen. Es war nicht viel Platz in dem Laden, aber jeder war besetzt. Die erste Runde ging etwas verhalten über die Bühne, ganz so als wollte man uns erstmal beschnuppern. Eine Lesebühne? Nee, so was kennt man da nicht. Aber nach der Pause hatte man sich wohl an uns gewöhnt und es ging richtig ab. Endlich lachten die Leute und hatten gecheckt, dass man auch lauthals seine Begeisterung verkünden darf. Es war sehr, sehr schön. Danach wurde gefeiert und wir hatten gut Spass. Ich denke allen hat es sehr gefallen. Irgendwann in der Nacht haben wir dann noch eine spontane Session abgehalten, dabei flossen zum Teil Tränen. Tränen durch intensives Lachen ausgelöst. Ich denke wir haben ein weiteres Terrain erschlossen und das Erzgebirge für unsere Literatur gewonnen. Die wollen nämlich, dass wir nächstes Jahr mal wieder kommen. Sogar keine geringere als die Bürgermeisterin selbst hat Interesse an uns bekundet. Wer weiß, nächstes Jahr selbe Zeit, selber Ort, aber größerer Raum und mehr Leute? Ich bin gespannt.
Am Freitag (22. August) gibt es beim tollen Tenne e.V. in Buchholz (Oberlausitz) mal wieder eine Lesenacht, auf die ich hier hinweisen möchte. Zu Gast sein wird diesmal unser lieber Kollege Tobi Kunze aus Hannover. Der von Poetry Slams und der Hannoveraner Lesebühne “Nachtbarden” bekannte Autor hat die lyrische Poesie genau so in seiner Gewalt wie den prosaischen Witz. Er ist zudem Herausgeber der Anthologie Stadtgeschehen bei Mischwetter. Allen Freunden der Lausitz wie der Literatur sei also ein Besuch ans Herz gelegt! Los geht’s um 19:00 Uhr.
Tenne e.V. -Christlicher Kulturverein Buchholz | Buchholz 76 | 02894 Vierkirchen
Jüngst stand in der Sächsischen Zeitung zu lesen, eine Studie habe ergeben, die Dresdner fürchteten sich vor nichts so sehr wie vor “Drogenabhängigen”. Eine neue Ausstellung im Kunsthaus Dresden, der städtischen Galerie für Gegenwartskunst, bietet die Möglichkeit, Ängste abzubauen.
Der Schau mit dem Titel “Under Influence. Rausch und Drogen in der Gegenwartskunst” gelingt das Kunststück, weder in Moralisierung noch in Glorifizierung zu verfallen. Neben einer Reihe von abstrakten Auseinandersetzungen mit dem Thema “Rausch” bestechen diesmal vor allem die fotografischen Arbeiten. Ashkan Sahihi etwa nähert sich der Sache betont wertfrei und hat verschiedene Drogen an Probanden getestet, um diese dann fotografisch zu dokumentieren. Die Fotos, die Jessica Dimmock unter dem Titel The Ninth Floor präsentiert, dürften hingegen vielen auf den Magen schlagen: Über Jahre hat sie Junkies in einem New Yorker Apartment begleitet. Die Ironie darf natürlich auch nicht fehlen: Jan Bünnig hatte zur Eröffnung ein Sangria-Monument geschaffen, das die berüchtigte Trinklust von Vernissagen-Besuchern zugleich befriedigte und bloßstellte. Im Gästebuch beschwerte sich ein Gast, die Ausstellung habe ihm trotzdem nicht gefallen: Viel zu wenig Drogen! Ein Besuch im Kunsthaus lohnt sich aber wie immer trotzdem.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Oktober, wie immer mit Begleitprogramm und Führungen immer am Sonntag, 16 Uhr.
Sehr gelungen fanden wir und wohl auch die allermeisten Zuschauer unseren Gastauftritt zum Thema “Heimat” im Museum für Sächsische Volkskunst anlässlich der aktuellen Ausstellung “Baustelle Heimat“ am letzten Freitag. Eingeladen hatte uns Igor A. Jenzen, der Chef des Museums. Als Besucher unserer Lesebühne hatte er zuvor den Eindruck gewonnen, dass es sich bei uns durchaus um verkappte Heimatdichter handelt – und er hat Recht behalten! Die recht unkonventionellen Auslegungen dieser Gattung unterhielten die ungefähr sechzig Besucher, die die “Heimatstube” fast restlos füllten, offenbar ganz gut. Und es geschehen noch Zeichen und Wunder: Nach dreieinhalb Jahren gab es nun den ersten Presseartikel, der sich mit unserer Lesebühne befasste. Die Dresdner Neuesten Nachrichten besprachen in der Ausgabe vom 16./17.08. den Abend ausführlich und überdies mehr als schmeichelhaft. (Nur dass der Autor unsere Lesebühne und den “Poetry Slam” durcheinanderbrachte, ärgerte ein bisschen, da doch die beiden Sachen nichts miteinander zu tun haben.) Einen kleinen Bericht über unsere Exkursion ins Erzgebirge gibt’s hier hoffentlich bald aus berufenerem Munde …
Am 16. August (Sonnabend) bestreitet unsere Lesebühne Sax Royal ein ganz besonderes Gastspiel: Wir lesen im “Kulturladen Rademann” in Schwarzenberg mitten im herrlichen Erzgebirge! Anlässlich des Altstadtfestes präsentieren Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth ihre schönsten Geschichten, Gedichte und Lieder. Los geht’s um 19:00 Uhr – kommt alle vorbei!

Der neue sächsische Ministerpräsident fordert von uns mehr Heimatliebe und Mut zum Patriotismus. Die Dresdner Lesebühne Sax Royal nimmt die Herausforderung an und präsentiert am Donnerstag, den 14. August, Geschichten und Gedichte zum Thema “Heimat” im Museum für Sächsische Volkskunst anlässlich der aktuellen Ausstellung “Baustelle Heimat“. Ländliche Sittenbilder aus der Lausitz, dem Vogtland und dem Erzgebirge und urbane Zeitdiagnosen aus Leipzig und Dresden finden in einem literarischen Programm zueinander. Los geht’s um 20:00 Uhr im Museum für Sächsische Volkskunst in der Köpckestraße 1 (zwischen Carolaplatz und Neustädter Markt).

Am 15. August (Freitag) spielt dann Max Rademann aka. Marcos Pachaly ab 22:00 Uhr in der Scheune auf zum Tanz! Live an Stimme und Orgel präsentiert er sein Exklusiv-Programm “Steig ein ins Love-Mobil”, danach legt DJ Max Rademann auf bis in die Puppen.
Lange mussten wir warten, jetzt ist es endlich soweit: Mit einem großen Feuerwerk begannen gestern die Olympischen Spiele und der Krieg. Der Einmarsch der Fahnenträger erfolgte ungefähr gleichzeitig. Während im Kaukasus zunächst die russische Mannschaft den besseren Start hatte, konnte in China ausgerechnet das tschechische Team die erste Goldmedaille gewinnen – im Schießen! Die chinesische Mannschaft rechnet aber auf Grund des Heimvorteils im Reich der Mitte immer noch mit dem Endsieg. Die Russen wiederum setzen ebenfalls fest darauf, sich auf Heimaterde durchzusetzen und haben auch die Hoffnung auf das Double noch nicht aufgegeben.
P.S.: Dass mit Russland und Geogien ausgerechnet zwei Länder Krieg führen, die doch gerade erst den Frieden stiftenden Kapitalismus eingeführt haben! Hätten die nicht mal auf Juli Zeh (34) hören können?
In einem Interview unter dem Titel “Für Besitz muss man sich nicht schämen” hat die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung die Schriftstellerin Juli Zeh (34) nach ihrem Verhältnis zum Geld befragt und interessante Ansichten hervorgelockt. Die Autorin gesteht, in der Zeit ihres Studiums beim Leipziger Literaturinstitut noch “Kapitalismus-Verweigerer” gewesen zu sein und mit ihren Freunden die naive Ansicht geteilt zu haben, Geld zerstöre den Charakter und die künstlerischen Fähigkeiten. Das sei nun vorbei: “Wahrscheinlich, weil ich spießig geworden bin.” Seit sie nun über genügend Geld verfüge, habe sie endlich Gefallen daran gefunden, es zu verprassen: “Ich habe gerne schöne Sachen.” Da ist schon mal ein “perfektes Arbeitszimmer” für “Ein paar Tausend Euro” drin. Aber Juli Zeh denkt natürlich auch an die Allgemeinheit und tätigt “Investitionen in die ostdeutsche Baubranche”. Das schafft Arbeit, denn: “Ich kann keine Glühbirne auswechseln, also lassen wir alles machen.” Die neue Mission, der sich Juli Zeh verschrieben hat, ist es, die Deutschen von ihrem anti-kapitalistischen Reflex zu heilen. “Alles ist böse, was mit Geld und Wirtschaft zu tun hat. Geld ist gesellschaftlich geächtet.” Schlimm! Aber warum dieses schlechte Gewissen? Es ist doch so einfach: “Wenn ich Geld verdiene, steht es für eine gute Leistung; wenn ich es ausgebe, für meine Wertschätzung.” Und da das alles so einfach ist, warum nicht gleich im globalen Maßstab: “Und die Globalisierung – dieser inhaltsleere Begriff – wird als Drohkulisse aufgebaut, als übermächtiges Kapitalismus-Monster.” Dabei übersehen alle immer die segensreichen Wirkungen des Kapitalismus: “Menschen und Staaten, die miteinander Handel treiben, führen keinen Krieg gegeneinander.” Aber Juli Zeh ist natürlich nicht naiv, sondern bleibt kritisch: “Natürlich ist nicht alles Sonnenschein.” Gut, dass wir uns in Deutschland auf so hellsichtige und optimistische Intellektuelle wie Juli Zeh verlassen können: So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis alles Sonnenschein ist.
Dresden ist die Stadt, in der der Bierdeckel, der Zigarettenfilter, die Filtertüte, das Mundwasser, die Zahncreme, die Schuhcreme, die Spiegelreflexkamera, das Tonband, der Teebeutel und der Büstenhalter erfunden wurden.
Ich suche ja immer nach interessanten Blogs, die in Dresden beheimatet sind. Fündig wird man leider nur selten, auch in Sachen Netzkultur scheint die Elbmetropole noch Entwicklungsland. Jetzt bin ich aber auf den Blog MuGo gestoßen bzw. gestoßen worden. In einem interessanten Artikel namens “Dresden” beschäftigt sich der Autor mit den Stärken und Schwächen unserer schönen Heimatstadt. Erhellend ist es, wie er als Zugezogener die Stadt wahrnimmt. Lesenswert auch für gebürtige Dresdner, die meinen, alles sowieso besser zu wissen. (Nicht vom Foto abschrecken lassen!)