Literaturtipp: Kantinenlesen in Görlitz

Eine sehr gute Nachricht gibt es für alle Freunde der Literatur in Görlitz. Das als “Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen” bekannte Kantinenlesen gastiert ab sofort einmal im Monat in der Neißemetropole. Manager Dan Richter hat für das “Görlitzer Kantinenlesen” mit dem BASTA! auch den passenden Ort gefunden. Der Klub, für dessen Erhalt übrigens nicht nur ich schon mal Geld gespendet habe, ist in seiner Art in Görlitz ziemlich einzigartig. Schade nur, dass sich der Termin am letzten Freitag des Monats immer mit dem Dresdner Poetry Slam überschneidet. Zum Auftakt sind neben Dan Richter gleich zwei tolle Autoren zu Gast: Uli Hannemann und Jochen Schmidt. Also Görlitzer, macht eurer Stadt keine Schande und geht auch hin!

1. Görlitzer Kantinenlesen | 26. September | Hotherstraße 25 | Einlass: 20 Uhr | 3 Euro

Steh auf, wenn du Dichter bist!

Eine der größten Errungenschaften in der Geschichte der Menschheit ist der aufrechte Gang. Ja, die Menschwerdung begann eigentlich erst damit, dass der nackte Affe lernte, auf zwei Beinen zu stehen. Sollte es nicht möglich sein, dass das, was Primaten gelungen ist, auch von Schriftstellern bewältigt wird? Ich plädiere hiermit für das Lesen im Stehen. Aus irgendeinem Grund hat sich die irrige Ansicht durchgesetzt, es sei normal, dem Publikum Texte im Sitzen zu präsentieren. So verschanzt sich der Autor hinter einem schmalen Tischchen, verknotet seine Beine und liest mit gesenktem Kopf in ein Mikrofon, das mit Glück auch gleich noch das halbe Gesicht verdeckt. Wenn man Menschen die Hand gibt, steht man auf. Aber wenn man ihnen etwas vorliest, soll man sitzen bleiben? Das Lesen im Stehen ist ein Zeichen des Respekts vor dem Zuschauer. Es nützt aber zugleich auch dem Zuhörer: Ist doch der sitzende Autor dank zusammengequetschter Lunge und verbeultem Zwerchfell stimmlich weit weniger leistungsfähig als sein stehender Kollege. Jeder Künstler, der mit seiner Stimme arbeitet, weiß das. Sänger wissen das, Kabarettisten wissen das, Vortragende aller Art wissen das. Nur Autoren wissen das offenbar nicht. Natürlich ist es Dichtern, die gleich einen ganzen Abend bestreiten sollen und vielleicht auch nicht mehr die jüngsten sind, nicht zuzumuten, die ganze Zeit zu stehen. Der Vorleser soll sich ja nicht fühlen wie ein Gefangener in Guantanamo. Doch für jede kürzere Form und insbesondere für jede Lesebühne sollte die gusseiserne Regel gelten: Steh auf, wenn du Dichter bist! So erübrigt sich übrigens auch die künstliche Erhöhung des Autors über die Köpfe des Publikums. Das Lesen im Stehen verspricht so, noch eine weitere Fliege mit derselben Klappe zu schlagen: Nie wieder Podium bedeutet auch nie wieder Podiumsdiskussionen! Nie wieder “Ich schreibe auch”! Nie wieder überflüssige Fragen! Höchtens noch eine: Wieso lesen Sie eigentlich nicht im Stehen?

Sax Royal am Donnerstag!

Max RademannAm 08. Mai ging die Dresdner Lesebühne Sax Royal in die Sommerpause, am 11. September kehrt sie zurück auf die angestammte Bühne der Dresdner Scheune. Dementsprechend historische Ereignisse sind auch zu erwarten, wenn Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth lauter brandneue heitere und bedenkliche Geschichten, Gedichte und Lieder mitbringen, die ihnen der Sommer eingegeben hat. Zum Auftakt der neuen Saison dürfen sich die Zuschauer auf einen sensationellen Überraschungsgast freuen. Los geht’s wie immer um 21:00 Uhr.

Kulturtipp!

Welch güldene Woche! Es ist die 8.Filmkunstmesse in L.E., sicher ein gediegener Anlass, als Dresdner mal nach Leipzig zu kommen, bzw. als Leipziger die Stadt zu verlassen. Ich werde das nicht tun, ich fühle mich wohl hier, was aber auch daran liegt, dass ich sehr sehr beliebt bin und gestern beim Fußball im Park total guddi war. Mal was anderes:

Der Dokumentarfilm “Heimatkunde”, in dem ganz “viele kaputte Sachen aus der DDR” gezeigt werden, und zwar von niemand Geringerem als dem PARTEI-Vorsitzenden und ehem. Chefredakteur der Titanic Martin Sonneborn, hat heute eine von wenigen Vorpremieren im Leipziger Kino Cineding auf der Karl-Heine Straße. Besonderheit: Der Hauptdarsteller ist anwesend. Alle kommen. Jucheee. Das Spektakel beginnt um 20 Uhr.

Zitat des Monats September

“Lassen Sie mich mit Ihrer dämlichen Politik in Ruhe – ich gehe lieber in den Puff.”

 

(Antwort des Malers Otto Dix auf die Aufforderung seines Dresdner Kollegen Conrad Felixmüller, nach dem Ersten Weltkrieg der KPD beizutreten)

Streit in Bayreuth

Die Leitung des Festspielhauses in Bayreuth ist heiß umstritten. Ganz Deutschland bangt, ob sich ein würdiger und vor allem blutsverwandter Nachfolger für den scheidenden Wolfgang Wagner finden wird. Der Urvater des Festspielhauses, der epochale Komponist Richard Wagner hatte zwei große Träume: das musikalische Gesamtkunstwerk und eine Welt ohne Juden. Wer kommt heute in Frage, in diese übergroßen Fußstapfen zu treten? Im Gespräch sind Nike Wagner und Katharina Wagner, aber auch Eva Wagner-Pasquier. Nicht unterschätzen sollte man auch Herbert Wagner, den ehemaligen Dresdner Oberbürgermeister. Aber der Gartenbauschriftsteller Karl Wagner rechnet sich ebenfalls noch Chancen aus. Man vergesse auch nicht den ehemaligen Gauleiter Josef Wagner sowie die Pop-Prinzessin Jasmin Wagner. Als Geheimfavorit gilt der Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner. Mein persönlicher Wunschkandidat ist und bleibt aber Sturm-und-Drang-Dichter Heinrich Leopold Wagner. Es bleibt spannend!

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