Viele Bücher werden veröffentlicht. Kaum ein Drittel ist es wert, dass man überhaupt nur einen Gedanken daran verschwenden sollte, sich vorzustellen, dass irgendjemand sich jemanden vorstellen könnte, der nur annähernd auf die Idee kommen könnte, ein Buch zu schreiben, dass es verdient, von jemandem gelesen zu werden, der so ist wie wir.
Jeder Koch schreibt ein Buch, jeder Anwalt, jeder Hausarzt, jeder Homöopath, jede Sekretärin schreibt eins, jeder Schüler respektive Schülerin. Sich vorzustellen, wie diese Bücher heißen würden, würde allein schon wiederum ein ganzes Buch füllen, es ist ein Perpetuum Mobile des Grauens und der Leidtragende ist in den meisten Fällen der Kunde, welcher stundenlang im Buchladen seines Vertrauens auf und abgeht und am Ende statt des avantgardistischen russischen Gedichtbandes doch wieder den neongrellen Billigbestseller irgend eines Comedians mitnimmt.
Jeder Comedian schreibt ein Buch und jeder zweite Gagschreiber tut das ebenso. Heraus kommt eine Fülle von Gebrauchsliteratur, die man mal eben auf dem Bahnhofsklo liegen lassen kann, wenn man nichts anderes dabei hat, Bücher mit nichts sagenden Titeln wie „Jetzt wird’s deftig!“, „Wau, mein Hund brennt!“ oder „Vollidiot“. Continue reading Buchbefehl!…
In der Jugendzeitschrift SPIESSER lese ich in der Rubrik “einmischen & mitreden” eine Umfrage, in der die Schüler eines Deutsch-Leistungskurses am Max-Planck-Gymnasium in Trier gefragt wurden, was sie für unentbehrlich halten. “Was ist unentbehrlich?” Werden die sprachgewandten zukünftigen Akademiker für den Weltfrieden plädieren, für die freiheitlich-demokratische Grundordnung oder doch eher für die Kraft der Poesie? Nö:
“Auf Sauerstoff können wir nicht verzichten. Sonst würde nicht nur ich ersticken, sondern alle Lebewesen.” Sebastian, 17
“Ohne Partys hätte ich keinen Ausgleich zum Alltag und würde nicht so viele coole Leute kennenlernen.” Alexander, 18
“Auf Sex sollten wir nicht verzichten – ohne Sex würden wir aussterben.” Mario, 17
Deutschland sieht einer rosigen Zukunft entgegen. Voll und ganz zustimmen kann ich da nur der lobenswerten Ansicht von Lukas, 17 (keine Bibelstelle):
“Ironie! Ohne Ironie könnte ich die Realität nicht ertragen.”
Am heutigen Sonntag (12.10.) bietet sich zum letzten Mal die Chance, das Kunsthaus Dresden zu besuchen, um sich die hochinteressante Ausstellung “Under Influence. Rausch und Drogen in der Gegenwartskunst” anzuschauen, die sodann ihre Pforten schließen wird. Also nichts wie auf in die Rähnitzgasse 8, eine Seitenstraße der Hauptstraße nicht weit vom Goldenen Reiter. Um 16 Uhr kann man auch noch an der letzten Führung durch die Ausstellung partizipieren, die die provokanten Werke der Drogenschau näher vorstellt.
Neunzig kluge und schöne Menschen lauschten unserer jüngsten Lesebühne am 02. Oktober. Für alle, die nicht dabei sein konnten, weil sie vielleicht die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit vorbereiteten, hier eine Hörprobe, diesmal mit einem Textchen von meiner Wenigkeit. Unser Dank gilt wieder Axel für seine Mühen beim Mitschnitt.
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Michael Bittner: thesenhaft zugespitzte Sprachkritik “Angela Merkel spricht deutsch” + sensationeller Hidden Track! (live bei Sax Royal, 02.10.2008, scheune)
Es ist erneut soweit, dass ich ein wenig über das wunderbare Phänomen der Musik sinnieren möchte. Heute möchte ich einen ganz ausgezeichneten Radiosender, welchen man sich online zu Gemüte führen kann, empfehlen. Doch vorweg: Alle die gerne Gothik oder Death Metal, vielleicht Singer und Songwriter Musik hören, brauchen jetzt nicht mehr weiterlesen. Wer aber eine Schwäche für funky Tunes hat, dahinschmelzt wenn es soulig wird, oder gar Hip Hop der der frühen neunziger Jahre liebt, der ist hier genau richtig. Auf wefunk.com findet man ein Showarchiv von so krasser Dichte, dass einem das Herz frohlockt. Setlisten von denen man nur träumen kann und ich wünschte auch nur ein DJ in Dresden würde mal wieder so einen Sound spielen. Für mich ist diese Seite das göttlichste Fundstück im world wide web, das ich bisher in musikalischer Hinsicht machen konnte. Der geilste, fetteste Scheiß läuft dort rauf und runter. Ich wünschte ich hätte eine derartige Plattensammlung zu Hause im Schrank stehen. Herrlichster Raw Funk gibt sich die Klinke mit besten Hip Hop Beats in die Hand. Für Leute wie mich ein Traum. Gelobt seien DJ Static und Professor Groove, die Haus-dj´s von wefunk. Knappe zwei Stunden legen die pro Sendung ununterbrochen Musik auf, dass ich nur noch Endorphine produziere.
Ich weiß, dass mein Musikgeschmack nicht von Allerweltscharakter ist, erst gestern wurde mir wieder herangetragen, er wäre glatt scheiße. Aber das glaub ich kaum, ich finde ihn ziemlich gut und er bereitet mir viele glückliche Momente. Wer also wissen möchte, ob er da etwas mit mir gemeinsam hat, sollte den Klick wagen. Ich wünsche viel vergnügen.
Provokation ist bekanntlich ein Werk Einzelner, die sich sowohl für einzigartig unter der Sonne halten (was sie auch sind, womit sie sich aber nicht grundsätzlich von anderen Lebensformen unterscheiden), als auch über ein pädagogisches Sendungsbewusstsein (ausgehend von ihrer Einzigartigkeit) verfügen, allerdings nicht frei verfügen, sondern es dann zum Ausbruch bringen, wenn sie sich in einer Gruppe nicht wohl fühlen und sich nicht anpassen wollen.
Bei Jugendlichen entäußert sich provokantes Verhalten vor allem in der Pubertät, bei Erwachsenen gibt es keine spezifische Zeit, dort bricht es hin und wieder mehr oder weniger stark aus. Dieses Verhalten kann viele Gesichter haben, die wir unter dem Begriff illusionistisch-unkonventionelle Nichtanpassung zusammen fassen wollen.
Eine besonders extrovertierte Form von Provokation ist sicherlich Terrorismus. Die Grundhaltung ist dieselbe, nur die Mittel sind, nun ja, schlagkräftiger eindrücklicher.
In Kleinstädten ist Provokation aufgrund fehlender Menschen und einer sanguinischen Zufriedenheit weitaus auffälliger, weil seltener, bunte Haare und zerrissene Kleider reichen meist schon aus. Wem würde das aber in einer Großstadt auffallen? Also muss sich der Provokateur, sei er nun infantil, pubertär oder einfach nur bekloppt noch nicht angekommen, neue Wege suchen, z.B. Bomben bauen oder Drogen nehmen und darüber reden, Bomben zu bauen. Der zweite Weg wird glücklicherweise viel öfter betreten als der erste.
Continue reading Die Nichtabwesenheit von Berlin oder „Die Schnallen sollen sich verpissen“…
“… und dann kommt der Amerikaner und alles ist wieder platt.”
(auf dem Dresdner Neumarkt aufgeschnappt von Roman)
Eine schöne Nachricht gibt es für alle Freunde der Poesie. Roman Israel von unserer Lesebühne Sax Royal wird mit gleich sieben Gedichten in einer neuen Anthologie vertreten sein, die eine Auswahl der spannendsten jungen Lyriker der Gegenwart präsentiert. Und womit? Mit Recht! Das Buch mit dem Titel Neubuch. Neue junge Lyrik erscheint dieser Tage im Yedermann Verlag. Herausgeber der Sammlung ist Ron Winkler, ein Nachwort hat die prominente Autorin Ulrike Draesner beigesteuert. Man kann es zum humanen Preis von 12,90 Euro erwerben.