Benennen und verschweigen

Am Dienstagabend gerieten zwei junge Männer (19, 30) mit Anwohnern der Boltenhagener Straße über das Anbringen von Wahlplakaten in einen Streit. Die beiden Dresdner hatten am späten Abend Wahlplakate an Laternen in dieser Straße angebracht. Als sie wenig später zurück kamen, trafen sie drei Männer (18, 24, 26) an, die gerade im Begriff waren, eines der Plakate wieder abzunehmen. Nachdem sie das Trio zur Rede stellten, entflammte eine verbale Auseinandersetzung. Die Plakatierer folgten ihren Streitgegnern bis zu deren Grundstück. Die Bewohner zogen das Hoftor buchstäblich vor den Nasen ihrer Verfolger zu. Hierbei wurde der 19-Jährige leicht verletzt. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

(aus dem Dresdner Polizeibericht)

Videos vom Grand Slam of Saxony

Wie ich gerade sehe, hat ein Enthusiast beim vergangenen Grand Slam of Saxony mitgefilmt. Das bietet natürlich Gelegenheit für alle, die diese Veranstaltung verpasst haben, sich einen Eindruck zu machen – für mich bietet es Gelegenheit, zu gratulieren und ein bisschen Werbung zu machen. Royalist Julius Fischer erreichte gemeinsam mit André Herrmann als „Team Totale Zerstörung“ das Finale, wo sie sich folgendermaßen schlugen:

Wer Julius gerne möglichst schnell wieder erleben will, der merke sich den Auftritt unserer Lesebühne Sax Royal im Deutschen Hygiene-Museum am 13. August vor, wo wir ab 20 Uhr ein literarisches Programm zum Thema „Arbeit“ vorstellen.

Geschlagen wurden die beiden Zerstörer im Finale aber von ihrem Lausitzer Kollegen Udo Tiffert, dem dieser Sieg nicht nur vom Publikum, sondern von der ganzen (gut gearteten) Menschheit von Herzen gegönnt ward. Hier sein Finaltext:

Wir freuen uns sehr, dass wir Udo bei unserer ersten regulären Lesebühne Sax Royal nach der Sommerpause am 10. September als Gast begrüßen dürfen – dann wieder ab 21 Uhr in der Scheune.

Kulturtipp: Offene Bühne

Wie vielleicht doch noch nicht alle wissen, musste die Offene Bühne im Hecht ihr altes Quartier im Hechtviertel verlassen. Sie findet nach der Sommerpause nunmehr in der Neustadt ihre Heimat, und zwar in der Blauen Fabrik. Hoffentlich viele Zuschauer entdecken diese in Zukunft in der Prießnitzstraße 44/48. Mit dem Standort ändert sich natürlich auch der Name: Offene Bühne Dresden heißt die Veranstaltung jetzt, organisiert wird sie weiterhin vom bewährten Team Steffen Haas + Stephen Blaubach. Wer die Bühne noch vor dem Umzug einmal erleben will, findet heute Abend (26. Juli) dazu eine gute Gelegenheit: Unter der Albertbrücke findet die jährliche Open-Air-Ausgabe statt, wie immer mit Literatur, Musik, Kleinkunst und allerlei anderem.

Zitat des Monats Juli

„Die Menschen haben einen leichten Rechtsdrall.“

(Wortbeitrag eines Bratwurstverkäufers vor dem Beginn einer Veranstaltung zur Diskussion über die Frage, welchen Treppenaufgang die Zuschauer wohl nehmen werden – gefolgt von der allzu naheliegenden Pointe: „Stimmt, gerade hier im Osten!“)

Freitag: Grand Slam of Saxony in der Jungen Garde

Wer am kommenden Freitag (24. Juli) abends noch nichts zu tun hat, dem sei der mittlerweile zum sechsten Mal stattfindende “Grand Slam of Saxony” empfohlen. Die Offenen Sächsischen Meisterschaften des Poetry Slam gehen dabei wie in den vorigen Jahren als Open Air Poetry Slam über die Bühne der Jungen Garde im Dresdner Großen Garten. Drei Royalisten sind an dem Spaß beteiligt: Stefan Seyfarth und Michael Bittner werden wie im letzten Jahr moderieren. Unter den Teilnehmern befindet sich Julius Fischer, der gemeinsam mit André Herrmann als „Team Totale Zerstörung“ antreten und sich mit neun tollen anderen Autoren messen wird. Los geht’s pünktlich um 20 Uhr. Dank Überdachung sitzen selbst bei eventuellem Regen alle im Trockenen.

Schönes Kompliment nach der Lesung

„Bei deinem letzten Text hatte ich Probleme. Man wusste ja am Ende gar nicht: Bist du jetzt für den Kommunismus oder dagegen?“

Freitag: Start der neuen Reihe „Literatur im PlattenSpieler“

Vor einer Weile riefen uns Leute vom Verein Idee 01239 an und fragten uns, ob wir nicht Lust hätten, gemeinsam mit ihnen eine neue Lesereihe in Prohlis zu veranstalten. Nun ist Poesie sicherlich nicht der erste Gedanke, der einem durch den Kopf schießt, wenn man an das Dresdner Plattenbauviertel denkt. Umso größer ist aber die Herausforderung, Literatur mal dorthin zu bringen, wo man sie vielleicht am wenigsten erwartet. Ein Besuch in dem ausgesprochen schönen Vereinstreff in Prohlis zeigte Stefan und mir, was für sympathische Enthusiasten da erfolgreich dafür sorgen, Kultur in den nicht eben privilegierten Stadtteil zu bringen.

Also, liebe Neustädter, hier bietet sich eine tolle Chance, die Äuglein mal über den mit Rukola bestückten Tellerrand zu erheben. Steigt am Freitag, den 17. Juli, einfach in die Straßenbahnlinie 13 Richtung Prohlis – lasst euch bis zum Jakob-Winter-Platz gleiten – lauft die wenigen Schritte links vorbei am Prohlis-Center bis zur Gamigstraße – dort seht ihr schon zwei ältere Gebäude – begebt euch in das linke der beiden, den „PlattenSpieler“ (Gamigstraße 26), wo die erste Lesung der neuen Reihe “Literatur im PlattenSpieler“ stattfindet. Achtung: Los geht’s schon um 19 Uhr.

Erster Gast der Reihe ist Michael Bittner. Er ist „bekannt“ als Moderator des livelyriX Poetry Slams in Dresden, als Autor der Dresdner Lesebühne Sax Royal und als literarischer Kolumnist im Magazin der Sächsischen Zeitung. Zu hören gibt es neue Geschichten aus der ostdeutschen Provinz, aber auch einige andere Texte. Nächster Gast der Reihe ist am 21. August dann Stefan Seyfarth, am 18. September kommt dann Franziska Wilhelm – und dann auf Grund sagenhaften Publikumserfolges hoffentlich noch ganz viele andere junge Autoren.

Lesetipp: E-Literatur

Mark Oliver Everett ist Sänger und Songwriter der tollen Band Eels, besser gesagt: Er ist die Band Eels. Nun hat er ein Buch geschrieben. Und zwar über sich selbst. Nicht ohne Grund begegnet man Musikern oder sonstigen Berühmtheiten, die ob ihrer Berühmtheit ein Buch schreiben, gar noch ein autobiografisches, mit Misstrauen. In diesem Falle jedoch zu Unrecht. Everett, seit seiner Jugend „E“ genannt, hat seine außergewöhnliche Lebensgeschichte mit großer Aufrichtigkeit und vor allem mit Witz erzählt. Das lag bei seiner Geschichte nicht unbedingt nahe: Als Jugendlicher schwankt er zwischen Autismus und Exzess. Seinen Vater, einen verkannten Quantenphysiker, findet er eines Tages tot im Bett. Seine Schwester, eine verzweifelte Provinzschönheit, bringt sich nach unzähligen Versuchen erfolgreich selbst ums Leben. Seine Mutter, eine überforderte Hausfrau, stirbt kurz darauf an Krebs. Von jemandem, der so poetische Songtexte schreiben kann, durfte man einiges erwarten. Aber die Erwartungen sind doch noch übertroffen. Besonders empfohlen sei das Buch allen Künstlern, die um Anerkennung und Selbstvertrauen auf ihrem hindernisreichen Weg ringen. Das Buch wirkt wie eine Platte der Eels: Es führt in die tiefsten Abgründe, aber entlässt den Leser mit Hoffnung.

Mark Oliver Everett: Things the Grandchildren Should Know (2008). Als Paperback Edition bei Abacus für 9,70€.

Oder deutsch unter dem semi-doofen Titel: Glückstage in der Hölle. Wie die Musik mein Leben rettete. Kiepenheuer & Witsch. 2009. 18,95€.

Sensationelles Geheimkonzert

The Fuck Hornisschen Orchestra

Wie mir Gerüchte zutragen, soll am Donnerstag (09. Juli) des Abends ein sensationelles Geheimkonzert in unserer schönen Heimatstadt stattfinden. Das legendäre Fuck Hornisschen Orchestra, bestehend aus den zwei Vorzeigemenschen Julius Fischer und Christian Meyer, eröffnet mit diesem Auftritt ihre kommende Welttournee, die sie im Laufe dieses Jahres auf der Autobahn des Ruhmes durch hunderte von Städten führen wird.

Nachtrag: Wahrlich, es war ein überwältigendes Konzert! Ich hoffe, die beiden Protagonisten erinnern sich noch an das schöne Dresden, wenn sie nach ihrer Welttournee eine eigene Show auf RTL bekommen. Hinter mir standen zwei Musiker, die immer still schwiegen, wenn der Rest des Publikums in Lachen ausbrach. Sie vertrieben sich die Zeit dafür damit, sich gegenseitig zu bestätigen, dass die beiden da vorn ja ihre Instrumente gar nicht richtig beherrschen. Wie kann man nur so ganz bar aller Poesie, allen Witzes sein! Wirklich, ich befürchte, man muss das mal offen sagen: Virtuose Musiker tendieren dazu, schlimmere Fachidioten zu sein als Informatiker!

(Schön übrigens, dass auch einige Leser dieses Blogs den Weg gefunden haben – es liest hier also wirklich jemand mit, Wahnsinn!)

Paradoxes Rostock

Auch an der Ostsee essen sie Fisch in der Nordsee.

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