Freitag: Start der neuen Reihe “Literatur im PlattenSpieler”

Vor einer Weile riefen uns Leute vom Verein Idee 01239 an und fragten uns, ob wir nicht Lust hätten, gemeinsam mit ihnen eine neue Lesereihe in Prohlis zu veranstalten. Nun ist Poesie sicherlich nicht der erste Gedanke, der einem durch den Kopf schießt, wenn man an das Dresdner Plattenbauviertel denkt. Umso größer ist aber die Herausforderung, Literatur mal dorthin zu bringen, wo man sie vielleicht am wenigsten erwartet. Ein Besuch in dem ausgesprochen schönen Vereinstreff in Prohlis zeigte Stefan und mir, was für sympathische Enthusiasten da erfolgreich dafür sorgen, Kultur in den nicht eben privilegierten Stadtteil zu bringen.

Also, liebe Neustädter, hier bietet sich eine tolle Chance, die Äuglein mal über den mit Rukola bestückten Tellerrand zu erheben. Steigt am Freitag, den 17. Juli, einfach in die Straßenbahnlinie 13 Richtung Prohlis – lasst euch bis zum Jakob-Winter-Platz gleiten – lauft die wenigen Schritte links vorbei am Prohlis-Center bis zur Gamigstraße – dort seht ihr schon zwei ältere Gebäude – begebt euch in das linke der beiden, den “PlattenSpieler” (Gamigstraße 26), wo die erste Lesung der neuen Reihe “Literatur im PlattenSpieler“ stattfindet. Achtung: Los geht’s schon um 19 Uhr.

Erster Gast der Reihe ist Michael Bittner. Er ist “bekannt” als Moderator des livelyriX Poetry Slams in Dresden, als Autor der Dresdner Lesebühne Sax Royal und als literarischer Kolumnist im Magazin der Sächsischen Zeitung. Zu hören gibt es neue Geschichten aus der ostdeutschen Provinz, aber auch einige andere Texte. Nächster Gast der Reihe ist am 21. August dann Stefan Seyfarth, am 18. September kommt dann Franziska Wilhelm – und dann auf Grund sagenhaften Publikumserfolges hoffentlich noch ganz viele andere junge Autoren.

Lesetipp: E-Literatur

Mark Oliver Everett ist Sänger und Songwriter der tollen Band Eels, besser gesagt: Er ist die Band Eels. Nun hat er ein Buch geschrieben. Und zwar über sich selbst. Nicht ohne Grund begegnet man Musikern oder sonstigen Berühmtheiten, die ob ihrer Berühmtheit ein Buch schreiben, gar noch ein autobiografisches, mit Misstrauen. In diesem Falle jedoch zu Unrecht. Everett, seit seiner Jugend “E” genannt, hat seine außergewöhnliche Lebensgeschichte mit großer Aufrichtigkeit und vor allem mit Witz erzählt. Das lag bei seiner Geschichte nicht unbedingt nahe: Als Jugendlicher schwankt er zwischen Autismus und Exzess. Seinen Vater, einen verkannten Quantenphysiker, findet er eines Tages tot im Bett. Seine Schwester, eine verzweifelte Provinzschönheit, bringt sich nach unzähligen Versuchen erfolgreich selbst ums Leben. Seine Mutter, eine überforderte Hausfrau, stirbt kurz darauf an Krebs. Von jemandem, der so poetische Songtexte schreiben kann, durfte man einiges erwarten. Aber die Erwartungen sind doch noch übertroffen. Besonders empfohlen sei das Buch allen Künstlern, die um Anerkennung und Selbstvertrauen auf ihrem hindernisreichen Weg ringen. Das Buch wirkt wie eine Platte der Eels: Es führt in die tiefsten Abgründe, aber entlässt den Leser mit Hoffnung.

Mark Oliver Everett: Things the Grandchildren Should Know (2008). Als Paperback Edition bei Abacus für 9,70€.

Oder deutsch unter dem semi-doofen Titel: Glückstage in der Hölle. Wie die Musik mein Leben rettete. Kiepenheuer & Witsch. 2009. 18,95€.

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