Bündnis für Arbeit

Als ich letztens in Frankreich im Urlaub war, sah ich in einer Kleinstadt an vielen Laternen die Aufkleber einer Gewerkschaft: „Schlechte Arbeit für schlechten Lohn! Das kapitalistische System angreifen!“ Wäre das in Deutschland auch möglich? Nein, da steht auf den Gewerkschaftsbannern: „Kollegen, lasst uns unsere Arbeit verdoppeln, damit unsere Arbeitgeber endlich einsehen, wie viel wir wirklich verdienen! Ach was, lasst uns auch gleich noch auf die Hälfte unseres Lohnes verzichten, damit sie begreifen, wie gut sie es mit uns haben!“

Das sind so Fragen …

Die Telekom bucht Geld von meinem Konto ab, obwohl ich gar nicht mehr ihr Kunde bin. Beim Beschwerdeformular im Internetz muss ich anklicken: Sind Sie „nicht verärgert“ oder „wenig verärgert“ oder „verärgert“ oder „deutlich verärgert“ oder „sehr verärgert“? Teils aus falschem Anstand, teils aus Protest gegen dieses Eindringen in meinen Gefühlshaushalt habe ich „nicht verärgert“ angeklickt. Jetzt meldet sich natürlich keiner (Dringlichkeitsstufe 0). Selber Schuld, überreflexiver Allesversteher!

Die Zukunft kann kommen!

So muss man wenigstens urteilen, wenn man sich die Ergebnisse der „Jugendwahl“ anschaut, die jetzt in ganz Deutschland stattfand. Dabei durften Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ihre Stimme für die existierenden Parteien abgeben. Sollten die jungen Leute ihre Meinung nicht später noch ändern (unwahrscheinlich), dann stehen den Grünen, den Piraten und der Tierschutzpartei glänzende Zeiten bevor. Wie immer zeigen bloß die sächsischen Wahlergebnisse ein recht eigentümliches Bild, aber darüber wundert sich sicher keiner mehr.

Internet – das Medium der Zukunft

aus einer Diskussion im weltweiten Netz:

COJONESDELOSO (vor 2 Wochen)
In ein KZ mit den Legasthenikern.

Nazisvergasen (vor 2 Wochen)
Scheis nazis geh raus du assischwein!

COJONESDELOSO (vor 2 Wochen)
Bitte sei eine Karikatur der NPD.

Nazisvergasen (vor 2 Wochen)
Problem?

COJONESDELOSO (vor 1 Woche)
Ja dich, du widerlicher Faschist!

Nazisvergasen (vor 1 Woche)
Arschloch ud bist total dumm du Nazi!

Hörprobe (9)

Mit Unterstützung wie immer von Achsel hier eine Hörprobe unserer jüngsten Lesebühne, stattgefunden habend am 10. September. Es liest Max Rademann.

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Freitag: Franziska Wilhelm in Dresden

Franziska Wilhelm

Am 18. September findet die dritte Lesung der Reihe “Literatur im PlattenSpieler” statt, bei der die Vereine Idee 01239 und livelyriX gemeinsam junge Autoren zu Lesungen nach Dresden-Prohlis bringen. Die Lesung findet ab 19 Uhr im Kulturtreff “PlattenSpieler” (Gamigstraße 26) statt. Gast ist diesmal die junge Schriftstellerin Franziska Wilhelm. Franziska Wilhelm wurde 1981 in Erfurt geboren. Nach dem Abitur verschlug es sie für ein Jahr zum Jobben in ein freimaurerisches Londoner Mädcheninternat, dann zum Studieren nach Leipzig und von dort aus für ein weiteres Jahr in die spanische Hauptstadt „Madriz“, wie diese mehr oder weniger liebevoll von den Einheimischen genannt wird. Die Jungautorin hat mit ihren meist skurrilen Erzählungen bereits mehrere Literaturwettbewerbe gewonnen und Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Franziska Wilhelm lebt und arbeitet in Leipzig.

Filmtipp: Die Schmerzen der Lausitz

Bei unserer letzten Lesebühne wurde mir unter konspirativen Umständen eine CD mit dem rätselhaften Titel Die Schmerzen der Lausitz überreicht. Gestern schaute ich mir den darauf befindlichen Film mit meiner Liebsten an und möchte ihn allen Freunden der Dokumentation und der Lausitz ans Herz legen. Der Regisseur Peter Rocha drehte seinen Film über die Landschaftsvernichtung durch den Braunkohleabbau in der Umbruchsphase 1989/90, was ihn zugleich zum höchst anschaulichen Dokument für die Endphase der DDR macht. In schier endlosen Luftaufnahmen zeigt er das Ausmaß der Lausitzer Tagebaue, zusammen mit der apokalyptischen Musik glaubt man gelegentlich, gerade eine Fortsetzung von Der Wüstenplanet zu sehen. Der singende Baggerführer Gerhard Gundermann erinnert daran, dass es auch in der Zone schon vor 1989 eine ökologische Bewegung gab. Dem Schriftsteller Jurij Koch kommen die Sorben wie die letzten Indianer vor der Ausrottung vor. Ganz so schlimm ist es nun doch nicht gekommen, aber das Bild der vor einem Plattenbau in traditioneller Tracht tanzenden Ureinwohner wird keiner vergessen, der den Film gesehen hat. Ab und zu läuft er wohl noch im Fernsehen oder auf Festivals.

Wer wird Kanzlerin?

Das große Fernsehduell vor der Wahl: Wer wird Kanzlerin? Die Debatte zwischen Angela Meier (CDP) und Frank-Walter Steinmerkel (SPU) – moderiert von Sabine Christiansen. Das vorbereitete Manuskript wurde mir glücklicherweise zugespielt, sodass ich die Debatte der Öffentlichkeit hier schon vorab zugänglich machen kann:

Sabine Christiansen: Herzlich willkommen an den Bildschirmen und vor den Volksempfängern, liebes Wahlvieh! Der Tag der Entscheidung naht unaufhaltsam, eine Jahrhundertwahl steht an, eine Entscheidung für Generationen: Wird … hier, die Dings, weiterregieren oder … der andere auch eventuell weiter mitherrschen mit der Dings zusammen, wie bis jetzt eben auch. Erste Frage: Frau Dings, Meier! Sie haben die Krise glänzend gemeistert, außenpolitisch nur Erfolge errungen, manch einer, zum Beispiel ich, würde sogar sagen, Deutschland an die Weltspitze geführt und den Zweiten Weltkrieg beinahe ungeschehen gemacht. Sie werden gewinnen, oder?

Angela Meier: Keine Frage, ja, das werde ich.

Sabine Christiansen: Herr Steinmerkel, Sie gelten als profillos, als SPU-Mitglied, kurz gesagt: als Pfeife. Macht Sie ihre totale Chancenlosigkeit eigentlich depressiv?

Frank-Walter Steinmerkel: Nein, Frau Christiansen. Ich habe gelernt, damit sachlich umzugehen. Ich möchte …

Sabine Christiansen: Erst einmal eine Frage an die Gewinnerin. Frau Meier, wie fühlt es sich an, als Frau Erfolg zu haben?

Angela Meier: Sehr sehr gut, das kann ich Ihnen versichern. Auch im Bett flutscht es wieder.

Sabine Christiansen: Herr Steinmerkel, welche entscheidenden Differenzen sehen Sie zwischen sich selbst und der Kanzlerin?

Frank-Walter Steinmerkel: Man sollte da nicht übertreiben. Ich bin ein Mann, sie ist eine Frau. Soweit muss Klarheit herrschen. Was die Politik angeht, stehe ich für eine Politik der Vernunft, der Kraft und der Klugheit. Die Bürger wissen das.

Sabine Christiansen: Welche Konsequenzen müssen wir aus der Finanzkrise ziehen, Frau Meier?

Angela Meier: Alle. Wir müssen vernünftig, kraftvoll und klug handeln.

Frank-Walter Steinmerkel: Da muss ich entschieden widersprechen! Das reicht nicht! Da bleibe ich hart, da zeige ich Linie, da geh ich mit dem Kopf durch die Wand.

Sabine Christiansen: Was wäre ihre erste Amtshandlung, wenn Sie … hahaha … Bundeskanzler werden, Herr Steinmerkel?

Frank-Walter Steinmerkel: Ähm … hm … da erwischen Sie mich auf dem falschen Fuß. Da habe ich noch nie drüber nachgedacht.

Sabine Christiansen: Zahlreiche kontroverse Themen haben diesen Wahlkampf angeheizt. Mir fallen nur gerade keine ein. Ihnen?

Angela Meier: Nein.

Frank-Walter Steinmerkel: Nö.

Sabine Christiansen: Warten Sie, jetzt hab ich’s! Die Linke droht damit, den Kommunismus wieder einzuführen. Haben wir bald wieder eine Stasi, Konzentrationslager und so weiter? Wer schützt unsere Kinder?

Angela Meier: Die Deutschen dürfen sich nicht linken lassen. Man schafft keine Arbeitsplätze mit links. Linksverkehr bringt keine Sicherheit. Mein Kollege sieht das ja anders und will mit den Kommunisten ins Bett!

Frank-Walter Steinmerkel: Nein, um Gottes Willen, das stimmt nicht! Echt nicht! Das müssen Sie mir wirklich glauben! Ich verspreche es Ihnen, ich schwöre es beim Barte meiner Mutti! Ich habe mit dem Sozialismus echt überhaupt nichts zu tun, ehrlich. Ab und zu mal die Internationale singen bei den Jusos oder so, aber das ist doch nur Verarsche, wirklich. Lieber regiere ich noch einmal vier Jahre mit Ihnen zusammen. Einverstanden?

Angela Meier: Mal sehen.

Frank-Walter Steinmerkel: Ach bitte, komm!

Angela Meier: Mal sehen.

Sabine Christiansen: Würden Sie schwarz-gelb bevorzugen, Frau Meier?

Angela Meier: Das muss man sehen. Ich werde zu gegebener Zeit bei bestehendem Handlungsbedarf eine vernünftige Entscheidung herbeiführen.

Sabine Christiansen: Eine klare Ansage! Schwarz-gelb oder sozialistische Volksfront, vor diesen beiden Alternativen steht Deutschland. Es ist eine Schande, dass überhaupt die Möglichkeit besteht, dass wieder Kommunisten in unserer Republik an die Macht kommen. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Stasi, die RAF und die Alt-68er Benno Ohnesorg erschossen haben. Wieso gibt’s überhaupt Wahlen?

Angela Meier: Das wüsste ich auch gern.

Frank-Walter Steinmerkel: Tschuldigung, ich habe gerade nicht zugehört.

Sabine Christiansen: Liebe Zuschauer, das war unsere Debatte. Wir hoffen, Ihnen Klarheit verschafft zu haben. Gehen Sie bitte in zwei Wochen wählen oder lassen Sie es sein, Hauptsache es ändert sich nichts groß. Gute Nacht!

Donnerstag: The Return of Sax Royal!

Am 10. September klettert die Dresdner Lesebühne Sax Royal endlich wieder aus dem Sommerloch und präsentiert frische Geschichten und Gedichte, die ihnen die Ferienzeit so eingegeben hat. Die Zuschauer erwartet ab 21 Uhr in der Scheune wieder ein buntes literarisches Programm, in dem die Autoren Ernst und Witz, Satire und Poesie in ungewöhnliche Kombinationen treiben. Für Julius Fischer, der sich auf Tournee befindet, haben wir einen mehr als würdigen Ersatz gefunden: Udo Tiffert wird als literarischer Gast erwartet. Der Lausitzer Autor ist dem Dresdner Publikum nicht zuletzt durch seinen Sieg beim 6. Grand Slam of Saxony bekannt geworden. Auch für die Bonusrunde ist gesorgt: Max Rademann (Foto) stellt einen neuen, auf DVD veröffentlichten Animationsfilm der Reihe “Peschi & Poschi” vor, den er wie immer gemeinsam mit Jens Rosemann schuf.

Hier noch eine Neuigkeit: Ab sofort gibt’s für für die Freunde dieses Blogs immer 1 mal 2 Freikarten für unsere Lesebühne zu gewinnen. Beantwortet diesmal einfach folgende knifflige Preisfrage aus der Geschichte von Sax Royal:

Wie hieß der Gewinner des ersten und vermutlich auch letzten alternativen Dresdner Lyrikpreises, der bei Sax Royal für sein poetisches Schaffen das „Goldene Bockwurstglas“ in Empfang nehmen durfte?

Antworten bitte an michael.bittner[ät]livelyrix.de. Der/die erste Einsender/in gewinnt!

Zitat des Monats September

„Was, wenn die Hexenverbrennungen berechtigt waren? Wenn es den Teufel gibt und wenn böse Frauen existieren, die mit ihm im Bunde sind?“

Daniel Kehlmann

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