Sax Royal vorm Jahresende

Unsere Lesebühne kehrt zwar erst am 14. Januar zum rauschenden 5-Jahres-Geburtstagsfest aus dem Winterschlaf in die Scheune zurück – wem aber der Sinn trotzdem nach uns stehen sollte, dem seien hier noch drei Tipps anheimgestellt:

Alle Mitmenschen, die wie ich in der Weihnachtszeit ihre Lausitzer Heimat besuchen, haben vielleicht Lust, am 26.12. das Kantinenlesen Görlitz zu besuchen. Dort darf ich zum Feste gemeinsam mit den Kollegen Udo Tiffert (Neusorge) und Tube (Berlin) lesen. Los geht’s um 21 Uhr im Basta.

Wen es hingegen über die Feiertage nach Berlin verschlagen sollte, der kann am 30. 12. Julius Fischer bei der Berliner Poetry-Slam-Stadtmeisterschaft erleben. Die geht ab 20 Uhr über die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Wer hingegen noch nicht weiß, was er zu Silvester mit sich anfangen soll, der kann in Dresden bleiben: Am 31.12. legt Max Rademann aka Marcos Pachaly als DJ seine liebsten Funk- und Soul-Platten auf, wenn die Scheune unter dem Motto “Tanz statt Böller” das neue Jahr begrüßt.

Frohe Weihnacht – wünschen Peschi und Poschi

Micha’s Lebenshilfe (7)

Wenn man nachts am Imbissstand (drei S!) Pommes Frites kauft und Temperaturen um -15°C herrschen, sollte man ggf. nicht erwarten, dass die Pommes nach dreihundert Metern Weges zu Hause noch „bissel warm“ sein werden.

(Demnächst ist das geschilderte Problem gegenstandslos, weil es (dank Gott [bzw. CO²]) keine Minustemperaturen mehr geben wird.)

Vorschau: Unser Buch im Frühjahr

Im Blog des Verlages Voland & Quist kann man in der Vorschau fürs Frühjahrsprogramm schon mal anschauen, in welch illustrer Umgebung unser kommendes Buch „Sax Royal. Eine Lesebühne rechnet ab“ erscheinen wird:

Besinnliches zur Weihnacht

Weihnachten, das ist die Zeit der Besinnung, der Liebe und der Eintracht. In diesen heiligen Tagen sollte die Zwietracht schweigen, der Spott ruhen und kein vorlauter Witz sich über die Lippen wagen. Auch ich möchte mich anschließen und hier ausnahmsweise mal einige nachdenkliche, aber auch zuversichtliche Worte an die Menschen da draußen richten. Als Vorbild habe ich mir die wunderbare Weihnachtsansprache erwählt, die unser lieber Bundespräsident Horst Köhler jedes Jahr im Fernsehen hält. Am Ende weiß ich immer kaum mehr, was der gute Mann eigentlich gesagt hat, aber ein wohliges Kribbeln durchströmt meinen Körper und die Augenlider senken sich in beseligter Ruhe. Hoffen wir mal, dass ich das auch so gut hinbekomme:

Liebe Landsleute, ich wünsche Ihnen allen von Herzen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Für jeden von uns, ob Christ oder nicht, sind die Bilder von Weihnachten einleuchtend: Ein Kind wird geboren, in einem Stall in einer Futterkrippe – und mit ihm kommt Licht in die Welt. Dieses Fest und diese Botschaft brauchen wir – alle Jahre wieder. Denn in unserem Land liegen zu viele Kinder nicht in Krippen, sondern besoffen im Straßengraben oder in einer Gefriertruhe. Das ist sehr traurig.

Auch geht es leider in vielen Familien nicht ganz ohne Streit zu. Viele haben im vergangenen Jahr solche Erfahrungen gemacht, und ich wünsche Ihnen, dass Sie Trost finden und auch wieder Zuversicht. Wir sollten uns ruhig mal ein Herz fassen, und der Nachbarin mit dem blauen Auge tröstende Worte spenden, die es ihr ermöglichen, auszuhalten und ihre Pflicht tapfer bis zum Lebensende zu erfüllen. Das ist gelebte Nächstenliebe.

Ich denke heute Abend auch an unsere Soldatinnen und Soldaten, die in der Ferne für Sicherheit und Wiederaufbau sorgen. Sie dienen dem Frieden, unter Einsatz von Leib und Leben. Nicht selten werden sie traumatisiert durch Selbstmordattentäter, die absichtlich in ihre Kugeln laufen. Trotzdem halten sie aus und begnügen sich mit einem geringen Auslandszuschlag beim Sold. Dafür wollen wir ihnen danken.

Sorgen macht uns allen die weltweite Finanzkrise mit ihren Folgen. Viele haben Angst um ihr Erspartes. Und viele fürchten um ihren Arbeitsplatz. Es ist richtig, dass der Staat entschlossen handelt, um die Betriebe zu schützen und um Arbeit und Einkommen der Menschen zu sichern. Unvorstellbar viel Geld ist verspielt worden. Deshalb brauchen wir jetzt neue Spielregeln, damit im Casino des Finanzmarkts wieder die gute alte Regel gilt: Am Ende gewinnt immer die Bank.

Wir werden uns anstrengen müssen. Und mit „Wir“ meine ich besonders Sie. Ich habe Zuversicht, dass wir die Herausforderung meistern werden. Die neue Bereitschaft zum Miteinander in den Betrieben hat uns gestärkt für die Aufgaben, die vor uns liegen. Gut ausgebildete, motivierte Arbeitnehmer haben auf Lohn verzichtet, im Gegenzug haben ideenreiche, mutige Unternehmer höhere Profite akzeptiert. Ein Geben und Nehmen, auf dem der Erfolg unserer sozialen Marktwirtschaft beruht.

Ich sehe in der Krise auch eine Chance. Jetzt muss einfach jeder das Gute, Wahre oder auch das Schöne tun – vom Bösen, Falschen und Hässlichen aber ablassen. Wir brauchen Achtsamkeit für das Gemeinwohl. Wir brauchen Anstand, Bescheidenheit und Maß. Wir brauchen zielführende Perspektiven für die Chancen der Zukunft am Horizont des Kommenden. Jetzt muss sich entsprechend verhalten, wer Verantwortung trägt und Rechenschaft schuldet. Glaubwürdigkeit bringt das Vertrauen zurück. Es ist das Band, das unsere Gesellschaft zusammenhält. Denn gerade Ihr Gläubiger ist auf Ihre Glaubwürdigkeit angewiesen. Lassen Sie uns dieses Band gemeinsam stärken.

Liebe Landsleute, es liegt wirklich an Ihnen selbst, nicht etwa an den Mächtigen. Begehen Sie nicht den leichtfertigen Irrtum, die Verantwortlichen verantwortlich zu machen. Schöpfen Sie die Kraft aus Ihren eigenen Möglichkeiten. Diesen Gedanken wollte ich Ihnen heute mitbringen.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Bescherung: Gott sei Ihnen gnädig.

Aufruf zum Odenwald-Krimiwettbewerb

Gestern Nacht erreichte mich folgender Aufruf. Den vielen Jungautoren unserer stolzen Nation, besonders den 11-jährigen, lege ich dringend ans Herz, diesem Folge zu leisten:

Odenwald-Krimiwettbewerb
Kurzkrimi zum Thema „Totholz“ (für Erwachsene und Jugendliche); bis zum 1. März 2010 einzureichen. Dotation: Jugendliche (11-17 J.) können auf Bücher und Überraschungsgutscheine (kein Shit) hoffen!!! Erwachsenen winken als 1. Preis: 2.000 Euro; als 2.: ein Wochenendausflug für zwei Personen ins Hotel Zentlinde in Mossautal-Güttersbach. Der 3. bekommt immerhin noch ein Candlelight-Dinner für 2 Personen spendiert. Außerdem gibt es viele attraktive Sachpreise zu gewinnen, u.a. Motorsägenkurse, Stirnlampen etc.!!!

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(Da auch ich seit längerem auf eine ordentlich funktionierende Stirnlampe spekuliere, machte ich mich selbstverständlich sofort an die Arbeit. Dringend erforderlich erschien mir allerdings ein Motorsägenkurs zu sein, den es eigentlich erst zu gewinnen galt, denn wie sollte ich sonst die vielen kleinen Details meiner spontan ausgedachten Geschichte realistisch beschreiben können. Zum einen wusste ich nicht, ob es theoretisch möglich war, mehrere übereinandergestapelte Leichen mit einem einzigen Motorsägenhieb in mundgerechte Stücke zu teilen zum anderen kannte ich mich wenig damit aus, wie man mit kleiner Motorsägeleistung möglichst wenig Lärm und Dreck verursachte, ohne gleich sämtliche Mieterparteien aufzuwecken. Eine durch und durch vertrackte Situation. Wäre ich in der Lage, sie in den Griff zu bekommen? Nur die Menschen der Zukunft wissen schon jetzt, ob alles gutgegangen ist. Ich bin untröstlich.)

Filmtipp: Stilles Land

Will noch irgendjemand Filme über die deutsche Einheit im Jahr der Einheit sehen? Noch mehr Stasi-Offiziere, die sich in Bürgerrechtlerinnen verlieben? Nä! Eine Ausnahme sollte man aber doch machen, wie ich dem persönlichen Augenschein vertrauend hier empfehlen möchte: Man kann sich den Film Stilles Land ausleihen, den Debütfilm eines gewissen Andreas Dresen.

Schon 1991/92 gedreht, vermittelt er – noch ganz ohne Kostüme und Studionachbauten – ein treffliches Bild vom Ende der Deutschen Demokratischen Republik. Arbeitstitel des Films war „Provinztheater“, und eben darum geht es: Ein junger, leicht überambitionierter Regisseur kommt an ein Provinztheater im hohen Norden der DDR und versucht, ausgerechnet durch eine Inszenierung von Warten auf Godot ein lethargisches Ensemble aus dem Tiefschlaf zu wecken. Unterdessen bricht jedoch ein Land zusammen und Schauspieler wie Publikum schauen lieber gebannt darauf, was auf der Weltbühne vor sich geht. Der ganze Film lebt von der intimen Kenntnis des speziellen Biotops Provinztheater: Andreas Dresden kannte sich als Sohn des Theaterregisseurs Adolf Dresen und der Schauspielerin Barbara Bachmann selbst bestens aus. Meine Lieblingsszene: Die Akteure sitzen als Tiere verkleidet in der Kantine, als über Lautsprecher die Aufforderung schallt: „Die Schweine bitte auf die Bühne!“ Eine Liebesgeschichte gibts natürlich auch.

Stilles Land ist in der „Edition Debütfilme“ beim Studio Filmgalerie 451 erschienen. Die zwei DVDs enthalten auch Andreas Dresens frühe Kurzfilme und ein unbedingt sehenswertes, ausführliches und selten sympathisches Interview mit dem Regisseur, der die Geschichte seiner eigenen Karriere sehr witzig und unprätentiös schildert.

Rückblick: Sax Royal 2009 zum Nachhören

Für alle Fans unserer Lesebühne gibt es die Höhepunkte des Jahres 2009 noch einmal bei MySpace zum Nachhören.

Sax Royal

Spitzt die Löffel, wenn Stefan Seyfarth seine grandiose Geschichte übers Schweineschlachten vorträgt oder zückt das Feuerzeug bei Julius Fischers Wochenrückrap. Folgt Michael Bittner ins witzige Weimar, Max Rademann rund um den Zoo, unserem Gastautor André Herrmann in den besten Supermarkt der Welt oder lauscht unserem vielgeschätzten Kollegen, Udo Tiffert, was er von einer neu gebauten Asphaltpiste hält. Auch in unseren berühmt-berüchtigten Bonusrunden gab es diesmal allerlei Schmankerl zu erleben. Zu Beginn des Jahres gastierte bei uns das legendäre The Fuck Hornisschen Orchestra aka Julius Fischer und Christian Meyer; im April brachten Michael Bittner und ich in Vorfreude auf die Urlaubssaison ein deftiges Feature übers Campen und im November präsentierten euch Julius, Micha und Max ein delikates Hörspiel über eine neue Generation von Liedermachern.

Wir danken DJ Axel, der alle Aufnahmen ermöglicht hat, und natürlich Euch, dem liebsten Publikum der Welt, das uns durch zahlreiches Erscheinen und Anfeuern immer wieder zu Tränen rührte!

Und jetzt viel Spaß beim Reinhören!

Zitat des Monats Dezember

Ein Nazi-Paar erklärt ihrem fünfjährigen Sohn bei der Einfahrt in den Bahnhof Dresden-Neustadt:

„Das ist die Neustadt hier! Hier wohnen bloß Zecken, Kevin*, bloß Zecken! Das ist ganz furchtbar! Die arme Oma!“

* Name geändert

(Anmerkung: Zitat klingt ausgedacht, isses aber [natürlich {leider}] nicht.)

Jahresabschluss

Von einem Blog wird ja doch gemeinhin erwartet, dass der Autor laufend einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht und den neugierigen Leser in den Backstageraum seines Lebens bittet. Ich scheue mich davor immer ein bisschen, will aber zum besinnlichen Jahresausklang mal eine Ausnahme machen. Schließlich gibt’s ja doch ein bisschen was zu berichten.

Einige werden mitbekommen haben, dass ich seit Januar 2009 eine Kolumne für die Sächsische Zeitung schreibe, genauer gesagt für das Wochenend-Magazin in der Rubrik „Unterhaltung“, im Volksmund auch „Witzseite“ genannt. Jede Woche ohne Pause und Ausrede einen 4000-zeichigen Text über irgendetwas zu verfassen, hat sich als unbedingt bewusstseinserweiternde Aufgabe herausgestellt – und das nicht nur, weil die Zahl der Irgendetwasse naturgemäß begrenzt ist. 54 Texte! Ich weiß selber nicht mehr, wo die hergekommen sein sollen. Schwieriger noch aber war es, sich auf ein Publikum einzustellen, das man nicht kennt und auch nie zu Gesicht bekommt. Wenn man sonst beinahe jeden Text, den man schreibt, gleich ein paar Tage drauf vorliest, ist das schon eine gewisse Umstellung. Immerhin: Obgleich ich vorher gewarnt ward, dass nie, wirklich nie jemand schreibt, weil es ihm gefallen hat, habe ich doch ein paar positive E-Mails bekommen. Noch mehr freut sich der Autor natürlich über das persönliche Feedback, das er von vielen verschiedenen Leuten erhielt, die zum Teil sogar nicht bestochen waren. Dass bei einem Text pro Woche nicht alles gelungen sein konnte, versteht sich bei meinen beschränkten Mitteln von selbst. Mein besonderer Dank sei an dieser Stelle für die sehr nette Zusammenarbeit ausgesprochen an den Redakteur Marcus Krämer und die Illustratorin Dorina Tessmann.

Wenn es eine negative Folge meines Tuns gab, dann hat sie leider diesen Blog hier betroffen, den ich mangels Materialüberschuss seltener beliefern konnte. Und wenn, dann meist mit den langweiligen Sachen (Politik), die für die Kolumne nicht zu gebrauchen waren. Vielleicht sind daher einige Leser dieses Blogs zu dem Eindruck gelangt, ich würde mich nur noch für Politik und Hochkultur interessieren. Dem ist nicht so! Ich beschäftige mich nach wie vor auch mit anderen Fragen, zum Beispiel mit der, warum man beim Scheißen immer instinktiv die Brille absetzt.

Über unsere Lesebühne Sax Royal muss ich wohl keine weiteren Worte verlieren. Es macht jedes Jahr mehr Spaß mit Julius, Max, Roman und Stefan zu lesen, die ich daher an dieser ein wenig sentimentalen Stelle noch einmal verbal an meinen Busen drücken möchte. Mein Dank geht natürlich auch an Leif, Axel und das ganze Team der Scheune. Ich vibriere vor Vorfreude, wenn ich an unseren fünften Geburtstag am 14. Januar und an – tata – unser im Frühjahr bei Voland & Quist erscheinendes Buch „Sax Royal. Eine Lesebühne rechnet ab“ denke.

Jetzt brauch ich mal Urlaub.

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