Geschenkideen für Weihnachten 2009

Wer absolut noch keinen Plan hat, was er der oder den Liebsten vor Schreck schenken soll, dem seien noch einmal folgende tolle Produkte vor Augen geführt, die sich ideal als Weihnachtsgeschenke eignen:

Ganz frisch aus dem Druck und nur für kurze Zeit erhältlich ist ein Kalender für 2010 mit meinen neuesten Gedichten und Grafiken von INKO. Die Stückzahl ist begrenzt. Erhältlich nur bei DaWanda und bei unserer morgigen Lesebühne.

Des weiteren möchte ich auf die Postkartenserie „Rotes Giräffchen“ hinweisen. Sieben verschiedene Motive mit Grafiken von INKO und meinen lyrischen Klassikern wie „Marx“, „Eichhörnchen“ und „Rotes Giräffchen“. Zu haben auch als Drucke in Bilderrahmen. Erhältlich bei Buttendorf Handgefertigtes (Kamenzer Str. 17, DD-Neustadt), bei UBO Geschenkeladen (Görlitzer Str. 32, DD-Neustadt), Büchers Best (Louisenstr., DD-Neustadt), art+form (Bautzner Str. 11, DD-Neustadt), DaWanda und bei unserer Lesebühne.

Und zu guter Letzt sei noch das kleine Büchlein „Fotoepigramme“ mit Fotos von Christiane Michel und meinen Texten genannt. Es sind nur noch einige wenige Bücher übrig. Erhältlich bei Büchers Best (Louisenstraße, DD-Neustadt) oder bei unserer Lesebühne.

Viel Spaß beim Überlegen und Stöbern!

Donnerstag: Sax Royal in der Scheune

Sax RoyalAm kommenden Donnerstag, den 10. Dezember, entert die Lesebühne Sax Royal ab 21 Uhr wieder die Bühne der Dresdner Scheune. Wie immer präsentieren die fünf Autoren ein brandneues literarisches Programm. Es lesen: Michael Bittner, der nach der Bundestagswahl immer noch politische Trauerarbeit leistet, Julius Fischer, der bei den deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften die Bronzemedaille erlesen konnte, Roman Israel, der seine Erfahrungen in der Arbeitswelt erst noch verarbeiten muss, Max Rademann, der jetzt zur freischwebenden Intelligenz gehört und last but not least Stefan Seyfarth, der vielleicht auch von seinen brandneuen Erfahrungen in der Vaterrolle erzählen wird. In der Bonusrunde erwarten das Publikum diesmal musikalische Überraschungen.

Veranstaltungstipp: Dresdner Striezelmarkt 2009

Gestern näherte sich das Jahr dem Höhepunkt, der obligatorische Besuch des weltweit schönsten Weihnachtsmarktes in Begleitung von lieben Verwandten aus der Heimat stand an. Und was gab es da nicht alles zu sehen! Freuden über Freuden, Attraktionen über Attraktionen und vor allem: andere Menschen. Eigentlich nichts besonderes, würden kritische Beobachter zu Bedenken geben, denn das findet man mittlerweile in jeder deutschen Stadt, und sei sie auch noch so ein klitzekleines Kaff, im Monat Dezember. Was macht aber den Dresdner Striezelmarkt so einzigartig, dass mancher sogar den weiten Weg aus, sagen wir mal, Frankfurt an der Oder nicht scheut, um hier, in unserem schönen Dresden, Kraft für das himmlische Treiben an den Feiertagen zu tanken?
Ohne jeden Zweifel, es ist natürlich die Aura des Atmosphärischen. Obwohl der Glühwein jedes Jahr seltsamer schmeckt, weil das Deutschtum lieber gepanschtes kopfschmerzverursachendes Billiggesöff in sich hineinschlürft als auch nur einen einzigen Cent für mehr Qualität auszugeben, ist es trotzdem immer wieder ein Hochgenuss:

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Urgemütlich: Zwischen liebevoll gestalteten Buden schlendern. Ab und zu ein Pläuschchen mit dem Vordermann.

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Atemberaubend: Einen Blick auf beleuchtete Barockgebäude am Altmarkt erhaschen.

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Tränenrührend: Sich an vielfältig gestalteter Kinderlache satthören.

Ich empfehle deshalb: Hingehen! Sich der Wurzeln des Weihnachtsfestes bewusst werden! Stille atmen! Mit der Welt seinen Frieden machen! Sich mit Verbrechern versöhnen!

Der Dresdner Striezelmarkt ist Mo bis So 10 bis 21 Uhr und noch bis zum 24.12. geöffnet.

Einige Gedanken ohne besondere Ordnung

Meinen großen Dank an alle Menschen, die gestern Lust hatten, mir beim Vorlesen zuzuhören. Ein “kontinuierlich präsenter Vorleseautor” wie ich weiß das zu schätzen. *** Ein älterer Herr sucht im Zeitungsständer nach der F.A.Z.: “Ah! Ja, hier, ganz oben, wo sie hingehört!” *** Marc-Uwe Klings Abschiedstournee wird den Titel “Burn Out” tragen. *** Ich bin immer verspannt, aber vielleicht wird ein zweiter Frühling meine Glieder lösen. *** Wenn beim Italiener erzählt wird, dass die Türken in die Kräutersauce wichsen – ist das dann auch Rassismus? *** André Herrmann ist ein großer Mann. Ein ganz großer! *** In Brandenburg tobt, wie ich den Lokalzeitungen entnehmen konnte, gerade eine Riesendebatte: In der PDS-Fraktion im Landtag sitzen Stasi-Spitzel! Beschämend und empörend, wie wenig dieses dunkle Kapitel deutscher Diktaturgeschichte verarbeitet wurde. Wie kann es sein, dass solche Agenten eines Unrechtsstaates je wieder Macht in die Hände bekommen? Man sollte sich an der BRD orientieren, in der so etwas dank aufrechter Männer wie Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger (NSDAP, dann CDU) oder Bundespräsident Karl Carstens (NSDAP, dann CDU) unmöglich gewesen wäre.

Donnerstag: Michael Bittner liest Reisegeschichten

Michael Bittner

Am 03. Dezember präsentiert Michael Bittner ein literarisches Programm unter dem Titel “Auf halbem Weg. Reisegeschichten” um 20:30 Uhr in der Galerie treibhaus in Dresden. Gibt es eine bessere Zeit für sonnige Geschichten als den tiefsten Winter? Michael Bittner reist nicht gern und schreibt darüber. Seine Geschichten von unterwegs führen manchmal in die exotische Ferne und manchmal um den Block. Zwischen Regionalexpress und Linienflug begegnen ihm die außergewöhnlichsten Gestalten: verliebte Aussteiger, entspannte Regierungschefs, selbstkritische Studenten der Betriebswirtschaftslehre. Mit dem geschulten Blick des Völkerkundlers durchstreift er die wilden Steppen Brandenburgs, setzt sich in Polen als Botschafter für die Versöhnung der Völker ein und wagt als Pionier den Schritt auf einen anderen Kontinent.

Michael Bittner ist Co-Moderator des livelyriX Poetry Slams, Autor der Dresdner Lesebühne Sax Royal und schreibt wöchentlich eine literarische Kolumne für das Magazin der Sächsischen Zeitung.

Lesetipp: Tippgemeinschaft

Eher zufällig in die Hände fiel mir letztens die Anthologie des Leipziger Literaturinstituts Tippgemeinschaft 2008, nämlich als Geschenk nach einer Lesung im Leipziger Hugendubel. Zunächst war ich enttäuscht, hatte ich doch angesichts voller Regale eher auf ein Präsent à la Die Bibel des Orgasmus gehofft. Das ist also das Buch, das über die Verlagstische der Republik wandert, damit eifrige Lektoren sich die frischesten Geheimtipps aus dem Leipziger Zuchtteich angeln können? Pah!

Doch nach der lohnenden Lektüre muss ich jetzt mein Vorurteil revidieren. Es gibt natürlich auch einige Geschichten nach dem Muster “Ich sitze in der Straßenbahn und weiß nicht, was ich schreiben soll” – die mir um so mehr auf die Nerven gingen, weil ich auch selber weiß, wie man dazu kommt, solch ein Zeug zu fabrizieren. Aber auch eine ganze Reihe hervorrragend erzählter und interessanter Geschichten sind drin, die für die weniger zahlreichen Ausfälle entschädigen.

Hier meine persönlichen Anspieltipps: Da wäre die charmant-absurd-alltägliche Geschichte namens Kassette von Carl-Christian Elze, von dem ich zuvor in Anthologien auch schon einige schöne Gedichte in der Tradition der Ästhetik des Hässlichen gelesen hatte. Charlotte Roos erzählt in einer Geschichte mit dem Titel Müll sehr sinnlich von einer Familienzusammenführung im nahen Orient. In der Geschichte Schule Aus von Diana Feuerbach wird (ein bisschen sentimental, aber doch stimmig) in die Schule der Kindheit zurückgekehrt, die es bald nicht mehr geben wird. Hoffentlich der Auszug aus einem zukünftigen Roman ist die Story Vernarbt von Sarah Alina Grosz, in der die Autorin ziemlich beeindruckend lakonisch und witzig von einer jugendlichen Aussteigerin berichtet. Vielleicht mein persönlicher Favorit. Dunkel und unangenehm erzählt schließlich Anjo Schwarz in Nerventropfen von einem Mann, der von den Bedürfnissen seiner bettlägerigen Mutter überfordert, sich lieber in sexuellen Fantasien über die Eroberung der Altenpflegerin ergeht.

Richtig auf die Nerven gingen mir eigentlich nur einige der poetologischen Aufsätze, die als Anhang die Anthologie abschlossen. Immerhin für seinen Mut gelobt werden muss Christian Kreis, der nicht davor zurückscheute, Gedichte aus seinem Hobbykeller zu veröffentlichen, darunter ein Meisterwerk wie Danke, du Schlampe. Ein Auszug: “Komm, laß deine Titten benetzen, / deine Kleider zerfetzen. / Ich glaube, er steht / für dich allein. / Und ist ihm abgegolten worden, / dann sage ich ehrlich / danke, du Schlampe.” Hier scheint ein neues Genre, die Atzen-Lyrik, geboren worden zu sein. Verse, die an den frühen MC Frauenarzt gemahnen, nur mit weniger Poesie. Aber da der Autor auch selbstironisch auf sein eigenes Werk blicken kann, wird man ihm nicht böse werden.

Anders sieht das bei dem Essay Über die Herstellung haltbarer Blutwurst von Simon Urban aus, den ich aus vollem Herzen scheiße fand. Das literarische Erweckungserlebnis von Herrn Urban war die Begegnung mit dem Werk von Martin Walser, genauer gesagt: die Walser-Bubis-Debatte im Anschluss an Walsers Paulskirchenrede (“Moralkeule” Auschwitz). Darin hatte der Autor vor einer Instrumentalisierung der deutschen Schande gewarnt und über die allgegenwärtige Präsenz ihrer Darstellung geklagt. Simon Urban fand es damals sehr schrecklich, dass Walser von den “Linken” als Antisemit bezeichnet wurde und auch heute noch wird. Dass es für diesen Verdacht noch einige andere Belege gibt (laut Günter Amendt nannte Walser Bob Dylan mal einen “herumzigeunernden Israeliten”), ignoriert der fleißige Jünger geflissentlich. Nein, er setzte sich damals gar in Duisburg bei einer Diskussion für seinen Übervater ein, riskierte viel und wurde dabei von einem “Kräftigen” sogar mal ganz böse angeschaut: “warum der mich nicht in die Mangel genommen hat, ist bis heute unklar.” Mir scheint das ziemlich klar: Er hatte Mitleid. Stolz erzählt Urban, wie sein Einsatz für Walser ihm sogar eine Erwähnung in der “Welt am Sonntag” einbrachte. Das intellektuelle Resultat seines Engagements: Simon Urban wurde mit einem Schlag klar, dass “links und rechts gar nicht die beiden maximal voneinander entfernten Pole einer Skala sind”. Wahnsinn! Aber noch mehr: Die, die sich “Linke” nennen, sind nämlich in Wahrheit Nazis, zumindest aber genauso schlimm. Ein “Gedicht” entfaltet diese These mit beeindruckender dialektischer Schärfe: “Eine Methode, die man einst in Deutschland kannte, / war, dass man seinen Feind als Judenfreund benannte / [...] Und wenn man’s heut mit seinem Gegner übel meint, / dann nennt man ihn halt einfach einen Judenfeind.” Ganz genau: Früher denunzierte man die Juden, heute die Antisemiten. Gar kein Unterschied! (Urban bezeichnet sich übrigens als “Schmalspurlyriker”, eine lobenswerte Bescheidenheit. Er sollte aber noch weiter gehen und sagen, dass er gar keiner ist.) So wird denn der “Massenmord” an den Juden zum “Totschlagargument”. Wirklich, man muss sich dieses geniale Wortspiel mal in seiner ganzen Trefflichkeit durch den Kopf gehen lassen. Was war der Holocaust, was war der zweite Weltkrieg? Den Worten Urbans nach ein “Trauma”, ja eine “Tragödie”. Da ist das Schicksal wirklich allzu bitter über die Deutschen hereingebrochen. Wer litt mehr unter dem Holocaust als die Deutschen? Selbst der Simon Urban ist immer noch traumatisiert, dabei liegen doch zwischen seiner Geburt und Hitlers Tod “11.048 Tage” als “Sicherheitsabstand” – das müsste doch nun wirklich reichen! Und wer war an allem Schuld? Na klar, “der Hitler”! Aber nicht nur der, sondern auch seine “Nazi-Mischpoke”! Sprachliches Feingefühl (“Mischpoke” = hebräisch-jüdisch für “Familie”), wie man es von einem literarischen Genius vom Schlage Urbans erwarten kann: Hitler und seine jüdischen Verwandten sind es, die den armen Deutschen mit ihrer blöden Schande einfach keine Ruhe lassen. Manchmal verrrät doch die Sprache mehr, als der Autor wollte.

Die Tippgemeinschaft 2009 schon gelesen hat Jens Kassner – ich werd’s nachholen.

Micha’s Lebenshilfe (6)

Wenn man selten (bzw. nie) Müsli ist, dann aber gelegenheitlich dazu kommt, doch einmal welches zu essen, sollte man sich ggf. den Napf nicht zu voll füllen, denn es steht zu bedenken, dass Müsli beim Kauen im Mund (leider) immer mehr statt weniger wird.

Micha’s Lebenshilfe (5)

Wenn man in eine Lesung geht, ggf. eine von Jürgen Kuttner, sollte man sein Mobiltelefon vorher ausschalten. Sorry, Leute!

Gelahrte Scherze (2)

Gibt es einen historischen Fortschritt? Letztens bemerkte ich, dass ein nahe gelegenes Friseurgeschäft seinen Namen von “McCut” zu “kamm in” geändert hat. Ich bin immer fester davon überzeugt, dass wir uns alle in einer Phase geschichtlichen Verfalls befinden.

Gelahrte Scherze (1)

Liebe Schöpfer der Institution “Senioren Centrum Vitanas”! Hättet Ihr nicht vielleicht bei Eurer Namenswahl doch eine andere Entscheidung treffen sollen? Vertauscht einer Eurer Pfleglinge jetzt in optischer oder psychischer Verwirrung auch nur zwei Buchstaben miteinander, muss er gleich der Vergänglichkeit ins Auge blicken!

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