SMS-Lyrik im Kunsthaus

Im Kunsthaus Dresden, der Städtischen Galerie für Gegenwartskunst, hat eine neue Ausstellung unter dem Titel „Welt in der Hand“ begonnen, die sich mit der globalen Alltagskultur des Mobiltelefons beschäftigt. Nachdem man sich in einem Dokumentenraum mit einigen Informationen zur Technik- und Kulturgeschichte des Mobiltelefons versorgen kann, gibts in den eigentlichen Ausstellungsräumen wie gewohnt allerlei Konzeptkunst, die sich mit den verschiedensten Aspekten des Themas befasst.

In Kooperation mit dem livelyriX e.V. gibt es anlässlich der Ausstellung auch ein literarisches Projekt: SMS-Lyrik. Drei Dresdner Autoren, nämlich Stefan Seyfarth und Roman Israel von unserer Lesebühne Sax Royal sowie Moritz 7, haben Kurzgedichte verfasst, die ins Format der handelsüblichen Kurzmitteilung passen. Herausgekommen sind prägnante und pointierte Gedichte und Aphorismen, die die besonderen Bedingungen des Mediums ausnutzen.

Der Clou: In der Ausstellung findet der geneigte Besucher eine Box, in die er seine Mobilnummer einwerfen kann. Sodann bekommt er regelmäßig eins der SMS-Gedichte kostenlos zugeschickt. Wem das zu technisch ist, der kann auch am Donnerstag, den 15. April, um 19 Uhr ins Kunsthaus zur Lesung „SMS-Lyrik“ kommen. Roman Israel, Stefan Seyfarth und Moritz 7 werden dann ihre Kurzgedichte und andere Texte analog, aber quicklebendig präsentieren.

Donnerstag: „Die Knochenmacher“ auf ColoRadio

Am 25.03. gibt es von mir das Programm „Die Knochenmacher“ auf ColoRadio zu hören. Darin finden sich einige meiner skurrilsten Gedichte, aber auch einiges andere literarisch Naturschöne. Unterstützt wird mein Live-Vortrag von Andreas Dörrhöfer auf der Gitarre, u.a. mit Stücken von John Dowland.

Wann: 25.03.10 / 22:30 Uhr
Wo: ColoRadio auf 98,4 MHZ, 99,3 MHZ oder Livestream

Die Sozialbetrügerin bei der Arbeit

Der Gerichtsreport beginnt schon einmal vielversprechend:

Möglicherweise wäre die Angeklagte besser gefahren, wenn sie mit einem Strafverteidiger in ihren Prozess am Amtsgericht Dresden erschienen wäre. Doch den kann sich die Hartz-IV-Empfängerin nicht leisten.

Tja, Pech gehabt. Hätte jemand sie darüber informieren müssen, wie man auch ohne Geld einen Rechtsbeistand erhalten kann? Wen interessiert’s.

Der delikate Vorwurf: Die 59-Jährige soll Einnahmen als Prostituierte erzielt, aber nicht der Arge gemeldet haben.

Sollte eine 59-jährige, die noch Einnahmen als Prostituierte erzielen kann, nicht vor allem Respekt verdienen? Aber ach, die arge Arge, sie denkt immer nur ans Geld. Und um welche astronomischen Summen ging es jetzt eigentlich?

Auch wenn die Freier kaum 90 Euro im Monat bei der Dirne ließen, sie hätte ihre – geringfügige – Liebesbeschäftigung nicht verschweigen dürfen.

Merkwürdig, der Artikel, der vermutlich als heitere Anekdote aus der Welt der Justiz die Leser erheitern sollte, führte bei mir zunehmend zu Unwohlsein und Melancholie. Das macht wahrscheinlich meine zügellose Fantasie. Wo andere nur von einem lustigen Fall lesen, muss ich mir immer gleich eine alte Frau vorstellen, die mehrere Männer im Monat drüberlassen muss, um neunzig Euro zusammenzubekommen.

Weil sie das von März 2007 bis Mai 2009 jedoch getan habe, sei der Arge ein Schaden von 2327,88 Euro entstanden – wie auch immer man auf diesen Betrag gekommen ist.

Schlimm. Hätte die Frau ihre Fickwirtschaft nur ordentlich als Nebenverdienst angemeldet, dann hätte der Staat die Einnahmen einkassiert und wohl nichts einzuwenden gehabt.

Laut Anklage hat die Frau gewerbsmäßigen Betrug in vier Fällen begangen, denn sie habe regelmäßige Einkünfte erzielt. Mindeststrafe: sechs Monate.

Das also ist „gewerbsmäßiger Betrug“? Erstaunlich. Ich hatte bei dem Begriff immer an andere Dinge (FDP, katholische Kirche u.ä.) gedacht.

Die Angeklagte legte ein Geständnis ab. Sie habe nur ihre Schulden zahlen wollen, sagte die 59-Jährige, die bislang nie straffällig war. Offenbar hatte sie nicht einmal geahnt, dass sie das wenige Freiersgeld angeben muss.

Die arme Frau ohne Anwalt gesteht nicht nur, sie gesteht auch gleich noch ihre Unwissenheit. Aber wie man weiß, schützt Unkenntnis vor Strafe nicht. Endlich mal wieder jemand, den man schön glatt aburteilen kann.

Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Das war Richter Hans Hlavka deutlich zu viel. Er verurteilte die Frau wegen gewerbsmäßigen Betruges zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten.

Wirklich eine geradezu bestialische Humanität. Nur acht Monate! Das heißt, dass die Sozialbetrügerin im Fall der Fälle einen Tag Gefängnis für 9,70 Euro illegaler Einnahme absitzen muss.

Zitat des Monats März

Nina Hagen, 55, hat gestern auf der Leipziger Buchmesse ihre Autobiographie „Bekenntnisse“ vorgestellt, in der es auch um ihren Glauben geht. Die einstige „Punk-Queen“ hat sich im vorigen Jahr evangelisch taufen lassen und meint: „Es wäre wunderbar, wenn wir Katholiken und evangelischen Gläubigen zu einer Christenheit zusammenwachsen würden.“

Pressenotiz

Sax Royal – Buchpremiere in Leipzig!

Sax Royal feiert Buchpremiere! Nach über fünf Jahren literarischen Schaffens erscheint dieser Tage das erste Buch unserer Lesebühne im Verlag Voland & Quist unter dem Titel Sax Royal. Eine Lesebühne rechnet ab. Die Sammlung bietet einen Querschnitt unseres Schaffens, enthält einige unserer schönsten Geschichten und Gedichte und dazu eine CD mit einem Live-Mitschnitt, der die Atmosphäre eines Lesebühnenabends einfängt. Am kommenden Donnerstag, den 18. März, erlebt das Buch seine Weltpremiere, wenn unsere Lesebühne ab 20 Uhr anlässlich der Leipziger Buchmesse in der Wärmehalle Süd gastiert.

Erhältlich ist das Buch Sax Royal. Eine Lesebühne rechnet ab überall im Buchhandel, bei Amazon oder versandkostenfrei direkt beim Verlag Voland & Quist – und natürlich immer handsigniert nach unserer Lesebühne. Bitte weitersagen!

Heute: Perlen für Perlen

Manchmal hat man ja auch zum Dienstagabend Lust, auszugehen und dazu vielleicht noch ein bisschen Soul und Funk zu hören. Wem noch Prosecco schmeckt, der hat dann heute die Gelegenheit, diesen für den unschlagbaren Preis von einem lausigen Euro zu konsumieren. Dazu legt Max Rademann feine Schallplatten auf, so dass es rein atmosphärisch gesehen eigentlich nur super werden kann. Dies alles, wie gesagt, heute ab 20 Uhr im Alten Wettbüro.

Schwarzmarkt am Sonnabend

Am kommenden Sonnabend, den 20. März, gibt es in Dresden ein Projekt zu erleben, das eine interessante Mischung aus Kunstinstallation und Wissensvermittlung zu werden verspricht.  Der “Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen” gastiert in Dresden, genauer gesagt im Kleinen Haus des Staatsschauspiels. 100 Experten stehen bereit, um interessierten Zuhörern Kostbares aus ihrem Schatz an Erfahrungen und Erkenntnissen zu erzählen – das weit gefasste Thema lautet „Das Andere der Vernunft. Zeitgenössische Spekulationen zum Romantischen“. Unter den Experten finden sich so illustre Dresdner Persönlichkeiten wie die Chanteuse Annamateur, der Kultursoziologe Karl-Siegbert Rehberg oder der Buchhändler Jörg Stübing. Man kann sie für einen Euro eine halbe Stunde lang mieten oder den Gesprächen über Kopfhörer lauschen. Ich werde übrigens auf Wunsch etwas über die Erfindung der modernen Liebe in der Frühromantik erzählen.

Mein erstes Buch

Mein erstes Buch hat soeben das Licht der Welt erblickt. Es trägt den bestsellerverdächtigen Titel Ästhetischer Staat oder politische Kunst? Die Poetik Georg Büchners am Ende der Kunstperiode und ist im Dresdner Thelem Verlag erschienen. Es geht in der Arbeit um die Frage, ob und inwiefern Georg Büchner als politischer Dichter zu verstehen ist. Neben einer Einordnung Büchners in die ästhetische Diskussion der Zeit enthält das Buch auch Interpretationen der Stücke Danton’s Tod und Leonce und Lena. Wer sich dafür interessiert, kann es im Buchhandel, bei Amazon oder auch direkt beim Thelem Verlag bestellen.

Samstag: „Felder hinter Wäldern hinter Städten“

Am 13.03. stelle ich mein neues Buchprojekt „Felder hinter Wäldern hinter Städten“ in der Galerie Treibhaus vor. Dabei handelt es sich um einen neuen Gedichtband, der die Traditionslinien zweier lyrischer Kurzformen vereinigt. Das naturbildorientierte japanische Haiku verschmilzt mit dem ironisch-gesellschaftskritischen Epigramm des Abendlandes. Die im Buch enthaltenen Illustrationen von INKO nehmen u.a. Bezug auf klassische japanische Druckgrafik. Neben der Buchpräsentation werde ich Geschichten und Gedichte lesen, die das Thema „Mensch und Natur“ ironisch-meditativ umkreisen. Grafische Projektionen, mittels Beamer an die Wand gebracht, fügen den Texten weitere Betrachtungs- und Bedeutungsebenen hinzu. Ich freue mich auf euer Kommen.

Was: Lesung/Buchpremiere „Felder hinter Wäldern hinter Städten“
Wann: Sa, 13.03.10 / 20 Uhr
Wo: Galerie Treibhaus / Katharinenstraße 11-13 / 01099 Dresden
Eintritt: 3,- Eur

http://www.galerietreibhaus.de

Donnerstag: Sax Royal in der Scheune

Sax Royal

Am kommenden Donnerstag, den 11. März, präsentiert die Lesebühne Sax Royal wieder eine neue Ausgabe ihres immer brandneuen literarischen Programms in der Dresdner Scheune. Das Publikum darf sich wie immer auf Geschichten und Gedichte freuen, aber auch je nach aktueller Inspirationslage der Dichter auf Lieder, Hörspiele und Kurzfilme hoffen. Ausnahmsweise wird diesmal auch ein befreundeter Kollege als literarischer Gast erwartet: André Herrmann ist Mitglied der Leipziger Lesebühne “Schkeuditzer Kreuz” und hat für seine Geschichten den Michael-Lindner-Preis 2009 gewonnen. In der Bonusrunde wird schließlich Royalist Roman Israel Texte aus seinem neuesten Buch vorstellen: Felder hinter Wäldern hinter Städten.

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