Zweizeiler des Tages

Schädelschmerzen, und zwar rasche:

Radeberger aus der Flasche.

Achtung, marktorientierte und lebenslaufoptimierte Bachelor-Hochleistungsstudenten!

Hier ein Zitat, das ihr garantiert nie für eine Klausur verwenden könnt:

Die Jugend ist die Poesie des Lebens, und die äußerlich ungebundene und sorgenlose Freiheit der Studenten auf der Universität die bedeutendste Schule dieser Poesie, und man möchte ihr beständig zurufen: sei nur vor allen Dingen jung! Denn ohne Blüte keine Frucht.

Joseph Freiherr von Eichendorff

An der Theke in Prohlis

„Habt ihr auch so speziellere Sachen, zum Beispiel eine Afri-Cola?“

„Nee.“

„Dann nehm ich ein Radeberger.“

Sax Royal in Magdeburg am Sonnabend

Am Sonnabend (22. Mai) kann sich, wer mag, zum Public Poetry Viewing ins Schauspiel des Theaters Magdeburg begeben: Die Lesebühne Sax Royal wird dort in der Reihe „Club der lebenden Dichter“ einen ihrer legendären Auftritte („Sie kamen, sie lasen, sie tranken“) hinlegen. Stefan Seyfarth, Max Rademann, Roman Israel, Julius Fischer und Michael Bittner lesen einige ihrer schönsten Geschichten und Gedichte und stellen damit gleichzeitig ihr frisch erschienenes Debütwerk mit dem Titel Sax Royal. Eine Lesebühne rechnet ab vor. Sollte sich zufällig schönes Wetter oder ein Fußballeuropapokalendspiel einstellen, sei daran erinnert: Die ganze Sache startet als „Nachtschicht“ nicht vor 21:30 Uhr. Also Leute, sagt Euren Magdeburger Tanten Bescheid!

P.S.: Hier die Auflösung zum dazu gehörigen Gewinnspiel. Laut Auskunft des Veranstalters betrug die Schnittmenge aus Fußballhassern, Lesebühnenfreunden und Magdeburgern: 26,5! (Eine Frau musste zeitiger weg.) Damit hat leider niemand die richtige Lösung gefunden … aber den Kopf nicht hängen lassen, das nächste Rätsel kommt bestimmt.

Literaturtipp: Anselm Neft am Freitag

Anselm Neft

Anselm Neft wurde 1973 in einem Stall bei Bonn geboren und arbeitet sich seit 2006 als Autor in Berlin arm. Allerlei Studien und Tätigkeiten, u.a. als Religionswissenschaftler, Deutschlehrer, Schalmeibläser, Etikettenpresser, Medikamententester, Unternehmensberater, Tellerwäscher und Stadtführer. Er schreibt Nachrufe und eine Kolumne für den Tagesspiegel und ist Mitherausgeber von Exot, einer Zeitschrift für komische Literatur. Im PlattenSpieler liest er aus dem jüngst im Ullstein Verlag erschienenen Buch Die Lebern der Anderen, das seine schönsten Geschichten versammelt.

So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.

*Literatur im PlattenSpieler: Anselm Neft* | 21. Mai | Freitag | 19 Uhr | PlattenSpieler / Idee 01239 e.V. (Gamigstraße 26) | AK 2 Euro

Theaterwarnung: Der Besuch der alten Dame

Voller Enthusiasmus für das gegenwärtige Theater betrat ich am vergangenen Sonntag das Kleine Haus des Dresdner Staatsschauspiels, um zu schauen, was da auch komme. Ich entschied mich für Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame – ohne weiter darauf zu achten, dass im Kleingedruckten von einer „Neubearbeitung von Armin Petras“ die Rede war. Dessen Namen hatte ich schon oft mal gehört, wenn von prominenten Vertretern des jüngeren deutschen Theaters die Rede war. Es gab nur noch Karten mit Sichtbehinderung, die ich dennoch freudig erwarb. Hätte es doch bloß nur noch Karten mit einhundertprozentiger Sicht- und Hörbehinderung gegeben!

Es ist dem Bearbeiter gelungen, das Stück in eine sprachlich platte, inhaltlich völlig überflüssige Nummernrevue zu verwandeln. Die alte Dame kommt jetzt aus dem Westen in ihre alte Heimat zuürck und bietet den Bewohnern einer nach dem „freundlichen Umschwung“ verarmten ostdeutschen Kleinstadt eine Milliarde, wenn sie ihren ehemaligen untreuen Geliebten umbringen. Das böse Geld korrumpiert natürlich die Leute! Statt Kapitalismuskritik gibts pseudo-politischen Phrasendresch, die Dialoge der Figuren sind mit ödestem Berlin-Mitte-Geschwalle angereichert. Ein Effekt nach dem anderen (Gesangseinlagen, fliegende Blätter, Videospielgeballer, unmotivierte Fickificki-Szenen, Kunstnebel, Windmaschine …) jagt über die Bühne – doch keiner kann das immer lauter werdende Gähnen des Publikums übertönen. Ein paar müde Anspielungen auf Dresden gibts auch noch, aber kein Rentner hat mehr die Kraft, empört den Saal zu verlassen. Trotz einer Handvoll Dauerbegeisterter im Publikum ist der schmale Applaus am Ende bestenfalls Zeugnis der Erleichterung.

Vor dem Besuch der Inszenierung muss ich dringend warnen. Geht lieber in die Italienische Nacht!

Zitat des Monats Mai

Michael Bittner wirkt mit seiner schwarzumrahmten Brille und den glatten blonden Haaren wie der nette Intellektuelle, den sich jede verwitwete Rentnerin als ruhigen Untermieter in ihrer Einliegerwohnung wünscht.

(kunststoff, Das Kulturmagazin aus Mitteldeutschland)

Achtung: Großes Mathe-Gewinnspiel!

Hier die Rechenaufgabe:

Die Schnittmenge aus Fußballhassern, Lesebühnenfreunden und Leipzigern betrug am 12. Mai (Endspiel „Europa League“): 10.

Wie groß wird dann die Schnittmenge aus Fußballhassern, Lesebühnenfreunden und Magdeburgern am 22. Mai (Endspiel „Champions League“) sein?

Wer die richtige Lösung in den Kommentar schreibt, erhält für unsere nächste Lesebühne in Dresden am 10. Juni (einen Tag VOR dem Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft) zwei Freikarten.

Paradox oder konsequent?

Bei einem Vortrag zum Thema Gentrifizierung der Dresdner Neustadt im AZ Conni ist kein Platz mehr im Saal zu finden. Die Leute stehen bis in den Gang. Die heimischen Anarchisten kümmern sich derweil weniger um die soziologische Analyse als um die Suppe, die die Volksküche ausschenkt. Einer von ihnen bietet eine treffliche Erklärung für den überwältigenden Zuspruch: „Was machen bloß die ganzen Menschen hier? Wahrscheinlich sind das alles die Leute, die die Neustadt gentrifiziert haben!“ Na klar, wer sollte sich sonst abends freiwillig einen Vortrag zur Gentrifizierung anhören?

Micha’s Lebenshilfe (12)

Wenn man seine Einkommenssteuererklärung beim Finanzamt seines Vertrauens abgibt, sollte man nicht vergessen haben, sich vorab eine Kopie für den Eigengebrauch zu erstellen, damit man nicht im nächten Jahr – als ein Opfer des Vergessens – sämtliche Rätsel von Neuem lösen muss, die man doch schon einmal (vorläufig) siegreich überwunden hatte.

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