Kurze Antwort für Thilo

„Deutschland schafft sich ab“? – Schön wär’s.

Buchtipp: Hormonell bedingt

Erfreuliche Erfolge verzeichnet der 2005 gegründete und in Berlin ansässige Satyr Verlag. Er hat sich auf das Feld der komischen Literatur im weitesten Sinne spezialisiert und veröffentlicht vor allem Autoren aus den Bereichen Kabarett, Poetry Slam und Lesebühnenliteratur. Wer sich schon immer gefragt hat, wie er junge, unabhängige Verlage am besten fördern kann, dem sei gesagt: Kauft ihre Bücher! Eine gute Gelegenheit ist zum Beispiel die neue Anthologie Das war ich nicht, das waren die Hormone! Geschichten aus der Pubertät, zu der ich einen Text beigesteuert habe, wie viele sehr gute weitere Kollegen auch.

Am Wochenende

Früher war’s besser! Selbst ich kann es nicht vermeiden, diesen eigentlich verbotenen Satz gelegentlich auszusprechen. Eine traurige Gelegenheit war am Freitag der Besuch bei der Eröffnung der Ostrale 2010. Wer sich an die erste Ausgabe der Kunstschau erinnert, wird noch wissen, auf welch witzige und faszinierende Weise sich da junge Künstler die wüsten Räume des alten Schlachthofgeländes im Ostragehege angeeignet hatten. Diesmal war alles gut organisiert. Wieso man trotz dutzender öffentlicher Förderer und Sponsoren, die das Programmheft pflichtschuldig auflistet, einen Eintritt von 14 Euro (ermäßigt: 7) für eine Kunstveranstaltung verlangen muss, mögen die Veranstalter erklären. Über dem Eingang schwang eine Kunstfigur in Anspielung auf ein berühmtes Foto vom Ende des letzten Krieges eine rote Fahne, aber das war wie so vieles nur Dekoration. Laut Selbstbeschreibung der Veranstalter sollte der Fokus der Ausstellung „auf den provokativen Umgang mit Themen der aktuellen weltwirtschaftlichen und ideologisch gesellschaftlichen Entwicklung gesetzt“ werden. Ich habe ungefähr die Hälfte der wieder einmal gigantomanischen Schau angesehen und nichts politisches, geschweige denn etwas provokatives entdecken können. Vielleicht kein Wunder bei einer Ausstellung, die „Kunst als Kapital […] einer neuzeitlichen Gesellschaft“ etablieren will und sich in ihrer Selbstanpreisung darauf einlässt, sich als modernes Stadtmarketing zu verkaufen. Zu sehen gab es vor allem Kunstgewerbe. Man muss die Kuratoren fragen, wie es passieren kann, dass man allein schon in einem Gebäude fünf Mal auf denselben Einfall stößt: Eine Installation mit hunderten Dürer-Händen neben einer Installation mit hunderten schwebenden Scherben neben einer Installation mit hunderten Schuhen an Fäden neben einer Installation mit hunderten Steinen an Fäden neben einer Installation mit hunderten Kunstblumen. Riesige Fleißarbeiten, die einen einzigen Einfall durch Masse zum Überwältigungseffekt erheben wollen. Es gibt auch witzige und schöne Dinge zu entdecken, z.B. ein Orchester aus Haushaltsgeräten, das zur vollen Stunde eine eigene Symphonie spielt. Aber die Zahl der Entdeckungen war in diesem Jahr bei der Ostrale so klein wie noch nie. Und das nicht nur für mich, wie ich im Gespräch mit anderen Besuchern feststellte. Seltsam auch, dass außer einem endlosen Soundcheck nirgends Spuren einer wirklichen Eröffnungsparty zu finden waren. Als ich wieder ging, fluchte neben mir ein anderer Besucher: „Dafür habe ich nicht 14 Euro bezahlt!“ und fuhr davon, vermutlich auf Nimmerwiedersehen.

Dass das Hechtfest die bessere BRN ist, scheint sich inzwischen weit herumgesprochen zu haben. Nach dem verregneten Freitag strömten jedenfalls gestern die Menschen in die Straßen des Hechtes. Es herrschte eine ausgesprochen angenehme Atmosphäre, wie ja überhaupt das Hechtviertel in den letzten Jahren sehr an Attraktivität gewonnen hat. Das nennt man wohl sanfte Gentrifizierung. Vielleicht findet sich auch eine lokale Indie-Pop-Band, die einen entsprechenden Hit namens „Gentrify me softly“ komponiert. Nur eins muss ich beanstanden: Im neuen Quartier der outgesourcten Jungen Union („Bündnis 90 / Die Grünen“) gab es zwar Kunstpornos auf Großbildleinwand und eine Polka-Disko, aber statt Rotwein den scheußlichsten Fusel, den ich seit langer, langer Zeit getrunken habe. Liebe Grüne! Eurer Verrat an der Arbeiterklasse macht mir längst keine Kopfschmerzen mehr, leider aber euer „Wein“!

Aphorismus zur Kritik der Hypersexualisierung der Gesellschaft

Nur Kartoffeln brauchen einen Dark Room.

Max Rademann erklärt (1)

Eine neue Rubrik im Blog: Max Rademann klärt in seiner Eigenschaft als Philosoph und Weltweiser die großen Fragen, die uns alle bewegen. Heute: Max Rademann erklärt, was Liebe ist.

„Liebe besteht – in männlicher Sicht – aus drei Elementen:

  1. Zunächst einmal muss man ein Verhältnis zu einer Frau haben, das dem der besten Freundschaft gleichkommt. Es muss ein Verständnis herrschen, das dem mit dem besten Freund in nichts nachsteht.
  2. Sodann muss die erotische Anziehung hinzukommen. Die beiden Liebenden müssen einander körperlich begehren.
  3. Es muss nun aber als drittes Element etwas hinzutreten, was die Liebe von der Freundschaft, selbst einer mit erotischem Anteil, unterscheidet: Die beiden Liebenden müssen sich miteinander streiten können, in einer Heftigkeit, die keine Freundschaft vertrüge, und sich dennoch wieder versöhnen können. Erst in dieser Fähigkeit des Streits tritt der wesenhafte Unterschied zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit hervor. Erst der Streit verhindert, das eine Beziehung in die Ödnis völliger Gleichheit versinkt.“

(aufgezeichnet gestern gegen 1 Uhr)

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(Stand: 25. August 2010 – demnächst auch hier im Angebot: Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen)

Zitat des Monats August

„Deutschland wird immer

ärmer und dümmer!“

Thilo Sarrazin (SPD) laut BILD, nur zur Hälfte in eigener Sache

Micha’s Lebenshilfe (13)

Wenn man einen nach Herstellerangaben „aromatischen“ Käse erwirbt, sollte man dringlichst darauf achten, das Produkt in Bälde (neudeutsch: zeitnah) zu verzehren, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die eigene Küche binnen weniger Tage so riecht, als läge ein verwesendes Tier hinterm Schrank.

Sakralen Charakter …

… hatte ausschließlich wegen der Akustik unsere gestrige Lesebühne im Hygiene-Museum zum Thema Schönheit. Wir bedanken uns bei den vielen Zuhörern, die unseren profanen Predigten lauschten. Unsere nächste reguläre Lesebühne, die erste in der Scheune nach der Sommerpause, gibts dann am 09. September – wieder komplett mit Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann, Stefan Seyfarth und Michael Bittner. Zu hören gibt es dann wieder brandneue Texte, nicht zuletzt Geschichten nach dem Motto „Mein schönstes Ferienerlebnis“. Gestern gings nach langer Zeit im Anschluss mal wieder in Hebeda’s Familieneinkehr, aber das Bier blieb einem (fast) im Halse stecken beim Anblick der Atzen, die einen Großteil des Ladens okkupiert hatten und andere Gäste durch ihre Atzität behelligten. Ganz schlimm. Das kommt vermutlich davon, wenn man im Baedeker als Szenelokal geführt wird.

Donnerstag: Sax Royal im Hygiene-Museum

Am Donnerstag, den 19. August, gastiert die Dresdner Lesebühne Sax Royal zum zweiten Mal mit einem literarischen Programm im Deutschen Hygiene-Museum. Anlässlich der aktuellen Ausstellung “Was ist schön?” präsentieren Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth Geschichten, Gedichte und Essays, die das Thema auf unkonventionelle und unterhaltsame Weise aufgreifen. Sie machen sich auf die Suche nach der Schönheit des Alltags, protokollieren die Tücken des reizenden Geschlechts und machen sich philosophische Gedanken darüber, ob unsere Zeit überhaupt noch eine Kategorie wie Schönheit vertragen kann. In einer literarischen Schönheitsoperation finden Tiefsinn und Hochkomik zueinander wie die Faust und das Auge.

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