Zitat des Monats Oktober

„Ich wollte nicht zu den Leuten gehören, die mit fünfzig noch dort wohnen und sich darüber aufregen, dass es zu wenig Yoga-Schulen gibt.“

(ein ehemaliger Bewohner der Dresdner Neustadt, der rechtzeitig den Absprung geschafft hat)

Filmtipp: Exit Through The Gift Shop

Der Street Artist, der weltweit nur unter dem Inkognito Banksy bekannt ist, hat mit seinem Filmdebüt Exit Through The Gift Shop weit mehr produziert als einen Insiderstreifen über eine einst untergründige, dann plötzlich prominente Kunstszene. Der Film ist vor allem eine unbedingt sehenswerte dokumentarische Tragikomödie über das Leben eines absonderlichen Menschen und gleichzeitig eine radikale Satire auf den Kunstbetrieb im Zeitalter von Massenmedien und Kapitalismus. Erzählt wird nicht die Geschichte von Banksy, sondern die eines psychisch angeknacksten Franzosen, eigentlich Klamottenhändler und manischer Hobbyfilmer in Hollywood, der durch Zufall in die Street-Art-Szene gerät. Er lernt die prominentesten Straßenkünstler kennen, reist mit ihnen um die Welt und filmt sie, während sie den öffentlichen Raum mit Graffitis und ästhetischem Vandalismus zum Kunstraum machen. Doch ein versprochener Dokumentarfilm über die verborgene Kunstwelt kommt nicht so recht zu Stande, stattdessen kehrt der Franzose zurück nach Hollywood und beginnt mit einem reichen Vorrat an geklauten Ideen eine eigene Karriere unter dem Pseudonym „Mr. Brainwash“ – mit überraschendem Erfolg … Am Ende kommen dem Zuschauer wie den Beteiligten arge Zweifel, ob denn die Idee, alle Menschen sollten am besten Künstler werden, wirklich eine gute ist.

Der Film läuft im Programmkino Ost – nach dem Umbau übrigens das vielleicht schönste Kino Dresdens – täglich um 19:15 Uhr und 21:15 Uhr. In der Schauburg kann man ihn jeweils um 18:15 Uhr, 20:15 Uhr und 22:30 Uhr sehen.

Neue Hörproben: Sax Royal bei MySpace

Allen Menschen, denen es inzwischen bei Facebook viel zu überfüllt ist, sei geraten, doch mal wieder bei MySpace vorbeizuschauen. Da ist man nämlich mittlerweile so ziemlich unter sich. Eine gute Gelegenheit für einen Abstecher bietet sich, denn auf der MySpace-Seite von Sax Royal gibt es wieder frische Live-Mitschnitte der Texte unserer letzten Lesebühne.

Unsere Seite bei Facebook ist natürlich auch immer eine Reise wert: Wir freuen uns über ernst gemeinte Freundschaftsangebote!

Eine literarische Woche

Keine schlechte Woche war das. Continue reading Eine literarische Woche…

Freitag: Micha und Roman lesen im Kulturhaus Loschwitz

Michael Bittner und Roman Israel

Dresden ist berühmt für seine barocke Altstadt, seine majestätische Semperoper und seine Eierschecke. Die beiden Autoren Roman Israel und Michael Bittner leben seit Jahren mitten im Weltkulturerbe der Herzen und haben sich von der Elbmetropole zu einem literarischen Programm mit dem Titel “Unserschönesdresden” inspirieren lassen. In mal poetischen, mal satirischen Geschichten erkunden sie das kuschelige Pieschen, reiten auf dem Weißen Hirsch und berichten von Expeditionen in den nächtlichen Dschungel der Neustadt.

Michael Bittner, geboren 1980 in Görlitz, ist Autor der Dresdner Lesebühne Sax Royal, Co-Moderator des livelyriX Poetry Slams und schreibt wöchentlich eine literarische Kolumne für das Magazin der Sächsischen Zeitung. Roman Israel, geboren 1979 in Löbau, ist Autor der Dresdner Lesebühne Sax Royal, Initiator zahlreicher multi-medialer Literaturprojekte und veröffentlichte zahlreiche Gedichte und Geschichten in Anthologien und Zeitschriften. Beide sind mit Texten in dem jüngst erschienenen Band Sax Royal. Eine Lesebühne rechnet ab (Voland & Quist) vertreten.

Michael Bittner und Roman Israel: Unserschönesdresden | 22. Oktober | Freitag| 20 Uhr | Kulturhaus Loschwitz | AK 6/4 Euro

Mittwoch: Rätsel von der Ankunft des Nachmittags – Buchpremiere

Am 20.10. feiert Roman Israels neuestes Buchprojekt in der Galerie Treibhaus Premiere.
Nach „Fotoepigramme“ und „Felder hinter Wäldern hinter Städten“, die vorwiegend Kurzgedichte enthielten, versammelt dieser dritte Lyrikband längere Texte, die für den mündlichen Vortrag optimiert sind. Im Buch befinden sich darüber hinaus wieder Illustrationen seiner Schwester Inga Israel, die auch das Layout gestaltet hat.
Die Lesung wird von Klängen des Dresdner Elektropopduos live at kalibou beach unterstützt. Darüber hinaus befördern Diaprojektionen die doppeldeutig-rätselhafte Atmosphäre des Buchtitels.

Wann: Mi, 20.10.10 / 20 Uhr
Wo: Galerie Treibhaus / Katharinenstraße 11-13 / 01099 Dresden
Eintritt: 4,- Eur

http://www.galerietreibhaus.de

Multikulti ist tot!

Wer das christliche Menschenbild nicht akzeptiere, sei in Deutschland „fehl am Platze“, soll Angela Merkel gerade aus ihrem Kopf rausgelassen haben, lese ich. Endlich wird mir klar, wieso ich mich hier schon immer so unwohl fühle. Und Horst Seehofer will „rechte Spinner“ bekämpfen, indem er zu einem gesunden Stolz auf unser Land aufruft. Erfreulich, dass der Horst zur deutschen Leitkultur zurückgefunden hat, nachdem er lange mit seiner Zweitfamilie bedenklich auf dem Weg zu orientalischen Verhältnissen war. Und Philipp Irgendwas, der Chef des Vereins der Frühvergreisten (Junge Union) sagt, es gehe darum, die Lufthoheit über den Stammtischen zurückzuerobern. Immerhin beruhigend, dass sich die christlich-deutschen Eroberungswünsche vorläufig noch auf Eckkneipen beschränken. Aber ich warne euch, liebe Christdemokraten: Unser Stammtisch wird bis zum letzten Biertropfen verteidigt!

Buchtipp: Fleischmans Abenteuer

Als ich jüngst ein paar Tage krank darniederlag, hatte ich seit Monaten mal wieder die Möglichkeit, ein Buch nicht aus Pflicht, sondern aus Spaß zu lesen. Ich griff zum Roman Grand Hotel von Jaroslav Rudiš, der schon seit zwei Jahren gekauft, aber ungelesen im Regal seiner Entdeckung harrte. Den sympathischen Schriftsteller, der auch als Musiker und Autor von Comics aktiv ist, hatte ich vor einer Weile in Dresden bei den Tschechischen Kulturtagen kennen gelernt und später bei einer Leipziger Buchmesse noch einmal lesen gehört.

Der Roman stellt einen Helden namens Fleischman vor, der in einem futuristischen Hotel auf dem Berg über Liberec arbeitet, umgeben von lauter eigentümlichen Gestalten. Wegen eines traumatischen Erlebnisses in der Kindheit gelingt es Fleischman nie, über die Grenzen seiner Heimatstadt, die auch als „Pisspott Europas“ bekannt ist, hinauszukommen. Er tröstet sich mit einer Leidenschaft für meterologische Beobachtung, Kontakt mit Frauen hat er nur bei der Handarbeit vorm Fernsehschirm. Schwung ins triste Dasein kommt, als wider Erwarten plötzlich zwei Kellnerinnen sich für den absonderlichen Fleischman zu interessieren beginnen und ein Heimatvertriebener ihn in seine Pläne einspannt, verstorbene Kameraden auf Heimatboden auszustreuen. Man merkt dem Roman an, dass er gleichzeitig auch als Film geplant wurde. Junge Autoren könnten hier lernen, wie man ein handwerklich sauberes Buch macht: interessante Charaktere, ein verborgenes Geheimnis in der Vorgeschichte des Helden, durchlaufende Leitmotive und ein Spannungsbogen bis zum Schluss. Zur Lektüre empfehlen möchte ich den Roman aber vor allem wegen seines angenehm melancholischen Humors, der nicht nicht nur Tschechen erfreuen dürfte.

Jaroslav Rudiš: Grand Hotel. Roman. Aus dem Tschechischen von Eva Profousová. München: Luchterhand, 2008.

Literaturtipp: Sebastian Lehmann liest heute im PlattenSpieler

Sebastian Lehmann wurde 1982 in Freiburg geboren und lebt und schreibt seit 2003 in Berlin. Er ist Autor der Kreuzberger Lesebühne “Lesedüne”, Mitbegründer der Performance-Bühne Post Modern Talking und Organisator des Kreuzberg Slams und des PotSlams. Im Februar 2010 hatte zudem das Programm “Das ging viel zu lange gut mit uns” mit der Lesedüne Premiere. Im PlattenSpieler können sich die Gäste am Freitag auf eine Auswahl seiner schönsten Geschichten freuen.

So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.

Literatur im PlattenSpieler: Sebastian Lehmann | 15. Oktober | Freitag | 19 Uhr | PlattenSpieler / Idee 01239 e.V. (Gamigstraße 26) | AK 2 Euro

Donnerstag: Sax Royal wieder in der Scheune

Sax Royal

Die Lesebühne Sax Royal präsentiert wie immer am zweiten Donnerstag des Monats ein brandneues literarisches Programm auf der Bühne der Scheune. Julius Fischer, Roman Israel, Michael Bittner, Stefan Seyfarth und Max Rademann lesen Geschichten und Gedichte, die das Leben zwar nicht schrieb, aber wenigstens diktierte. Kommentare zum aktuellen Zeitgeschehen finden ebenso Platz wie ganz persönliche Bekenntnisse in poetischem Gewand. Als besondere Zugabe kann man sich diesmal auf einen musikalisch-filmischen Beitrag von Julius Fischer freuen.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 14. Oktober | Donnerstag | 21 Uhr | Scheune | AK 6 Euro /erm. 4 Euro VVK 4 Euro

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