Sonnabend, 3. September: Grand Slam of Saxony

Am Sonnabend, den 03. September, wird endlich, komme was da wolle, der im Juli wegen Dauerregens leider abgesagte 8. Grand Slam of Saxony stattfinden. Die Offenen Sächsischen Poetry-Slam-Meisterschaften gehen als Open Air Poetry Slam über die Bühne der Jungen Garde. Unter den teilnehmenden Autoren befindet sich auch Royalist Roman Israel. Moderiert wird der Spaß von Stefan Seyfarth und Michael Bittner.

VIII. Grand Slam of Saxony – Offene Sächsische Poetry-Slam-Meisterschaft | 03. September | Sonnabend | Einlass: 18 Uhr, Beginn: 19:30 Uhr | Junge Garde | Abendkasse: 11 Euro Vorverkauf: 8 Euro | Tickets gibts in der Scheune und bei den bekannten Vorverkaufsstellen, schon gekaufte Tickets bleiben gültig

I love Sprachpansching

Telekom-Chef René Obermann ist zum „Sprachpanscher des Jahres 2011“ gekürt worden. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) bezeichnete die Internetseiten der Deutschen Telekom am Freitag in Dortmund als „eine Schocktherapie im Horrorkabinett der deutschen Sprache“.

Braucht die deutsche Sprache Hilfe von Leuten, die noch nicht einmal in der Lage sind, unfallfrei eine funktionierende Metapher zu erfinden? Macht nur weiter so, ihr Homöopathen in der Achterbahn!

Royalisten beim Erzählfestival „Magia Mundi“

Am Freitag lesen mit Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth drei Fünftel unserer Lesebühne Sax Royal bei einem „Story Slam“ im Rahmen von Magia Mundi, dem Internationalen Festival für Erzählkunst und Lauschkultur. Ich werde den Spaß moderieren. Mit dabei sind auch die Kollegen Udo Tiffert und Kaddi Cutz. Wer will, kann sich auch vor Ort spontan zum Mitmachen melden. Los gehts um 20:20 Uhr im Klosterpark Altzella bei Nossen.

Kulturtipp: Krautwaldfabrik

Meiner ehemaligen Heimat Pieschen wird ja schon seit zwei Jahrzehnten vergeblich eine große Zukunft als Szeneviertel prophezeit. Doch obwohl schon eine ganze Menge Studenten, Künstler und sonstige Frontkämpfer der Gentrifizierung ins sanierte Arbeiterviertel gezogen sind, bleibt der ganz große Durchbruch bisher aus. Annehmbare Lokale beispielsweise sucht man immer noch fast vergebens. Aber immerhin ist in den letzten Jahren gerade auf dem Gebiet der Kunst doch einiges passiert. Der Kunstraum Geh8 beispielsweise hat sich ja inzwischen schon fest etabliert. Nun kommt mit der Krautwaldfabrik ein weiterer, leider wohl nur temporärer (1.6. bis 31.10.) Ort für Ausstellungen hinzu. Die Initiative Metropole Pieschen hat die Zwischennutzung einer herrlichen Halle organisiert, in der bis Herbst Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Partys stattfinden sollen. Ursprünglich als Festsaal konstruiert, dann als Fabrik für Verpackungen betrieben, strahlt das inzwischen leise verfallende Gebäude einen merkwürdig aus Prunk und Funktionalität gemischten Charme aus. Zur Zeit läuft eine Ausstellung namens „BRO.T.“. Wie immer bei Konzeptausstellungen sollte man sich um die Erklärung des Konzeptes möglichst wenig kümmern und sich lieber die Kunstwerke anschauen. Und da gibst viel Schönes zu entdecken, zum Beispiel ein sonderbares Besteckkarussell von Wouter Mijland und noch viele Zeichungen, Gemälde und Objekte von anderen Künstlern mehr.

Um Eintritt zu erhalten, wird man für 1 Euro Mitglied des Krautwald-Klubs und darf dafür sämtliche kommende Veranstaltungen besuchen. Adresse: Torgauer Straße 38. Von der Neustadt aus einfach mit Linie 13 bis Bürgerstraße oder Rathaus Pieschen.

Donnerstag: Max und Micha in Chemnitz!

Am Donnerstag (18. August) lesen Max Rademann und Michael Bittner gemeinsam in Chemnitz, der Stadt an der Chemnitz und Metropole des Erzgebirgsvorlandes. Wir gastieren bei einem ungewöhnlichen Festival namens Begehungen, das sich thematisch um die Verantwortung und Verantwortungslosigkeit des Künstlers dreht. Passender Ort ist die eigentlich leer stehende und sich nun mit Kultur füllende Justizvollzugsanstalt Kaßberg. Wir lesen ab 19 Uhr auf der Bühne, Max wird zwischendurch auch in die Tasten greifen. Und dann stürzen wir uns ins legendäre Chemnitzer Nachtleben.

Literaturtipp: Geschichten übern Gartenzaun am Mittwoch

Am Mittwoch (15. August) bin ich zum ersten Mal zu Gast bei der jungen Open-Air Poetry-Slam-Reihe „Geschichten übern Gartenzaun“ und lese gemeinsam mit zahlreichen weiteren Autoren aus Dresden, aber auch aus Berlin. Moderiert wird die Veranstaltung von der Dresdner Poetin Kaddi Cutz. Los gehts um 19:30 Uhr, der Eintritt kostet erschwingliche 5 Euro. Dafür darf man als zahlender Gast dann auch über die Qualität der Texte abstimmen und den glücklichen Gewinner des Blumentopfes bestimmen. Bei gutem Wetter findet der Poetry Slam im Garten der Groove Station statt, bei schlechtem drinnen.

Kulturtipp: Das britische Parlament

Das britische Parlament wird selbst politisch interessierten Menschen, wenn überhaupt, dann nur als Ort merkwürdigster Rituale bekannt sein. In einem historischen Saal, der so klein ist, dass nicht einmal alle Abgeordneten Platz auf den Bänken finden, sitzen da dicht gedrängt die Volksvertreter. Die Regierungserklärung wird nicht vom Premierminister vorgestellt, sondern von der Königin verlesen, die aber nicht ein einziges Wort selbst beisteuern darf. Ist mal so eine Thronrede angesagt, läufts wie folgt: Die Königin kommt ins adlige Oberhaus, also zu ihresgleichen. Ein Zeremonienmeister schreitet nun hinüber zum Unterhaus der bürgerlichen Abgeordneten, um sie hinüber zu befehlen. Zum Zeichen ihres Selbstbewusstseins hauen nun aber die Parlamentarier diesem Zeremonienmeister traditionell jedes Mal wieder die Tür vor der Nase zu! Er muss anklopfen und die Anwesenden bitten, sich doch nach nebenan zu verfügen. Ist das nicht herrlich?

Das älteste Parlament der Welt ist auch das unterhaltsamste. Während im Bundestag meist eine öde Rede nach der anderen gehalten wird, funktioniert das britische Unterhaus dialogisch: Ein Vertreter der Regierung wird von den Abgeordneten befragt und muss sich unmittelbar rechtfertigen. Im britischen Parlament exisiert auch der in Deutschland herrschende Fraktionszwang nicht. Da alle Abgeordneten direkt von den Bürgern ihres Wahlkreises bestimmt werden, sind sie weit weniger als ihre deutschen Kollegen von den Parteien abhängig, denn sie können nicht strafweise von der Liste geworfen werden. So kommt es, dass sich die Regierung nicht nur kritische Fragen von der Opposition, sondern auch von den Abgeordneten der eigenen Partei gefallen lassen muss. Am schönsten aber: Britische Parlamentarier sind oft Absolventen von Eliteuniversitäten, die traditionell großen Wert auf Debattierkultur legen. So kommt es, dass sie rhetorisch brillieren und sich höchst unterhaltsam streiten können. Und dann kommt noch etwas hinzu, was uns Deutschen – mit seltenen Ausnahmen – wohl ganz abgeht: ein souveräner Sinn für Witz und Selbstironie.

Wer sich vom Gehalt meiner merkwürdigen Schwärmerei überzeugen möchte, der schalte das britische Parlamentsfernsehen ein oder schaue sich folgende amüsante Beispielschnipsel an:

Heute: Peschi & Poschi bei den Filmnächten am Elbufer!

Am heutigen Mittwoch (10. August) präsentieren Max Rademann und Jens Rosemann ein filmisches Programm im Rahmen der Trash Nacht” bei den Dresdner Filmnächten am Elbufer. (Lasst Euch auf jeden Fall den sehenspflichtigen Trailer hinter diesem Link nicht entgehen!)

Zu sehen gibts sämtliche Abenteuer der legendären Erzgebirgshelden Peschi & Poschi und andere Animationsfilme. Los geht der Spaß um 23:30 Uhr. Der Eintritt kostet läppische 5 Euro.

Dresdner Literaturzeitschriften im Test: trieb Nr. 8 vs. Der Maulkorb Nr. 8

Neben den renommierten Literaturzeitschriften Ostragehege und Signum existieren in der Literaturlandschaft Dresdens noch einige eher untergründige Magazine, die sich ebenfalls der Poesie verschrieben haben. Zwei von ihnen, nämlich das Feingeistmagazin vom Bischofsweg namens trieb sowie Der Maulkorb haben gerade ihre jeweils achte Ausgabe auf den Markt geworfen. Beiden Heften seien zahlreiche Käufer gewünscht! Literaturzeitschriften werden zwar grundsätzlich nie von normalen Menschen erworben, sondern immer nur von Leuten, die „auch schreiben“, aber deren Zahl ist ja immer noch groß genug. Um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hier einige persönliche Bemerkungen zu den beiden Magazinen von mir.

Eins vorab: Man nenne mich einen spießbürgerlichen Kulturpedanten, aber ich sehe nicht ein, wieso es Personen, die sich selbst als Literaten bezeichnen, unmöglich sein sollte, sich der deutschen Sprache zu bemächtigen oder wenigstens einen Duden zu kaufen. Einige der Autoren schaffen es, auf einer Seite ein Dutzend und mehr Fehler in Rechtschreibung und Grammatik unterzubringen. Ich weigere mich, so etwas ernst zu nehmen. Notfalls wende man sich bitte an das Lektorat Siegel. Der Betreiber macht sehr faire Preise – ich erinnere mich noch, wie er mich einmal hartnäckig herunterhandelte, als ich ihm zu viel Geld bezahlen wollte.

Der Maulkorb (hg. von Silvio Colditz) widmet sich in seiner neuen Ausgabe ganz der Stadt Dresden. Im Anhang findet sich ein nützlicher, wenn auch nicht vollständiger Überblick über die Literaturlandschaft Dresdens, der erfreulicherweise besonders die junge Szene berücksichtigt. Und der Inhalt des Heftes wird diesmal allein von Dresdner Autorinnen und Autoren bestritten. Hier habe ich tatsächlich einige Entdeckungen gemacht und Schriftsteller kennen gelernt, die mir bisher unbekannt waren – was wieder einmal zeigt, dass die Dresdner Literaturszene klein, aber dennoch nicht überschaubar, weil weitgehend zersplittert ist. Großartig fand ich zwei Gedichte von Kerstin Becker (*1969, u.a. Mitglied im Literaturforum Dresden). Komplexe Lyrik, die sich aber aus konkreten Anschauungen statt aus metaphysischen Phrasen speist und sogar wieder so etwas wie ein poetisches Ich erkennen lässt. Von Sabine Dreßler (*1979, Lektorin, Autorin und Soziologin), entdeckte ich einen sehr schönen, unaufgeregt und witzig erzählten Ausschnitt aus einem längeren Reisebericht über Erlebnisse in Neuseeland. Falk Enderleins Grosteske Kafka auf Prozac liest sich schön überdreht. Und Steffen Roye hat mit Die letzte Runde geht aufs Haus eine klassische und gelungene Kurzgeschichte beigesteuert.

Das Magazin trieb ist dicker als die Konkurrenz, kostet dafür aber auch zwei Euros mehr. Herausgegeben wird es von gleich zwei Geistesgrößen, die auch selbst einen nicht unerheblichen Teil des Inhalts lieferten. Michel Philip Nierste (*1974) veräppelt in seiner medienkritischen Sektion Schrottpresse diesmal unter anderem auf amüsante Weise die Sächsische Zeitung. Und der zweite Herausgeber Torsten Israel, bekannt als Neustädter Spätshopbesitzer und Womanizer, hat zahlreiche Gedichte aus seiner Feder eingerückt, die durchaus lesenswert sind, aber unter einem gewissen Mangel an Selbstironie leiden. Gerade durch ihre unbequeme Unzeitgemäßheit interessant sind die Gedichte von Andreas Paul (*1964), der diesmal Christiane Michel und Rosa Luxemburg besingt – was niemand verwundern wird, handelt es sich doch in beiden Fällen um bezaubernde Frauen. Dass ich die enthaltenen Gedichte von Stefan Seyfarth (*1977) und Roman Israel (*1979) – beide Autoren unserer Lesebühne Sax Royal – gut finde, wird niemanden überraschen. Schön außerdem, dass ein literarisches Dresdner Urgestein wie Bernhard Theilmann (*1949, Mitbegründer von Obergrabenpresse, SAX und ASSO) sich bereit gefunden hat, ebenfalls Texte zu schicken. Insgesamt wäre es aber doch wünschenswert, der trieb würde für die nächste Ausgabe ein paar neue Autoren gewinnen, denn die Nummer 8 war in dieser Hinsicht doch etwas überraschungsarm.

Der Maulkorb. Herausgeber: Silvio Colditz. Nr. 8 (Juni 2011). Sonderausgabe Dresden. 74 Seiten. 3 Euro. Erhältlich in Neustädter Buchhandlungen oder über maulkorb@gmx.de

trieb. Das Feingeistmagazin vom Bischofsweg. Herausgeber: Michel Philip Nierste und Torsten Israel. Nr. 8 (April 2011). 176 Seiten. 5 Euro. Erhältlich im Shop „Spätschicht“ (Bischofsweg 18).

Zitat des Monats August

„Ich bin für einen Antisemitismus mit menschlichem Antlitz. Ich kann doch Juden toll finden und Israel trotzdem zur Hölle wünschen.“

(ein junger Mann am Nachbartisch im „Szeneviertel Äußere Neustadt“)

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