Micha’s Lebenshilfe (22)

Wenn man ein Drama im Theater anschauen möchte, sollte man am betreffenden Abend noch einmal einen Blick auf die Eintrittskarte werfen und darauf achten, dass man im Anschluss das richtige Theater aufsucht und nicht etwa ein ganz falsches, wo man dann verwundert bemerkt, dass sich auf der Bühne eine völlig andere Darbietung anbahnt. Dies gilt insbesondere dann, wenn man sich in das verkehrte Theater in Begleitung seiner Lebensgefährtin und seiner Mutter begibt, denen dabei beiden zugleich bewusst werden muss, an was für einen Volldrops sie ihre Liebe verschwendet haben.

Veranstaltungstipps für Dienstag

Am Dienstag (25. Oktober) bietet sich für ausgehwillige Freunde der Autoren der Lesebühne Sax Royal die Qual der Wahl: Wem der Sinn nach Poesie steht, der kann Roman Israel als einen der Autoren bei “Geschichten übern Gartenzaun“ erleben. Der Poetry Slam beginnt um 20 Uhr in der Groovestation. Wer hingegen lieber musikalisch bezaubert werden will, der besuche den „Dienstagssalon“, der von Max Rademann wieder in Hellerau präsentiert wird. Zu Gast ist dort diesmal ab 20 Uhr die Band minus-monster.

Julius und André gewinnen in Hamburg

Große Freude: Julius Fischer und André Herrmann, der eine Stammautor von Sax Royal, der andere Stammgastautor, haben als „Team Totale Zerstörung“ in Hamburg bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften den Sieg errungen! Ich war beim Finale dabei und durfte selbst erleben, wie die zwei Granaten im Finale souverän die anderen tollen Kollegen ausstachen und sich die Sympathie des Publikums nicht mehr nehmen ließen, die sie zum Meistertitel trug. Sax Royal gratuliert herzlichst und freut sich drauf, zur nächsten Lesebühne am 10. November in der Scheune mit Julius einen frisch gebackenen Meister in die Arme schließen zu dürfen.

Wer mag, kann sich den Wettbewerb nachträglich im Internet auf http://www.arte.tv/slam noch einmal anschauen. Außerdem hat André für den NDR über seine Zeit in Hamburg einen Slam2011-Blog geschrieben.

Zitat des Monats Oktober

Der schönste Aphorismus aller Zeiten:

„Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.“

Marie von Ebner-Eschenbach

Heute: Stefan Seyfarth liest im PlattenSpieler

Stefan Seyfarth

In der Reihe “Literatur im PlattenSpieler” liest am Freitag (21. Oktober) der Dresdner Poet Stefan Seyfarth eine Auswahl seiner neuesten Gedichte und Geschichten. Stefan Seyfarth wurde 1977 in Zeulenroda geboren. Er ist Diplomforstwissenschaftler, Kellner, angehender Erzieher und Poet. Er moderiert den LivelyriX Poetry Slam und liest bei der Dresdner Lesebühne Sax Royal. Sein Lyrikband dresden dilemma (Voland & Quist) erschien 2004. Seit 2009 liest er auch bei der Lesebühne “Lettermen”.

Literatur im PlattenSpieler: Stefan Seyfarth | 21. Oktober | Freitag | 19 Uhr | PlattenSpieler / IDEE 01239 e.V. (Gamigstraße 26) | AK 2 Euro

Anfahrt: Mit der 1/9/13 bis Jacob-Winter-Platz, dann links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße und nach 200 Metern auf der rechten Seite das linke der beiden älteren Häuser.

Donnerstag: GRubenhund reloaded!

Am Donnerstag (20. Oktober) startet die Görlitzer Lesebühne GRubenhund in ihre zweite Saison – und das runderneuert: Nach dem Abschied von Andreas Vent-Schmidt nach Leipzig freuen sich die Stammautoren Udo Tiffert und Michael Bittner über einen großartigen Neuzugang: ab sofort wird Max Rademann, bestens bekannt als Autor der Lesebühne Sax Royal, Musiker und Filmemacher, jeden Monat mit dabei sein. Aktuell, böse und liebevoll – unter diesem Motto gibt’s ab Oktober stets neue Geschichten für das geneigte Publikum. Die Lesebühne findet ab sofort immer am dritten Donnerstag des Monats im Kino Camillo um 20 Uhr statt. Der Eintritt kostet 5 Euro.

Zu Besuch bei Lessing

Nach zwei Jahren in der Kamenzer Straße kam ich nun auch endlich einmal der moralischen Verpflichtung nach, Kamenz zu besuchen. Die Stadt, völlig unbekannt unter dem Namen „Perle der Westlausitz“, überraschte uns als schnuckeliges kleines Städtchen, dass sich an die hügeligen Ausläufer des Oberlausitzer Berglandes schmiegt. Einwohner sah man allerdings auf den Straßen so wenige wie nach dem Abwurf einer Neutronenbombe. Essen kann man gut im Ratskeller, der zum Hotel Goldner Hirsch gehört. Eine großartige Aussicht hat man von einem Turm auf dem Hutberg, fünfzehn Minuten vom Zentrum entfernt.

Hauptanziehungspunkt ist für Freunde der Poesie das Lessing-Museum Kamenz, das sich die Stadt für ihren größten Sohn geleistet hat. Die Aufmachung des kleinen Museums ist modern und erfreulich wenig heimattümlich: Zu sehen gibt es nicht Pfeifenköpfe und Unterhosen, sondern – wie es sich für einen Dichter gehört – vor allem Bücher und Texte. Entdeckungen können sowohl Anfänger als auch Fortgeschritte machen. Ich gehöre zu letzteren und habe meine ersten Zeilen Lessing schon in früher Jugend gelesen, weil ein Auswahlband namens Die Aber kosten Überlegung im elterlichen Bücherregal stand. Man muss diesen Aufklärer jedenfalls mögen: Patriotismus ging ihm am Arsch vorbei, religiöse Engstirnigkeit war ihm zuwider. Heute würde er Polemiken gegen Islamisten wie Islamophobe aus der Hüfte schießen. Seine größte literarische Leistung dürfte, neben der Erfindung des modernen deutschsprachigen Dramas, vor allem eine sein: Er führte den Witz in die Kritik und Gelehrsamkeit ein. Nicht umsonst war er auch der liebste Schriftsteller Heinrich Heines. Neben historischen, antiquarischen, ästhetischen, theologischen, philosophischen, kritischen, literarischen und dramatischen Texten schrieb er auch kleine Gedichte wie dieses:

Ob ich morgen leben werde,
weiß ich freilich nicht;
aber wenn ich morgen lebe,
daß ich morgen trinken werde,
weiß ich ganz gewiß!

Danke!

Sax Royal bedankt sich herzlich bei insgesamt 120 Zuschauern, die unsere Lesebühne im Oktober anschauen mochten. Wir hoffen, dass es allen so viel Spaß gemacht hat wie uns selbst. Unser besonderer Dank gilt auch André Herrmann, der zum wiederholten Male als Gastautor bei uns einsprang und seine Sache wieder fantastisch machte. Wir freuen uns ankündigen zu können, dass bei der nächsten Lesebühne am 10. November Stammautor Julius Fischer endlich wieder mit dabei sein kann. Wer schon vergessen hat, wie dieser Kerl eigentlich aussah, der schaue sich vielleicht das untige Video an, das ihn beim Vorlesen seines sehr schönen Textes „Kommunikationsplattform“ zeigt:

Donnerstag: Lesebühne Sax Royal wieder in der Scheune

Sax Royal

André Herrmanno

Am Donnerstag, den 13. Oktober, fahren die Autoren der Dresdner Lesebühne Sax Royal wieder die literarische Ernte eines Monats ein und laden zur Begutachtung ihrer neuesten Geschichten und Gedichte in die Scheune. Satirische Kommentare zum politischen Zeitgeschehen werden wieder ebenso vertreten sein wie Berichte aus dem Alltag der freischwebenden Intelligenz. Zudem darf sich das Publikum auf einen literarischen Gast freuen: André Herrmann ist frisch gebackener Sieger des 8. “Grand Slam of Saxony”, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und bildet gemeinsam mit Julius Fischer das Slam-Poetry-Duo “Team Totale Zerstörung”. Mit ihm in fliegendem Wechsel lesen die Stammautoren Michael Bittner, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth.

Sax Royal – Dresdner Lesebühne | 13. Oktober | Donnerstag | 20 Uhr | Scheune | AK 7 Euro / erm. 5 Euro VVK 5 Euro

Kunsttipp: Neue Sachlichkeit in Dresden

Wenn ich hier in letzter Zeit öfter begeistert von ausschließlich schönen Sachen aus Kunst und Kultur berichte, so liegt das nicht daran, dass ich zunehmend alles toll finde, sondern dass mir immer mehr die Lust schwindet, mich mit beschissenem Zeug auch nur noch zu befassen. Außerordentlich lohnenswert ist hingegen die neue Ausstellung „Neue Sachlichkeit in Dresden. Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner“, die die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Lipsiusbau zeigen. Glaubte man bisher, dass auf Grund der massiven Verluste durch Nazi-Vandalismus und Kriegsschäden eine Dokumentation dieser Dresdner Kunstepoche gar nicht möglich sei, beweist diese Schau mit ihrer geradezu überwältigenden Fülle das Gegenteil.

„Neue Sachlichkeit“ als Terminus für die Kunst und Literatur der zwanziger und dreißiger Jahre ist wie alle Etikettierungen nicht unproblematisch. Deutlich lässt sich zwar eine Abkehr von metaphysischen Pathos des Expressionismus und ein allgemeiner Trend zur realistischen Auseinandersetzung mit der Realität wahrnehmen, doch zeigen sich innerhalb dieses Trends wieder deutlich voneinander abweichende Strömungen. Für eine Reihe von Künstlern ist die Abkehr vom Expressionismus vor allem ein ästhetisches Unternehmen, das in der Besinnung auf altmeisterliche Techniken der Malerei besteht. Besonders auf dem Gebiet des Porträts zeigen sich hier herausragende Leistungen. Eine andere Partei ordnet die Kunst als Waffe hingegen radikal der politischen Absicht unter: Die Mittel dieser – oft kommunistisch oder anarchistisch engagierten – Maler sind neben mitfühlendem Realismus vor allem Groteske und Satire. Das Proletariat wird in der Würde der Armut und Arbeit gezeigt, das Bürgertum hingegen in der Unwürde unverdienten Reichtums. Militärs, Kapitalisten und die Repräsentanten der aufkommenden Nazi-Bewegung werden karikiert.

Im Werk von Otto Dix, dem wohl bedeutendsten in der Ausstellung vertretenen Maler, überschneiden sich beide Richtungen. Daneben beeindruckt natürlich auch nicht minder George Grosz. Aber auch weniger bekannte Maler, von deren Frühwerk oftmals nur noch wenige Bilder erhalten sind, kann man hier erstmals oder zumindest aus neuer Perspektive entdecken, so Otto Griebel, Hans Grundig, Wilhelm Lachnit, Bernhard Kretzschmar, Curt Querner, Rudolf Bergander und Willy Wolff.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 08. Januar 2012.

Powered by WordPress. Feeds für Beiträge und Kommentare.