Micha’s Lebenshilfe (25)

Wenn man einen Abend mit dem festen Vorsatz beginnt, es diesmal nicht zu übertreiben, sollte er nicht damit enden, dass man die Kellnerin davon zu überzeugen versucht, man habe eben einen fantastischen neuen Cocktail (Fanta + Bier und ein Schuss Baileys) erfunden.

Sonntag: Lesebühne Grubenhund in Jena

GrubenhundBeim LivelyriX Literatursonntag gastiert am 26. Februar die Lesebühne Grubenhund im Kassablanca in Jena. Die Lesebühne Grubenhund – das sind die durch den LivelyriX Poetry Slam auch in Jena bereits bestens bekannten Autoren Michael Bittner, Max Rademann und Udo Tiffert. Aktuell, böse, liebevoll – unter diesem Motto stehen ihre Geschichten, die mit komischer Leichtigkeit Persönliches und Politisches verbinden. Im Kassablanca präsentieren sie ein buntes Programm mit einer Auswahl ihrer besten Texte aus den letzten Jahren und Max singt einige seiner schönsten Lieder.

Michael Bittner ist auch Autor der Dresdner Lesebühne Sax Royal, Co-Moderator des Dresdner LivelyriX Poetry Slams und schreibt wöchentlich eine literarische Kolumne für das Magazin der Sächsischen Zeitung. Max Rademann liest ebenfalls bei der Lesebühne Sax Royal, arbeitet aber auch als Musiker, DJ und Filmemacher und moderiert einmal im Monat den “Dienstagssalon” im Dresdner Festspielhaus Hellerau. Udo Tiffert ist auch Autor der Lesebühne Cottbus, hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und reist mit seinen melancholisch-witzigen Geschichten durch die ganze Republik.

Lesebühne Grubenhund (Udo Tiffert, Max Rademann, Michael Bittner) | 26. Februar | Sonntag | Einlass: 20 Uhr, Beginn: 20:45 Uhr | Kassablanca

Mittwoch: Julius Fischer und André Herrmann aka „Team Totale Zerstörung“

Team Totale Zerstörung Foto: Tanja M. GleiserIn der Reihe “LivelyriX Poetry unlimited” gastieren die amtierenden deutschsprachigen Poetry-Slam-Champions, das Team Totale Zerstörung, bestehend aus Julius Fischer und André Herrmann, am 22. Februar in der Groovestation. Das Duo setzte sich mit ihren witzigen, mitreißenden und geistreichen Texten 2011 im Finale der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften gegen die gesamte Konkurrenz durch. In ihrer brandneuen Show gibts die besten Teamstücke und Solotexte der beiden – ein Abend zwischen Sachsen-Rap und Kunstgeschichtsvorlesung.

Julius Fischer ist auch Autor der Dresdner Lesebühne “Sax Royal”, der Leipziger Lesebühne “Schkeuditzer Kreuz” und der Berliner Lesebühne “Lesedüne”. Zusammen mit Christian Meyer bildet er zudem die bestens bekannte komische Band “The Fuck Hornisschen Orchestra”. André Herrmann liest monatlich bei der Lesebühne “Schkeuditzer Kreuz”, betätigt sich als Blogger, gewinnt Poetry Slams in der ganzen Republik und ist Träger des Michael-Lindner-Preises 2009. In Planung befinden sich mehrere nerven- und buchmarkterschütternde Romane, ein Progressive-Rock-Album und die Anschaffung einer Katze.

LivelyriX Poetry unlimited: Team Totale Zerstörung (Julius Fischer + André Herrmann) | 22. Februar | Mittwoch | 20 Uhr | Groovestation | VVK 5 Euro AK 7 Euro

Kunsttipp: „geteilt | ungeteilt“ + Gerhard Richters „Atlas“

Wer an den nächsten Wochenenden einen Spaziergang in die Altstadt unternimmt, kann zwei neue Ausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden anschauen.

Im Albertinum wird im Saal für Gegenwartskunst die Schau „geteilt | ungeteilt – Kunst in Deutschland 1945 bis 2010“ gezeigt. Wie der Name schon sagt, besteht das Konzept darin, Werke von Künstlern der DDR und der BRD gleichberechtigt nebeneinander zu stellen. Wie meist in Dresden liegt ein Schwerpunkt auf der Malerei und wie immer in Dresden liegt ein anderer Schwerpunkt auf Dresden. Ein thematisches Konzept ist nicht so recht zu erkennen, aber viele einzelne Werke machen so viel Freude, dass man darauf ruhig verzichten kann. Da ich – wegen berufsbedingter Deformation – besonders Bilder mag, die etwas erzählen, gefiel mir das Gemälde „Der Verräter“ von Cornelia Schleime zum Beispiel besonders.

In der Kunsthalle im Lipsiusbau kann man gleich nebenan die in der Presse bereits vielfach vorgestellte Ausstellung „Atlas“ von Gerhard Richter sehen. Der zur Zeit wohl bekannteste deutsche Künstler hat das gleichnamige, bereits seit mehreren Jahrzehnten laufende Projekt auch schon andernorts ausgestellt. Zu sehen gibt es gleichsam zu Kunstwerken erhobene gesammelte Materialien aus der Werkstatt des Malers: Fotografien, Zeitungsausschnitte, Skizzen und Farbstudien, aus denen Richter später Bilder machte oder auch nicht. So kann man die Vorlagen zahlreicher weltberühmter Werke Richters entdecken, schockierende Kriegsfotos sind ebenso darunter wie amüsant banale Reklamemotive aus beliebigen Illustrierten. Das Betrachten der zahlreichen Serien von Landschaftsfotografien mit minimalen Differenzen dürfte auf manche Besucher eine hypnotische, auf andere eine bloß ermüdende Wirkung entfalten. Sympathisch ist es jedenfalls, dass Richter auch private Einblicke in sein Leben und seine Arbeit gestattet.

Noch ein Tipp für Interessierte: Studenten und andere Ermäßigungsberechtigte können zum Preis von nur 20 Euro eine Jahreskarte der Staatlichen Kunstsammlungen erwerben, mit der man dann fast 20 Museen in Dresden besuchen kann.

Geh doch nach Berlin (1)

Schwimmen lernte ich erst, als die Lehrerin mich nach einigen Tagen der Schwimmschule – die meisten anderen kraulten schon souverän und sprangen vom Dreimeterbrett – im Waldbad Niesky eines Tages unangekündigt ins tiefe Wasser schmiss. Also: Wohnung schon mal gekündigt, ohne eine neue in Aussicht oder auch nur besichtigt zu haben. Und prompt erzählt mir unaufgefordert jeder, dass es völlig unmöglich sei, in Berlin eine Wohnung zu finden. Wie schaffen es dennoch Menschen, in dieser Stadt nicht unter der Brücke zu hausen? Und das mir, dem es vor nichts mehr graust als vor Umzügen. Wäre es möglich, würde ich am liebsten mein ganzes Leben an einem Ort verbringen. Oder mitsamt meiner Wohnung reisen – wie diese Kirche in der Lausitz, die man vor einer Weile am Stück auf einem riesigen Laster vor dem Braunkohlebagger in Sicherheit brachte. Und dann ist auch noch die Frau nicht da, ohne deren Hilfe ich – wie ich gerade merke – inzwischen mein Leben gar nicht mehr zu bewältigen weiß. Trotzdem die ersten „wichtigen“ Briefe verschickt. Eine Frau von der Hausverwaltung terrorisiert mich mit Vorwürfen, ich hätte mich längst wegen der Suche nach einem Nachmieter melden müssen. Was geht mich mein Nachmieter an? Sie beginnt ihre peinlichen E-Mails mit „Guten Tag!“, da fällt bei mir schon die Klappe.

Die Chance, dass wir in zwei Monaten nicht nach Berlin, sondern nur drei Straßen weiter ziehen, besteht noch. Desto wichtiger, sich durch vollmundige öffentliche Ankündigungen wie diese hier selbst unter Druck zu setzen. Wie bei der Rauchentwöhnung, wo man ja auch mit allen Freunden Wetten abschließen soll.

Donnerstag: Lesebühne GRubenhund in Görlitz

Am Donnerstag (14. Februar) lesen die zwei Royalisten Max Rademann und Michael Bittner wieder gemeinsam mit Udo Tiffert als Lesebühne GRubenhund in Görlitz. Brandneue Geschichten, Gedichte und Weltbetrachtungen sowie virtuose Laientheatereinlagen sind garantiert! Los gehts wie immer um 20 Uhr im Kino Camillo (Handwerk 13). Der Eintritt kostet 5 Euro.

Warnung an Bahn-Basher

Wir sitzen im Zug auf dem Heimweg nach Dresden nach unserer Lesung in Leipzig. Plötzlich knallt die Abteiltür auf, ein dicklicher Glatzkopf rennt fluchend durch den Gang und lässt sich auf einen Sitz fallen. Weiter brüllt er Unverständliches, die anderen Passagiere schauen sich verschüchtert um. Auf dem Fuße folgt ihm die Schaffnerin: „Sie brauchen nicht fluchen über die Scheißbahn! Es hat Ihnen niemand was getan!“ – „Warum waren dann die Scheißtüren von dem einen Waggon zu?!“ – „Die hab ich verschlossen, weil in dem Wagen die Scheiße knöchelhoch steht! Oder wären Sie gerne durch die Scheiße gelaufen?“ – „Ach so, das kann ich doch nicht wissen! Aber wieso stand da nichts an den Türen?! Ich drücke und drücke!“ – „Da stand etwas an den Türen! Ich persönlich habe die Zettel angebracht!“ Immer kleinlauter wird der Wutbürger. „Ach so, muss ich übersehen haben. Naja, verstehen Sie, es ist halt komisch, nicht wahr, man ist halt so das Gewohnte gewohnt und dann ist plötzlich … äh … was anders …“ Demütig kramt er sein Ticket hervor und sagt den Rest der Fahrt über nichts mehr. So geht es denen, die den Mund besser aufreißen können als die Augen!

Alle Jahre wieder

Der kommende Montag heißt 13. Februar. Zu diesem Unglückstag habe ich in den letzten Jahren schon mehr als genug gesagt. Daher hier nur der Hinweis: Wer sich informieren will, was so geht und was man machen kann, der schaue doch mal auf die Seiten des Bündnisses „Dresden Nazifrei“ oder auch bei den „Alternative Dresden News“ oder bei der offiziellen Seite der Stadt.

Donnerstag: Lesebühne Sax Royal in der Scheune

Sax RoyalMichael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth – das sind die fünf höchst unterschiedlichen Stimmen der Dresdner Lesebühne Sax Royal. Wie jeden Monat, so gibts auch im Februar in der Scheuneeinen bunten Strauß neuer Geschichten, Gedichte und Lieder in allen Farben: von tiefschwarzem Humor über Erzählungen aus blauen Nächten bis hin zu blutroten Revolutionshymnen. Auf eine Überraschung als Zugabe können sich die Zuschauer wie immer in der Bonusrunde freuen. Literatur in ungewungener Atmosphäre, für Herz und Hirn und alle Alters- und Einkommensklassen.

Sax Royal – Dresdner Lesebühne | 09. Februar | Donnerstag | 20 Uhr | Scheune |  VVK 5 Euro AK 7 Euro, erm. 5 Euro

Max Rademann: „Hey Hey Heiko Hey“

Max Rademann: Hey Hey Heiko HeyEndlich ist die von vielen Menschen lang ersehnte erste CD von Max Rademann erschienen. Sie trägt den schönen Titel Hey Hey Heiko Hey, wurde von Jochen Barkas produziert und enthält sämtliche Hits, die Max jemals seiner elektrischen Orgel entlockte. Eine Reihe von Gastmusikern, darunter The Fuck Hornisschen Orchestra, bereichern die Arrangements. Kein gesund empfindender Mensch kann diese Platte anhören, ohne nachher tagelang die Melodien von Klassikern wie Jessica, Hero Taxi Driver oder Scheiße, der Rademann zu summen. Wer das Glück hat, nicht in Dresden zu wohnen, aber mithin auch das Unglück, die CD nicht vor Ort kaufen zu können, der kann sie jetzt auch aus der Ferne bestellen – und zwar über den Store des tollen Labels Kumpels & Friends Records. Greift zu, die Auflage ist streng limitiert!

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