Donnerstag: Buchpremiere von Julius in der scheune

Am Donnerstag (27. Februar) präsentiert Julius Fischer von unserer Lesebühne Sax Royal sein aktuelles Buch Die schönsten Wanderwege der Wanderhure in der scheune. In dem Band hat er die schönsten und komischsten Geschichten der letzten Jahre gesammelt. Dieses Buch wirft Fragen auf: Kann man mit dem iPad Kinder erziehen? Ist es pietätlos einen toten Hund durch den Supermarkt zu tragen? Sind Massenvernichtungswaffen eigentlich ein Totschlagargument? Kann man davon leben? Und selbstverständlich: Was macht eine Wanderhure, wenn sie sich verlaufen hat? Als Support mit dabei ist André Herrmann, mit dem Julius das Slam-Poetry-Duo Team Totale Zerstörung bildet. Los gehts um 20 Uhr.

Zitat des Monats Februar

Wenn ein vernünftiger Mensch einen guten Schriftsteller mit gehöriger Aufmerksamkeit liest, so wird er finden, er habe sehr viel gewonnen, und vielleicht führt es ihn unmerklich dazu, daß er die hochentwickelten Eigenheiten des Autors nachahmt, obwohl er sich nach einiger Zeit an kein Wort erinnert, ja nicht einmal an den Gegenstand, den das Buch behandelte. Bücher beeinflussen unsere Gedanken und unsere Denkweise auf gleiche Art, wie gute oder schlechte Gesellschaft auf unser Benehmen und unsere Redeweise wirkt, ohne daß sie unser Gedächtnis belastet und ohne daß wir es merken.

Jonathan Swift

Peschi & Poschi auf dem Fichtelberg

All jenen, die unsere Lesebühne im Februar versäumten, sei hier noch der neue Film von Max Rademann und Jens Rosemann präsentiert: Peschi & Poschi auf dem Fichtelberg. Viel Spaß!

Donnerstag, 13. Februar: Lesebühne Sax Royal in der scheune

Sax RoyalMit frischem Elan und brandneuen Texten startet unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal am 13. Februar in ihre zehnte Saison. Das Publikum darf sich wie immer auf einen abwechslungsreichen Abend mit Geschichten und Gedichten, Liedern und allerlei gewagten Späßen freuen. Außerdem gibts diesmal auch filmische Beiträge, so einen neuen Animationsfilm mit den legendären Erzgebirgshelden Peschi & Poschi von Max Rademann und Jens Rosemann.

Mit dabei sind folgende Stammautoren: Michael Bittner rüttelt als Satiriker und Kolumnist hoffnungslos und gut gelaunt an den Grundfesten der kapitalistischen Weltordnung. Roman Israel liest Erzählungen über die absonderliche Existenz des modernen Menschen. Max Rademann widmet sich in seinen Geschichten der nächtlichen Schönheit von Frau & Schnaps. Und Stefan Seyfarth bringt Episoden aus seinem doppelten Dasein als väterlicher und beruflicher Erzieher von Nachwuchs.

Sax RoyalAußerdem erwarten wir als besondere Gastautorin Linn Penelope Micklitz aus Leipzig! Linn liest in ihrer Heimatstadt bei der Lesebühne WEST, reist als erfolgreiche Slam-Poetin durch Deutschland und hat soeben das Reisetagebuch “Kann man ja mal machen” veröffentlicht.

Sax Royal: ein Abend gegen die große Koalition von Dummheit und Langeweile.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 13.02. | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 5 Euro (zzgl. Gebühr), Abendkasse: 5 Euro ermäßigt / 7 Euro

Sächsische Protestkultur

Ich warte auf die Straßenbahn. Auf dem Dresdner Theaterplatz (vormals Adolf-Hitler-Platz) steht am Straßenrand ein Häuflein bläulicher Demonstranten. Still halten sie Pappschilder in die Höhe und verteilen Handzettel an Passanten. Vor der Semperoper gegenüber sind Absperrungen, Stände und Scheinwerfer aufgebaut, in wenigen Stunden beginnt der Semperopernball. Auf den Schildern der Demonstranten steht “Liebe Dresdner, viel Freude beim Semperopernball!” und “Kein Orden für Barroso!” und “Alternative für Deutschland”. Ein älterer Herr spricht die Wartenden an der Haltestelle der Straßenbahn an: “Kennen Sie den Barroso? Den von der EU? Der soll hier heute einen Orden verliehen bekommen! Was hat denn dieser Barroso für Sachsen getan?!” Einige Menschen lassen sich Zettel in die Hand drücken, andere nicht. Der ältere Herr redet drei Polizisten an, die nebenan postiert sind: “Kennen Sie den Barroso? Was hat denn dieser Barroso für Sachsen getan? Wollen Sie auch ein Flugblatt?” – “Nee, danke!”, antwortet lächelnd einer der Polizisten und schüttelt den Kopf. “Bei so einer Demonstration, da müssen wir ein bissel politisch neutral bleiben.” – “Ja, klar, ganz neutral, was?”, sagt der Alte. Alle lachen. Die Straßenbahn hält.

Micha’s Lebenshilfe (35)

Wenn man die Absicht hat, in einer Berliner S-Bahn Platz zu nehmen, sollte man unbedingt nicht nur optisch, sondern auch tastend die Beschaffenheit des Sitzes prüfen, bevor man sein Gesäß niederlässt, da man sich sonst möglicherweise überraschend in einer Pfütze wiederfindet, deren Nässe augenblicklich die Hosen durchweicht, wonach einem nur noch die Hoffnung bleibt, dass hier bloß jemand sein Bier verschüttet hatte.

Freitag: Michael Bittner liest im Kulturhaus Loschwitz

Michael Bittner_Foto_Amac_GarbeAm Freitag, den 7. Februar, lese ich aka. Michael Bittner noch einmal in Dresden aus meinem neuen Buch Wir trainieren für den Kapitalismus – diesmal am Elbhang im schönen Kulturhaus Loschwitz. Die Lesung wird bereichert durch Jazz: Für musikalische Begleitung sorgt die Dresdner Band 2Hot. Los gehts um 20 Uhr. Karten kosten 10 Euro ermäßigt, sonst 12 Euro.

Frau Schwarzer erklärt sich

Es gibt viele Menschen, die halten Alice Schwarzer für eine wichtige Stimme des Feminismus. Es gibt andere, die halten sie für eine unerträglich eitle und egoistische Selbstvermarkterin, für eine intellektuelle Dünnbrettbohrerin und schlechte Schriftstellerin, für eine Frau, die sich für persönliche Hetzkampagnen der Bild-Zeitung bedient und sich zu Werbezwecken von der Bild-Zeitung benutzen lässt. Für eine Person mit krimineller Energie hielt sie bislang aber niemand – offenbar zu Unrecht. Ihren Steuerbetrug mag man Alice Schwarzer aber noch verzeihen, unverzeihlich hingegen ist ihre Erklärung:

In eigener Sache

Diese Überschrift könnten eigentlich alle Artikel und Bücher von Alice Schwarzer tragen, auch ihre Autobiografie wäre mit diesem Titel ehrlich getauft gewesen. In ihrem ganzen Leben ging es ihr vor allem um eines: sich selbst.

Ja, ich hatte ein Konto in der Schweiz. Seit Jahrzehnten, genauer: seit den 1980er Jahren. Und erst im vergangenen Jahr habe ich es bei meinem Finanzamt angezeigt. Ich habe die Steuer für die Zinsen nachgezahlt und das Konto aufgelöst. Das Konto war ein Fehler. Den bedauere ich von ganzem Herzen.

Man glaubt doch wirklich, Uli Hoeneß reden zu hören. Immer machen die Steuerbetrüger nur “Fehler”, nie begehen sie Straftaten. Sie möchten bedauert, nicht verurteilt werden. Und bedauern selbst am meisten, erwischt worden zu sein.

Inzwischen ist alles legal. Ich gehöre nicht zu den tausenden, die Schwarzgeld in der Schweiz haben, das bis heute nicht versteuert ist. Meine Steuern sind gezahlt.

Ja, seit einem Jahr!

Also gilt für mich das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis. Das schützt zehntausende von Deutschen, die, wie ich, unaufgefordert die Initiative ergriffen haben, ihr Konto in der Schweiz zu legalisieren. Und es schützt auch die “Dutzenden von Prominenten”, von denen Experten zu berichten wissen. Über keinen von ihnen ist bisher geschrieben worden, obwohl “spektakuläre Namen” dabei sein sollen. Aber das gilt anscheinend nicht für mich.

So kämpft die Frau, die einstmals als Ikone der Linken galt, nicht etwa gegen das skandalöse Privileg von wohlhabenden Steuerhinterziehern, sich bei drohender Entdeckung freizukaufen – und dabei auch noch anonym zu bleiben. Nein, sie beansprucht dieses Privileg auch für sich als gutes Recht!

Ja, ich habe einen Fehler gemacht, ich war nachlässig. Aber ich habe den Fehler wieder gutgemacht. Ich habe für die letzten zehn Jahre gesamt rund 200.000 € Steuern nachgezahlt, plus Säumniszinsen. Der Fall ist damit auch aus Sicht der Steuerbehörde bereinigt. Mit welchem Recht also jetzt diese Denunzierung?

Mit dem Recht, mit dem die Gerechtigkeit sich ab und zu über falsche Gesetze hinwegsetzen darf. Ein Hoch auf den tapferen Finanzbeamten, der sich den Spaß erlaubte, uns über den Charakter von Alice Schwarzer weiter aufzuklären!

In meinem Fall wurde die Information von einem Informanten aus der Schweiz, wie es heißt, gleich mehreren Redaktionen gesteckt, nacheinander – damit es einer sicher bringt. Mehrere Medien hatten sich entschlossen, aus rechtlichen wie ethischen Bedenken, von einer Veröffentlichung Abstand zu nehmen. Der Spiegel allerdings mochte der Versuchung nicht widerstehen. Er pfeift darauf, dass er damit illegal handelt. Darum werde ich jetzt selber etwas dazu sagen.

Illegal handelt also nicht die, die illegal handelt, sondern der, der uns über das illegale Handeln aufklärt. Ganz klar: Frau Schwarzer ist weiblich und Der Spiegel ist männlich. Damit ergibt sich ja von selbst, wer hier Opfer und wer Täter ist.

Rufschädigung? Klar. Zu viele haben in meinem Fall ein Interesse daran. Ein politisches Interesse. Und ich frage mich, ob es ein Zufall ist, dass manche bei ihrer Berichterstattung über mich gerade jetzt auf Recht und Gesetz pfeifen? Jetzt mitten in der von EMMA angezettelten Kampagne gegen Prostitution, wo es um Milliarden-Profite geht. Bei der Jahrzehnte währenden Kritik von EMMA am Ehegattensplitting, mit dem Vater Staat die Hausfrauenehe mit Milliarden subventioniert. Oder auch nach so scharfen öffentlichen Kontroversen, wie im Fall Kachelmann.

Es ist ja ganz klar: Eine gewaltige Verschwörung ist da im Gange! Deutsche Puffbesitzer und deutsche Ehemänner, sie haben sich vereinigt, um eine tapfere Frau mundtot zu machen. Und wer hat diese Intrige eingefädelt? Na klar, der Kachelmann! Denn der ist: Schweizer! Na, klingelt’s?!

Doch so ein Schritt ist auch ein Dammbruch für die Medien. Mit einem Präzedenzfall Schwarzer wird in Sachen Persönlichkeitsschutz die eh schon tiefe Latte noch niedriger gehängt. Illegal? Persönlichkeitsverletzung? Na und!

Die tiefe Latte, Leute! Merkt ihr’s nicht: Hier ist die Phallokratie am Werke!

Ein Wort noch zu meinen Gründen für dieses Konto: Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen.

Bin ich der Einzige, der hier die Hühner lachen hört und gleichzeitig weinen muss? Alice Schwarzer – verfolgt in der BRD der achtziger Jahre.

So denke ich schon länger nicht mehr. Mein Konto hat sich in diesen Jahrzehnten durch Zinsen und Zinseszinsen vervielfacht, denn in all der Zeit habe ich nie einen Cent von dem Konto abgehoben. Es war einfach da. Zu meiner Beruhigung.

Ja, Geld beruhigt ungemein. Es ist so schön, wenn es einfach da ist.

Selbstverständlich hätte ich das Schweizer Konto dennoch von Anfang an beim deutschen Finanzamt angeben müssen, um die Zinsen zu versteuern. Doch ganz ehrlich: Auch mein persönliches Unrechtsbewusstsein hat sich an dem Punkt erst in den letzten Jahren geschärft.

Ja, das Unrechtsbewusstsein von Kriminellen schärft sich immer dann, wenn die Gefahr wächst, geschnappt zu werden.

Es gibt Fehler, die kann man nicht wieder gutmachen. Zum Beispiel Rufmord. Steuerfehler aber, wie ich einen gemacht habe, kann man wieder gutmachen (Und das sieht auch das Gesetz ausdrücklich so vor). Und genau das habe ich getan.

In der Tat: Ein Rufmord wie jener, den Alice Schwarzer an Jörg Kachelmann verübte, lässt sich nicht wieder gutmachen. Dagegen lässt sich eine Steuerschuld tilgen. Der Rufselbstmord, den Frau Schwarzer mit dieser Erklärung verübte, wird hoffentlich nicht mehr zu tilgen sein.

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