Max Rademann & Michael Bittner gemeinsam mit Ahne beim Elbhangfest

Wer am Sonnabend (28. Juni) das Dresdner Elbhangfest besucht, der sollte sich folgenden Spaß nicht entgehen lassen: Max Rademann und Michael Bittner von unserer Lesebühne Sax Royal absolvieren einen Auftritt zusammen mit dem wunderbaren Ahne aus Berlin, der als Autor der Reformbühne Heim & Welt ebenso bekannt ist wie als Schöpfer der legendären „Zwiegespräche mit Gott“. Zu hören gibt es neben neuen und alten Geschichten auch Lieder. Los geht es um 17:30 Uhr auf der Bühne am Wasser (August-Böckstiegel-Straße 2) im Schlosspark Pillnitz. Das wird Bombe!

Buchtipp: Erich-Mühsam-Lesebuch

Vor einer Weile besuchte ich die Linken Buchtage im Berliner Mehringhof. Gelockt hatte mich die Ankündigung einer Buchpremiere. Das eben im Verbrecher Verlag erschienene Lesebuch Erich Mühsam: Das seid ihr Hunde wert! sollte vorgestellt werden. Ein Teil des Publikums erwies dem Anarchisten, Dichter und exzessiven Lebenskünstler Erich Mühsam schon dadurch die Ehre, dass munter jede Ordnung ignoriert und weiter fleißig gequascht und gesoffen wurde. Die Protagonisten auf der Bühne ließen sich aber keineswegs beirren. Markus Liske, einer der Herausgeber, las einige Texte und erläuterte das Konzept des Lesebuches: Es enthält nicht nur ausgewählte Gedichte, Glossen und Essays Mühsams, sondern auch Auszüge aus seinen Memoiren Unpolitische Erinnerungen und aus Tagebüchern und Briefen. Alles zusammen ergibt, chronologisch geordnet, nicht nur eine Blütenlese, sondern auch eine kleine Biografie des Dichters. Die zweite Herausgeberin des Bandes ist Manja Präkels, die zugleich als Sängerin mit ihrer Band Der singende Tresen wunderbare Vertonungen von Mühsams Gedichten vortrug.

Markus Liske schreibt in seinem Nachwort, Mühsam gehöre gewiss weder zu den größten deutschen Dichtern noch zu den besten Theoretikern des Anarchismus. Seinen Wert mache vor allem die unvergleichliche Einheit von Persönlichkeit, Leben und Werk aus. In der Tat: In dieser Hinsicht lässt sich Mühsam in der deutschen Literaturgeschichte kaum jemand an die Seite stellen. Sein unbeirrbares Verlagen, die literarische Utopie unmittelbar im Leben zu verwirklichen, war romantisch und politisch zugleich. Als sein Hauptwerk werden deshalb vielleicht auch in nicht ferner Zukunft die sensationellen Tagebücher gelten, die von Chris Hirte und Conrad Piens ebenfalls im Verbrecher Verlag herausgegeben werden, aber auch online schon zugänglich sind. Aber fünfzehn Bände liest man nicht mal nebenbei, weswegen sich das neue Lesebuch als Einstieg für Neugierige sehr empfiehlt.

Erich Mühsam: Das seid ihr Hunde wert!Aus jeder Zeile Mühsams spricht seine Integrität, Toleranz und beinahe naive Menschenfreundlichkeit. “Er war einer der besten und gutmütigsten Menschen, denen ich begegnet bin”, notierte selbst Ernst Jünger. Alle Lebensabschnitte Mühsams sind im Buch gleichgewichtig vertreten: Kabarettistische Glossen und Trinklieder aus der Vorkriegszeit in der Berliner und Münchner Bohème; Berichte über seine Mitwirkung beim scheiternden Versuch, in Bayern eine Räterepublik zu errichten; Tagebuchblätter aus der darauf folgenden Zeit in Festungshaft; Pamphlete aus der anarchistischen Zeitschrift Fanal, in der er in der späten Weimarer Republik die Fassadendemokratie und die sowjet-marxistische Parodie des Kommunismus gleichermaßen attackierte. Nur mit Mühe liest man schließlich die Berichte seiner Frau Zenzl, die erzählt, wie Mühsam in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten buchstäblich zu Tode gefoltert wurde.

Die Lektüre dieser Texte ist keineswegs nur etwas für sentimentale Freunde linker Historie. Mühsam schreibt – in Lyrik wie in Prosa – einen klaren und witzigen, an Heinrich Heine geschulten Stil. Sein alkoholfreies Trinklied namens Der Gesang der Vegetarier kann man noch immer gut an Freunde der Gesinnungsethik schicken, um sie zu ärgern. Seine Betrachtungen zur Stimmzettelbeerdigung in Urnen unter dem Titel Zur Naturgeschichte des Wählers sind gerade heute wieder äußerst lesenswert. Gleiches gilt für sein unsterbliches Porträt des ewigen Sozialdemokraten: Der Revoluzzer. Nichts ist leichter als der Einwurf, wie diese utopische Anarchie denn bitte funktionieren solle. Unsere Gesellschaft funktioniert allerdings reibungslos. Erich Mühsam repräsentiert eine Radikalität im Denken und im Leben, die befreiend schon wirkt, wenn man nur von ihr liest.

Erich Mühsam: Das seid ihr Hunde wert! Ein Lesebuch. Hg. von Markus Liske und Manja Präkels. Berlin: Verbrecher Verlag, 2014, 352 Seiten, 16 Euro

Mittwoch(!), 11. Juni: Lesebühne Sax Royal in der scheune

Sax Royal Foto von Christiane Michel

Ausnahmsweise an einem Mittwoch kehrt unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal am 11. Juni mit brandneuen Geschichten, Gedichten und Liedern in die scheune zurück. Bei der letzten Ausgabe vor der Sommerpause dürfen sich die Fans der Royalisten wieder auf heitere Anekdoten aus dem Leben der Bohème, auf satirische Attacken gegen die gute Gesellschaft und auf lyrische Betrachtungen über Liebe, Leid und Liebesleid freuen. Mit dabei sind drei der Stammautoren: Julius Fischer kämpft mit seinen unnachahmlichen Hassays unerschrocken für die Meinungsfreiheit. Max Rademann erzählt Geschichten aus seiner wilden Jugend und stellt uns exzentrische Charaktere vor, wie sie nur im Erzgebirge hausen können. Michael Bittner steigt in seinen Geschichten in die Abgründe des Alltags und der Sprache.

Außerdem freuen wir uns auf zwei grandiose Gäste: Der Leipziger André Herrmann bildet nicht nur gemeinsam mit Julius das Poetry-Slam-Duo “Team Totale Zerstörung”, er liest auch kosmisch komische Geschichten bei der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und ist einer der beliebtesten Blogger Sachsens. Für Musik sorgt derweil der Dresdner Liedermacher Thomas Lautenknecht. Er spielt  in der Band “Oh alter Knaben Herrlichkeit” und vertont als Solist auf ganz wunderbare Weise Gedichte verschiedenster Autoren. Ein höchst kurzweiliger und abwechslungsreicher Abend ist sicher!

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 11.06. | Mittwoch (!) | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 5 Euro (zzgl. Gebühr), Abendkasse: 5 Euro ermäßigt / 7 Euro

Zitat des Monats Juni

but you could have said no
if you’d wanted to
and could have walked away
… couldn’t you?

Morrissey

Literaturtipp: livelyriX Poetry Slam am 5. Juni in der scheune

Jacinta NandiAm Donnerstag, den 5. Juni, geht der letzte reguläre livelyriX Poetry Slam vor der Sommerpause über die Bühne der scheune. Beim Dichterwettstreit bietet sich auch die letzte Gelegenheit für Poeten, sich für die Sächsische Poetry-Slam-Meisterschaft, den “Grand Slam of Saxony” am 3. August, zu qualifizieren. Wie immer dürfen sich die Zuschauer neben Lokalmatadoren auch auf prominente Slammer aus dem Rest der Republik freuen.

Mit dabei ist Jacinta Nandi, geboren in London und inzwischen in Berlin beheimatet, wo sie ihre höchst komischen Geschichten bei den Lesebühnen “Rakete 2000″ und “Surfpoeten” vorträgt und in der taz veröffentlicht. Am Start ist auch der Berliner Kabarettist Michael Feindler, der seine schwarzhumorigen Gedichte u.a. regelmäßig bei der Reihe “Spätzünder” in der Dresdner Herkuleskeule vorträgt. Sodann darf man sich auf Moses Wolff aus München freuen, der als Autor, Schauspieler und Komiker arbeitet und jüngst seiner Figur “Wildbach-Toni” einen ersten Roman schenkte. Aus Potsdam anreisen wird schließlich Jesko Habert, dessen Gedichte und Geschichten sich durch sprachliche Finessen, politischen Anspruch und internationales Flair auszeichnen. Über die Offene Liste angemeldet haben sich Kaddi Cutz, Henning Wenzel, Sara Müller, Jörg Wagner, Lucas Böhme und Jessica Flecks. Es moderiert Michael Bittner.

livelyriX Poetry Slam | 05.06. | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 6 Euro (zzgl. Gebühr), Abendkasse: 6 Euro ermäßigt / 8 Euro

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