Literaturtipp: livelyriX Poetry Slam am 3. September in der scheune

Elli LinnAm 3. September, wie immer am ersten Donnerstag des Monats, kehrt der Dresdner livelyriX Poetry Slam aus der Sommerpause in die scheune zurück. Die Fans des Dichterwettkampfs dürfen sich wie stets auf auswärtige und einheimische Poeten freuen, auf prominente Gesichter ebenso wie auf hoffnungsvolle Neulinge. Am Ende entscheiden allein die Zuschauer mit ihrem Applaus über den Sieger oder die Siegerin des Abends, der wie immer von Stefan Seyfarth und Michael Bittner moderiert wird.

Mit dabei ist u.a. Noah Klaus. Der junge Wortkünstler zählt zu den erfolgreichsten Newcomern der Szene und gewann im Jahr 2014 die Poetry-Slam-Meisterschaften von Berlin-Brandenburg. Erstmals beim Poetry Slam in der scheune mit dabei ist Elli Linn (Foto) aus Jena. Die Autorin weiß Persönliches gekonnt in poetische Form zu bringen. Ein guter Bekannter auf Dresdner Bühnen ist hingegen Tom Schildhauer. Der sehr komische Slammer und Kabarettist aus Sachsen-Anhalt hat inzwischen eine neue Heimat in Köln gefunden. Aus Leipzig reist der Autor Skog Ogvann an. Er hat jüngst den Roman “Der Eisschnellträumer” veröffentlicht.

Natürlich haben auch wieder alle Dresdner Schreibenden die Möglichkeit, selbst mit eigenen Texten im Wettbewerb mitzumischen – zur Anmeldung einfach eine Mail an: dresden@livelyrix.de. Schon angemeldet haben sich bislang Sindy Kirks, Janina Mau, Marilisa und Kaddi Cutz.

livelyriX Poetry Slam | 3. September | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 6 Euro zzgl. Gebühr, Abendkasse: 6/8 Euro

Das letzte Gefecht der Rassisten

Sachsen hat ein Problem, aber das Problem heißt nicht Sachsen. Es wäre albern, wollte man bestreiten, dass die Fremdenfeindlichkeit in den östlichen Bundesländern dumpfer und militanter ist als in den westlichen. Aber wer Xenophobie zum Zonenproblem verniedlicht, der macht es sich zu einfach. Im Osten wird nur in besonders drastischer Form eine Krise offenkundig, die ganz Deutschland, ja ganz Europa betrifft. Eine kulturell und politisch zurückgebliebene Region wie Sachsen ringt nur besonders verzweifelt mit einem Problem, das auch andernorts längst noch nicht überwunden ist. Und dieses Problem heißt Rassismus.

Was aber ist Rassismus eigentlich? Wer darunter bloß die Diskriminierung wegen Aussehen und Herkunft versteht, der erfasst den eigentlichen Kern dieser Weltanschauung nicht. Der Wahn des Rassismus ist viel existenzieller und darum, in die Praxis umgesetzt, mörderischer. Ein Blick in einen Klassiker des Genres wie Gobineaus Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen macht dies deutlich. Der Rassist leugnet nicht nur die Existenz einer universellen Menschheit und ordnet die Menschen stattdessen in höher- und minderwertige, sich ewig bekriegende Rassen. Sein größtes Feindbild ist das „Rassenchaos“, die Vermischung der Rassen. Sie ist für ihn Ursache der Degeneration und Vernichtung der überlegenen weißen Kultur. Als Gegenmittel bleibt nach seiner Überzeugung nur strikte Rassentrennung und die gesunde „Inzucht“ der Weißen. Diese ungemein wirkungsvolle Wahnidee sitzt als unbewusste Angst auch in Menschen, die sich selbst nie als Rassisten bezeichnen würden. Aber die eigene Tochter und ein Neger – igitt!

Der Alptraum der Rassisten wird gerade in Europa Wirklichkeit. In den Großstädten ist er schon Realität, aber selbst in den ländlichen Regionen des Ostens beginnt ein Transformationsprozess von der homogenen zur heterogenen Gesellschaft. Die Furcht der Provinzbevölkerung beschreibt Prof. Werner Patzelt treffend mit den Worten:

Viele Leute in Sachsen, doch auch darüber hinaus, empfinden die – bis in die Kleinstädte sichtbar werdenden – Begleiterscheinungen der Einwanderung als „Entheimatung“. Das heißt: Man bleibt zwar im eigenen Land, erkennt aber in ihm so große Veränderungen, dass man sich zunehmend heimatlos fühlt.

Deutsche, die eine sichere Heimat haben, glauben diese also gefährdet durch Flüchtlinge, die im Gegensatz zu ihnen oft wirklich eine gewaltsame „Entheimatung“ erlebt haben und nun in wenig heimeligen Heimen leben müssen. Übergehen wir einmal die Komik, die in dieser deutschen Selbststilisierung zum Opfer liegt. Was müssten die Sachsen denn aushalten? Sie müssten den Anblick von Menschen ertragen, die anders aussehen als sie, anfangs auch den Klang der Stimme von Menschen, die des Sächsischen noch nicht mächtig sind. Würde ihnen dadurch die Heimat genommen? Ja – und zwar dann, wenn unter Heimat ein Ort zu verstehen ist, wo alle ungefähr gleich aussehen und reden. Diese Uniformität ist im Osten Deutschlands bislang tatsächlich noch weitgehend intakt. Sie wird den Deutschen wirklich genommen werden.

Jene Deutschen, in denen der rassistische Wahn nur als unbewusste Furcht sitzt, werden durch die Realität kuriert. Fremdenfeindlichkeit lässt sich durch persönlichen Kontakt mit Fremden überwinden, wie die geringere Xenophobie in Großstädten zeigt. Schnell stellt sich bei der konkreten Begegnung der bedrohliche Zuwanderer als normaler Mensch heraus, der meist weder besser noch schlechter ist als die Einheimischen. Für die bewussten Rassisten hingegen ist die Zuwanderung existenzbedrohend. Nicht nur wird ihr Alptraum Wirklichkeit. Viel schlimmer: Ihre Ideologie wird durch diese Realität widerlegt. Denn das fröhliche Rassenchaos führt ganz und gar nicht zum prophezeiten Niedergang. Weil die Rassisten spüren, dass sie auf verlorenem Posten kämpfen, ist ihre Gegenwehr so wütend. Ihr Irrsinn kann noch viele Opfer kosten, aber siegen kann er nicht. Die Zahl der Mischehen, so lesen wir, steigt beständig. Jedes dritte Kind, das in Deutschland geboren wird, hat inzwischen einen sogenannten „Migrationshintergrund“. Wir dürfen uns freuen: Der „Volkstod“ ist nur noch eine Frage der Zeit.

Es gibt Politiker und Experten, die meinen, man könne die Fremdenfeindlichkeit bekämpfen, indem man die Zuwanderung reduziert oder ausschließlich in die Großstädte leitet. Je weniger Fremde den Rassisten vor die Fäuste laufen, desto weniger Gewalttaten werden geschehen, so lautet die triste Logik der Kapitulation, die hinter solcher Argumentation steckt. Mir scheint das Gegenteil richtig: Die Abschaffung des Rassismus gelingt am sichersten durch die Völkermischung. Wir sollten die Zuwanderung – allerdings im Rahmen der praktischen Möglichkeiten – fördern und die Zuwanderer geradewegs in jene Kuhdörfer lenken, wo frische Gene ersichtlich am dringendsten benötigt werden: nach Dresden, nach Meißen, nach Freital, nach Heidenau, nach Tröglitz, nach Schnellroda. Allerdings müssen dann jene weltoffenen Deutschen, die es natürlich auch gibt, die Zuwanderer gegen jene Einheimischen schützen, die sich noch in vorzivilisatorischem Zustand befinden.

Ich will schließlich auch zugeben, dass mein Plan nicht ganz uneigennützig ist: Liebe Menschheit, bitte lass mich nicht allein mit diesen Deutschen!

Michael Bittner

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Leseempfehlung:

Versuch über die Ungleichheit der Menschenracen. Vom Grafen Gobineau. Deutsche Ausgabe von Ludwig Schemann. Erster Band. Stuttgart: Fr. Frommanns Verlag (E. Hauff), 1898.

Zitat des Monats August

Wir sehen, gleich dem David, den salomonischen Tempel nur in Träumen und die Stifthütte im Wachen; aber die Philosophie wäre jämmerlich, die von den Menschen nichts forderte, als was diese bisher ohne Philosophie leisteten. Wir müssen die Wirklichkeit dem Ideal, aber nicht dieses jener anpassen.

Jean Paul

Literaturtipp: Poetry Slam DDR-Spezial am Mittwoch (19. August)

DDR SlamAm Mittwoch (19. August) gibt es eine Spezial-Ausgabe der von Kaddi Cutz organisierten Poetry-Slam-Reihe „Geschichten übern Gartenzaun“ in Dresden. Neun Poetinnen und Poeten befassen sich in ihren Texten mit der Deutschen Demokratischen Republik, ihrem Ende und ihrem Weiterleben. Mit dabei sind Max Rademann und Michael Bittner von unserer Lesebühne Sax Royal, dazu noch viele weitere sehr gute Menschen, nämlich: unserer Lausitzer Freund und Kollege Udo Tiffert, die wunderbare Franziska Wilhelm aus Leipzig, Mike Altmann und Axel Krüger von der Görlitzer Lesebühne „Jazzhappen“ und Volker Strübing und Tilman Birr aus der Hauptstadt Berlin.

Los geht es um 19:30 Uhr, je nach Wetter in oder vor der Groove Station. Der Eintritt kostet läppische 5 Euro.

Die Veranstaltung wird gefördert vom Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.

Literaturtipp: 12. „Grand Slam of Saxony“ – Sächsische Poetry-Slam-Meisterschaft am Sonntag (9.8. 2015)

Grand Slam of Saxony

Am 9. August findet zum 12. Mal unter dem Titel Grand Slam of Saxony die Sächsische Meisterschaft des Poetry Slam in Dresden statt. Der Dichterwettstreit geht wieder als Open Air Poetry Slam über die Bühne der Saloppe. Die neun erfolgreichsten sächsischen Poetinnen und Poeten der Saison kämpfen mit ihren besten Geschichten und Gedichten um die Gunst des Publikums und den Titel des sächsischen Meisters. Qualifiziert haben sich: Boris Flekler (Leipzig), Nils Matzka (Leipzig), Gesine Schäfer (Dresden), Bonny Lycen (Dresden), Marsha Richarz (Leipzig), Mike Altmann (Görlitz), Skog Ogvann (Leipzig), Nhi Le (Leipzig) und Marilisa (Dresden). Als Featured Poet tritt außerhalb des Wettbewerbs die Vorjahressiegerin und amtierende Sachsen-Meisterin Leonie Warnke aus Leipzig auf.

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird Sachsen dann bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften, dem Slam 2015 in Augsburg, repräsentieren. Die Zuschauer dürfen sich auf das freuen, was den Poetry Slam stets ausmacht: eine bunte Mischung aus Ernst und Wortspiel, Politik und Komik, Gereimtem und Ungereimtem. Am Ende küren allein die Zuschauer demokratisch per Applaus ihren Favoriten.

Organisiert wird der “Grand Slam of Saxony” wie immer gemeinsam von livelyriX und der scheune, moderiert von Stefan Seyfarth und Michael Bittner.

12. Grand Slam of Saxony – Sächsische Poetry Slam Meisterschaft | 9. August 2015 | Einlass: 18 Uhr, Start: 19 Uhr | Saloppe | Vorverkauf: 8 Euro zzgl. Gebühr, Abendkasse: 12 Euro

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