Eine kleine, aber repräsentative Ausstellung des Werkes der Fotografin Evelyn Richter kann zur Zeit im Loschwitzer Leonhardi-Museum betrachtet werden, was hiermit dringlich empfohlen sei. Zu sehen gibt es natürlich einige jener Schwarzweißfotografien aus dem Alltag der DDR, mit denen die Fotografin besondere Bekanntheit erlangte. Die Bilder konterkarieren das Bau-Auf-Pathos der offiziellen Propaganda, verfallen dabei aber nicht in sentimentale Bebilderung der Tristesse, sondern zeichnen sich durch hintergründigen Witz aus. Von großem Einfühlungsvermögen zeugt eine Serie von Porträts bekannter Persönlichkeiten vornehmlich aus dem kulturellen Leben des Ostens. In einer weiteren Serie sind Bilder ausgestellt, auf denen die Fotografin neben ihrem Objekt zugleich sich selbst als Fotografierende in Szene setzt. Und im Obergeschoss kann man schließlich ihre bebilderte Leidenschaft für die Musik nachvollziehen. Evelyn Richter bezeichnet sich übrigens lieber als Dokumentaristin denn als Kunstfotografin – mit der schlagenden Begründung, der letztere Begriff erinnere sie an Kunsthonig.
Die Ausstellung läuft bis 5. April. Der Eintritt kostet ermäßigt 2 Euro. Öffnungszeiten: Di-Fr: 14-18 Uhr, Sa-So: 10-18 Uhr.
Gestern Nacht erreichte mich folgender Aufruf. Den vielen Jungautoren unserer stolzen Nation, besonders den 11-jährigen, lege ich dringend ans Herz, diesem Folge zu leisten:
Odenwald-Krimiwettbewerb
Kurzkrimi zum Thema “Totholz“ (für Erwachsene und Jugendliche); bis zum 1. März 2010 einzureichen. Dotation: Jugendliche (11-17 J.) können auf Bücher und Überraschungsgutscheine (kein Shit) hoffen!!! Erwachsenen winken als 1. Preis: 2.000 Euro; als 2.: ein Wochenendausflug für zwei Personen ins Hotel Zentlinde in Mossautal-Güttersbach. Der 3. bekommt immerhin noch ein Candlelight-Dinner für 2 Personen spendiert. Außerdem gibt es viele attraktive Sachpreise zu gewinnen, u.a. Motorsägenkurse, Stirnlampen etc.!!!

(Da auch ich seit längerem auf eine ordentlich funktionierende Stirnlampe spekuliere, machte ich mich selbstverständlich sofort an die Arbeit. Dringend erforderlich erschien mir allerdings ein Motorsägenkurs zu sein, den es eigentlich erst zu gewinnen galt, denn wie sollte ich sonst die vielen kleinen Details meiner spontan ausgedachten Geschichte realistisch beschreiben können. Zum einen wusste ich nicht, ob es theoretisch möglich war, mehrere übereinandergestapelte Leichen mit einem einzigen Motorsägenhieb in mundgerechte Stücke zu teilen zum anderen kannte ich mich wenig damit aus, wie man mit kleiner Motorsägeleistung möglichst wenig Lärm und Dreck verursachte, ohne gleich sämtliche Mieterparteien aufzuwecken. Eine durch und durch vertrackte Situation. Wäre ich in der Lage, sie in den Griff zu bekommen? Nur die Menschen der Zukunft wissen schon jetzt, ob alles gutgegangen ist. Ich bin untröstlich.)
Wer absolut noch keinen Plan hat, was er der oder den Liebsten vor Schreck schenken soll, dem seien noch einmal folgende tolle Produkte vor Augen geführt, die sich ideal als Weihnachtsgeschenke eignen:
Ganz frisch aus dem Druck und nur für kurze Zeit erhältlich ist ein Kalender für 2010 mit meinen neuesten Gedichten und Grafiken von INKO. Die Stückzahl ist begrenzt. Erhältlich nur bei DaWanda und bei unserer morgigen Lesebühne.
Des weiteren möchte ich auf die Postkartenserie „Rotes Giräffchen“ hinweisen. Sieben verschiedene Motive mit Grafiken von INKO und meinen lyrischen Klassikern wie „Marx“, „Eichhörnchen“ und „Rotes Giräffchen“. Zu haben auch als Drucke in Bilderrahmen. Erhältlich bei Buttendorf Handgefertigtes (Kamenzer Str. 17, DD-Neustadt), bei UBO Geschenkeladen (Görlitzer Str. 32, DD-Neustadt), Büchers Best (Louisenstr., DD-Neustadt), art+form (Bautzner Str. 11, DD-Neustadt), DaWanda und bei unserer Lesebühne.
Und zu guter Letzt sei noch das kleine Büchlein „Fotoepigramme“ mit Fotos von Christiane Michel und meinen Texten genannt. Es sind nur noch einige wenige Bücher übrig. Erhältlich bei Büchers Best (Louisenstraße, DD-Neustadt) oder bei unserer Lesebühne.
Viel Spaß beim Überlegen und Stöbern!
Zum ersten Mal war ich heute in dem glasstählernen Geschäftsbau mit dem sinnigen Namen “Prager Spitze” und schaute hinab auf das Treiben der Dresdner Passanten vor dem sagenumwobenen “Wiener Loch” vor dem Hauptbahnhof und dem abstoßend eckigen “Kugelhaus” gleich nebenan. Was hatte ich da zu suchen? Ich ward beglückt und begeistert von der Ausstellung unter dem Titel “OHNE UNS!“, die ebendort noch bis zum 17. Januar zu sehen ist. Genau genommen sah ich nur ein Viertel der Ausstellung, drei andere Teile gibt es nämlich noch in der Motorenhalle, dem Rathaus und der Gedenkstätte Bautzner Straße zu sehen. Aber was allein in der Prager Spitze ausgestellt ist, reicht auch so schon für einen ganzen Tag.
Die Ausstellung gibt zum ersten Mal einen umfassenden Überblick zur alternativen Kunst und Kultur in Dresden vor und nach 1989. Bilder, Plastiken, Installationen, Kunstzeitschriften, Künstlerbücher, Fotos, auf Video festgehaltene Performances – eine Unmenge von Exponaten ergeben ein äußerst lebendiges, geradezu überwältigendes Bild der Dresdner Kunstszene, die insbesondere in den siebziger und achziger Jahren neben Berlin und Leipzig die wichtigste in der DDR war. Indem die Ausstellung löblicherweise nicht mit dem Mauerfall endet (und auch osteuropäische Künstler zum Vergleich heranzieht), kann sie sichtbar machen, dass Unangepasste in jedem politischen System versuchen, gegen den Zwang der Gewöhnlichkeit anzugehen. Zugleich zeigt sich, dass die künstlerischen Themen sich durch den Systemwechsel weniger stark verändert haben als man vermuten könnte: Kritik an Bürokratie und Leistungswahn, Umweltverbrauch und öffentlicher Überwachung scheinen nach wie vor aktuell. Wer in der Opposition der DDR vom besseren Sozialismus träumte, für den bedeutete der real existierende Kapitalismus ein eher böses Erwachen.
Der Besucher findet verschiedenste Künstler in der Schau vereinigt. Einige Räume sind jenen Avantgardisten gewidmet, die die Tradition der klassischen Moderne nicht dem sozialistischen Realismus opferten und so an eine jüngere Generation weitergaben. Sodann gibt es damals untergründige, heute renommierte Künstler wie zum Beispiel Cornelia Schleime, die in einer Serie auf amüsante Weise die Spießbürgerlichkeit der Verfasser ihrer Stasi-Akten offenlegt. Das Spektrum reicht sodann bis zur aktuellen Gegenwartskunst von Jan Brokof, dem es zeichnerisch die formale Klarheit ostdeutscher Plattenbauten angetan zu haben scheint. Zu finden sind auch Werke von Protagonisten, die wie der Künstler und Lebenskünstler Lutz Fleischer ihrer Heimatstadt treu geblieben sind. Ein bisschen Wehmut wird bei Spätgeborenen der auch hier wieder höchst anschaulich gemachte Mythos vom Szeneviertel Äußere Neustadt auslösen.
Die ausgestellte Kunst der ostdeutschen Avantgarde mag formal teils auf den schon vor dem Krieg erfundenen Mitteln der künstlerischen Moderne, teils auf den aus Westdeutschland importierten Mitteln der Aktionskunst beruhen – in der Art, wie sie auf die herrschenden Verhältnisse angewendet wurde, erscheint sie auch heute noch als außerordentlich reich, sinnlich, politisch und sexy. Braucht die Kunst die Diktatur? Nicht um gelungen, aber vielleicht um relavant zu sein? War sie jemals relevant? Kann man in einer permissiven Gesellschaft darum alles sagen, weil sowieso keiner zuhört? Ich weiß es nicht.
Dem großen Zufall war es zu verdanken, dass ich vorgestern die Prag Biennale noch vor ihrer Vernissage erleben durfte. Zirka drei Stunden zu früh eingetroffen, wurde ich am Einlass gefragt, ob ich auch ein Künstler sei, und als ich mit dem fiesesten aller Blicke das Wachpersonal von meiner außerordentlichen Wichtigkeit überzeugen konnte, ließ es mich gutgläubig passieren.
Die Prag Biennale findet bereits zum vierten Mal statt. Wer es mir gleichtun und sie besuchen möchte, findet das Ausstellungsgelände nur zwei Metrostationen vom Altstädter Ring entfernt im Stadtteil Karlìn. Ein altes Fabrikgebäude dient als Unterschlupf für die Werke hochinteressanter Künstler aus nahezu der gesamten Welt, besonders aber aus Osteuropa, Italien und Südostasien. Die Biennale zeigt vor allem Neuheiten im Bereich der Malerei, seltener sind Videokunst und Plastik. Angekoppelt ist darüber hinaus erstmalig die Biennale Foto. Continue reading Kunsttipp: Prag Biennale 2009…
Nicht nur in der Motorenhalle des Riesa Efau, sondern in der ganzen Friedrichstadt läuft noch bis zum 18. April eine Ausstellung unter dem Titel “Muralismo morte“. Gestern fand die außerordentlich gut besuchte Eröffnung statt. Meine in der Kunstgeschichte höchst bewanderte Liebste belehrte mich darüber, dass es hier nicht um den toten Moralismus gehe, wie ihrem in der Philosophie mehr schlecht als recht bewanderten Freund schwante. “Muralismo” bezeichnet vielmehr die Bewegung der modernen Wandmalerei im öffentlichen Raum. Eine ganze Reihe von Künstlern hat nicht nur die Motorenhalle, sondern auch verlassene Abbruchhäuser im Stadtteil mit ihren Malereien beglückt. Dabei sind die Motive nicht plakativ politisch, wie man annehmen könnte, sondern eher verspielt, fantastisch, comichaft, surreal, arabesk.
Man kann nicht nur die Motorenhalle besuchen (Di-Fr 16-20 Uhr, Sa 14-18 Uhr), sondern sich auch für Rad-Touren zu den Abrisshäusern anmelden oder als Künstler an Workshops teilnehmen.
Einigermaßen gespannt kann man auch darauf sein, was uns am morgigen Datum, dem 28.02. um 19 Uhr, fünf junge Künstler in der [doppel de] Galerie (Buchenstraße 16 A) präsentieren werden. Normalerweise findet dort die Vernissage immer am Ersten des Monats statt. Diesmal jedoch gleich als Doppelpack. Nämlich wie schon erwähnt morgen und extra noch einmal – dann wie gewohnt – am 1. März, zur gleichen Zeit. Welches Geheimnis sich hinter dieser zweifachen Eröffnung verbirgt, das wird man wohl nur erfahren, wenn man beide Male dort auftaucht. Gehört es zum künstlerischen Konzept? Wird es identisch sein, was man da erlebt? Wird es sich unterscheiden wie der Fisch vom Fahrrad? Ich habe was von einer Performance munkeln hören. Diese gibt´s auf alle Fälle zum ersteren Termin und man weiß nicht ob es dabei bleibt. Jedenfalls sind Künstlerperformances ja immer in irgendeiner Form ein Schmankerl! Ob man uns schocken will? Oder gar nachdenklich stimmen? Ich bin mir sicher, die fünf jungen Herren, allesamt übrigens Studenten an der hiesigen HfbK, werden mit einigen Überraschungen aufwarten.
Eine Ausstellung mit dem Titel “Am Allerwertesten“, präsentiert von den jungen Künstlerinnen vom “Institut für wahre Kunst”, die sich ganz praktisch mit dem problematischen Verhältnis von zeitgenössischer Kunst und deren materieller sowie ideeller Wertschätzung auseinandersetzt, läuft noch bis zum Freitag in Dresden. Wer sie sich anschauen möchte, findet die Schau in der Rudolfstraße 13b in der Leipziger Vorstadt nicht weit vom Bahnhof Neustadt.
Der Clou der Sache: Besucher können vor Ort Gebote zum Erwerb der Kunstwerke abgeben und damit ihre Wertschätzung ganz handfest ausdrücken. Welche Werke verkauft wurden und wer den Zuschlag erhält, erfahren die Interessenten und alle anderen Zuschauer dann bei der Finissage am kommenden Freitag, den 27. Februar, die ab 19 Uhr von Stefan Seyfarth und Michael Bittner moderiert wird. Der Abend klingt natürlich mit Musik und gemeinsamem Umtrunk aus.
Für alle, die drei Wochen vor dem Fest immer noch keine Weihnachtsgeschenke haben und genau so faul sind wie ich, stundenlang nach welchen zu suchen. Hier die Rettung in letzter Minute:
Tipp Nr. 1: „Rote Giraffe“ – Postkarten mit drolligen Motiven von INKOgraphix kombiniert mit krassen und pseudokrassen Klassikern von Roman Israel, z.B. Fettsack, Marx, Eichhorn, Giraffe.
Erhältlich im Kunstwarenautomat des Hebedas, Auf der Pirsch (Görlitzer Str.), DaWanda oder bei der nächsten Lesebühne am 11.12.
Einzel: zw. 1,50 und 2,50 Eur. Fünfer: 5,- Eur.
Tipp Nr. 2: „Fotoepigramme“ – Lyrik von Roman Israel und Fotos von Christiane Michel, auf Biegen und Brechen zusammengepfiffen in ein 48 Seiten starkes Buch.
Erhältlich bei Büchers Best (Louisenstraße), im Kunstwarenautomat des Hebedas oder bei der nächsten Lesebühne am 11.12.
Kostenpunkt: 5,- Eur.
Dresche für die Krise! Pumpe Geld in den Markt!
Liebe Freunde der Live-Literatur,
wir haben gefiebert, wir haben gebangt und endlich ist es wieder so weit: die deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam, ausgetragen in Zürich, suchen einen würdigen Nachfolger für Marc-Uwe (oder auch Makuwe) Kling. Wer das sein wird, entscheidet sich in den kommenden Tagen, die geneigten Leser dieses Blogs werden von uns detailreich und aktuell mit dem heißesten Shit diesbezüglich ausgestattet. Continue reading Slam 2008…