„Sackgang Kid“ – der Comic von Max Rademann und Michael Bittner

Sackgang Kid TeaserSoeben erschienen ist „Sackgang Kid“, der erste gemeinsame Comic von Max Rademann und Michael Bittner. Das „heitere Album für Eltern und Kinderhasser“ präsentiert einige Szenen aus dem Leben eines Jungen, der nicht eben Werbung für die Fortpflanzung der menschlichen Art macht. Die Zeichnungen des Heftes stammen von Max, die Texte von Micha, das Layout übernahm Ringo Jarke. Erwerben kann man den Comic zum Preis von 6 Euro bei allen Auftritten der beiden Macher, in Dresden auch im Buchladen Büchers Best und im Plattenladen Fat Fenders. Interessenten in der Ferne bestellen das Heft einfach per Mail an: kontakt@saxroyal.de.

Buchtipp: „Ist das jetzt Satire oder was?“

Satire CoverSeit Satiriker auch im Westen wieder zum Abschuss freigegeben sind, wird in der Öffentlichkeit plötzlich eifrig über Satire diskutiert. Was darf sie und was darf sie nicht? Wo liegen ihre Grenzen? Die Kollegen Heiko Werning und Volker Surmann von der Lesebühne Brauseboys haben im Satyr Verlag ein Buch zum Thema herausgegeben: mit vielen witzigen, fiesen, manchmal auch melancholischen Texten zum Thema, die sich um Grenzen nicht kümmern. Mit dabei sind so tolle Autoren wie Leo Fischer, Gerhard Henschel, Jacinta Nandi, Ivo Bozic, Kirsten Fuchs, Christian Bartel und noch viele, wirklich viele mehr. Von unserer Lesebühne ist Micha mit einem Beitrag vertreten. Der Kauf ist zu empfehlen!

Heiko Werning und Volker Surmann (Hg.): Ist das jetzt Satire oder was? Beiträge zur humoristischen Lage der Nation. Berlin: Satyr Verlag, 2015, 224 Seiten, 13,90 Euro.

Der Greisengeruch des Abendlandes. Ein Gespräch über den Roman von Thomas Kapielski

“Verrate mir, Freund, kennst du eigentlich den Schriftsteller und Universalkünstler Thomas Kapielski?”

“Kennen? Ich liebe ihn mit Inbrunst und verehre seine Schriften einer Offenbarung gleich! Oft schon grämte ich mich ob des Gefühls, Thomas Kapielski werde in seinem Heimatland nicht gebührend gewürdigt! Aber wie wäre das auch möglich in Deutschland, diesem witzlosen Gefilde, wo so wenige Menschen klugen Humor zu schätzen wissen!”

“Wir sind uns ganz einig in dieser Frage. Aber sag an, wie behagte dir der Volumenroman mit dem Titel Je dickens, destojewski!, den Kapielski jüngst der Mit- und Nachwelt übergab?”

“Es ist, dafür halte ich, ein Meisterwerk der komischen Literatur! Wie virtuos spielt der Dichter in diesem Buche mit der romantischen Ironie! Er parodiert mit seinem Roman zugleich auf kunstvollste Weise die Gattung des Romans. Tritt doch der Erzähler, genannt der Pohle, im Erzählten auch als Figur auf und bespricht sich regelmäßig mit dem Helden Ernst L. Wuboldt, den er selbst schöpfte! Alle Handlung wird so zum höheren Spaß verflüchtigt, nirgends stummer und stumpfer Realismus wie in den meisten Romanen der Gegenwart. Und Kapielski, er wusste, was er tat! Erweist er doch dem Meister des komischen Romans, Laurence Sterne, auf subtile Weise seine Ehrerbietung! Mit einem besonderen Kapitel über Nasen nämlich!”

“Fast schäme ich mich, dieser ganz berechtigten Eloge noch Bedenken entgegenzusetzen. Aber! Ein Buch von 450 Seiten, das beinahe nur aus Kneipengesprächen besteht? Geht das an?”

“Wie hätte der Dichter schöner das Werk des großen Boccaccio in die Gegenwart versetzen können? Im Decamerone fliehen kluge Menschen vor der Pest aufs Land und erzählen einander im kleinen Kreis Geschichten. Bei Kapielski ziehen sich reifere Männer und Frauen angesichts der Pest der Gegenwart in Kneipen in Spandau und Bamberg zurück, um ungestört zu trinken und zu philosophieren.”

“Gewiss. Sind nun aber Stammtischgespräche nicht doch gewöhnlich für die Beteiligten immer lustiger als für den nüchternen Beobachter? Ich fand mich als Leser des Romans wohl manchmal in dieser unbefriedigenden Rolle wieder.”

“Du hättest dir vor der Lektüre einige Biere einflößen sollen. So tat ich’s und erheiterte mich bestens.”

“Gern suche ich den Fehler bei mir selbst. Doch war’s noch etwas anderes, das meine Stimmung trübte. Kapielski schwor vorzeiten dem Kommunismus ab – gut, warum nicht! Doch musste er hernach gerade zum Propheten eines neuerlichen Untergangs des Abendlandes werden? Diese Klagen über Kindermangel und Fremdvölker, Schwulenehe und Veganismus – die erinnern doch fatal an zeitgenössische Parolen dunkeldeutschester Art. Dieser Greisengeruch des Abendlandes, den der Erzähler selbst über seinem Stammtisch wittert, er müffelt doch ein bisschen nach Ressentiment, zumal der Pohle beständig übers Zukurzkommen in Sachen Finanz und Prestige jammert.”

“Aber wie wird das alles von dem unnachahmlichen Stil und der allgegenwärtigen Ironie gemildert, ja ich möchte sagen: geheiligt! Bekennt der Autor doch schelmisch, nur aus Spaß mutwillig in den Orchideenplantagen des Salonkommunismus herumtrampeln zu wollen. Das tut er denn auch, gewiss in der guten Absicht, den Linken einmal Gelegenheit zu geben, das Vorurteil zu widerlegen, sie seien humorlos.”

“Nun gut. Ich gestehe auch: Fast auf jeder Seite finde ich einen Aphorismus, dessen Weisheit mich mit dem Dichter sogleich wieder versöhnt. Ich möchte ganze Seiten auswendig hersagen, aber beschränke mich auf eine beispielhafte Passage: Möglich, daß die Tiere reden könnten, wenn sie bloß wollten, es aber nicht tun aus Angst, sie müßten dann in die Schule gehen und arbeiten und dann auch arbeitslos werden, was ihnen den einst naturwüchsigen Müßiggang mit Langeweile und existentiellem Überdruß vergällen würde. Also ist es klug, daß die Tiere sich doof stellen.

“Ich spiele schon seit Längerem mit dem Gedanken, mir das Gesamtwerk von Thomas Kapielski auf den Körper tätowieren zu lassen. Erinnere dich doch auch daran, was er über die Seuche der Mobiltelefoniererei zu sagen weiß: Das Fernsein liegt solchen Telefonisten nahe, das Nahe ganz fern. Die Fernen mögen sie herbeirufen, die Nahen lieber fernhalten. Das Ferne zieht an, das Nahe stößt ab. Mit welcher Rührung las ich im Roman auch die Reflexionen des Dichters über das Alter gleich neben Erinnerungen an die früheste Kindheit! Welcher Dichter sonst verstünde es, zugleich das Unbehagen in der Kultur und die elementare Freude am Dasein so ergreifend zu schildern?”

“Ich fürchte fast, wir beide haben uns verrannt und vergangen! Allzuviele Geheimnisse deuteten wir in das ganz klare Buch neunmalklug hinein!”

“Das mag sein. Aber wie sagt Ernst L. Wuboldt so treffend: Hermeneutik ist: etwas lesen, was gar nicht drinsteht.

“Trinken wir darauf nun beide zehn Halbe!”

“So sei es!”

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Thomas Kapielski: Je dickens, destojewski! Ein Volumenroman. Berlin: Suhrkamp, 2014, 458 Seiten, 20 Euro.

Meinen früheren Hinweis auf Thomas Kapielskis Buch Neue Sezessionistische Heizkörperverkleidungen findet der Interessierte hier.

Im Anti-Kriegs-Museum

Menschen reagieren seltsam auf Kriege. Sind sie selbst nicht beteiligt, schauen die Leute den kämpfenden Parteien verständnislos und kopfschüttelnd zu: “Was für eine absurde Sache ist doch ein Krieg! So viele sinnlose Opfer und Zerstörungen! Warum können die sich denn nicht einfach an einen Tisch setzen und Frieden machen?” Geraten Menschen aber selbst in einen Konflikt, erscheint ihnen der Krieg ganz plötzlich nicht mehr als grotesker Unfug, sondern als eine gerechte Sache. Nichts ist verführerischer und leichter, als sich in die Logik des Krieges rutschen zu lassen. Ganz selbstverständlich erscheint es Kämpfenden, gegen den Feind mit Gewalt vorzugehen. Jede Partei glaubt ja, das Recht – früher sagte man: Gott – auf ihrer Seite zu haben. Frieden ist nur auf zwei Arten möglich: Entweder eine der Parteien siegt oder beide verzichten auf ihr vermeintliches Recht. Der Frieden durch Verzicht ist eine schwierige, beinahe unmögliche Sache. Denn je mehr Opfer eine Partei während eines Krieges erbringt, desto unwürdiger muss ihr so ein Verzicht erscheinen.

Der Frieden ist im Frieden selbstverständlich und erscheint im Krieg fast undenkbar. Dazu trägt bei, dass Gesellschaften im Krieg sich uniformieren. Dem Kampf gegen den äußeren Feind entspricht der Kampf gegen den inneren, gegen die Zweifler, die als Verräter gebrandmarkt werden. Unter solchen Bedingungen erhebt kaum einer die Stimme dafür, den Frieden durch eigenen Verzicht wiederherzustellen. Demokratien sind wohl auch deswegen seltener an Kriegen beteiligt, weil in ihnen die Zweifler auch während eines Krieges nicht völlig mundtot gemacht werden können. Die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg war nicht so total wie im Zweiten Weltkrieg, weil es noch eine teilweise freie Presse, noch ein Parlament, noch Demonstrationen gab. So erzwang ein Teil der Öffentlichkeit den Abbruch des aussichtslosen Kampfes. Anders als unter Hitler, der durch totalen Terror fast jeden Widerspruch unterband, gab es während des Ersten Weltkrieges einige Menschen, die sich allem nationalistischen Furor zum Trotz schon früh der Logik des Krieges widersetzten. Man denkt gewiss zuerst an Menschen wie Rosa Luxemburg und Karl Kraus. Weniger bekannt ist der anarchistische Pazifist Ernst Friedrich. Als der sich irgendwann weigerte, die Uniform anzuziehen, wies man ihn zur Beobachtung in die Psychiatrie ein, so absonderlich schien sein Verhalten. Später landete er auch im Gefängnis. Nach dem Krieg widmete sich Friedrich, der u.a. mit Käthe Kollwitz und Erich Mühsam befreundet war, vor allem der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus wurde der Kampf gegen den Krieg für ihn zum Lebensthema.

Im Jahr 1925 eröffnete Ernst Friedrich im Zentrum von Berlin das Internationale Anti-Kriegsmuseum. Es wurde 1933 von den Nazis zerstört und zum “Sturmlokal” der SA umgewandelt, in dem auch politische Gegner gefoltert wurden. Auch Friedrich wurde zeitweise von den Nazis interniert, konnte dann aber fliehen, zunächst in die Schweiz, dann nach Belgien, dann nach Frankreich. 1982 wurde das Anti-Kriegs-Museum neu gegründet, geleitet wird es von Tommy Spree, einem Enkel von Ernst Friedrich. Es befindet sich heute in der ruhigen Brüsseler Straße im Wedding, im Haus Nr. 21. Tritt man ein, glaubt man sich eher in einem Wohnzimmer als in einem Museum wiederzufinden. Buchregale enthalten Werke der pazifistischen Literatur. Bilder und Texte zur gewalttätigen Geschichte der Menschheit hängen an den Wänden. Und ein Fernseher zeigt einen Film über die Geschichte des Museums. Ein Weggefährte von Ernst Friedrich gesteht da offenmütig, der Name Anti-Kriegs-Museum sei schon am Anfang etwas hochtrabend gewesen. Und natürlich kann ein kleines Museum von der Größe einer Familienwohnung unmöglich den Anspruch einlösen, den so ein hehrer Titel suggeriert. Aber gerade der Kontrast zwischen der gewaltigen Aufgabe und der Bescheidenheit der Mittel macht auch den Charme des Anti-Kriegs-Museums aus: Es symbolisiert in seiner Unvollkommenheit selbst den unermüdlichen, aber beinahe aussichtlosen Kampf des machtlosen Pazifismus gegen die übermächtige Gewalt.

In einem kleinen Nebenraum erzählen Tafeln vom Leben bedeutender Pazifistinnen und Pazifisten. Neben bekannten Persönlichkeiten wie Bertha von Suttner, Albert Einstein oder Gandhi lernt man hier auch weniger prominente Friedenskämpfer kennen. Eine schmale Treppe führt hinunter in einen originalgetreu erhaltenen, mit historischen Utensilien ausgestatteten Luftschutzkeller. Eine Karte an der Wand veranschaulicht, wie viel von Berlin übrig bliebe, schlüge im Stadtzentrum eine Atombombe ein. (Nichts.) Wieder oben angekommen, kann man hinüber in die angeschlossene Peace Gallery gehen. Noch bis zum 1. März 2015 läuft dort eine Ausstellung zum bekanntesten Buch von Ernst Friedrich mit dem Titel Krieg dem Kriege. Der viersprachige, dokumentarische Band erschien zuerst 1924 und wurde zum internationalen Erfolg. Kurt Tucholsky schrieb: “Die Photographien der Schlachtfelder, die Photographien der Kriegsverstümmelten gehören zu den fürchterlichsten Dokumenten, die mir jemals unter die Augen gekommen sind.” In unseren Tagen sind die abscheulichsten Gräuelbilder alltäglich geworden. Dennoch ist es immer noch fast unerträglich, manche Bilder in Ernst Friedrichs Buch zu betrachten. Geschickt nutzte er das Mittel der Kontrastierung, um nicht einfach nur das Elend, sondern die Infamie des Krieges darzustellen. Man sieht Soldaten in Heldenpose neben Soldaten in Totenstarre. Spazierende und feiernde Generäle und Könige neben verreckenden Soldaten. Sarkastische Bilderklärungen im Stil von Karl Kraus verstärken oft die entlarvende Wirkung. Das Buch ist heute so wertvoll wie vor hundert Jahren. Erfreulicherweise ist es immer noch erhältlich, im Mai 2015 soll eine weitere Neuausgabe mit einem Vorwort des Historikers Gerd Krumeich erscheinen. Vielleicht wäre es einmal eine schöne Aktion, Exemplare kostenlos an Besucher im neuen “Showroom” der Bundeswehr an der Friedrichstraße zu verteilen.

Der abstrakte, radikale Pazifismus, der – das christliche Gebot der Feindesliebe strikt befolgend – jede Gewalt und jeden Krieg ablehnt, ist gewiss eine moralisch respektable Erscheinung. Aber auch diese Haltung kann ins moralische Dilemma führen. Es gibt nämlich auch Kriege, in denen sich wirklich Recht und Unrecht gegenüberstehen. Wer in einem solchen Konflikt mit Verweis auf den eigenen Pazifismus neutral bleiben will, dient wohl weniger dem Frieden als der eigenen Selbstzufriedenheit. Der Pazifist Ernst Friedrich entschied sich übrigens anders: Im Zweiten Weltkrieg schloss er sich der französischen Résistance an, streifte eine Uniform über und kämpfte gegen die deutschen Besatzer.

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Das Anti-Kriegs-Museum befindet sich in Berlin-Wedding in der Brüsseler Straße 21 und ist täglich von 16-20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Voraussichtlich im Mai 2015 erscheint: Ernst Friedrich: Krieg dem Kriege. Neu herausgegeben vom Anti-Kriegs-Museum Berlin. Mit einer Einführung von Gerd Krumeich. Christoph Links Verlag. 300 Seiten. 16,90 Euro.

Sonntag, 30. November: Max Rademann feiert die Buchpremiere von „Die Dörte und der Unkönig Willy“

Max Rademann: Die Dörte und der Unkönig WillyDörte feiert Premiere! Dörte, das ist das Mädchen „mit den Sommersprossen und dem Zopp aufm Kopp“ – und außerdem hat sie immer gute Laune. Dörte will Abenteuer erleben, deswegen fährt sie mit der Dampflok auf einen Berg. Im Zug trifft sie König Willy. Also jedenfalls behauptet er, ein König zu sein. Weil er sich aber überhaupt nicht königlich, sondern sehr ungehobelt benimmt, verpasst Dörte ihm den Namen „Unkönig Willy“. Gemeinsam erkunden sie den Berg und der griesgrämige Unkönig lernt, die Welt mit Dörtes Augen zu sehen. Oder besser: sie mit ihren Ohren zu hören.

Autor und Illustrator Max Rademann liest die Geschichte Die Dörte und der Unkönig Willy, musikalisch begleitet wird er von Sandrow M. (Uncanny Valley). Anschließend können sich die kleinen Gäste selbst als Illustratoren versuchen. Los geht es um 16 Uhr im Alten Wettbüro. Der Eintritt ist frei!

Buchtipp: Udo Tiffert – „Zaun zum Aufstützen. Die Lausitz-Geschichten“

Udo Tiffert, der geschätzte Kollege und regelmäßige Gast unserer Lesebühne, hat ein neues Buch veröffentlicht. Es trägt den schönen Titel Zaun zum Aufstützen. Die Lausitz-Geschichten und versammelt eine Auswahl seiner schönsten Texte aus der letzten Zeit. Im Jahr 2006 hat Udo sich nach Jahren in Berlin in einem Häuschen im Herzen der Lausitz niedergelassen. Von dort aus bricht er allerdings regelmäßig auf, um seine Gedichte und Geschichten bei Lesebühnen und Poetry Slams in ganz Deutschland vorzulesen. So sind denn auch seine Texte zwar von der Landschaft und den Leuten der Lausitz inspiriert, aber keineswegs provinziell oder betulich. Immer wieder bricht die Außenwelt in die scheinbare Idylle ein, auch die Lausitz erweist sich nicht als Insel der Seligen. Und viele Geschichten führen vom Dorf in die Großstadt und die entfernte Fremde. Äußerst vielfältig ist der Inhalt des Buches: Da gibt es melancholische Kurzgeschichten über die Liebe in Zeiten der Fernbeziehung, philosophische Reflexionen über die komplizierte Dreiecksbeziehung von Mensch, Hund und Wolf und satirische Ausflüge auf Feten und Volksversammlungen. Sehr schöne Gedichte und Illustrationen eröffnen und gliedern die drei Kapitel des Buches. Ein Band nicht nur für Bewohner und Freunde der Lausitz, sondern für alle, die Udo Tifferts unverwechselbare Mischung von Witz und Poesie mögen.

Erhältlich ist das Buch ab sofort bei allen Lesungen von Udo, so zum Beispiel bei der Lesebühne Cottbus, der Görlitzer Lesebühne Grubenhund oder der Dresdner Lesebühne Die silbernen Reiter. Oder man bestellt es per Mail: post@udotiffert.de. Es hat 200 Seiten und kostet 10 Euro, mit Versand 12 Euro.

Max Rademann: „Die Dörte und der Unkönig Willy“

Max Rademann: Die Dörte und der Unkönig WillyWer noch kein Kind hat, der zeuge schleunigst eines! Max Rademann hat sein erstes Kinderbuch veröffentlicht. Es heißt Die Dörte und der Unkönig Willy und ist und im Verlag Voland & Quist erschienen. Erzählt wird die Geschichte des aufgeweckten Mädchens Dörte, die einem sehr ungehobelten Unkönig Willy eine Lektion erteilt. Von Max stammen die Geschichte und die Illustrationen, die Musik der Hörversion haben die Leute vom Dresdner Label Uncanny Valley beigesteuert. Ein überwältigendes Abenteuer für Alt und Jung!

 

Roman Israel: Romandebüt „Caiman und Drache“

Drei Jahre sind von der ersten Idee bis zum Druck vergangen. Jetzt ist es soweit. Ab 15. August ist Roman Israels „Caiman und Drache“ endlich im Handel erhältlich.

Zum Inhalt: 1920-er Jahre, Oberschlesien. Vor dem Hintergrund eines Volkskaufstandes, dessen Ziel der Anschluss an die Zweite Polnische Republik ist, entspinnt sich die Geschichte um die Zwillinge Karl und Alois Storch, die beide in dieselbe Frau verliebt sind, die geheimnisvolle Dorfschöne Malwina. Sie kann sich für keinen entscheiden, spielt die beiden gegeneinander aus und macht aus Brüdern Rivalen. Dann bricht der Vorabend des Zweiten Weltkrieges an und die drei verlieren sich aus den Augen. Werden sie sich wiedersehen?

Roman Israel fängt in seinem Debütroman Caiman und Drache die ganz besondere Atmosphäre zwischen Angst und Aufbruch ein, die während der Zwischenkriegszeit in der deutsch-polnisch-tschechoslowakischen Grenzregion geherrscht haben muss. Dabei spürt er scheinbar mühelos die Komik auf, die in jedem noch so dramatischen Ereignis zu finden ist. (Aus dem Klappentext)

Hardcover; Ebook (epub)
272 Seiten
Luftschacht Verlag Wien 2014
ISBN (Print) 978-3-902844-43-9
€ 23.20 [D], €23.90 [A], CHF 31.50

Buchtipp: Erich-Mühsam-Lesebuch

Vor einer Weile besuchte ich die Linken Buchtage im Berliner Mehringhof. Gelockt hatte mich die Ankündigung einer Buchpremiere. Das eben im Verbrecher Verlag erschienene Lesebuch Erich Mühsam: Das seid ihr Hunde wert! sollte vorgestellt werden. Ein Teil des Publikums erwies dem Anarchisten, Dichter und exzessiven Lebenskünstler Erich Mühsam schon dadurch die Ehre, dass munter jede Ordnung ignoriert und weiter fleißig gequascht und gesoffen wurde. Die Protagonisten auf der Bühne ließen sich aber keineswegs beirren. Markus Liske, einer der Herausgeber, las einige Texte und erläuterte das Konzept des Lesebuches: Es enthält nicht nur ausgewählte Gedichte, Glossen und Essays Mühsams, sondern auch Auszüge aus seinen Memoiren Unpolitische Erinnerungen und aus Tagebüchern und Briefen. Alles zusammen ergibt, chronologisch geordnet, nicht nur eine Blütenlese, sondern auch eine kleine Biografie des Dichters. Die zweite Herausgeberin des Bandes ist Manja Präkels, die zugleich als Sängerin mit ihrer Band Der singende Tresen wunderbare Vertonungen von Mühsams Gedichten vortrug.

Markus Liske schreibt in seinem Nachwort, Mühsam gehöre gewiss weder zu den größten deutschen Dichtern noch zu den besten Theoretikern des Anarchismus. Seinen Wert mache vor allem die unvergleichliche Einheit von Persönlichkeit, Leben und Werk aus. In der Tat: In dieser Hinsicht lässt sich Mühsam in der deutschen Literaturgeschichte kaum jemand an die Seite stellen. Sein unbeirrbares Verlagen, die literarische Utopie unmittelbar im Leben zu verwirklichen, war romantisch und politisch zugleich. Als sein Hauptwerk werden deshalb vielleicht auch in nicht ferner Zukunft die sensationellen Tagebücher gelten, die von Chris Hirte und Conrad Piens ebenfalls im Verbrecher Verlag herausgegeben werden, aber auch online schon zugänglich sind. Aber fünfzehn Bände liest man nicht mal nebenbei, weswegen sich das neue Lesebuch als Einstieg für Neugierige sehr empfiehlt.

Erich Mühsam: Das seid ihr Hunde wert!Aus jeder Zeile Mühsams spricht seine Integrität, Toleranz und beinahe naive Menschenfreundlichkeit. “Er war einer der besten und gutmütigsten Menschen, denen ich begegnet bin”, notierte selbst Ernst Jünger. Alle Lebensabschnitte Mühsams sind im Buch gleichgewichtig vertreten: Kabarettistische Glossen und Trinklieder aus der Vorkriegszeit in der Berliner und Münchner Bohème; Berichte über seine Mitwirkung beim scheiternden Versuch, in Bayern eine Räterepublik zu errichten; Tagebuchblätter aus der darauf folgenden Zeit in Festungshaft; Pamphlete aus der anarchistischen Zeitschrift Fanal, in der er in der späten Weimarer Republik die Fassadendemokratie und die sowjet-marxistische Parodie des Kommunismus gleichermaßen attackierte. Nur mit Mühe liest man schließlich die Berichte seiner Frau Zenzl, die erzählt, wie Mühsam in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten buchstäblich zu Tode gefoltert wurde.

Die Lektüre dieser Texte ist keineswegs nur etwas für sentimentale Freunde linker Historie. Mühsam schreibt – in Lyrik wie in Prosa – einen klaren und witzigen, an Heinrich Heine geschulten Stil. Sein alkoholfreies Trinklied namens Der Gesang der Vegetarier kann man noch immer gut an Freunde der Gesinnungsethik schicken, um sie zu ärgern. Seine Betrachtungen zur Stimmzettelbeerdigung in Urnen unter dem Titel Zur Naturgeschichte des Wählers sind gerade heute wieder äußerst lesenswert. Gleiches gilt für sein unsterbliches Porträt des ewigen Sozialdemokraten: Der Revoluzzer. Nichts ist leichter als der Einwurf, wie diese utopische Anarchie denn bitte funktionieren solle. Unsere Gesellschaft funktioniert allerdings reibungslos. Erich Mühsam repräsentiert eine Radikalität im Denken und im Leben, die befreiend schon wirkt, wenn man nur von ihr liest.

Erich Mühsam: Das seid ihr Hunde wert! Ein Lesebuch. Hg. von Markus Liske und Manja Präkels. Berlin: Verbrecher Verlag, 2014, 352 Seiten, 16 Euro

Donnerstag, 14. November: Die Dresdner Lesebühne Sax Royal in der scheune

Sax Royal

In Bestbesetzung und mit frischen Texten präsentiert sich unsere Lesebühne Sax Royal wieder am Donnerstag (14. November) in der scheune. Mit dabei sind alle Stammautoren: der Berliner Satiriker und Kolumnist Michael Bittner, der komische Liedermacher und Essayist Julius Fischer aus Leipzig, der stilvolle Erzähler und Romancier Roman Israel, der Dresdner Lebensphilosoph und Orgelvirtuose Max Rademann und der mitreißende Rap-Poet und Erzieher Stefan Seyfarth aus Dresden. Wie immer dürfen sich die Fans der Lesebühne auf eine bunte Mischung aus Gedichten und Geschichten freuen, die mal Politisches, mal Persönliches in poetische Form gießen. Als besondere Zugabe wird Julius Fischer sein neues Buch “Die schönsten Wanderwege der Wanderhure” (Verlag Voland & Quist) vorstellen, das eine Auswahl seiner komischsten und schönsten Texte aus den letzten Jahren enthält.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 14.11. | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 5 Euro (zzgl. Gebühr), Abendkasse: 5 Euro ermäßigt / 7 Euro

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