Vom 5. bis zum 7. Oktober findet nach zweijähriger Unterbrechung “Literatur Jetzt!”, das „Festival zeitgenössischer Literatur“ in Dresden, seine Fortsetzung. Das Literaturfest wird vom LivelyriX e.V. veranstaltet und vom Verleger Leif Greinus (Voland & Quist) gemeinsam mit den Dresdner Autoren Volker Sielaff und Michael Bittner organisiert. Unterstützende Partner des Festivals sind die Hochschule für bildende Künste und die scheune. Gefördert wird „Literatur Jetzt!“ durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden. Das Festival „Literatur Jetzt!“ setzt es sich zum Ziel, zeitgenössische Literatur in ihren verschiedenen Formen publikumswirksam zu präsentieren und dabei insbesondere die Grenzen zwischen literarischer Hoch- und Subkultur zu überwinden.
Hier eine Übersicht der Veranstaltungen:
Lesung und Gespräch “Der weiße Strich” mit Anne Hahn und Lutz Rathenow | 05. Oktober | Mittwoch | 20 Uhr | HfbK, Brühlsche Terrasse
LivelyriX Poetry Slam: Dead or Alive | 06. Oktober | Donnerstag | 20 Uhr | Scheune
Lichträume – Light-Art-Performance von Claudia Reh und Simone Weißenfels | 06. Oktober | Donnerstag | 19:30 Uhr | HfbK, Brühlsche Terrasse
Wilhelm Genazino: “Wenn wir Tiere wären” | 06. Oktober | Donnerstag | 20 Uhr | HfbK, Brühlsche Terrasse
Lyrik der Gegenwart: Joachim Sartorius und Daniela Seel | 07. Oktober | Freitag | 19:30 Uhr | HfbK, Brühlsche Terrasse
Nacht der Lesebühnen: Andreas “Spider” Krenzke, Michael Sailer, Franziska Wilhelm, Michael Bittner | 07. Oktober | Freitag | 21 Uhr | HfbK, Brühlsche Terrasse
Alle Informationen zu den Veranstaltungen und Autoren findet Ihr auf der Homepage “Literatur Jetzt!”. Karten zum günstigeren Vorverkaufspreis sind bei den bekannten Vorverkaufstellen erhältlich. Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Eine Ausstellung unter dem Titel “Dresden plakativ!” kann man noch bis zum 3. Oktober im Stadtmuseum am Pirnaischen Platz besuchen – und sollte dies bei ausreichender Muße meiner Meinung nach auch tun. Die sehenswerte Schau zeigt Plakate aus der Zeit vom Kaiserreich bis zum Jahr 1990. Einbezogen sind sowohl Reklame als auch politisches Plakat. Drollige kulturhistorische Relikte (“Der Bär auf dem Pferde!” im Zirkus Sarrasani) erlauben einen nostalgischen Blick zurück. Material aus dem Meinungsschlachten der Weimarer Republik wie Propagandaplakate aus zwei Weltkriegen bieten Anschauungsmaterial für politisch Interessierte. Erstaunlich zum Beispiel folgender Slogan: “Dresden ruft: Nie wieder Ami-Bomben auf unsere Städte!” Er stammt nicht, wie man denken könnte, von der NPD, sondern aus Zeiten der Sozialistischen Einheitspartei. Den Abschluss bilden selbstgemachte Amateur-Plakate und Spruchbänder aus der Zeit der Revolution von 1989/90. Der Besuch lohnt sich in jedem Fall – ganz besonders übrigens vielleicht für Grafiker, die sich hier bestimmt die eine oder andere gestalterische Idee ausleihen könnten.
“Dresden plakativ!” | Stadtmuseum (Wilsdruffer Straße 2) | Di bis So 10-18 Uhr Fr 10-19 Uhr | Eintritt 4 Euro / erm. 3 Euro
Es war, wenn ich mich recht entsinne, im Jahr 2009, als ich in der Galerie Treibhaus eines Abends Reisegeschichten las. Die Reihen waren schon ganz gut gefüllt, aber meine Stimmung hellte sich endgültig auf, als eine ältere Frau den Raum mit schweren Schritten betrat: “Alice”. Der Besuch dieser stadtbekannten kulturaffinen Oma galt schließlich als Auszeichnung für jede Veranstaltung. Obwohl sie sich damals schon nur noch mit Mühe fortbewegen konnte und beinahe für jeden Schritt Hilfe zu brauchen schien, ließ sie es sich noch immer nicht nehmen, beinahe täglich bei einer Kulturveranstaltung aufzutauchen, sich freien Eintritt zu verschaffen und anschließend konzentriert bis zum Ende zu lauschen. Ich begann zu lesen. Als ich einen englischen Satz aussprach, rief sie aus der ersten Reihe: “Und was heißt das jetzt?” Ich hatte in einer Geschichte einen Dänen originalgetreu die ganze Zeit Englisch reden lassen, um mich – Geck, der ich bin – als literarischen Kosmopoliten auszuweisen. Nun musste ich beim Vorlesen synchron den halben Text zurück ins Deutsche übersetzen, was mich ganz schön ins Schwitzen brachte. Nach der Lesung stellte Alice freundlich einige Fragen und erzählte dann selbst davon, wie enttäuscht sie darüber gewesen sei, dass trotz ihrer vielen Bekanntschaften jüngst beinahe niemand sich bei ihr gemeldet oder sie besucht hatte. (War es ihr Geburtstag? Oder Weihnachten? Ich weiß es nicht mehr.) Es mag sein, dass dies das Los von sogenannten “Originalen” ist, von vielen lächelnd auf der Straße erkannt zu werden, aber wenige wirkliche Freunde zu haben.
Wie erst nach geraumer Zeit bekannt wurde, ist Alice inzwischen gestorben. Der Dresdner Künstler Lutz Fleischer hat eine liebevolle Gedenkausstellung mit Fotos, Videos, Erinnerungen und Installation organisiert, die ich zum Besuch empfehlen möchte. Die Ausstellung befindet sich in den schönen Räumen der Galerie Adam Ziege (Louisenstraße 87). Sie ist nur noch bis zum 10. September immer zwischen 16-20 Uhr zu sehen.
Mehr zu Alice von Leuten, die sie wirklich kannten, findet man auf dieser Seite.
Meiner ehemaligen Heimat Pieschen wird ja schon seit zwei Jahrzehnten vergeblich eine große Zukunft als Szeneviertel prophezeit. Doch obwohl schon eine ganze Menge Studenten, Künstler und sonstige Frontkämpfer der Gentrifizierung ins sanierte Arbeiterviertel gezogen sind, bleibt der ganz große Durchbruch bisher aus. Annehmbare Lokale beispielsweise sucht man immer noch fast vergebens. Aber immerhin ist in den letzten Jahren gerade auf dem Gebiet der Kunst doch einiges passiert. Der Kunstraum Geh8 beispielsweise hat sich ja inzwischen schon fest etabliert. Nun kommt mit der Krautwaldfabrik ein weiterer, leider wohl nur temporärer (1.6. bis 31.10.) Ort für Ausstellungen hinzu. Die Initiative Metropole Pieschen hat die Zwischennutzung einer herrlichen Halle organisiert, in der bis Herbst Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Partys stattfinden sollen. Ursprünglich als Festsaal konstruiert, dann als Fabrik für Verpackungen betrieben, strahlt das inzwischen leise verfallende Gebäude einen merkwürdig aus Prunk und Funktionalität gemischten Charme aus. Zur Zeit läuft eine Ausstellung namens “BRO.T.”. Wie immer bei Konzeptausstellungen sollte man sich um die Erklärung des Konzeptes möglichst wenig kümmern und sich lieber die Kunstwerke anschauen. Und da gibst viel Schönes zu entdecken, zum Beispiel ein sonderbares Besteckkarussell von Wouter Mijland und noch viele Zeichungen, Gemälde und Objekte von anderen Künstlern mehr.
Um Eintritt zu erhalten, wird man für 1 Euro Mitglied des Krautwald-Klubs und darf dafür sämtliche kommende Veranstaltungen besuchen. Adresse: Torgauer Straße 38. Von der Neustadt aus einfach mit Linie 13 bis Bürgerstraße oder Rathaus Pieschen.
Neben den renommierten Literaturzeitschriften Ostragehege und Signum existieren in der Literaturlandschaft Dresdens noch einige eher untergründige Magazine, die sich ebenfalls der Poesie verschrieben haben. Zwei von ihnen, nämlich das Feingeistmagazin vom Bischofsweg namens trieb sowie Der Maulkorb haben gerade ihre jeweils achte Ausgabe auf den Markt geworfen. Beiden Heften seien zahlreiche Käufer gewünscht! Literaturzeitschriften werden zwar grundsätzlich nie von normalen Menschen erworben, sondern immer nur von Leuten, die “auch schreiben”, aber deren Zahl ist ja immer noch groß genug. Um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hier einige persönliche Bemerkungen zu den beiden Magazinen von mir.
Eins vorab: Man nenne mich einen spießbürgerlichen Kulturpedanten, aber ich sehe nicht ein, wieso es Personen, die sich selbst als Literaten bezeichnen, unmöglich sein sollte, sich der deutschen Sprache zu bemächtigen oder wenigstens einen Duden zu kaufen. Einige der Autoren schaffen es, auf einer Seite ein Dutzend und mehr Fehler in Rechtschreibung und Grammatik unterzubringen. Ich weigere mich, so etwas ernst zu nehmen. Notfalls wende man sich bitte an das Lektorat Siegel. Der Betreiber macht sehr faire Preise – ich erinnere mich noch, wie er mich einmal hartnäckig herunterhandelte, als ich ihm zu viel Geld bezahlen wollte.
Der Maulkorb (hg. von Silvio Colditz) widmet sich in seiner neuen Ausgabe ganz der Stadt Dresden. Im Anhang findet sich ein nützlicher, wenn auch nicht vollständiger Überblick über die Literaturlandschaft Dresdens, der erfreulicherweise besonders die junge Szene berücksichtigt. Und der Inhalt des Heftes wird diesmal allein von Dresdner Autorinnen und Autoren bestritten. Hier habe ich tatsächlich einige Entdeckungen gemacht und Schriftsteller kennen gelernt, die mir bisher unbekannt waren – was wieder einmal zeigt, dass die Dresdner Literaturszene klein, aber dennoch nicht überschaubar, weil weitgehend zersplittert ist. Großartig fand ich zwei Gedichte von Kerstin Becker (*1969, u.a. Mitglied im Literaturforum Dresden). Komplexe Lyrik, die sich aber aus konkreten Anschauungen statt aus metaphysischen Phrasen speist und sogar wieder so etwas wie ein poetisches Ich erkennen lässt. Von Sabine Dreßler (*1979, Lektorin, Autorin und Soziologin), entdeckte ich einen sehr schönen, unaufgeregt und witzig erzählten Ausschnitt aus einem längeren Reisebericht über Erlebnisse in Neuseeland. Falk Enderleins Grosteske Kafka auf Prozac liest sich schön überdreht. Und Steffen Roye hat mit Die letzte Runde geht aufs Haus eine klassische und gelungene Kurzgeschichte beigesteuert.
Das Magazin trieb ist dicker als die Konkurrenz, kostet dafür aber auch zwei Euros mehr. Herausgegeben wird es von gleich zwei Geistesgrößen, die auch selbst einen nicht unerheblichen Teil des Inhalts lieferten. Michel Philip Nierste (*1974) veräppelt in seiner medienkritischen Sektion Schrottpresse diesmal unter anderem auf amüsante Weise die Sächsische Zeitung. Und der zweite Herausgeber Torsten Israel, bekannt als Neustädter Spätshopbesitzer und Womanizer, hat zahlreiche Gedichte aus seiner Feder eingerückt, die durchaus lesenswert sind, aber unter einem gewissen Mangel an Selbstironie leiden. Gerade durch ihre unbequeme Unzeitgemäßheit interessant sind die Gedichte von Andreas Paul (*1964), der diesmal Christiane Michel und Rosa Luxemburg besingt – was niemand verwundern wird, handelt es sich doch in beiden Fällen um bezaubernde Frauen. Dass ich die enthaltenen Gedichte von Stefan Seyfarth (*1977) und Roman Israel (*1979) – beide Autoren unserer Lesebühne Sax Royal – gut finde, wird niemanden überraschen. Schön außerdem, dass ein literarisches Dresdner Urgestein wie Bernhard Theilmann (*1949, Mitbegründer von Obergrabenpresse, SAX und ASSO) sich bereit gefunden hat, ebenfalls Texte zu schicken. Insgesamt wäre es aber doch wünschenswert, der trieb würde für die nächste Ausgabe ein paar neue Autoren gewinnen, denn die Nummer 8 war in dieser Hinsicht doch etwas überraschungsarm.
Der Maulkorb. Herausgeber: Silvio Colditz. Nr. 8 (Juni 2011). Sonderausgabe Dresden. 74 Seiten. 3 Euro. Erhältlich in Neustädter Buchhandlungen oder über maulkorb@gmx.de
trieb. Das Feingeistmagazin vom Bischofsweg. Herausgeber: Michel Philip Nierste und Torsten Israel. Nr. 8 (April 2011). 176 Seiten. 5 Euro. Erhältlich im Shop “Spätschicht” (Bischofsweg 18).
Eben kehre ich zurück von der Bautzner Straße, wo ich mit wenigen Getreuen Christian Meyer beim Umzug half. Zu schleppen waren hauptsächlich Marienbilder, obskure Instrumente und bunte Hemden. Leider wird Christian nach nicht einmal zwei Jahren die sächsische Landeshauptstadt wieder verlassen und kehrt nach Leipzig zurück. Als Booker der Scheune hat er in der kurzen Zeit das musikalische Leben in Dresden nicht wenig belebt und auch viele fetzige Tanzveranstaltungen organisiert. Davon, dass er gleichzeitig zusammen mit Julius Fischer als Band The Fuck Hornisschen Orchestra riesige Erfolge feierte und sogar gemeinsam mit Karl Dall im Fernsehen auftrat, brauchen wir nicht zu reden. Vielleicht lags an der häufigen Abwesenheit, dass Christian in Dresden nie so ganz heimisch wurde. Vielleicht lags aber einfach auch an Dresden, einer Stadt, so klebrig und übersüß wie alter Sirup. Leipzig passt ganz gewiss besser zu ihm. Im Namen aller Autoren von Sax Royal wünsche ich: Alles Gute, Christian!
Zwischen Frauenkirche und Kurländer Palais werden die Asphaltstraßen aufgerissen. Pflaster soll das historische Flair des Areals verstärken. Kosten: 1,6 Millionen Euro.
Meine weiteren Vorschläge für die Historisierung: Man sollte die aufgerissenen Straßen nur zur Hälfte wieder schließen. Am Rand könnte man breite Rinnen für die Fäkalien lassen, die die Anwohner ab sofort wieder traditionsgemäß aus ihren Bettpfannen direkt aus dem Fenster kippen. Die Beleuchtung der Straßen kann wieder auf Fackeln umgestellt werden. Der Nachtwächter schließt um acht die Stadttore und bläst zur Nachtruhe. Die Unholde, die sich nicht daran halten, werden vor der Frauenkirche öffentlich aufgeknüft. Dieß sey von nun an das strenge Gebot in Dresden, der historischsten Stadt Teutschlands!
Grundsätzlich ist jedes Ereignis, das ein wenig Wirbel in die erzbehäbige Selbstzufriedenheit des Spießernestes Dresden bringt, zu begrüßen. Insofern waren mir die in- und ausländischen Gäste zum Evangelischen Kirchentag höchst willkommen, ja ich war sogar recht neugierig, was die 120000 angekündigten Christen so mit meiner Heimatstadt anstellen würden. Alles verlief dann aber doch recht unspektakulär. Konfrontationen zwischen Heiden und Christen blieben – von einzelnen Scharmützeln am Männertag – weitgehend aus.
Gleich am Mittwoch las ich zur Eröffnung der “Religionsfreien Zone”, die der Humanistenverein GeFAHR als Kontrastprogramm in der Schauburg organisiert hatte. Eine höchst entspannte Sache, keine Fanatiker gleich welcher Färbung waren anwesend, stattdessen vor allem ältere Ehepaare mit akademischer Anmutung. Ich dachte an das französische Sprichwort aus dem 18. Jahrhundert: “Drei Ärzte, ein Atheist!” Die Quote dürfte heute wohl noch größer sein. Kein Wunder: Sieht man beständig, wie Gott Leuten Tumore ins Hirn und Krebs in den Arsch zaubert, schwindet der Glaube sicher leichter.
Am Freitag war ich dann einer der Autoren beim Poetry Slam zum Thema Religion in der Scheune, der zum offiziellen Programm des Kirchentages gehörte. 500 sehr junge Christen füllten das Innere restlos, draußen lauschten zudem vielleicht noch einmal so viele Menschen den Beiträgen über Lautsprecher. Dass der Kirchentag sich schon in fortgeschrittenem Stadium befand, roch man drinnen unverkennbar. Die Atmosphäre entsprach einem Rockfestival am dritten Tag. Gewinner des Dichterwettstreits wurde übrigens Bleu Broode, der als angehender Theologe natürlich transzendenten Heimvorteil hatte.
Gestern besuchte ich dann noch den Abschlussgottesdienst, den eine riesige Menge von Gläubigen an beiden Elbufern feierte. Die Gesänge der Chöre waren zweifellos erhebend. Kleine Gruppen von Helfern, mit Birkenzweigen als Erkennungszeichen ausgestattet, verteilten das heilige Abendmahl. Der Zuspruch hielt sich in Grenzen, vielen wäre wohl ein unheiliges Frühstück lieber gewesen. Verschiedene Menschen predigten Friede, Freude, Eierkuchen – unter ihnen auch lange die Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt, die auch Politikerin der “Grünen” ist. Überhaupt erschien der Kirchentag einem Parteitag der Grünen nicht unähnlich. Und das nicht nur, weil alle Besucher sich zur Erkennung grüne Tücher um verschiedenste Körperteile geknotet hatten. Auch das grüne Atomkernthema war omnipräsent, ebenso die bekannte Forderung: Frieden schaffen, notfalls mit Waffen. Die Grünen sind endgültig im Mainstream der Gesellschaft angekommen – ein Marxist würde sagen: weil sie die ökonomischen Interessen und Erfordernisse der nächsten Jahrzehnte am besten repräsentieren.
Das beste Symbol für den ganzen Kirchentag war ein riesiges, ganz mit Solarzellen bedecktes Kreuz am Elbufer: Die Kirche und die Grünen in perfekter Symbiose, die Energiewende bekommt den evangelischen Segen. Oder anders ausgedrückt: Die Protestanten sind auf dem Rückweg zur Anbetung des Sonnengottes.
Demnächst werden mehr als einhunderttausend Christen ins heidnische Elbtal einrücken. Man kann gespannt sein, wie sich das im städtischen Leben auswirkt und was die fünf Kirchentage (1.-5. Juni) und ihr reichhaltiges Kulturprogramm so bescheren werden. Als ich gefragt wurde, ob ich nicht gerne bei einer Lesung zum Kirchentag mitmachen möchte, sagte ich gleich: Warum nicht? Das Ganze heißt Slam the Religion! und ist, wie der Name schon andeutet, ein Poetry Slam zur Religion. Er findet am 03. Juni ab 20 Uhr in der Scheune statt. Kurz darauf meldete sich bei mir auch der Verein GeFAHR, der während der heiligen Tage eine “Religionsfreie Zone” in Dresden einrichtet und ein nicht minder interessantes Kulturprogramm bieten wird. Man fragte mich, ob ich nicht eine Lesung gegen den Kirchentag machen möchte und ich sagte gleich: Warum nicht? Nun werde ich also am 01. Juni ab 17 Uhr in der Schauburg einige Kolumnen, Satiren und Essays zum Thema Religion lesen. Ich dürfte mithin der einzige Dresdner Autor sein, der für und gegen den Kirchentag lesen wird. Marx hätte gesagt: Dialektik bei der Arbeit!
Sehr geehrter Herr Dr. Lunau, sehr geehrter Herr Wiemer, sehr geehrter Herr Mähnert, sehr geehrte Damen und Herren des Kulturausschusses!
Es ist weder für Außenstehende noch für Kenner der Dresdner Kulturszene ein Geheimnis, dass das literarische Leben in der sächsischen Landeshauptstadt weit hinter den Möglichkeiten zurückbleibt. Unter dem Namen „Ein Literaturhaus für Dresden“ hat sich eine Initiative gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das literarische Leben in Dresden zu beleben, und die der Überzeugung ist, dass die Einrichtung eines Literaturhauses der beste Weg dazu ist.
Continue reading Offener Brief der Initiative “Ein Literaturhaus für Dresden”…