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sax royal » Exotik des Alltags http://www.saxroyal.de Fri, 03 Feb 2012 14:52:08 +0000 en hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.0.4 Micha’s Lebenshilfe (24) http://www.saxroyal.de/2012/01/02/michas-lebenshilfe-24/ http://www.saxroyal.de/2012/01/02/michas-lebenshilfe-24/#comments Mon, 02 Jan 2012 16:29:22 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3657 Wenn man in einem “Thai-Imbiss” danach gefragt wird, ob man sein Gericht gerne “scharf” möchte, sollte man diese Frage unbedingt verneinen, selbst wenn man zu wissen glaubt, was die Bedeutung des Wortes “scharf” ist.

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Micha’s Lebenshilfe (23) http://www.saxroyal.de/2011/11/23/michas-lebenshilfe-23/ http://www.saxroyal.de/2011/11/23/michas-lebenshilfe-23/#comments Wed, 23 Nov 2011 08:24:41 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3566 Wenn man einkaufen gehen möchte, sollte man Geld mitnehmen.

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Micha’s Lebenshilfe (22) http://www.saxroyal.de/2011/10/26/michas-lebenshilfe-22/ http://www.saxroyal.de/2011/10/26/michas-lebenshilfe-22/#comments Wed, 26 Oct 2011 12:05:59 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3513 Wenn man ein Drama im Theater anschauen möchte, sollte man am betreffenden Abend noch einmal einen Blick auf die Eintrittskarte werfen und darauf achten, dass man im Anschluss das richtige Theater aufsucht und nicht etwa ein ganz falsches, wo man dann verwundert bemerkt, dass sich auf der Bühne eine völlig andere Darbietung anbahnt. Dies gilt insbesondere dann, wenn man sich in das verkehrte Theater in Begleitung seiner Lebensgefährtin und seiner Mutter begibt, denen dabei beiden zugleich bewusst werden muss, an was für einen Volldrops sie ihre Liebe verschwendet haben.

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Unterwegs in Thüringen http://www.saxroyal.de/2011/06/20/unterwegs-in-thueringen/ http://www.saxroyal.de/2011/06/20/unterwegs-in-thueringen/#comments Mon, 20 Jun 2011 07:25:34 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3273 Nur in ICEs hört man tatsächlich einmal außerhalb von Romanen Sätze wie: “Gesundheitlich ist es um euch alle gut bestellt?” +++ Nach der Lesung in Ranis fragt mich ein junger Mann: “Willst du nicht noch was vorlesen?” – “Ich habe schon sechs Bier getrunken.” – “Okay.” +++ Ich verliere beim Kickern. +++ In der Jugendherberge werde ich nach knapp drei Stunden Schlaf gegen 6 Uhr morgens vom Ungeziefer vorm Fenster (Vögel) aufgeweckt. +++ Im Zug von Saalfeld nach Erfurt belausche ich das Telefongespräch einer jungen Frau: “Ich hätte nie diese Ausbildung hier anfangen sollen. Ich hätte direkt nach einem Jahr abbrechen sollen. Es ist wirklich furchtbar, ganz schrecklich. Die Lehrer sind einfach dumm, absolut doof. Stell dir vor, die kommen zu mir und sagen mir, mein Selbstbild stimme nicht mit meiner Persönlichkeit überein. Ich sage denen, sie sollen mit mir reden, wenn sie ein Problem haben. Und diese dämliche Tante antwortet mir: Wir haben gar kein Problem mit ihnen, Sie haben doch das Problem! Thüringer halt. Ich dachte echt, die Thüringer wären locker, aber das sind sie gar nicht. In Sachsen wäre es glaube ich besser. Die Sachsen sollen echt locker sein.” +++ Ich besichtige Erfurt und entdecke, dass es sich um eine sehr schöne Stadt handelt. Zufällig ist gerade “Krämerbrückenfest” und tausende von Rentern schieben sich durch die Straßen. Eine Oma ermahnt einen Opa auf Krücken: “Du kannst dort nicht hingehen, das ist viel zu eng für dich!” – “Ich gehe jetzt dorthin!” – “Du kannst dort nicht …” +++ Ein junges Pärchen aus Bayern hinter mir auf der überfüllten Krämerbrücke, der Kerl ningelt: “Jetzt sage mir mal bitte, was ich hier genießen soll!” +++ In einem Biergarten esse ich ein Schnitzel. Des Regens halber flüchtet sich ein Rentnerehepaar zu mir an den Tisch untern Schirm. Die beiden sind mit dem Reisebus aus Zwickau angereist. Sie essen ihr Schnitzel mit Spargel und Petersilienkartoffeln. “Ist doch schön, wie der Regen die Menschen zusammenführt!”, versuche ich ein Gespräch in Gang zu setzen. +++ Das Schaufenster eines Modegeschäftes für Frauen mit “großen Größen” ist bauarbeitsbedingt komplett mit Brettern vernagelt. Ich sollte mir endlich mal eine Kamera anschaffen, dann könnte ich hier auch lustige Fotos veröffentlichen und müsste mich nicht mühen, alles umständlich zu beschreiben. +++ Im Zug nach Zeulenroda sitzen neben mir zwei Trinker auf dem Heimweg nach Bayern: “Der Thomas hat mich gefragt: Bist du bescheuert? Wieso wollt ihr denn nach Potsam mit dem Wochenendticket kommen? Und ich sage ihm: Weils uns Spaß macht! Wir fahren schön durch die Gegend, steigen ab und zu um und trinken unser Bierchen.” Die beiden Männer haben einen Rollkoffer dabei, gefüllt teils mit vollen, teils mit leeren Bierflaschen. +++ Im “Schieszhaus” in Zeulenroda erzählen wir, dass wir für die Lesung auf den Besuch der “Bunten Republik Neustadt” in Dresden verzichten. Es kommen zur Lesung dann weniger Leute als erwartet, weil “ganz viele bei der Bunten Republik Neustadt sind”. +++ Ich gewinne gegen Stefan Seyfarth im Tischtennis. +++ “Habt ihr hier immer noch Probleme mit Nazis?” – “Na ja, der Hofmann ist immer noch so drauf. Der Lippolt auch.” Schön, dass man in Kleinstädten seine Nazis noch persönlich kennt! +++ Der Erdmittelpunkt befindet sich in der sächsischen Stadt Pausa.

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Micha’s Lebenshilfe (21) http://www.saxroyal.de/2011/06/11/michas-lebenshilfe-21/ http://www.saxroyal.de/2011/06/11/michas-lebenshilfe-21/#comments Sat, 11 Jun 2011 07:46:21 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3257 Wenn man leichtfertig in einem Laden mit dem bis an die Grenzen des Wahnsinns bescheuerten Namen Mäc-Geiz ein Duschgel mit “erfrischende[m] Deo-Effekt” erwirbt, das selbst dort auch noch preisreduziert angeboten wird, dann sollte man sich später nicht darüber wundern, dass es beim Auftrag auf die Genitalien ein Gefühl vergleichbar mit Branntweinessig hinterlässt.

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Gedanken beim Gang durchs Szeneviertel http://www.saxroyal.de/2011/05/24/gedanken-beim-gang-durchs-szeneviertel/ http://www.saxroyal.de/2011/05/24/gedanken-beim-gang-durchs-szeneviertel/#comments Tue, 24 May 2011 15:17:04 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3230 Es flimmert einem vor den Augen, kaum einen Quadratzentimeter haben die Plakatkleber frei gelassen. Gelegentlich sieht man eine ganze Plakathaut, von einer Laterne gerutscht oder einer Wand geblättert, unzählige Schichten übereinander wie Jahresringe. Und ich denke: All diese hoffnungsvollen Bands – für wen spielen sie? Die unzähligen Künstler – wer soll ihre Bilder kaufen? Diese ambitionierten Amateurtheater – wer wird sich ihre Aufführungen anschauen? In Berlin scheint Beuys’ Kitschgedanke, jeder Mensch sei ein Künstler, auf schreckliche Weise verwirklicht. Gibt es auf diesen Straßen irgendjemanden, der kein Projekt plant, kein Demotape in der Tasche trägt, kein Vorsprechen am nächsten Morgen hat? Bestünde die Welt nur noch aus Kreativen, wer bliebe noch übrig, um die undankbare Aufgabe zu meistern, als Publikum zu dienen? (Künstler selbst sind gewöhnlich ja die letzten, die sich für das Schaffen anderer Künstler interessieren.)

Der Mythos des Künstlertums hat offenbar nichts von seiner Anziehungskraft auf junge Menschen verloren. Woran liegt’s? Es scheint so, als wäre der Glaube immer noch verbreitet, Kunst sei als zweckfreies Schaffen ein Fluchtweg aus der gesellschaftlichen Misere ringsum. Eine Möglichkeit der sogenannten Selbstverwirklichung jenseits von Bachelor und Praktikum und PowerPoint. Ein richtiges Leben im falschen. Als wäre das Leben nichts wert, wenn man es nicht schaffte, sich selbst als Ausnahme von der Regel zu inszenieren. Uns so sitzen sie in ihren Cafés, einer individueller als der andere. Ihre Variante der prekären Existenz heißt nicht Hartz 4, sondern Indie-Rock oder Poetry Slam.

Gegen drei Uhr nachts spielt im Habermeyer unaufgefordert ein junger Mann aufdringliche Songs auf der Gitarre. Er hat ein halbes Dutzend Begeisterte gleich mitgebracht, die nach jedem Lied energisch klatschen wie Parteigenossen nach einer Rede Stalins. Ihre bösen Blicke treffen alle, die nicht mittun wollen. Am Ende geht der Künstler mit einem Hut herum. Ich gebe ihm nichts.

Es könnte sich rächen. Vielleicht stehe ich demnächst mit einem leeren Hut vor ihm.

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Die unterschätzte Gefahr: Östrogen im Gemüse http://www.saxroyal.de/2011/05/04/die-unterschaetzte-gefahr-oestrogen-im-gemuese/ http://www.saxroyal.de/2011/05/04/die-unterschaetzte-gefahr-oestrogen-im-gemuese/#comments Wed, 04 May 2011 08:17:11 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3194 Beim Spaziergang durch Bannewitz entdecke ich am Straßenrand ein liebevoll handgemaltes Schild, das mit einem Landschaftsbild für einen nahe gelegenen Bioladen wirbt. Darüber mit gelber Farbe gesprüht: “SCHWUL”. Wer könnte der Saboteur ökologisch korrekter Ernährung gewesen sein? Man weiß es nicht. Hundert Meter weiter passieren wir das Vereinsheim des Dynamo-Dresden-Fanclubs Bannewitz.

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Neulich in der Bar Holda http://www.saxroyal.de/2011/04/21/neulich-in-der-bar-holda/ http://www.saxroyal.de/2011/04/21/neulich-in-der-bar-holda/#comments Thu, 21 Apr 2011 09:40:41 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3171 Max: “Orr nee, jetzt zeigen die hier Fußball, oder was?”

(Sie trinken.)

Micha: “Sieht so aus. Das nervt.”

(Sie trinken.)

Max: “Wollen wir dann rüber ins Side Door?”

(Sie trinken.)

Micha: “Is aber auch immer so voll. Was issn das überhaupt fürn Spiel? Ach Barca gegen Real. Schon interessant.”

(Sie trinken.)

Max: “Trinken wir das Bier halt noch aus hier. Nicht schlecht, die Technik von den Jungs. Da muss sogar Erzgebirge Aue einpacken. Ich bestell mal noch zwei neue.”

(Sie trinken.)

Micha: “Guck dir das an, was für ein Tempo die drauf haben. Schon irre. Is das hier Champions League oder was? Oder Uefa-Cup? Ach nee, den gibts ja nicht mehr, heißt jetzt irgendwie anders. Moderner Quatsch.”

(Sie trinken.)

Max: “Wahnsinn, da kommt jeder Pass an. Unglaublich! Zieh dir das rein, wie die über den Platz stolzieren. So herrlich arrogant!”

(Sie trinken.)

Micha: “Der Trainer von Real soll ja auch das übelste Arschloch der Welt sein. Aber auch das erfolgreichste.”

(Sie trinken.)

Max: “Barca ist hochüberlegen. Aber wann machen die denn endlich mal ein Tor rein? Mann, ist das spannend. Ich bestell mal noch zwei neue. Und zwei kleine Schnäpsel?”

(Sie trinken.)

Micha: “Fußball ist doch im Grunde ein herrliches Spiel, oder? Ich kann wirklich die Ignoranten nicht verstehen, die sich überhaupt nicht für Fußball interessieren.”

(Sie trinken.)

Max: “Auf jeden.”

(Sie trinken.)

Micha: “Fußball hat so etwas Theatralisches! Es gibt die verschiedensten Charaktere: den stillen Arbeiter, den sensiblen Spielmacher, den arroganten Stürmer, den hinterfotzigen Nachtreter…”

(Sie trinken.)

Max: “O Gott, wie ich diesen Cristiano Ronaldo hasse. Ein ekelhafter Schönling, der zieht ja eine Schleimspur über den Platz.”

(Sie trinken.)

Micha: “Jetzt lässt der sich wieder fallen, dieser Schauspieler. Ja, richtig so, der Schiri fällt nicht drauf rein! Gelb musser ihm zeigen wegen Schwalbe! Ach was, Rot, runter die Sau!”

(Sie trinken.)

Max: “Scheiße, was geht denn jetzt! Oh nein, die Flanke! Scheiße, nee oder?! Jetzt hat dieser Scheißronaldo den reingeköpft.”

(Sie trinken.)

Micha: “Ich könnte heulen. Es ist nicht fair. Barca war so überlegen! Aber die haben es eben verpasst, einTor zu schießen. Das rächt sich, alte Fußballerweisheit.”

(Sie trinken.)

Max: “Das Ding ist durch, das wird nichts mehr.”

(Sie trinken.)

Micha: “Der Kellner sagt, es wäre das spanische Pokalfinale. Copa del Rey, der Königspokal.”

(Sie trinken.)

Max: “Is doch wurscht. Hauptsache Fußball.”

(Sie trinken. Der Vorhang fällt.)

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Micha’s Lebenshilfe (20) http://www.saxroyal.de/2011/04/20/michas-lebenshilfe-20/ http://www.saxroyal.de/2011/04/20/michas-lebenshilfe-20/#comments Wed, 20 Apr 2011 07:54:12 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3166 Wenn man im Zug eine Flasche Apfelschorle (oder ein vergleichbares Getränk) abstellen will, sollte man darauf achten, dass entweder die Flasche auf einer rutschresistenten Unterlage positioniert und/oder der Schraubverschluss der Flasche fest zugedreht ist, weil sonst möglicherweise bei einem plötzlichen Manöver des Zugführers selbige Flasche herunterfällt und auf dem Boden zischend ihren Inhalt verteilt wie eine Rauchgranate, wodurch sich junge Eltern mit Säugling auf der anderen Seite des Waggons so belästigt fühlen, dass sie ihre Sitze fluchtartig verlassen und dir dabei Blicke zuwerfen, die signalisieren, dass sie dich als Verursacher der Überschwemmung trotz aller Eindämmungsversuche für einen Trottel allerreinster Ausprägung halten, der nicht einmal mehr Mitleid oder Spott, sondern nur noch Verachtung verdient.

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Micha’s Lebenshilfe (19) http://www.saxroyal.de/2011/04/04/michas-lebenshilfe-19/ http://www.saxroyal.de/2011/04/04/michas-lebenshilfe-19/#comments Mon, 04 Apr 2011 06:35:47 +0000 Micha http://www.saxroyal.de/?p=3126 Wenn man angesichts eines plötzlichen Schönwettereinbruchs einen ganzen Sonntag mit dem Wandern durch die aus dem Winter erweckte Natur verbingt, dabei aber – gleichzeitig die Sonneneinstrahlung unter- und die Temperaturen überschätzend – den Oberkörper nur mit einem sogenannten T-Shirt bekleidet, sollte man damit rechnen, sich bis zum Abend ein äußerst paradoxes körperliches Gebrechen einzuhandeln: Erkältung + Sonnenbrand!

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