Der Street Artist, der weltweit nur unter dem Inkognito Banksy bekannt ist, hat mit seinem Filmdebüt Exit Through The Gift Shop weit mehr produziert als einen Insiderstreifen über eine einst untergründige, dann plötzlich prominente Kunstszene. Der Film ist vor allem eine unbedingt sehenswerte dokumentarische Tragikomödie über das Leben eines absonderlichen Menschen und gleichzeitig eine radikale Satire auf den Kunstbetrieb im Zeitalter von Massenmedien und Kapitalismus. Erzählt wird nicht die Geschichte von Banksy, sondern die eines psychisch angeknacksten Franzosen, eigentlich Klamottenhändler und manischer Hobbyfilmer in Hollywood, der durch Zufall in die Street-Art-Szene gerät. Er lernt die prominentesten Straßenkünstler kennen, reist mit ihnen um die Welt und filmt sie, während sie den öffentlichen Raum mit Graffitis und ästhetischem Vandalismus zum Kunstraum machen. Doch ein versprochener Dokumentarfilm über die verborgene Kunstwelt kommt nicht so recht zu Stande, stattdessen kehrt der Franzose zurück nach Hollywood und beginnt mit einem reichen Vorrat an geklauten Ideen eine eigene Karriere unter dem Pseudonym “Mr. Brainwash” – mit überraschendem Erfolg … Am Ende kommen dem Zuschauer wie den Beteiligten arge Zweifel, ob denn die Idee, alle Menschen sollten am besten Künstler werden, wirklich eine gute ist.
Der Film läuft im Programmkino Ost – nach dem Umbau übrigens das vielleicht schönste Kino Dresdens – täglich um 19:15 Uhr und 21:15 Uhr. In der Schauburg kann man ihn jeweils um 18:15 Uhr, 20:15 Uhr und 22:30 Uhr sehen.
Wir haben es immer gewusst, dass die beiden erzgebirgischen Actionhelden Peschi und Poschi zu ganz Großem taugen. Dass aber ihr bislang längster Streifen “Peschi und Poschi – Glück auf, ihr Leit” tatsächlich für den nationalen Wettbewerb des Dresdner Filmfests nominiert wurde, das kam dann doch dezent überraschend. Doch Überraschung hin oder her, wir jubeln und feiern. Zu sehen gibt es den Film diese Woche dreimal im nationalen Block in der Schauburg. Los geht´s am Mittwoch den 21.04. um 20 Uhr. Weitere Termine sind der 22.04. um 17 Uhr, sowie der 23.04. um 14 Uhr 30.
Es besteht also dreimal die Gelegenheit, Peschi und Poschi auf der Kinoleinwand zu erleben. Am Samstag dem 24.04 kommt es dann zum großen Finale, wenn Im Festspielhaus Hellerau um 19 Uhr die Preisverleihung stattfindet mit anschließendem Filmball. Was für eine Woche, in Cannes kann´s nicht besser sein.
Will noch irgendjemand Filme über die deutsche Einheit im Jahr der Einheit sehen? Noch mehr Stasi-Offiziere, die sich in Bürgerrechtlerinnen verlieben? Nä! Eine Ausnahme sollte man aber doch machen, wie ich dem persönlichen Augenschein vertrauend hier empfehlen möchte: Man kann sich den Film Stilles Land ausleihen, den Debütfilm eines gewissen Andreas Dresen.
Schon 1991/92 gedreht, vermittelt er – noch ganz ohne Kostüme und Studionachbauten – ein treffliches Bild vom Ende der Deutschen Demokratischen Republik. Arbeitstitel des Films war “Provinztheater”, und eben darum geht es: Ein junger, leicht überambitionierter Regisseur kommt an ein Provinztheater im hohen Norden der DDR und versucht, ausgerechnet durch eine Inszenierung von Warten auf Godot ein lethargisches Ensemble aus dem Tiefschlaf zu wecken. Unterdessen bricht jedoch ein Land zusammen und Schauspieler wie Publikum schauen lieber gebannt darauf, was auf der Weltbühne vor sich geht. Der ganze Film lebt von der intimen Kenntnis des speziellen Biotops Provinztheater: Andreas Dresden kannte sich als Sohn des Theaterregisseurs Adolf Dresen und der Schauspielerin Barbara Bachmann selbst bestens aus. Meine Lieblingsszene: Die Akteure sitzen als Tiere verkleidet in der Kantine, als über Lautsprecher die Aufforderung schallt: “Die Schweine bitte auf die Bühne!” Eine Liebesgeschichte gibts natürlich auch.
Stilles Land ist in der “Edition Debütfilme” beim Studio Filmgalerie 451 erschienen. Die zwei DVDs enthalten auch Andreas Dresens frühe Kurzfilme und ein unbedingt sehenswertes, ausführliches und selten sympathisches Interview mit dem Regisseur, der die Geschichte seiner eigenen Karriere sehr witzig und unprätentiös schildert.
Bei unserer letzten Lesebühne wurde mir unter konspirativen Umständen eine CD mit dem rätselhaften Titel Die Schmerzen der Lausitz überreicht. Gestern schaute ich mir den darauf befindlichen Film mit meiner Liebsten an und möchte ihn allen Freunden der Dokumentation und der Lausitz ans Herz legen. Der Regisseur Peter Rocha drehte seinen Film über die Landschaftsvernichtung durch den Braunkohleabbau in der Umbruchsphase 1989/90, was ihn zugleich zum höchst anschaulichen Dokument für die Endphase der DDR macht. In schier endlosen Luftaufnahmen zeigt er das Ausmaß der Lausitzer Tagebaue, zusammen mit der apokalyptischen Musik glaubt man gelegentlich, gerade eine Fortsetzung von Der Wüstenplanet zu sehen. Der singende Baggerführer Gerhard Gundermann erinnert daran, dass es auch in der Zone schon vor 1989 eine ökologische Bewegung gab. Dem Schriftsteller Jurij Koch kommen die Sorben wie die letzten Indianer vor der Ausrottung vor. Ganz so schlimm ist es nun doch nicht gekommen, aber das Bild der vor einem Plattenbau in traditioneller Tracht tanzenden Ureinwohner wird keiner vergessen, der den Film gesehen hat. Ab und zu läuft er wohl noch im Fernsehen oder auf Festivals.
Manchmal wird man noch von sich selber überrascht. Hätte ich je gedacht, dass mir ein Film gefallen könnte, in dem persische Gesangseinlagen, ein sprechendes Lämmchen und Wolfgang Stumph vorkommen? Nein. Und doch ist es nun so. Der Titel Salami Aleikum verspricht eine harmlose Multi-Kulti-Komödie und der Film hält das Versprechen. Aber eine deutsche Komödie, die komisch ist, verdient ja für sich schon einmal Lob. Die Handlung ist schon einmal anständig bekloppt: Ein junger Iraner aus Köln will, um die Fleischerei seines Vaters zu retten, Schafe in Polen kaufen und … naja, irgendwie kommt er halt in ein ostdeutsches Kaff, in dem er sich in eine Automechanikerin verliebt, die wegen Dopings nach der Wende eine vielversprechende Karriere als Kugelstoßerin beenden musste. Die Verwicklungen und Verwechslungen, die die persische Familie und die ostdeutschen Provinzeier miteinander verschlingen, haben das übliche Fernsehspielformat. Aber wie Ossis und Ausländer sich hier – nach denkbar amüsanten Anfangsschwierigkeiten – in ihrer gemeinsamen Rolle als gesamtdeutsche Verlierer verbrüdern, das geht ans Herz. (Wenn man eins hat.) Aber selbst wem die Handlung zu banal ist, müsste sich doch für die Regie von Ali Samadi Ahadi begeistern. Wie der Mann in seinem ersten großen Spielfilm Animationssequenzen einbaut, Komik nur durch Kameraeinstellungen erzeugt, spielerisch Filmgenres im Sekundentakt wechselt, das macht sehr viel Spaß und bietet eine erfrischende Abwechslung zu den Wackelkamera-Ostzonen-Sozialdramen, von denen man inzwischen doch genug gesehen hat.
Auf den Film aufmerksam wurde ich übrigens durch ein Interview mit dem Regisseur im Radio. Die Journalistin wollte von ihm dringend ein Statement zur Ausländerfeindlichkeit im Osten. Er antwortete, es sei alles halb so wild. Bei den Dreharbeiten habe ihm schließlich ein Einheimischer sogar bescheinigt: “Für einen Ausländer bist du echt in Ordnung.”
Es soll Menschen geben, die die Rückkehr von “Peschi und Poschi” bei unserer letzten Lesebühne verpasst haben. Damit ihnen ihr Versäumnis nicht zur ewigen Qual werde, sei ihnen hier die Chance zur Wiedergutmachung gegeben. Viel Spaß!
Die Älteren unter Euch werden sich erinnern: Zu den Gründungsmitgliedern der Lesebühne Sax Royal gehörte auch Janusz Kocaj, der uns leider schon bald verließ, um an der renommierten Schauspielschule Ernst Busch in Berlin das Schauspielhandwerk zu erlernen. Ganz offenbar mit Erfolg, denn schon spielte Janusz eine Hauptrolle in dem Kinofilm Zeit der Fische. Wer neugierig ist, wie sich Janusz in diesem Jugenddrama schlägt, der schalte seinen Fernseher ein: Der Film läuft am kommenden Dienstag, den 16. September, um 22:30 Uhr im SWR.
Welch güldene Woche! Es ist die 8.Filmkunstmesse in L.E., sicher ein gediegener Anlass, als Dresdner mal nach Leipzig zu kommen, bzw. als Leipziger die Stadt zu verlassen. Ich werde das nicht tun, ich fühle mich wohl hier, was aber auch daran liegt, dass ich sehr sehr beliebt bin und gestern beim Fußball im Park total guddi war. Mal was anderes:
Der Dokumentarfilm “Heimatkunde”, in dem ganz “viele kaputte Sachen aus der DDR” gezeigt werden, und zwar von niemand Geringerem als dem PARTEI-Vorsitzenden und ehem. Chefredakteur der Titanic Martin Sonneborn, hat heute eine von wenigen Vorpremieren im Leipziger Kino Cineding auf der Karl-Heine Straße. Besonderheit: Der Hauptdarsteller ist anwesend. Alle kommen. Jucheee. Das Spektakel beginnt um 20 Uhr.