Zitat des Monats Dezember

„Gott hat uns geschaffen als Frau und Mann und ich glaube, dass er sich dabei etwas gedacht hat.“

(Argument gegen die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften von Steffen Flath, Vorsitzender der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag)

 

Die ägyptische Verfassung

Eine breite Koalition aus Islamisten, Radikalislamisten und Fundamentalradikalislamisten hat – gegen die Stimmen weniger demokratischer Abweichler – eine neue Verfassung für Ägypten beschlossen. Sie orientiert sich überraschend stark am deutschen Grundgesetz. Hier die wichtigsten Bestimmungen des Entwurfs im Überblick:

§ 1 Die Würde des Menschen und Frauen unter sechs Jahren sind unantastbar.

§ 2 Jede Gläubige hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, auch unter Zuhilfenahme von Explosivstoffen.

§ 3 Alle Männer sind vor dem Gesetz gleich. Alle Männer sind gleich berechtigt, ihre Frauen zum Gehorsam anzuhalten. Die Frau ist der Acker des Mannes. Das Nähere regelt das Landwirtschaftsgesetz.

§ 4 Die Freiheit des Glaubens ist unverletzlich, sofern es sich um den richtigen Glauben handelt. Die Ausübung der Religion darf nicht behindert werden, insbesondere durch Zweifel, Widerworte oder Abwesenheit.

§ 5 Jeder hat das Recht, Gott und seinen Propheten in Wort, Schrift und Bild zu loben, zu preisen oder auch zu lobpreisen. Wer den Propheten beleidigt, der soll seiner Zunge, im Wiederholungsfalle seines Kopfes verlustig gehen.

§ 6 Die Familie steht unter dem besonderen Schutz des Staates. Der Mann mit vielen Familien steht unter dem vielfachen Schutz des Staates.

§ 7 Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates. Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen ordentliches Lehrfach. Der Religionsunterricht wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.

§ 8 Alle Gläubigen haben die Pflicht, sich bewaffnet unter freiem Himmel zu versammeln, sobald der Zustand der Beleidigung ausgerufen wird.

§ 9 Alle Gläubigen haben das Recht, Vereine zu bilden, die sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten. Oder gegen die Juden.

§ 10 Das Postgeheimnis ist unverletzlich. Briefbomben müssen grundsätzlich ausreichend frankiert werden.

§ 11 Alle Ägypter genießen volle Freizügigkeit im gesamten Staatsgebiet. Alle Ägypterinnen genießen volle Freizügigkeit im weiblichen Teil der Wohnung (Küche, Bad, Keller).

§ 12 Alle Ägypter dürfen ihren Arbeitsplatz frei wählen. Ägypterinnen dürfen mit Erlaubnis ihres Mannes in der Küche im Sitzen arbeiten.

§ 13 Die Wohnung ist unverletzlich. Frauen, die durch unerlaubten Ausgang die Wohnung verletzen, sollen von ihrem Manne mit Hilfe eines Sackes oder Netzes wieder eingefangen werden.

§ 14 Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Niemand darf seinem Bruder mehr als vier Frauen vererben.

§ 20 Ägypten ist eine islamische Demokratie. Das ägyptische Volk wählt das Parlament. Das Parlament muss vom Priesterrat bestätigt werden. Das Parlament beschließt die Gesetze. Die Gesetze müssen vom Priesterrat bestätigt werden. Das ägyptische Volk wählt den Präsidenten. Der Präsident muss vom Priesterrat bestätigt werden. Der Priesterrat wird von Gott bestätigt. Entscheidungen Gottes gibt der Priesterrat bekannt.

Ich bin auch beleidigt

Man weiß gar nicht, was einen mehr zum Kotzen bringt: Die beschränkten Islamhasser, die sich in den Kampf gegen einen Untergang des Abendlandes stürzen, der nur in ihrer Fantasie stattfindet? Oder doch die Islamofaschisten, die sich wieder einmal mit Freude beleidigen lassen, um in kalkulierter Wut den Mob gegen die Zivilisation zu mobilisieren? Gemeinsam arbeiten die beiden Erzfeinde daran, jenen Glaubenskrieg zu entfachen, für den sie schon so lange beten.

Wie soll man darauf reagieren? Sicher nicht so, wie es zum Beispiel der zweite Vorsitzende des türkisch-islamischen Kulturzentrums Ditib in Fürth tut:

„Die Religion ist die Passion der Menschen, in die sie sich zurückziehen können.

Dass die Religion das Leid der Menschen ist, finde ich auch. Nur bin ich dafür, dass der Leidensweg der Menscheit aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit herausführt, nicht noch tiefer hinein ins Rückzugsgebiet des Stumpfsinns.

Deshalb verstehe ich die Empörung und Wut der Muslime über so eine Verunglimpfung unseres Glaubens sehr wohl.

Welch eine Herablassung steckt doch hinter dieser erbärmlichen Empörungsversteherei! Ist denn „der“ Muslim an Verstand so schwach, dass er ihn bei jeder „Beleidigung“ aufs Neue verlieren muss? Wer diese inszenierte Empörung für spontanen Volkszorn hält, der schießt sicher auch im Kino auf den Bösewicht auf der Leinwand.

Die Menschen, die das veröffentlicht haben, gehören bestraft. Aber das liegt nicht in unserer Hand, sondern in der des Staates.

Natürlich! Der Staat wird zur vollziehenden Gewalt des Lynchmobs, der das Urteil schon gesprochen und ersatzweise bereits an den nächsten greifbaren Objekten vollzogen hat.

Fest steht, der Tod des US-Botschafters Christopher Stevens im Nahen Osten war keine Lösung …

Schade! Wenn er doch nur eine Lösung gewesen wäre!

… sondern stellt die Menschen, die dafür verantwortlich sind, nur auf dieselbe Stufe mit den Machern des Films.

Mörder stehen auf einer Stufe mit Leuten, die einen miesen Propagandafilm drehen? An den Filmhochschulen der Welt wird das für Irritationen sorgen.

So eine Einstellung ist unvertretbar.

Welche Einstellung denn nun? Die im Film? Oder die im Kopf?

Erotik in der Kirche

Die deutschen katholischen Bischöfe haben auf ihrem letzten Treffen beschlossen, sich vom Medienkonzern Weltbild baldmöglichst trennen zu wollen. Grund für diese eilige Scheidung? Der Papst und die Gossenpresse hatten jüngst entdeckt, dass Weltbild Umsatz auch mit „erotischer und pornographischer“ Literatur gemacht habe, die den ideellen Zielen der katholischen Kirche widerspreche. Hut ab vor dieser mutigen Entscheidung gegen die Erotik, die gerade den alleinstehenden älteren Junggesellen der Bischofskonferenz nicht leicht gefallen sein dürfte. Ein Handelsimperium von über anderthalb Milliarden Euro wird also demnächst den Besitzer wechseln – ein weiterer Schritt hin zu der vom Papst jüngst noch einmal geforderten Entweltlichung der Kirche. Verschenkt wird Weltbild aber doch wohl nicht, denn der Verkaufserlös wird anderswo sicher für einen guten Zweck benötigt. Nicht zuletzt für die nachträgliche Vergütung von rechtlich problematischer innerkirchlicher Erotik.

Dringendste Leseempfehlung: Andreas Altmanns „Scheißleben“

In einer Nacht und den Wartezeiten (Bahn, Arzt, Einwohnermeldeamt) eines Tages las ich Andreas Altmanns aktuelles Buch mit dem umwerfenden Titel Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend. Der bislang als Reiseschriftsteller bekannte Andreas Altmann (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Lyriker) hat in diesem Buch die Geschichte seiner Jugend aufgezeichnet. Im bayrischen Pilgerort Altötting, inmitten eines bieder-erzkatholischen Bürgertums, wuchs Altmann in den fünfziger und sechziger Jahren unter erbärmlichsten Bedingungen auf. Sein Vater, ein psychisch offenbar schwer gestörter Kriegsheimkehrer, treibt durch seelische Grausamkeit zunächst die schwache Mutter aus dem Haus, bevor er mit psychischer und körperlicher Dauergewalt seine Kinder terrorisiert. Dabei gilt der Händler von Rosenkränzen und anderem Glaubenskitsch in der Stadt als ehrenwerter Bürger. Erst am Ende der Jugend gelingt dem Sohn die Flucht und die Ablösung vom zutiefst gehassten Diktator, der seiner eigenen Familie den Krieg erklärt hatte. Das Buch endet hier nicht, sondern skizziert im letzten Kapitel noch den mühevollen Lebensweg, auf dem sich Altmann im Laufe von zwanzig Jahren vom aufgezwungenen Selbstbild als Opfer und Versager befreit und seinen Platz in der Welt, eben als erfolgreicher Reisereporter, findet. Die Sprache des Buches ist karg, klar und dennoch poetisch. Die Lektüre fesselnd, erschütternd und teilweise schwer erträglich. Am Ende bleibt der Vater für den Leser wie für den schreibenden Sohn ein Rätsel. Die Traurigkeit über das absolut verfehlte Leben zweier Menschen hält sich die Waage mit der Freunde über das Glück eines Davongekommenen.

Andreas Altmann: Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend. München/Zürich: Piper, 2011. Das Buch hat 256 Seiten und kostet 19,90 Euro.

Impressionen vom Kirchentag

Grundsätzlich ist jedes Ereignis, das ein wenig Wirbel in die erzbehäbige Selbstzufriedenheit des Spießernestes Dresden bringt, zu begrüßen. Insofern waren mir die in- und ausländischen Gäste zum Evangelischen Kirchentag höchst willkommen, ja ich war sogar recht neugierig, was die 120000 angekündigten Christen so mit meiner Heimatstadt anstellen würden. Alles verlief dann aber doch recht unspektakulär. Konfrontationen zwischen Heiden und Christen blieben – von einzelnen Scharmützeln am Männertag – weitgehend aus.

Gleich am Mittwoch las ich zur Eröffnung der „Religionsfreien Zone“, die der Humanistenverein GeFAHR als Kontrastprogramm in der Schauburg organisiert hatte. Eine höchst entspannte Sache, keine Fanatiker gleich welcher Färbung waren anwesend, stattdessen vor allem ältere Ehepaare mit akademischer Anmutung. Ich dachte an das französische Sprichwort aus dem 18. Jahrhundert: „Drei Ärzte, ein Atheist!“ Die Quote dürfte heute wohl noch größer sein. Kein Wunder: Sieht man beständig, wie Gott Leuten Tumore ins Hirn und Krebs in den Arsch zaubert, schwindet der Glaube sicher leichter.

Am Freitag war ich dann einer der Autoren beim Poetry Slam zum Thema Religion in der Scheune, der zum offiziellen Programm des Kirchentages gehörte. 500 sehr junge Christen füllten das Innere restlos, draußen lauschten zudem vielleicht noch einmal so viele Menschen den Beiträgen über Lautsprecher. Dass der Kirchentag sich schon in fortgeschrittenem Stadium befand, roch man drinnen unverkennbar. Die Atmosphäre entsprach einem Rockfestival am dritten Tag. Gewinner des Dichterwettstreits wurde übrigens Bleu Broode, der als angehender Theologe natürlich transzendenten Heimvorteil hatte.

Gestern besuchte ich dann noch den Abschlussgottesdienst, den eine riesige Menge von Gläubigen an beiden Elbufern feierte. Die Gesänge der Chöre waren zweifellos erhebend. Kleine Gruppen von Helfern, mit Birkenzweigen als Erkennungszeichen ausgestattet, verteilten das heilige Abendmahl. Der Zuspruch hielt sich in Grenzen, vielen wäre wohl ein unheiliges Frühstück lieber gewesen. Verschiedene Menschen predigten Friede, Freude, Eierkuchen – unter ihnen auch lange die Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt, die auch Politikerin der „Grünen“ ist. Überhaupt erschien der Kirchentag einem Parteitag der Grünen nicht unähnlich. Und das nicht nur, weil alle Besucher sich zur Erkennung grüne Tücher um verschiedenste Körperteile geknotet hatten. Auch das grüne Atomkernthema war omnipräsent, ebenso die bekannte Forderung: Frieden schaffen, notfalls mit Waffen. Die Grünen sind endgültig im Mainstream der Gesellschaft angekommen – ein Marxist würde sagen: weil sie die ökonomischen Interessen und Erfordernisse der nächsten Jahrzehnte am besten repräsentieren.

Das beste Symbol für den ganzen Kirchentag war ein riesiges, ganz mit Solarzellen bedecktes Kreuz am Elbufer: Die Kirche und die Grünen in perfekter Symbiose, die Energiewende bekommt den evangelischen Segen. Oder anders ausgedrückt: Die Protestanten sind auf dem Rückweg zur Anbetung des Sonnengottes.

Die Christen kommen

Demnächst werden mehr als einhunderttausend Christen ins heidnische Elbtal einrücken. Man kann gespannt sein, wie sich das im städtischen Leben auswirkt und was die fünf Kirchentage (1.-5. Juni) und ihr reichhaltiges Kulturprogramm so bescheren werden. Als ich gefragt wurde, ob ich nicht gerne bei einer Lesung zum Kirchentag mitmachen möchte, sagte ich gleich: Warum nicht? Das Ganze heißt Slam the Religion! und ist, wie der Name schon andeutet, ein Poetry Slam zur Religion. Er findet am 03. Juni ab 20 Uhr in der Scheune statt. Kurz darauf meldete sich bei mir auch der Verein GeFAHR, der während der heiligen Tage eine „Religionsfreie Zone“ in Dresden einrichtet und ein nicht minder interessantes Kulturprogramm bieten wird. Man fragte mich, ob ich nicht eine Lesung gegen den Kirchentag machen möchte und ich sagte gleich: Warum nicht? Nun werde ich also am 01. Juni ab 17 Uhr in der Schauburg einige Kolumnen, Satiren und Essays zum Thema Religion lesen. Ich dürfte mithin der einzige Dresdner Autor sein, der für und gegen den Kirchentag lesen wird. Marx hätte gesagt: Dialektik bei der Arbeit!

Esoterischer Kalauer

„Wusstet ihr, dass Richard Gere dem Dalai Lama einen goldenen Spucknapf geschenkt hat? Der spuckt nämlich gerne mal.“

„Natürlich, er ist ja auch ein Lama.“

(Dialog auf dem 17. Schwarzenberger Altstadt- und Edelweißfest)

Zitat des Monats Juli

AN EVAS GRAB

ADAM:

Wo immer sie war,

da war das Paradies.

Mark Twain

Bischof Wixxa dementiert Rücktritt!

Seine bayrischen Kollegen hätten ihn zur Unterschrift unter ein vorgefertigtes Rücktrittsgesuch gezwungen, so Wixxa in einem Interview, inzwischen habe er den Papst darüber informiert, dass er nun doch weitermache. „Wenn ich schon mal dabei bin“, so Wixxa weiter, „möchte ich auch gleich mal dementieren, dass ich mich bei meinen angeblichen Opfern entschuldigt haben soll. Gar nichts bedaure ich! Diese schwer erziehbaren Unterschichtsbälger sollten mir für meine Schläge die Faust küssen! Nur mit einem schön elastischen Stock ließ sich diesen Ludern doch der Teufel aus dem Leib treiben! Sie hätten mal die verderbten Gesichter dieser Biester sehen sollen, und wie sie immer gewimmert haben: Bitte, nicht schlagen, Herr Pfarrer, nicht schlagen! Dabei blitzte doch die schmutzige Lust nach heftiger Prügel aus ihren wollüstigen Augen! Oh ja, Herr, ich habe sie gezüchtigt, die Sünder! Und ich stehe dazu!“

Powered by WordPress. Feeds für Beiträge und Kommentare.