Wolfgang Schäuble (CDU) möchte Irakern, die in ihrem sogenannten Staat durch den herrschenden Bürgerkrieg bedroht werden, in Europa und in Deutschland Zuflucht gewähren – aber nicht allen Irakern. Der Mann, der ansonsten alles tut, um Flüchtlinge aller Art schon an den Grenzen der Festung Europa abzuwehren, hat sein Herz nur für irakische Christen entdeckt. Mit ihnen scheint er sich weit eher anfreunden zu können. Denkt er vielleicht darüber nach, heidnische Zonen in seinem eigenen Heimatland mit importierten Christen zu bevölkern? Werden die Neuankömmlinge vielleicht sogar deutsche Pässe bekommen, wenn sie nur versichern, die richtige Partei zu wählen? Das Boot mag voll sein, aber das Schiff, das sich Gemeinde nennt, kann noch ein paar Leute in der Kombüse gebrauchen.
“Wir glauben mit den Knien, oder wir glauben überhaupt nicht.”
(Martin Mosebach, deutscher Büchnerpreisträger)
“Der wahre Gläubige findet erst Ruhe, wenn die ganze Welt das Knie gebeugt hat.”
(Christopher Hitchens, englischer Religionskritiker)
Vor kurzem machte eine Studie zur Religiosität der Weltbevölkerung einige Schlagzeilen, weil sie zu Tage förderte, dass auch in Deutschland 70% der Menschen “religiös” seien. Das Projekt “Religionsmonitor” wurde von der Bertelsmann-Stiftung initiiert. Kritiker halten diese für eine neoliberale Denkfabrik. Vertreter aller Kirchen und sonstiger interessierter Kreise beeilten sich, die Ergebnisse als Bestätigung für eine Renaissance des Glaubens zu feiern…
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Hallo, hier meldet sich seit langem der Gülz mal wieder zu Wort und das diesmal nicht aus Eigennutz. Denn es wird bald Weihnachten und Gülz will als frommer Christ anderen Menschen helfen.
Also zur Sache! Vor kurzem erreichte mich per Post der Hilfeschrei einer Frau: „Lieber Gülz, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Mein Mann hat unser ganzes Vermögen in einem Spielsalon verbrasst, bitte hilf mir!“ Da die gute Frau leider keine Adresse angegeben hat, dachte ich mir, verbreitest du die frohe Botschaft über die Sax-Royal-Webseite.
Und hier mein Rat an die Frau: Ihr Mann ist spielsüchtig und Sie können absolut nichts dagegen tun! Am besten Sie konzentrieren sich jetzt darauf, an ihm blutige Rache zu nehmen. Raffen Sie dazu alles, was Sie an Wertsachen im Haushalt noch finden können, zusammen und bringen Sie das Zeug in eine Pfandleihe. Mit dem so erwirtschafteten Geld wird es einfacher für Sie, ihrem Mann ein Schnippchen zu schlagen. Versuchen Sie nun ebenfalls große Mengen an Geld zu verspielen. Je mehr Geld weg ist, desto besser für Sie und Ihren Mann, denn verlassen Sie sich darauf: der wird sich jetzt schwarz ärgern. Wenn Sie nicht wissen, wo die nächste Spielbank ist, fragen Sie einfach in Ihrer Nachbarschaft nach. Irgendjemand wird Ihnen sicher zeigen können, wie man sein Geld am schnellsten los wird. Also: verplempern Sie keine Zeit! Schreiten Sie zur Tat und zweifeln Sie vor allem nicht an meinem Rat, denn mit etwas Glück gewinnen Sie ja sogar noch ein paar Groschen hinzu.
Frohes Fest!
Ihr Freund und Helfer:
Gülz
… habe ich, Sächsische Schweiz, für dich – und zwar, nachdem ich heute den Artikel “Christus darf nicht auf den Lilienstein” in der Sächsischen Zeitung gelesen habe. Da wird berichtet, dass ein Unternehmer namens Harry Vossberg, der einem Komitee “Christliche Initiative Predigtstuhl” vorsteht, eine 55 Meter hohe Jesus-Statue auf dem 415 Meter hohen Lilienstein aufstellen lassen will. Doch das Projekt stößt eher auf Skepsis bei den Ureinwohnern, die sich die schönsten Kommentare entlocken ließen.
So ist etwa der Wirt vom Lilienstein-Hotel zwar nicht abgeneigt, allerdings aus eher säkularen Beweggründen:
“Die Leute kommen wegen so einem Mist.”
Noch schöner aber scheint mir die Ankündigung der “Hohnsteiner Bergsteigerlegende” Bernd Arnold, der damit droht, die eventuelle Statue abzusägen:
“Wer halbwegs Einfühlungsvermögen hat, der sieht, die Figur passt nicht hierher, und wenn es zehnmal Jesus ist.”
Na, zu viel versprochen?
Der Mitbegründer der Surfpoeten und der Reformbühne Heim und Welt ist am Mittwoch nach langer Krankheit gestorben. Ich kannte ihn ebenso wenig wie er mich, aber es bedrückt mich sehr. Ich werde versuchen, meine Gedanken zu bündeln, daraus einen irgendwie würdevollen Strauß trauriger Rosen machen und diesen nach Berlin schicken. Wer etwas Gehaltvolleres zu diesem Thema lesen möchte, der sollte mal bei Volker Strübing vorbei schauen beziehungsweise diesen Artikel von Robert Weber lesen. Ich finde da immer nicht die passenden Worte. Aber in Anlehnung an das von Stein stammende Gebet gegen die Arbeit schließe ich mit den folgenden:
Tod – Geißel der Menschheit!
Über Belanglosigkeiten wie die neue und schlechte LateNite von Schmidt&Pocher auf RTL2 ARD zu sprechen bin ich gerade nicht mehr imstande. Vielleicht morgen.
Irgendwie konnte ich mich noch nie mit der Partei Die Grünen anfreunden. Warum? Nun, auch wenn das merkwürdig klingt: Ich muss sagen, dass sie mir in vielen Bereichen zu konservativ sind. Die Gründe konnte ich mir selbst nicht recht erklären, bis ich eben ein Interview in der Süddeutschen Zeitung las. Ulrike Gote, die zugleich kirchenpolitische Sprecherin der bayrischen Grünen und Mitglied im Landeskomitee der Katholiken ist, brachte es auf den Punkt:
“Wir haben das C zwar nicht im Namen, aber wir haben es im Programm. Deswegen ist mir über solche Äußerungen, wie [Bischof] Mixa sie getan hat, überhaupt nicht bange. Denn wer sich mit unseren Inhalten beschäftigt, der wird eine große Übereinstimmung mit Themen wie Bewahrung der Schöpfung, der Natur oder der Würde des Menschen finden. Denken Sie nur an die Debatte um Gentechnik oder das Stammzellengesetz. Da sind wir sehr nahe an den Forderungen, die auch die Kirche vertritt.”
Schwarz-Grün kann kommen!
[Nachtrag: Vielleicht muss ich - dank Volker Beck - meine Meinung doch noch revidieren ...]
Ein ausgesprochen erfrischendes Buch für fröhliche Freidenker möchte ich Euch an dieser Stelle ans Herz legen: Es handelt sich um das atheistische Manifest The God Delusion von Richard Dawkins, das jüngst unter dem Titel Der Gotteswahn auch in deutscher Sprache erschienen ist. Es gehört zu jenen Büchern, nach deren Erscheinen man sich verwundert an den Kopf greift und fragt, wieso sie nicht schon längst zuvor das Licht der Welt erblickt haben.
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Gut, man erwartet mittlerweile nicht mehr allzu viel vom früher als aufklärerisch und linksliberal bekannten Wochenmagazin namens DER SPIEGEL. So war ich denn auch eher skeptisch, als ich jüngst das neueste Heft zu Gesicht bekam, dessen Titel eine Auseinandersetzung mit einem angeblich neuen Atheismus versprach. Schließlich wird die Kulturabteilung des Heftes inzwischen von einem Mann befehligt, der sich nicht entblödet, in seinem sterbenslangweiligen Video-Blog Papst Benediktus alias Prof. Ratzinger dafür zu loben, dass er in seinem jüngsten Buch Jesus endlich nicht mehr „historisch-kritisch“ behandle, sondern „als Sohn Gottes“ – so wie es sich eben für einen richtigen Katholiken gehöre.
Und weder das Magazin-Cover noch die Titelschlagzeile gaben Anlass zur Entwarnung: „Gott ist an allem Schuld! Der Kreuzzug der neuen Atheisten“. Die Atheisten also sind die wahren Fanatiker, eine kleine Sekte von verbiesterten Friedhofsschändern, die der Masse der frisch-fromm-fröhlich-freien Gläubigen vergeblich ans Bein zu pinkeln versucht. Aber der Artikel war denn doch nicht so schlimm, wie es der Titel befürchten ließ. Er stammte auch nicht unmittelbar vom papsttreuen Langweiler Matussek, sondern wenigstens bloß vom Rom-Korrespondenten und Vatikan-Berichterstatter Alexander Smoltczyk, der es sich – trotz seines sehr katholischen Namens – manchmal sogar herausnehmen darf, maßvolle Kritik an der heiligen Mutter Kirche vorzunehmen. Die neuen, nun ja vielleicht nicht wirklich ganz so neuen Atheisten schilderte Smoltczyk mit einer Mischung aus ängstlicher Bewunderung und leisem Spott: Eine Hand voll kluger, aber doch allzu verstockter Gotteshasser, die ihren eigenen Dekalog dekretieren wollen und die „falsche“ Religion der fanatischen Gewalttäter allzu voreilig mit der „wahren“ Religion der toleranten und friedliebenden Gläubigen verwechseln. So plädierte der SPIEGEL-Autor dann am Ende recht lustlos für eine gemütliche Kuschelreligion, aus der sich jeder nach individuellem Bedarf das „Gute“ heraussuchen solle.
Interessanter waren da die wirklich ebenso witzigen wie bösartigen Zitate der porträtierten und interviewten Heiden, die mehr als ein Schmunzeln auf mein Gesicht zauberten. Wer will, kann sich auch das Protokoll des Chats durchlesen, den der Chef der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung auf SPIEGEL ONLINE mit gläubigen wie ungläubigen Lesern führte. Charmant.