Januar: Bei den Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Einführung des Euro in der “Affentor-Schänke” in Frankfurt am Main greift Angela Merkel hart durch: Der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos muss auf der eher müden Party kellnern, sein italienischer Amtskollege Mario Monti wird dazu verdonnert, am Ende feucht durchzuwischen.
Februar: Auf der 62. Berlinale setzt sich überraschend der neue Film von Til Schweiger durch. In dem existenzialistischen Sozialdrama “Der Furz auf der Gardinenstange” beeindruckt in der Hauptrolle vor allem der ebenfalls preisgekrönte Matthias Schweighöfer als mittelmäßig talentierter Schauspieler, der sich durch Größenwahn zur Witzfigur macht und sein Leben in den Ruin treibt.
März: Bei den Präsidentschaftswahlen in Russland siegt nach ersten Hochrechnungen der Kandidat der neu gegründeten “Nazikommunistischen Einheitspartei” Igor Ubiistvo. Dem demokratischen Westen gelingt es durch Sanktionsandrohungen jedoch, eine Korrektur des amtlichen Endergebnisses zu erreichen, was Wladimir Putin eine weitere Amtszeit ermöglicht.
April: Der “Lurch des Jahres”, die Erdkröte, gerät ins Zwielicht, als die Bild-Zeitung enthüllt, dass es sich bei ihr um jenes ekelhaft warzige Tier handelt, das gemeinhin unter den Namen Lork, Krott, Hutsche, Broz, Padde, Netze, Thaaschen, Toosche, Tooschkrott, Aefk, Muggel und Mummel bekannt ist.
Mai: Beim 57. Eurovision Song Contest holen für Deutschland die ehemaligen Erzfeinde Bushido und Sido gemeisam den Sieg mit ihrem Duett “Ihr Tunten seid schon okay”. Vereinzelte Kritik löst ihr provokanter Zungenkuss vor laufender Kamera aus.
Juni: Schneller als gedacht kehrt Thomas Gottschalk zum ZDF zurück und übernimmt wieder die Moderation von “Wetten, dass..?”. Sein zwischenzeitlicher Nachfolger Wolfgang Lippert hatte sich in der Gunst des Publikums nie recht durchsetzen können.
Juli: Im Finale der Fußballeuropameisterschaft siegt das Emirat Katar mit 14:1 gegen die Mannschaft Griechenlands. Sepp Blatter weist alle Manipulationsvorwürfe zurück.
August: Bei den Olympischen Sommerspielen in London kommt es zu den befürchteten Ausschreitungen. Der Wettbewerb der Geher wird ohne Ergebnis abgebrochen, weil alle Teilnehmer vor pöbelnden Gangs davonrennen und disqualifiziert werden müssen. Nicht besser ergeht es den Schwimmern, denen unter Wasser vielfach von betrunkenen Riot-Girls die Badehosen heruntergezogen werden. Einzig den Hockeyteams gelingt es, mit Hilfe ihrer Schläger das Spielfeld zu verteidigen.
September: In Umfragen rutscht die FDP auf 0,5 Promille ab. Der neue Vorsitzende und Hoffnungsträger Rainer Brüderle beschwichtigt: Immerhin wähle ja noch eine klare Mehrheit der FDP-Mitglieder die FDP. Auf einem außerordentlichen Bundesparteitag fordert der Parteichef ein geschärftes Profil und erläutert seine neue programmatische Leitidee eines mitfühlenden Zynismus.
Oktober: Star der Frankfurter Buchmesse ist Erfolgsautor Thilo Sarrazin, der sich mit seinem belletristischen Debüt “Trockensteppe” überraschend ins Gebiet des erotischen Romans wagt. Das Buch schildert ohne Tabus und mit tristem Realismus die Erfahrungen eines fiktiven Pensionärs mit der sexuellen Dauerverweigerung seiner frigiden Hausfrau.
November: Das Bundesverfassungsgericht verbietet wie erwartet die NPD. Tausende ehemalige Nationalsozialisten werfen sich auf den Straßen der Republik weinend in die Arme ihrer ausländischen Mitbürger, bitten um Vergebung und geloben, sich nunmehr endlich in die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu integrieren.
Dezember: Die Götter der Maya kehren auf die Erde zurück und erheben die Menschen in eine neue spirituelle Dimension. Nur der Dresdner Max Rademann bleibt am Tresen sitzen, weil er “sein Bier noch austrinken” möchte.
Das britische Parlament wird selbst politisch interessierten Menschen, wenn überhaupt, dann nur als Ort merkwürdigster Rituale bekannt sein. In einem historischen Saal, der so klein ist, dass nicht einmal alle Abgeordneten Platz auf den Bänken finden, sitzen da dicht gedrängt die Volksvertreter. Die Regierungserklärung wird nicht vom Premierminister vorgestellt, sondern von der Königin verlesen, die aber nicht ein einziges Wort selbst beisteuern darf. Ist mal so eine Thronrede angesagt, läufts wie folgt: Die Königin kommt ins adlige Oberhaus, also zu ihresgleichen. Ein Zeremonienmeister schreitet nun hinüber zum Unterhaus der bürgerlichen Abgeordneten, um sie hinüber zu befehlen. Zum Zeichen ihres Selbstbewusstseins hauen nun aber die Parlamentarier diesem Zeremonienmeister traditionell jedes Mal wieder die Tür vor der Nase zu! Er muss anklopfen und die Anwesenden bitten, sich doch nach nebenan zu verfügen. Ist das nicht herrlich?
Das älteste Parlament der Welt ist auch das unterhaltsamste. Während im Bundestag meist eine öde Rede nach der anderen gehalten wird, funktioniert das britische Unterhaus dialogisch: Ein Vertreter der Regierung wird von den Abgeordneten befragt und muss sich unmittelbar rechtfertigen. Im britischen Parlament exisiert auch der in Deutschland herrschende Fraktionszwang nicht. Da alle Abgeordneten direkt von den Bürgern ihres Wahlkreises bestimmt werden, sind sie weit weniger als ihre deutschen Kollegen von den Parteien abhängig, denn sie können nicht strafweise von der Liste geworfen werden. So kommt es, dass sich die Regierung nicht nur kritische Fragen von der Opposition, sondern auch von den Abgeordneten der eigenen Partei gefallen lassen muss. Am schönsten aber: Britische Parlamentarier sind oft Absolventen von Eliteuniversitäten, die traditionell großen Wert auf Debattierkultur legen. So kommt es, dass sie rhetorisch brillieren und sich höchst unterhaltsam streiten können. Und dann kommt noch etwas hinzu, was uns Deutschen – mit seltenen Ausnahmen – wohl ganz abgeht: ein souveräner Sinn für Witz und Selbstironie.
Wer sich vom Gehalt meiner merkwürdigen Schwärmerei überzeugen möchte, der schalte das britische Parlamentsfernsehen ein oder schaue sich folgende amüsante Beispielschnipsel an:
Es flimmert einem vor den Augen, kaum einen Quadratzentimeter haben die Plakatkleber frei gelassen. Gelegentlich sieht man eine ganze Plakathaut, von einer Laterne gerutscht oder einer Wand geblättert, unzählige Schichten übereinander wie Jahresringe. Und ich denke: All diese hoffnungsvollen Bands – für wen spielen sie? Die unzähligen Künstler – wer soll ihre Bilder kaufen? Diese ambitionierten Amateurtheater – wer wird sich ihre Aufführungen anschauen? In Berlin scheint Beuys’ Kitschgedanke, jeder Mensch sei ein Künstler, auf schreckliche Weise verwirklicht. Gibt es auf diesen Straßen irgendjemanden, der kein Projekt plant, kein Demotape in der Tasche trägt, kein Vorsprechen am nächsten Morgen hat? Bestünde die Welt nur noch aus Kreativen, wer bliebe noch übrig, um die undankbare Aufgabe zu meistern, als Publikum zu dienen? (Künstler selbst sind gewöhnlich ja die letzten, die sich für das Schaffen anderer Künstler interessieren.)
Der Mythos des Künstlertums hat offenbar nichts von seiner Anziehungskraft auf junge Menschen verloren. Woran liegt’s? Es scheint so, als wäre der Glaube immer noch verbreitet, Kunst sei als zweckfreies Schaffen ein Fluchtweg aus der gesellschaftlichen Misere ringsum. Eine Möglichkeit der sogenannten Selbstverwirklichung jenseits von Bachelor und Praktikum und PowerPoint. Ein richtiges Leben im falschen. Als wäre das Leben nichts wert, wenn man es nicht schaffte, sich selbst als Ausnahme von der Regel zu inszenieren. Uns so sitzen sie in ihren Cafés, einer individueller als der andere. Ihre Variante der prekären Existenz heißt nicht Hartz 4, sondern Indie-Rock oder Poetry Slam.
Gegen drei Uhr nachts spielt im Habermeyer unaufgefordert ein junger Mann aufdringliche Songs auf der Gitarre. Er hat ein halbes Dutzend Begeisterte gleich mitgebracht, die nach jedem Lied energisch klatschen wie Parteigenossen nach einer Rede Stalins. Ihre bösen Blicke treffen alle, die nicht mittun wollen. Am Ende geht der Künstler mit einem Hut herum. Ich gebe ihm nichts.
Es könnte sich rächen. Vielleicht stehe ich demnächst mit einem leeren Hut vor ihm.
Selbst wenn Ihr allen Mut der Verzweiflung zusammennehmt und Euch vor einen Zug schmeißt, endet Ihr doch nachweislich bloß als “Störung im Betriebsablauf”. Ist es das wert? Nee! Weitermachen.
Können Getränke nicht einfach wie früher bloß die Gläser erfüllen? Und uns bitte mit Esoökobiopseudogequatsche in Ruhe lassen?
Es enthält nur natürliche Zutaten und tut auf Grund seiner einzigartigen Rezeptur von Natur aus gut.
Punktabzug wegen mehrfacher Wortwiederholung.
Und mit den beiden neuen Sorten Carpe Diem Kombucha Quitte und Cranberry ist dabei auch für Abwechslung gesorgt.
Wusste der Praktikant der Werbeagentur nicht, was “Quitte” auf Englisch heißt?
Schon die Weisen des Zen …
Himmel, Arsch und Zwirn!
… wussten Kombucha für seine ausgleichende Wirkung auf Körper und Seele zu schätzen.
Schade, dass die Zen-Meister damals dafür noch nicht bezahlen (2,40€ für 0,25l) durften!
Carpe Diem hat sich das uralte Wissen um dieses Getränk zu Nutze gemacht.
Das kann man wohl sagen.
Das Ergebnis: Drei besondere Getränke, die Natürlichkeit, Sinnhaftigkeit und hervorragenden Geschmack in sich vereinen.
Ein Getränk aus einem Drittel Natur, einem Drittel Sinn und einem Drittel Geschmack? Wahrlich, eine exquisite Mischung!
Ihr Geheimnis liegt …
… darin, dass immer mehr besser verdienende Grünen-Wähler nach Wegen suchen, ihr Geld auf möglichst extravagante Weise aus dem Fenster zu werfen?
… in der Fermentation einer ausgewählten Kräuterteemischung mit Lactobazillen, Kombuchakulturen und Zucker, die den Getränken ihren bekömmlichen Charakter verleiht.
Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg warnte im deutschen Bundestag seine Kritiker: Sie sollten besser ihre Zunge hüten, um sich nicht eventuell der üblen Nachrede schuldig zu machen. Aus diesem Anlass hier eine angemessene Beschimpfung des Verteidigungsministers in denkbar ordentlicher, nämlich alphabetischer Form:
Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Abschreiber, ein Bild-Leser, ein Copypaster, ein Deutscher, ein Erzschelm, ein Falschmünzer, ein Geck, ein hinterfotziger Hochstapler, ein Intrigant, ein Jurist, ein Komödiant, ein listiger Lügner, ein manipulierender Möchtegern, ein Nepper, ein Oberfranke, ein populärer Politiker, eine Quarktasche, ein Rüpel, ein Scharlatan, ein Toastbrot, ein Unfall, ein Volksheld, ein Waschlappen, ein Xerox, ein Yuppie, ein Zeichen des Zerfalls unserer Zivilisation.
Der Tyrann will nicht weichen. Tausende Menschen versammeln sich täglich auf den Straßen, um gegen die andauernde Herrschaft des Potentaten zu demonstrieren, der nie von einer Mehrheit des Volkes in sein Amt gewählt wurde. Jeder weiß, dass er mit der Begünstigung seiner Freunde und Verwandten, mit der Plünderung der Staatskassen eine ganze Nation an den Abgrund geführt hat. Derweil bleiben die Ärmsten des Landes sich selbst überlassen. Visionen für die Zukunft entwickelt er längst keine mehr, seine Reden sind gefüllt mit ermüdenden Durchhalteparolen und Wiederholungen der immer gleichen Phrasen. Verzweifelt warnt er davor, nach seinem Abtritt werde das Chaos ausbrechen, der Pöbel die Herrschaft übernehmen. Aber diese Unkenrufe will längst keiner mehr hören. Selbst die geknebelte Presse hat sich abgewandt und wagt inzwischen kritische Berichte. Und auch in der eigenen Partei wäre man den ungeliebten Führer lieber heute als morgen los, nur traut sich noch keiner, in die Rolle des Königsmörders zu schlüpfen. Kein Zweifel, dass er mittlerweile der meistgehasste Mann des ganzen Landes ist. Sehnlichst wünschen sich die Bürger, man könnte ihn verschnüren und in ein Flugzeug packen, das auf Nimmerwiedersehen dorthin startet, wo der Pfeffer wächst. Kurz: Es sieht schlecht aus für Guido Westerwelle.
Ähnlich geht es aber auch dem ägyptischen Diktator Hosni Mubarak, dem Guido Westerwelle des Nahen Ostens. Wer kann sich die Bilder der Demonstrationen anschauen, ohne von ihnen bewegt zu werden? Es ist aber nicht nur Sympathie, die aufkeimt, sondern auch Neid. Oder wie soll man sonst das intellektuelle Seufzen der Deutschen, ja des ganzen Westens beschreiben? Ach, wie selig die Ägypter, die noch klare Fronten zwischen Gut und Böse kennen! Wie glücklich das Volk am Nil, das alles Übel auf einen einzigen Mann projizieren kann! Wie erwartungsvoll diese Gesichter, die sich noch hoffnungsfroh nach der Demokratie sehnen, die uns nur noch ermüdet und längst kalt lässt. Wir schauen auf die Ägypter wie auf Kinder, die uns erzählen, wie sehr sie sich wünschen, endlich erwachsen zu sein. Wir nicken ihnen aufmunternd zu und denken doch im Stillen: Ach, wüsstet ihr Kinder, wie erbärmlich es in unserem Alter zugeht, ihr würdet mit Freuden ewig unmündig bleiben. Aber es hilft nichts: Wir müssen erwachsen werden, als Menschen und als Nationen. Wer sich dem in den Weg stellt, wird weggefegt, und zwar zurecht, so wie der sture Opa in Kairo, der hoffentlich bald seinen wohlverdienten Ruhestand in einem Altersheim mit Gittern vor den Fenstern antritt.
Wenn man am Abend wieder einmal wegen der Lage der Welt (Bürgerkriege, Hungersnöte, Hühnerfutter) einfach nicht zur Ruhe kommen kann, empfiehlt es sich, vor dem Einschlafen einige Kapitel Marx zu lesen.