Guter Vorsatz für 2011
Im Laufe des Jahres Dresden verlassen.
Wenn man in der ganzen Wohnung der Umwelt und der Zukunft unserer Kinder zuliebe überall Energiesparlampen einsetzt, sollte man sich nicht über die eintretende Düsternis wundern, die einen in die Stimmungslage eines Höhlenmenschen zurückversetzt.
Michael Bittner: Die Hebamme der Wanderhure. Historischer Roman. Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 2014. 2485 Seiten. 7,90 Euro.
In einem Restaurant vom Kellner konsequent ignoriert zu werden, das kommt schon einer Nahtoderfahrung gleich.
Nur Kartoffeln brauchen einen Dark Room.
Eine neue Rubrik im Blog: Max Rademann klärt in seiner Eigenschaft als Philosoph und Weltweiser die großen Fragen, die uns alle bewegen. Heute: Max Rademann erklärt, was Liebe ist.
“Liebe besteht – in männlicher Sicht – aus drei Elementen:
- Zunächst einmal muss man ein Verhältnis zu einer Frau haben, das dem der besten Freundschaft gleichkommt. Es muss ein Verständnis herrschen, das dem mit dem besten Freund in nichts nachsteht.
- Sodann muss die erotische Anziehung hinzukommen. Die beiden Liebenden müssen einander körperlich begehren.
- Es muss nun aber als drittes Element etwas hinzutreten, was die Liebe von der Freundschaft, selbst einer mit erotischem Anteil, unterscheidet: Die beiden Liebenden müssen sich miteinander streiten können, in einer Heftigkeit, die keine Freundschaft vertrüge, und sich dennoch wieder versöhnen können. Erst in dieser Fähigkeit des Streits tritt der wesenhafte Unterschied zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit hervor. Erst der Streit verhindert, das eine Beziehung in die Ödnis völliger Gleichheit versinkt.”
(aufgezeichnet gestern gegen 1 Uhr)
“Man muss keinen Abschluss haben, um Philosoph zu sein – Sokrates hatte ooch keen Bätschler.”
(Gesprächsnotiz)
Hier ein Zitat, das ihr garantiert nie für eine Klausur verwenden könnt:
Die Jugend ist die Poesie des Lebens, und die äußerlich ungebundene und sorgenlose Freiheit der Studenten auf der Universität die bedeutendste Schule dieser Poesie, und man möchte ihr beständig zurufen: sei nur vor allen Dingen jung! Denn ohne Blüte keine Frucht.
Joseph Freiherr von Eichendorff
Am letzten Freitag fand im Societätstheater, öffentlich, aber doch im kleinen Kreis, eine Diskussion zur Lage der Literatur in Dresden statt. Anlass war die Vorstellung einer Studie zur Literaturvermittlung in den fünf neuen Bundesländern zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die vom Netzwerk der Literaturhäuser in Auftrag gegeben worden war. Die Autoren der Studie sind Prof. Stephan Porombka und Kai Splittgerber von der für ihren Studiengang Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus bekannten Uni Hildesheim. Einige Thesen ihres Vortrags:
Der letzte Teil der Präsentation widmete sich dann speziell der literarischen Landschaft in Sachsen und besonders in Dresden. Hervorgehoben wurde der Sächsische Literaturrat als koordinierende Institution, die außergewöhnliche und erfolgreiche Privatinitiative des Kulturhauses Loschwitz und das Dresdner Literaturbüro, das öffentlich zwar vergleichsweise umfangreich gefördert werde, aber unter einem Mangel an geeigneten Räumlichkeiten und überregionaler Ausstrahlung leide. Insgesamt bleibe Dresden literarisch unter seinen Möglichkeiten.
Der Moderator der Diskussion, Dr. Reinhard G. Wittmann, Chef des Literaturhauses München, machte kein Hehl aus seiner Sympathie für die Idee eines Dresdner Literaturhauses. Bekanntlich sind derartige Initiativen in Dresden bislang am Widerstand der bestehenden Institutionen und mangelnder politischer Unterstützung gescheitert. Dr. Florian Höllerer, der Leiter des Literaturhauses Stuttgart, trat mit Hinweis auf eigene Erfahrungen einer in solchen Fällen immer wieder auftretenden Befürchtung entgegen: Das Torten-Modell von Literatur, nach dem nur eine bestimmte Menge an Geld und Zuschauern verteilt werden könne, sei falsch. Vielmehr habe die Geschichte des Literaturhauses Stuttgart gezeigt, dass alle Institutionen, auch die schon bestehenden und anfangs skeptischen, von einer Aufwertung der Literatur insgesamt profitiert hätten.
In der abschließenden Diskussion dominierten bei den Einheimischen dann aber doch eher die Bedenken. Die Gründung eines Literaturhauses bleibe mangels einer Aussicht auf zusätzliche öffentliche Geldmittel und ohne einheimische Sponsoren aussichtslos. Stattdessen solle die bestehende Breitenförderung literarischer Kleinprojekte fortgeführt und gesichert werden. Immerhin sprach sich niemand prinzipiell gegen die Idee eines Literaturhauses Dresden aus. Und einige der Anwesenden sparten nicht mit Sympathiebekundungen.
Was der Initiative zweifellos noch fehlt, sind öffentliche Personen, die kulturelles Prestige, politische Macht oder schlicht und einfach Geld einbringen könnten. Mir scheint die Idee eines Literaturhauses, das als Zentrum literarischen Lebens in Dresden eine Heimat für schon bestehende Institutionen, für Verbände und Autoren, aber besonders für die nicht gerade literarisch überversorgten Dresdner sein könnte, jedenfalls sehr reizvoll und aller Unterstützung wert.
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