Literaturtipp: Spider am Freitag

Andreas Krenzke aka Spider

Andreas Krenzke, bekannt unter seinem Künstlernamen Spider, gehört zu den beliebtesten Geschichtenerzählern Berlins. Er war lange Jahre Autor der legendären Surfpoeten und liest noch immer jede Woche bei der Lesebühne LSD – Liebe statt Drogen. Erfolge feierte der gelernte BMSR-Techniker aber auch in der Kabarettszene und wurde für den Prix Pantheon, die St. Ingberter Pfanne und den Hamburger Comedy-Pokal nominiert. Er gehört zu den Initiatoren des “Internationalen Kampf- und Feiertages der Arbeitslosen” am 2. Mai und agitiert gegen den Zwang zur Lohnarbeit. Er liest die besten Texte aus seinen beiden beim Verlag Voland & Quist erschienenen Büchern “Im Arbeitslosenpark” und “Imbiss wie damals”, aber natürlich auch brandneue Geschichten.

Die Lesung findet am Freitag, den 19. Februar, in der Reihe “Literatur im PlattenSpieler” beim Idee 01239 e.V. statt. Los gehts schon um 19 Uhr. So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.

Literaturtipp für Dienstag: Ahne liest, Max singt in der Scheune

Ahne

Marcos Pachaly

Am kommenden Dienstag, den 26. Januar, liest unser ebenso großartiger wie sympathischer Kollege Ahne in der Reihe “livelyriX Poetry unlimited” um 21 Uhr in der Scheune. Ahne war lange Jahre Mitglied der legendären Surfpoeten und liest immer noch jede Woche bei der Berliner Reformbühne heim & welt. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt das beim Dresdner Verlag Voland & Quist erschienene Werk “Neue Zwiegespräche mit Gott”. Das Publikum darf sich also auf viele neue Dialoge mit dem Fürsten des Universums freuen. Für musikalische Erquickung wird kein Geringerer als Royalist Marcos Pachaly aka Max Rademann sorgen! Auf seiner elektronischen Orgel wird er wieder Proben seiner unsterblichen Tastenkunst geben.

Kulturtipp für heute: Jan Koch im PlattenSpieler

Jan Koch

Am 15. Januar gastiert der Berliner Poet und Liedermacher Jan Koch in Dresden. Als Liedermacher hat er die Alben “Ewiger Mai”, “Schall & Rauch” und “Matt in drei Zügen” veröffentlicht. Seine Songs verbinden auf ungewöhnliche Weise Melancholie und schwarzen Humor, erzählen Persönliches und geben ein treffliches Bild von den Hoffnungen und Enttäuschungen des Lebens in der Metropole. Das Gleiche gilt auch für seine Gedichte, mit denen er Erfolge auch auf den Bühnen des Poetry Slam feierte. So gewann er beispielsweise den “Grand Slam of Saxony” 2008 in Dresden und den Poetry Slam zur Leipziger Buchmesse 2009. Er präsentiert im PlattenSpieler beim Idee 01239 e.V. ab 19 Uhr ein literarisch-musikalisches Solo-Programm. So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.

Voland & Quist erhält Kurt-Wolff-Förderpreis 2010

Der Verlag unserer Herzen (und sicher noch vieler anderer) erhält, wie ich gerade im Blog von Voland & Quist lese, den renommierten Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung. Hier die Begründung:

Der im Oktober 2004 von Sebastian Wolter und Leif Greinus gegründete Verlag Voland & Quist überzeugt durch sein Konzept einer Verbindung von geschriebener und gesprochener Literatur. Nahezu allen individuell gestalteten Büchern liegt eine CD oder DVD bei: Die junge Literatur, die der Verlag hauptsächlich publiziert, wird in zahlreichen Lesungen als “Live-Literatur” vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Literatur junger osteuropäischer Autoren wie Edo Popovic oder Kriszta Bódis. Und mit dem erfolgreichen Band “Schmidt liest Proust” von Jochen Schmidt gelang es dem Verlag, jüngere Leser für Marcel Proust zu begeistern.

Den Verlegern Leif Greinus und Sebastian Wolter wird der Preis am 19. März 2010 um 13 Uhr während der Leipziger Buchmesse im Berliner Zimmer verliehen. Wir gratulieren!

Aufruf zum Odenwald-Krimiwettbewerb

Gestern Nacht erreichte mich folgender Aufruf. Den vielen Jungautoren unserer stolzen Nation, besonders den 11-jährigen, lege ich dringend ans Herz, diesem Folge zu leisten:

Odenwald-Krimiwettbewerb
Kurzkrimi zum Thema “Totholz“ (für Erwachsene und Jugendliche); bis zum 1. März 2010 einzureichen. Dotation: Jugendliche (11-17 J.) können auf Bücher und Überraschungsgutscheine (kein Shit) hoffen!!! Erwachsenen winken als 1. Preis: 2.000 Euro; als 2.: ein Wochenendausflug für zwei Personen ins Hotel Zentlinde in Mossautal-Güttersbach. Der 3. bekommt immerhin noch ein Candlelight-Dinner für 2 Personen spendiert. Außerdem gibt es viele attraktive Sachpreise zu gewinnen, u.a. Motorsägenkurse, Stirnlampen etc.!!!

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(Da auch ich seit längerem auf eine ordentlich funktionierende Stirnlampe spekuliere, machte ich mich selbstverständlich sofort an die Arbeit. Dringend erforderlich erschien mir allerdings ein Motorsägenkurs zu sein, den es eigentlich erst zu gewinnen galt, denn wie sollte ich sonst die vielen kleinen Details meiner spontan ausgedachten Geschichte realistisch beschreiben können. Zum einen wusste ich nicht, ob es theoretisch möglich war, mehrere übereinandergestapelte Leichen mit einem einzigen Motorsägenhieb in mundgerechte Stücke zu teilen zum anderen kannte ich mich wenig damit aus, wie man mit kleiner Motorsägeleistung möglichst wenig Lärm und Dreck verursachte, ohne gleich sämtliche Mieterparteien aufzuwecken. Eine durch und durch vertrackte Situation. Wäre ich in der Lage, sie in den Griff zu bekommen? Nur die Menschen der Zukunft wissen schon jetzt, ob alles gutgegangen ist. Ich bin untröstlich.)

Lesetipp: Tippgemeinschaft

Eher zufällig in die Hände fiel mir letztens die Anthologie des Leipziger Literaturinstituts Tippgemeinschaft 2008, nämlich als Geschenk nach einer Lesung im Leipziger Hugendubel. Zunächst war ich enttäuscht, hatte ich doch angesichts voller Regale eher auf ein Präsent à la Die Bibel des Orgasmus gehofft. Das ist also das Buch, das über die Verlagstische der Republik wandert, damit eifrige Lektoren sich die frischesten Geheimtipps aus dem Leipziger Zuchtteich angeln können? Pah!

Doch nach der lohnenden Lektüre muss ich jetzt mein Vorurteil revidieren. Es gibt natürlich auch einige Geschichten nach dem Muster “Ich sitze in der Straßenbahn und weiß nicht, was ich schreiben soll” – die mir um so mehr auf die Nerven gingen, weil ich auch selber weiß, wie man dazu kommt, solch ein Zeug zu fabrizieren. Aber auch eine ganze Reihe hervorrragend erzählter und interessanter Geschichten sind drin, die für die weniger zahlreichen Ausfälle entschädigen.

Hier meine persönlichen Anspieltipps: Da wäre die charmant-absurd-alltägliche Geschichte namens Kassette von Carl-Christian Elze, von dem ich zuvor in Anthologien auch schon einige schöne Gedichte in der Tradition der Ästhetik des Hässlichen gelesen hatte. Charlotte Roos erzählt in einer Geschichte mit dem Titel Müll sehr sinnlich von einer Familienzusammenführung im nahen Orient. In der Geschichte Schule Aus von Diana Feuerbach wird (ein bisschen sentimental, aber doch stimmig) in die Schule der Kindheit zurückgekehrt, die es bald nicht mehr geben wird. Hoffentlich der Auszug aus einem zukünftigen Roman ist die Story Vernarbt von Sarah Alina Grosz, in der die Autorin ziemlich beeindruckend lakonisch und witzig von einer jugendlichen Aussteigerin berichtet. Vielleicht mein persönlicher Favorit. Dunkel und unangenehm erzählt schließlich Anjo Schwarz in Nerventropfen von einem Mann, der von den Bedürfnissen seiner bettlägerigen Mutter überfordert, sich lieber in sexuellen Fantasien über die Eroberung der Altenpflegerin ergeht.

Richtig auf die Nerven gingen mir eigentlich nur einige der poetologischen Aufsätze, die als Anhang die Anthologie abschlossen. Immerhin für seinen Mut gelobt werden muss Christian Kreis, der nicht davor zurückscheute, Gedichte aus seinem Hobbykeller zu veröffentlichen, darunter ein Meisterwerk wie Danke, du Schlampe. Ein Auszug: “Komm, laß deine Titten benetzen, / deine Kleider zerfetzen. / Ich glaube, er steht / für dich allein. / Und ist ihm abgegolten worden, / dann sage ich ehrlich / danke, du Schlampe.” Hier scheint ein neues Genre, die Atzen-Lyrik, geboren worden zu sein. Verse, die an den frühen MC Frauenarzt gemahnen, nur mit weniger Poesie. Aber da der Autor auch selbstironisch auf sein eigenes Werk blicken kann, wird man ihm nicht böse werden.

Anders sieht das bei dem Essay Über die Herstellung haltbarer Blutwurst von Simon Urban aus, den ich aus vollem Herzen scheiße fand. Das literarische Erweckungserlebnis von Herrn Urban war die Begegnung mit dem Werk von Martin Walser, genauer gesagt: die Walser-Bubis-Debatte im Anschluss an Walsers Paulskirchenrede (“Moralkeule” Auschwitz). Darin hatte der Autor vor einer Instrumentalisierung der deutschen Schande gewarnt und über die allgegenwärtige Präsenz ihrer Darstellung geklagt. Simon Urban fand es damals sehr schrecklich, dass Walser von den “Linken” als Antisemit bezeichnet wurde und auch heute noch wird. Dass es für diesen Verdacht noch einige andere Belege gibt (laut Günter Amendt nannte Walser Bob Dylan mal einen “herumzigeunernden Israeliten”), ignoriert der fleißige Jünger geflissentlich. Nein, er setzte sich damals gar in Duisburg bei einer Diskussion für seinen Übervater ein, riskierte viel und wurde dabei von einem “Kräftigen” sogar mal ganz böse angeschaut: “warum der mich nicht in die Mangel genommen hat, ist bis heute unklar.” Mir scheint das ziemlich klar: Er hatte Mitleid. Stolz erzählt Urban, wie sein Einsatz für Walser ihm sogar eine Erwähnung in der “Welt am Sonntag” einbrachte. Das intellektuelle Resultat seines Engagements: Simon Urban wurde mit einem Schlag klar, dass “links und rechts gar nicht die beiden maximal voneinander entfernten Pole einer Skala sind”. Wahnsinn! Aber noch mehr: Die, die sich “Linke” nennen, sind nämlich in Wahrheit Nazis, zumindest aber genauso schlimm. Ein “Gedicht” entfaltet diese These mit beeindruckender dialektischer Schärfe: “Eine Methode, die man einst in Deutschland kannte, / war, dass man seinen Feind als Judenfreund benannte / [...] Und wenn man’s heut mit seinem Gegner übel meint, / dann nennt man ihn halt einfach einen Judenfeind.” Ganz genau: Früher denunzierte man die Juden, heute die Antisemiten. Gar kein Unterschied! (Urban bezeichnet sich übrigens als “Schmalspurlyriker”, eine lobenswerte Bescheidenheit. Er sollte aber noch weiter gehen und sagen, dass er gar keiner ist.) So wird denn der “Massenmord” an den Juden zum “Totschlagargument”. Wirklich, man muss sich dieses geniale Wortspiel mal in seiner ganzen Trefflichkeit durch den Kopf gehen lassen. Was war der Holocaust, was war der zweite Weltkrieg? Den Worten Urbans nach ein “Trauma”, ja eine “Tragödie”. Da ist das Schicksal wirklich allzu bitter über die Deutschen hereingebrochen. Wer litt mehr unter dem Holocaust als die Deutschen? Selbst der Simon Urban ist immer noch traumatisiert, dabei liegen doch zwischen seiner Geburt und Hitlers Tod “11.048 Tage” als “Sicherheitsabstand” – das müsste doch nun wirklich reichen! Und wer war an allem Schuld? Na klar, “der Hitler”! Aber nicht nur der, sondern auch seine “Nazi-Mischpoke”! Sprachliches Feingefühl (“Mischpoke” = hebräisch-jüdisch für “Familie”), wie man es von einem literarischen Genius vom Schlage Urbans erwarten kann: Hitler und seine jüdischen Verwandten sind es, die den armen Deutschen mit ihrer blöden Schande einfach keine Ruhe lassen. Manchmal verrrät doch die Sprache mehr, als der Autor wollte.

Die Tippgemeinschaft 2009 schon gelesen hat Jens Kassner – ich werd’s nachholen.

Freitag: Franziska Wilhelm in Dresden

Franziska Wilhelm

Am 18. September findet die dritte Lesung der Reihe “Literatur im PlattenSpieler” statt, bei der die Vereine Idee 01239 und livelyriX gemeinsam junge Autoren zu Lesungen nach Dresden-Prohlis bringen. Die Lesung findet ab 19 Uhr im Kulturtreff “PlattenSpieler” (Gamigstraße 26) statt. Gast ist diesmal die junge Schriftstellerin Franziska Wilhelm. Franziska Wilhelm wurde 1981 in Erfurt geboren. Nach dem Abitur verschlug es sie für ein Jahr zum Jobben in ein freimaurerisches Londoner Mädcheninternat, dann zum Studieren nach Leipzig und von dort aus für ein weiteres Jahr in die spanische Hauptstadt „Madriz“, wie diese mehr oder weniger liebevoll von den Einheimischen genannt wird. Die Jungautorin hat mit ihren meist skurrilen Erzählungen bereits mehrere Literaturwettbewerbe gewonnen und Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Franziska Wilhelm lebt und arbeitet in Leipzig.

Videos vom Grand Slam of Saxony

Wie ich gerade sehe, hat ein Enthusiast beim vergangenen Grand Slam of Saxony mitgefilmt. Das bietet natürlich Gelegenheit für alle, die diese Veranstaltung verpasst haben, sich einen Eindruck zu machen – für mich bietet es Gelegenheit, zu gratulieren und ein bisschen Werbung zu machen. Royalist Julius Fischer erreichte gemeinsam mit André Herrmann als “Team Totale Zerstörung” das Finale, wo sie sich folgendermaßen schlugen:

Wer Julius gerne möglichst schnell wieder erleben will, der merke sich den Auftritt unserer Lesebühne Sax Royal im Deutschen Hygiene-Museum am 13. August vor, wo wir ab 20 Uhr ein literarisches Programm zum Thema “Arbeit” vorstellen.

Geschlagen wurden die beiden Zerstörer im Finale aber von ihrem Lausitzer Kollegen Udo Tiffert, dem dieser Sieg nicht nur vom Publikum, sondern von der ganzen (gut gearteten) Menschheit von Herzen gegönnt ward. Hier sein Finaltext:

Wir freuen uns sehr, dass wir Udo bei unserer ersten regulären Lesebühne Sax Royal nach der Sommerpause am 10. September als Gast begrüßen dürfen – dann wieder ab 21 Uhr in der Scheune.

Eine Posse …

… spielt sich zur Zeit um den neuen Roman “Doktorspiele” unseres geschätzten Kollegen Jaromir Konecny ab.

Weil in dem Jugendbuch überraschenderweise Sex vorkommt und mit Vokabeln bezeichnet wird, die dem Thema entsprechen, haben zahlreiche Schulen in einer Lawine der sexuellen Korrektheit den schon eingeladenen Autor wieder ausgeladen. Offenbar hatte man das Buch vorher gar nicht erst gelesen. Besonders amüsant ist folgende Nachricht:

“In Dresden fanden sich erst gar keine Schulen, die den Autor lesen lassen wollten, zu pikant war ihnen das Thema Sex.”

Aus Protest gegen diese Art beschämender Zensur rufe ich hier an dieser Stelle mit größtem Nachdruck aus: Pimmel, Möse, ficken, Muschi, Ständer, Arsch, Titten!

Offene Bühne zum letzten Mal im E2

Eine melancholische Mail erreicht mich gerade von Steffen Haas von der allseits beliebten Offenen Bühne im Hecht, die bisher immer am letzten Sonntag des Monats viele Zuschauer ins E2 lockte:

“Ihr wisst ja eigentlich alle schon Bescheid – aber man kann es gar nicht oft genug sagen: Die Offene Bühne im Hecht am kommenden Sonntag (26. April) wird die letzte Offene Bühne im Hecht in der Erlenstraße 2 (E2) sein. Selbst wenn wir fleißig an einer Fortsetzung an einem anderen Standort stricken, kann man an dieser Stelle etwas wehmütig festhalten: Eine Ära geht zu Ende.”

Wer also bis heute noch nie den stimmungsvollen und bunten Abend im Hechtviertel besucht hat, dem sei diese (vorerst) letzte Gelegenheit ans Herz gelegt, zumal die unserer Lesebühne in Sympathie verbundene Band Bergen zum Abschied aufspielen soll.

Der neue Standort der Offenen Bühne steht noch nicht fest, hoffen wir mal, dass sich im liebenswerten Hechtviertel ein geeigneter Veranstaltungsraum findet. Wie wär’s eigentlich mit dem AZ Conni? Aber da müsste man bestimmt die Texte und Lieder vorher zur Kontrolle einreichen …

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