Nach nur sieben Ausgaben und eben so vielen Jahren hat es TRIEB, das Feingeistmagazin vom Bischofsweg, nun auch ins Internet geschafft. Auf einer schönen Seite präsentiert sich die Literaturzeitschrift, zu der auch schon so mancher Autor von Sax Royal Werke beisteuern durfte. Unter der Redaktion von Torsten “Womanizer” Israel und Michel Philip Nierste erhebt TRIEB den Anspruch, den literarischen Underground Dresdens zu repräsentieren.
Trieb ist ein Magazin für junge, ja sogar jüngste Literatur, insbesondere jüngst von Verlagen abgelehnte Literatur. Die Redaktion hat ein Herz für die Remittenten und Renitenten des Lebens, für die beiläufige Beobachtung, für das schnell dahingedachte Gedicht, für den Genius des Moments. Und für Dresden.
Zur Zeit können Texte für die kommende achte Ausgabe eingereicht werden – also, Nachwuchsautoren Dresdens (wenn es euch doch geben sollte), schickt eure Werke ein!
Hier ein Zitat, das ihr garantiert nie für eine Klausur verwenden könnt:
Die Jugend ist die Poesie des Lebens, und die äußerlich ungebundene und sorgenlose Freiheit der Studenten auf der Universität die bedeutendste Schule dieser Poesie, und man möchte ihr beständig zurufen: sei nur vor allen Dingen jung! Denn ohne Blüte keine Frucht.
Joseph Freiherr von Eichendorff

Anselm Neft wurde 1973 in einem Stall bei Bonn geboren und arbeitet sich seit 2006 als Autor in Berlin arm. Allerlei Studien und Tätigkeiten, u.a. als Religionswissenschaftler, Deutschlehrer, Schalmeibläser, Etikettenpresser, Medikamententester, Unternehmensberater, Tellerwäscher und Stadtführer. Er schreibt Nachrufe und eine Kolumne für den Tagesspiegel und ist Mitherausgeber von Exot, einer Zeitschrift für komische Literatur. Im PlattenSpieler liest er aus dem jüngst im Ullstein Verlag erschienenen Buch Die Lebern der Anderen, das seine schönsten Geschichten versammelt.
So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.
*Literatur im PlattenSpieler: Anselm Neft* | 21. Mai | Freitag | 19 Uhr | PlattenSpieler / Idee 01239 e.V. (Gamigstraße 26) | AK 2 Euro

Andreas Krenzke, bekannt unter seinem Künstlernamen Spider, gehört zu den beliebtesten Geschichtenerzählern Berlins. Er war lange Jahre Autor der legendären Surfpoeten und liest noch immer jede Woche bei der Lesebühne LSD – Liebe statt Drogen. Erfolge feierte der gelernte BMSR-Techniker aber auch in der Kabarettszene und wurde für den Prix Pantheon, die St. Ingberter Pfanne und den Hamburger Comedy-Pokal nominiert. Er gehört zu den Initiatoren des “Internationalen Kampf- und Feiertages der Arbeitslosen” am 2. Mai und agitiert gegen den Zwang zur Lohnarbeit. Er liest die besten Texte aus seinen beiden beim Verlag Voland & Quist erschienenen Büchern “Im Arbeitslosenpark” und “Imbiss wie damals”, aber natürlich auch brandneue Geschichten.
Die Lesung findet am Freitag, den 19. Februar, in der Reihe “Literatur im PlattenSpieler” beim Idee 01239 e.V. statt. Los gehts schon um 19 Uhr. So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.


Am kommenden Dienstag, den 26. Januar, liest unser ebenso großartiger wie sympathischer Kollege Ahne in der Reihe “livelyriX Poetry unlimited” um 21 Uhr in der Scheune. Ahne war lange Jahre Mitglied der legendären Surfpoeten und liest immer noch jede Woche bei der Berliner Reformbühne heim & welt. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt das beim Dresdner Verlag Voland & Quist erschienene Werk “Neue Zwiegespräche mit Gott”. Das Publikum darf sich also auf viele neue Dialoge mit dem Fürsten des Universums freuen. Für musikalische Erquickung wird kein Geringerer als Royalist Marcos Pachaly aka Max Rademann sorgen! Auf seiner elektronischen Orgel wird er wieder Proben seiner unsterblichen Tastenkunst geben.

Am 15. Januar gastiert der Berliner Poet und Liedermacher Jan Koch in Dresden. Als Liedermacher hat er die Alben “Ewiger Mai”, “Schall & Rauch” und “Matt in drei Zügen” veröffentlicht. Seine Songs verbinden auf ungewöhnliche Weise Melancholie und schwarzen Humor, erzählen Persönliches und geben ein treffliches Bild von den Hoffnungen und Enttäuschungen des Lebens in der Metropole. Das Gleiche gilt auch für seine Gedichte, mit denen er Erfolge auch auf den Bühnen des Poetry Slam feierte. So gewann er beispielsweise den “Grand Slam of Saxony” 2008 in Dresden und den Poetry Slam zur Leipziger Buchmesse 2009. Er präsentiert im PlattenSpieler beim Idee 01239 e.V. ab 19 Uhr ein literarisch-musikalisches Solo-Programm. So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.
Der Verlag unserer Herzen (und sicher noch vieler anderer) erhält, wie ich gerade im Blog von Voland & Quist lese, den renommierten Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung. Hier die Begründung:
Der im Oktober 2004 von Sebastian Wolter und Leif Greinus gegründete Verlag Voland & Quist überzeugt durch sein Konzept einer Verbindung von geschriebener und gesprochener Literatur. Nahezu allen individuell gestalteten Büchern liegt eine CD oder DVD bei: Die junge Literatur, die der Verlag hauptsächlich publiziert, wird in zahlreichen Lesungen als “Live-Literatur” vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Literatur junger osteuropäischer Autoren wie Edo Popovic oder Kriszta Bódis. Und mit dem erfolgreichen Band “Schmidt liest Proust” von Jochen Schmidt gelang es dem Verlag, jüngere Leser für Marcel Proust zu begeistern.
Den Verlegern Leif Greinus und Sebastian Wolter wird der Preis am 19. März 2010 um 13 Uhr während der Leipziger Buchmesse im Berliner Zimmer verliehen. Wir gratulieren!
Gestern Nacht erreichte mich folgender Aufruf. Den vielen Jungautoren unserer stolzen Nation, besonders den 11-jährigen, lege ich dringend ans Herz, diesem Folge zu leisten:
Odenwald-Krimiwettbewerb
Kurzkrimi zum Thema “Totholz“ (für Erwachsene und Jugendliche); bis zum 1. März 2010 einzureichen. Dotation: Jugendliche (11-17 J.) können auf Bücher und Überraschungsgutscheine (kein Shit) hoffen!!! Erwachsenen winken als 1. Preis: 2.000 Euro; als 2.: ein Wochenendausflug für zwei Personen ins Hotel Zentlinde in Mossautal-Güttersbach. Der 3. bekommt immerhin noch ein Candlelight-Dinner für 2 Personen spendiert. Außerdem gibt es viele attraktive Sachpreise zu gewinnen, u.a. Motorsägenkurse, Stirnlampen etc.!!!

(Da auch ich seit längerem auf eine ordentlich funktionierende Stirnlampe spekuliere, machte ich mich selbstverständlich sofort an die Arbeit. Dringend erforderlich erschien mir allerdings ein Motorsägenkurs zu sein, den es eigentlich erst zu gewinnen galt, denn wie sollte ich sonst die vielen kleinen Details meiner spontan ausgedachten Geschichte realistisch beschreiben können. Zum einen wusste ich nicht, ob es theoretisch möglich war, mehrere übereinandergestapelte Leichen mit einem einzigen Motorsägenhieb in mundgerechte Stücke zu teilen zum anderen kannte ich mich wenig damit aus, wie man mit kleiner Motorsägeleistung möglichst wenig Lärm und Dreck verursachte, ohne gleich sämtliche Mieterparteien aufzuwecken. Eine durch und durch vertrackte Situation. Wäre ich in der Lage, sie in den Griff zu bekommen? Nur die Menschen der Zukunft wissen schon jetzt, ob alles gutgegangen ist. Ich bin untröstlich.)
Eher zufällig in die Hände fiel mir letztens die Anthologie des Leipziger Literaturinstituts Tippgemeinschaft 2008, nämlich als Geschenk nach einer Lesung im Leipziger Hugendubel. Zunächst war ich enttäuscht, hatte ich doch angesichts voller Regale eher auf ein Präsent à la Die Bibel des Orgasmus gehofft. Das ist also das Buch, das über die Verlagstische der Republik wandert, damit eifrige Lektoren sich die frischesten Geheimtipps aus dem Leipziger Zuchtteich angeln können? Pah!
Doch nach der lohnenden Lektüre muss ich jetzt mein Vorurteil revidieren. Es gibt natürlich auch einige Geschichten nach dem Muster “Ich sitze in der Straßenbahn und weiß nicht, was ich schreiben soll” – die mir um so mehr auf die Nerven gingen, weil ich auch selber weiß, wie man dazu kommt, solch ein Zeug zu fabrizieren. Aber auch eine ganze Reihe hervorrragend erzählter und interessanter Geschichten sind drin, die für die weniger zahlreichen Ausfälle entschädigen.
Hier meine persönlichen Anspieltipps: Da wäre die charmant-absurd-alltägliche Geschichte namens Kassette von Carl-Christian Elze, von dem ich zuvor in Anthologien auch schon einige schöne Gedichte in der Tradition der Ästhetik des Hässlichen gelesen hatte. Charlotte Roos erzählt in einer Geschichte mit dem Titel Müll sehr sinnlich von einer Familienzusammenführung im nahen Orient. In der Geschichte Schule Aus von Diana Feuerbach wird (ein bisschen sentimental, aber doch stimmig) in die Schule der Kindheit zurückgekehrt, die es bald nicht mehr geben wird. Hoffentlich der Auszug aus einem zukünftigen Roman ist die Story Vernarbt von Sarah Alina Grosz, in der die Autorin ziemlich beeindruckend lakonisch und witzig von einer jugendlichen Aussteigerin berichtet. Vielleicht mein persönlicher Favorit. Dunkel und unangenehm erzählt schließlich Anjo Schwarz in Nerventropfen von einem Mann, der von den Bedürfnissen seiner bettlägerigen Mutter überfordert, sich lieber in sexuellen Fantasien über die Eroberung der Altenpflegerin ergeht.
Richtig auf die Nerven gingen mir eigentlich nur einige der poetologischen Aufsätze, die als Anhang die Anthologie abschlossen. Immerhin für seinen Mut gelobt werden muss Christian Kreis, der nicht davor zurückscheute, Gedichte aus seinem Hobbykeller zu veröffentlichen, darunter ein Meisterwerk wie Danke, du Schlampe. Ein Auszug: “Komm, laß deine Titten benetzen, / deine Kleider zerfetzen. / Ich glaube, er steht / für dich allein. / Und ist ihm abgegolten worden, / dann sage ich ehrlich / danke, du Schlampe.” Hier scheint ein neues Genre, die Atzen-Lyrik, geboren worden zu sein. Verse, die an den frühen MC Frauenarzt gemahnen, nur mit weniger Poesie. Aber da der Autor auch selbstironisch auf sein eigenes Werk blicken kann, wird man ihm nicht böse werden.
Anders sieht das bei dem Essay Über die Herstellung haltbarer Blutwurst von Simon Urban aus, den ich aus vollem Herzen scheiße fand. Das literarische Erweckungserlebnis von Herrn Urban war die Begegnung mit dem Werk von Martin Walser, genauer gesagt: die Walser-Bubis-Debatte im Anschluss an Walsers Paulskirchenrede (“Moralkeule” Auschwitz). Darin hatte der Autor vor einer Instrumentalisierung der deutschen Schande gewarnt und über die allgegenwärtige Präsenz ihrer Darstellung geklagt. Simon Urban fand es damals sehr schrecklich, dass Walser von den “Linken” als Antisemit bezeichnet wurde und auch heute noch wird. Dass es für diesen Verdacht noch einige andere Belege gibt (laut Günter Amendt nannte Walser Bob Dylan mal einen “herumzigeunernden Israeliten”), ignoriert der fleißige Jünger geflissentlich. Nein, er setzte sich damals gar in Duisburg bei einer Diskussion für seinen Übervater ein, riskierte viel und wurde dabei von einem “Kräftigen” sogar mal ganz böse angeschaut: “warum der mich nicht in die Mangel genommen hat, ist bis heute unklar.” Mir scheint das ziemlich klar: Er hatte Mitleid. Stolz erzählt Urban, wie sein Einsatz für Walser ihm sogar eine Erwähnung in der “Welt am Sonntag” einbrachte. Das intellektuelle Resultat seines Engagements: Simon Urban wurde mit einem Schlag klar, dass “links und rechts gar nicht die beiden maximal voneinander entfernten Pole einer Skala sind”. Wahnsinn! Aber noch mehr: Die, die sich “Linke” nennen, sind nämlich in Wahrheit Nazis, zumindest aber genauso schlimm. Ein “Gedicht” entfaltet diese These mit beeindruckender dialektischer Schärfe: “Eine Methode, die man einst in Deutschland kannte, / war, dass man seinen Feind als Judenfreund benannte / [...] Und wenn man’s heut mit seinem Gegner übel meint, / dann nennt man ihn halt einfach einen Judenfeind.” Ganz genau: Früher denunzierte man die Juden, heute die Antisemiten. Gar kein Unterschied! (Urban bezeichnet sich übrigens als “Schmalspurlyriker”, eine lobenswerte Bescheidenheit. Er sollte aber noch weiter gehen und sagen, dass er gar keiner ist.) So wird denn der “Massenmord” an den Juden zum “Totschlagargument”. Wirklich, man muss sich dieses geniale Wortspiel mal in seiner ganzen Trefflichkeit durch den Kopf gehen lassen. Was war der Holocaust, was war der zweite Weltkrieg? Den Worten Urbans nach ein “Trauma”, ja eine “Tragödie”. Da ist das Schicksal wirklich allzu bitter über die Deutschen hereingebrochen. Wer litt mehr unter dem Holocaust als die Deutschen? Selbst der Simon Urban ist immer noch traumatisiert, dabei liegen doch zwischen seiner Geburt und Hitlers Tod “11.048 Tage” als “Sicherheitsabstand” – das müsste doch nun wirklich reichen! Und wer war an allem Schuld? Na klar, “der Hitler”! Aber nicht nur der, sondern auch seine “Nazi-Mischpoke”! Sprachliches Feingefühl (“Mischpoke” = hebräisch-jüdisch für “Familie”), wie man es von einem literarischen Genius vom Schlage Urbans erwarten kann: Hitler und seine jüdischen Verwandten sind es, die den armen Deutschen mit ihrer blöden Schande einfach keine Ruhe lassen. Manchmal verrrät doch die Sprache mehr, als der Autor wollte.
Die Tippgemeinschaft 2009 schon gelesen hat Jens Kassner – ich werd’s nachholen.

Am 18. September findet die dritte Lesung der Reihe “Literatur im PlattenSpieler” statt, bei der die Vereine Idee 01239 und livelyriX gemeinsam junge Autoren zu Lesungen nach Dresden-Prohlis bringen. Die Lesung findet ab 19 Uhr im Kulturtreff “PlattenSpieler” (Gamigstraße 26) statt. Gast ist diesmal die junge Schriftstellerin Franziska Wilhelm. Franziska Wilhelm wurde 1981 in Erfurt geboren. Nach dem Abitur verschlug es sie für ein Jahr zum Jobben in ein freimaurerisches Londoner Mädcheninternat, dann zum Studieren nach Leipzig und von dort aus für ein weiteres Jahr in die spanische Hauptstadt „Madriz“, wie diese mehr oder weniger liebevoll von den Einheimischen genannt wird. Die Jungautorin hat mit ihren meist skurrilen Erzählungen bereits mehrere Literaturwettbewerbe gewonnen und Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Franziska Wilhelm lebt und arbeitet in Leipzig.