
Anselm Neft wurde 1973 in einem Stall bei Bonn geboren und arbeitet sich seit 2006 als Autor in Berlin arm. Allerlei Studien und Tätigkeiten, u.a. als Religionswissenschaftler, Deutschlehrer, Schalmeibläser, Etikettenpresser, Medikamententester, Unternehmensberater, Tellerwäscher und Stadtführer. Er schreibt Nachrufe und eine Kolumne für den Tagesspiegel und ist Mitherausgeber von Exot, einer Zeitschrift für komische Literatur. Im PlattenSpieler liest er aus dem jüngst im Ullstein Verlag erschienenen Buch Die Lebern der Anderen, das seine schönsten Geschichten versammelt.
So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.
*Literatur im PlattenSpieler: Anselm Neft* | 21. Mai | Freitag | 19 Uhr | PlattenSpieler / Idee 01239 e.V. (Gamigstraße 26) | AK 2 Euro
Im Kleinen Haus des Staatsschauspiels zu sehen gibt es das Volksstück Italienische Nacht von Ödön von Horváth, inszeniert von Tilmann Köhler mit Studentinnen und Studenten des Schauspielstudios Dresden der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Die Komödie von 1931 zählt zu den Werken, in denen Horváth vergeblich vor dem Triumph des Faschismus warnte: Eine Gruppe zerstrittener Republikaner einer süddeutschen Kleinstadt möchte eine Italienische Nacht feiern. Währenddessen marschieren auch die Faschisten und veranstalten einen deutschen Tag. Während einige Republikaner zum Kampf aufrufen, möchten sich die meisten nicht bei Kartenspiel und Maskenball stören lassen. Die Parallelen zur Dresdner Gegenwart sind nicht zu übersehen und werden von der Inszenierung auch gezogen, ohne dabei aber allzu platt in politisches Gewissenstheater abzudriften. Im Mittelpunkt steht eigentlich etwas anderes, nämlich die heimliche Verwandtschaft von Republikanern und Faschisten. Dargestellt besonders an der Heuchelei, mit der republikanische Männer sich ihren Frauen gegenüber bedenkenlos zu Diktatoren aufwerfen.
Ich kann die Aufführung nur wärmstens empfehlen. Die jungen Schauspieler spielen leidenschaftlich und mit vollem Körpereinsatz. Der Auftritt eines Turn-Nazis ist nicht nur in athletischer Hinsicht einer der Höhepunkte der Inszenierung. Sie enthält außerdem die zwei Dinge, die Dresdner beim Kunstgenuss im Theater ganz und gar nicht sehen wollen: Nazis und einen Pimmel. Dementsprechend waren auch nur fünfzig Zuschauer bei der Aufführung, der ich beiwohnte. Die applaudierten am Ende aber ehrlich und sehr, sehr lange.
Die nächsten Aufführungen am 31. Mai und 19. Juni.
Wer aus unerfindlichen Gründen nicht die Zeit finden sollte, uns heute zu unserem Gastauftritt nach Chemnitz (Kulturzentrum Das Tietz, Moritzstraße 20, 20 Uhr) nachzureisen, dem sei ein anderer literarischer Spaß ans Herz gelegt: Unser Freund und Kollege André Herrmann von der Leipziger Lesebühne “Schkeuditzer Kreuz” bestreitet seine erste Solo-Lesung in Dresden. Zu hören gibt es eine Auswahl seiner schönsten Kurzgeschichten. Die Lesung findet am Freitag, den 16. April, in der Reihe “Literatur im PlattenSpieler” beim Idee 01239 e.V. statt. Los gehts schon um 19 Uhr. So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.
Sich mit wenig Raum zu begnügen, kann schwieriger sein, als ganze Bände zu füllen. Wo Platz nur begrenzt zu finden ist, da kommt es auf Konzentration, Intensität und treffende Pointen an. Drei junge Dresdner Autoren stellen sich der Herausforderung, Poesie in nur 160 Zeichen zu packen. Zur aktuellen Ausstellung “Welt in der Hand” des Dresdner Kunsthauses stellen sie in einer Lesung mit dem Titel SMS-Lyrik ihre Kürzestgedichte, aber auch andere Texte dem interessierten Publikum vor und versprechen Kurzweil der literarischen Art. Mit dabei sind unsere beiden Royalisten Roman Israel und Stefan Seyfarth sowie Moritz 7 von der Lesebühne Lettermen.
SMS-Lyrik | 15. April | Donnerstag | 19 Uhr | Kunsthaus | Rähnitzgasse 8 (beim Goldenen Reiter) | AK 2 Euro
Statt mit Pamela Anderson steht David Hasselhoff (58) mit Andy Borg vor der Kamera. Am 24. April ist der US-Sänger zu Gast im „Musikantenstadl“ in der ARD und präsentiert dort seinen neuen Song „This Time Around“, wie der Bayerische Rundfunk (BR) am Donnerstag in München mitteilte. Außerdem singt er ein Medley seiner Hits und seinen Erfolgssong „Looking For Freedom“ im Duett mit Andy Borg.
Pressemeldung
Im Kunsthaus Dresden, der Städtischen Galerie für Gegenwartskunst, hat eine neue Ausstellung unter dem Titel “Welt in der Hand” begonnen, die sich mit der globalen Alltagskultur des Mobiltelefons beschäftigt. Nachdem man sich in einem Dokumentenraum mit einigen Informationen zur Technik- und Kulturgeschichte des Mobiltelefons versorgen kann, gibts in den eigentlichen Ausstellungsräumen wie gewohnt allerlei Konzeptkunst, die sich mit den verschiedensten Aspekten des Themas befasst.
In Kooperation mit dem livelyriX e.V. gibt es anlässlich der Ausstellung auch ein literarisches Projekt: SMS-Lyrik. Drei Dresdner Autoren, nämlich Stefan Seyfarth und Roman Israel von unserer Lesebühne Sax Royal sowie Moritz 7, haben Kurzgedichte verfasst, die ins Format der handelsüblichen Kurzmitteilung passen. Herausgekommen sind prägnante und pointierte Gedichte und Aphorismen, die die besonderen Bedingungen des Mediums ausnutzen.
Der Clou: In der Ausstellung findet der geneigte Besucher eine Box, in die er seine Mobilnummer einwerfen kann. Sodann bekommt er regelmäßig eins der SMS-Gedichte kostenlos zugeschickt. Wem das zu technisch ist, der kann auch am Donnerstag, den 15. April, um 19 Uhr ins Kunsthaus zur Lesung “SMS-Lyrik” kommen. Roman Israel, Stefan Seyfarth und Moritz 7 werden dann ihre Kurzgedichte und andere Texte analog, aber quicklebendig präsentieren.
Am kommenden Sonnabend, den 20. März, gibt es in Dresden ein Projekt zu erleben, das eine interessante Mischung aus Kunstinstallation und Wissensvermittlung zu werden verspricht. Der “Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen” gastiert in Dresden, genauer gesagt im Kleinen Haus des Staatsschauspiels. 100 Experten stehen bereit, um interessierten Zuhörern Kostbares aus ihrem Schatz an Erfahrungen und Erkenntnissen zu erzählen – das weit gefasste Thema lautet “Das Andere der Vernunft. Zeitgenössische Spekulationen zum Romantischen”. Unter den Experten finden sich so illustre Dresdner Persönlichkeiten wie die Chanteuse Annamateur, der Kultursoziologe Karl-Siegbert Rehberg oder der Buchhändler Jörg Stübing. Man kann sie für einen Euro eine halbe Stunde lang mieten oder den Gesprächen über Kopfhörer lauschen. Ich werde übrigens auf Wunsch etwas über die Erfindung der modernen Liebe in der Frühromantik erzählen.
Es gibt – jeder reime sich selbst zusammen, weshalb – ziemlich wenig gute Komödien in der deutschen Literatur. Wenn man’s genau bedenkt, eigentlich nur eine Handvoll. Die schönste unter ihnen dünkt mir Georg Büchners Leonce und Lena – wobei ich meine Befangenheit eingestehen muss: Mit Georg Büchner im Allgemeinen und dem Lustspiel im Besonderen habe ich mich während meines Studiums über einige Jahre beschäftigt. Und das Schönste: Ich lese es immer noch gern.
Wer das Lustspiel kennen lernen oder es endlich mal auf der Bühne sehen will, dem sei die aktuelle Aufführung des Staatsschauspiels im Kleinen Haus ans Herz gelegt. Der jungen Regisseurin Sabine Auf der Heyde gelingt es, ohne größere Textänderungen oder -umstellungen eine eigene Interpretation von Leonce und Lena zu inszenieren, nicht als plumpe Aktualisierung, sondern in einem Sinne, der dem ursprünglichen Gehalt des Stücks nahe kommt.
Worum geht’s? Die Handlung ist aus dem Märchen wohlbekannt: Ein Prinz und eine Prinzessin sollen verheiratet werden, haben keine Lust dazu, fliehen von ihren Höfen, treffen sich auf dem Weg nach Süden, verlieben sich und heiraten so versehentlich am Ende doch. Aber es ist natürlich nicht diese Handlung, auf die es ankommt. Der politische Agitator und realistische Dramatiker Büchner hat in seinem einzigen Lustspiel die Epoche der Restauration, eine Zeit wie Sirup ohne Aussicht auf Revolution, nur indirekt auf die Bühne gebracht. Prinz Leonce und Prinzessin Lena erscheinen wie Figuren der romantischen Literatur der Zeit, wie Karikaturen der vor Langeweile melancholischen jungen Bürgerkinder der Epoche, die aber, indem sie sich beständig selbst inszenieren, zum Bewusstsein ihrer eignen Vergeblichkeit kommen. Das Stück selbst beschreibt denn nicht umsonst einen Kreislauf, der am Ende zu dem Resultat führt, dem die Helden eigentlich entfliehen wollten. Und als allerletzte Fluchtmöglichkeit bleibt nur die höchst zweifelhafte Kopfgeburt der Utopie.
Die Regisseurin versetzt die Figuren in eine – auch bühnenbildnerisch sehr gelungene – heruntergekomme Zirkusmanege, wo Leonce und Lena, der sanguinische Clown Valerio und der philosophisch-pathologische König Peter für ihre Nummern kein anderes Publikum haben als sich selbst. Durch Zusammenlegung von Nebenfiguren gewinnen auch einige im Originaltext eigentlich blasse Gestalten an Kontur. Mit sehr schönen Einfällen betont die Regie die Momente des Morbiden und des Grausamen, die in Büchners Stück allgegenwärtig sind. Deshalb gibt es weniger zu lachen, als man von einem Lustspiel erwarten könnte. Aber glücklicherweise wird auch nicht der Fehler begangen, das ambivalente Stück – wie zum Beispiel im schlechten Libretto zu Paul Dessaus Oper – zum politisch korrekten Sozialdrama umzudrechseln, in dem es nichts zu lachen geben darf. Erfreulicherweise hat sich die Regisseurin auch entschieden, das offene Ende des Lustspiels nicht zu vereindeutigen, sondern es so zu lassen, wie Büchner es geschrieben hat: mehrdeutig, unbefriedigend, rätselhaft.
Wer das Stück nicht kennt, kann es in dieser Inszenierung kennen lernen. Wer es kennt, kann es neu kennen lernen. Die nächsten Aufführungen sind am 05. und 24. März und am 02. und 07. April.

Andreas Krenzke, bekannt unter seinem Künstlernamen Spider, gehört zu den beliebtesten Geschichtenerzählern Berlins. Er war lange Jahre Autor der legendären Surfpoeten und liest noch immer jede Woche bei der Lesebühne LSD – Liebe statt Drogen. Erfolge feierte der gelernte BMSR-Techniker aber auch in der Kabarettszene und wurde für den Prix Pantheon, die St. Ingberter Pfanne und den Hamburger Comedy-Pokal nominiert. Er gehört zu den Initiatoren des “Internationalen Kampf- und Feiertages der Arbeitslosen” am 2. Mai und agitiert gegen den Zwang zur Lohnarbeit. Er liest die besten Texte aus seinen beiden beim Verlag Voland & Quist erschienenen Büchern “Im Arbeitslosenpark” und “Imbiss wie damals”, aber natürlich auch brandneue Geschichten.
Die Lesung findet am Freitag, den 19. Februar, in der Reihe “Literatur im PlattenSpieler” beim Idee 01239 e.V. statt. Los gehts schon um 19 Uhr. So kommt ihr hin: Mit Linie 1/9/13 zur Haltestelle Jacob-Winter-Platz, links am Einkaufszentrum vorbei, links in die Gamigstraße, dort nach zweihundert Metern auf der rechten Seite das linke von den beiden einzigen alten Häusern: Gamigstraße 26.
Soeben an den Start geht ein neues Satiremagazin mit dem Titel Hartcover. Die Besonderheit: Das Magazin findet seine Heimat ausschließlich im Netz. Über seinen Erfolg entscheiden also einzig die virtuellen Besucher. Verschiedenste Autoren aus den Sphären Lesebühne, Poetry Slam und Kabarett schreiben satirische bis humoristische Texte zum tagesaktuellen Zeitgeschehen in Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Sport. Außerdem gibt’s natürlich auch Cartoons und Kolumnen in den verschiedensten Rubriken. Wünschen wir dem lobenswerten Unternehmen viel Erfolg in Form von Mäuseklicken!