„Literatur Jetzt!“ – Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur zum Thema „Kunst“ vom 4. bis zum 14. November 2017

Die Literatur erzählt uns Geschichten, die Bildende Kunst bedarf der Bilder. Oder ist es genau umgekehrt? Eine lange Geschichte und eine Verwandtschaft ersten Grades verbindet die beiden Schwesterkünste – und ihre Protagonisten. Besonders spannend wird es immer dann, wenn die Trennlinien zwischen den Genres verwischt oder gar nicht erst als solche empfunden werden. Genau solchen Grenzgängen zwischen Literatur und Kunst widmet sich in diesem Jahr „Literatur Jetzt!“, das 9. Dresdner Festival zeitgenössischen Literatur, das vom 4. bis zum 14. November 2017 in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden stattfinden wird.

Zahllose Schriftsteller und Schriftstellerinnen ließen sich vom reichen Fundus der klassischen und der modernen Malerei anregen, schätzten und erprobten eine Unmittelbarkeit des Ausdrucks, eine Bildhaftigkeit, die im Schreiben schwer zu erreichen ist. Einige malten sogar selbst – wie der 2013 verstorbene Wolfgang Herrndorf. Als Schriftsteller dank „Tschick“ inzwischen ein Klassiker, ist er als bildender Künstler noch zu entdecken. Dresden ist dank „Literatur Jetzt!“ nach Stationen in Berlin, München und Stade der vierte Ort, an dem eine Auswahl seiner Gemälde, satirischen Zeichnungen und Skizzen zu sehen ist – und zwar zum vorerst letzten Mal. Herrndorfs literarisches Werk feiern wir gemeinsam mit der Ausnahmeschauspielerin Sandra Hüller („Requiem“, „Finsterworld“, „Toni Erdmann“), die Herrndorfs Fragment gebliebenen Roman „Bilder deiner großen Liebe“ mit Band-Unterstützung als fulminanten Monolog im Großen Saal des Schauspielhauses darbieten wird.

Der Künstlerroman zählt zu den traditionsreichsten Gattungen der Literatur. Viel zu selten jedoch wird er noch immer aus einer weiblichen Perspektive erzählt, wie in Theresia Enzensbergers Bauhaus-Roman „Blaupause“ – einem der meistdiskutierten Bücher des Herbstes. Die Frage, ob man Kunst und Leben in eins setzen kann, steht auch im Mittelpunkt von Jutta Voigts Buch „Stierblutjahre“ – einem zwischen Roman und Essay oszillierenden Porträt der Bohèmiens des Ostens, das von der Sehnsucht der (Lebens-)Künstlern in der DDR nach einem anderen Leben erzählt. Was Florian Illies als Essayist zu leisten vermag, wissen wir seit dem sensationellen Erfolg von „1913“. Sein neues Buch versammelt Texte zur Kunst und trägt den Titel „Gerade war der Himmel noch blau“. Den Hintergrund für die von Marcel Beyer moderierte Lesung wird eine Staffelei mit einem Original- Gemälde von Caspar David Friedrich bilden. Für unsere lyrische Reihe haben wir unter dem Titel „Bilder! Gedichte! Nacht der Poesie“ vier bildmächtige Dichterinnen und Dichter verschiedener Generationen eingeladen: Nancy Hünger, Anja Kampmann, Hans Thill und Klaus Merz. Und auch der historische Kunstort Dresden kommt zu seinem Recht: Ralf Günther liest aus seiner historischen Novelle „Die Badende von Moritzburg“, einer erzählerischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Dresdner Künstlergruppe „Die Brücke“.

Doch nicht nur die Literatur lässt sich immer wieder von der Kunst inspirieren, auch die Kunst entdeckt literarische Formen des Erzählens für sich – beispielsweise in Form des Comics. Mit Anna Haifisch haben wir eine der derzeit angesagtesten jungen Comickünstlerinnen zu Gast. „The Artist“ heißt ihre aktuelle Graphic Novel, die pointiert und witzig von den hochfliegenden Träumen und dem nagenden Selbstzweifel einer skurrilen Künstlerexistenz erzählt. Im besten Sinne „Old School“ sind dagegen die komischen Cartoonisten OL & Rattelschneck, die ihre Fans in Dresden erstmals mir einer Live-Dia-Show besuchen. Und die kleinen Fans des großen Kinderbuchs dürfen sich gemeinsam mit ihren Eltern auf den Besuch der Autorin und Illustratorin Nadia Budde freuen, die zu Lesung und Werkstatt einlädt.

Auch gesellschaftliche Fragen wie die oft prekären Lebensmodelle des Künstlers in der Gegenwart macht „Literatur Jetzt!“ zum Thema. So stellt der Kunstwissenschaftler und Publizist Wolfgang Ullrich in seiner Streitschrift „Siegerkunst“ die These zur Diskussion, die moderne Kunst diene vielfach wieder wie in feudalen Zeiten den Repräsentationsbedürfnissen der Reichen und Mächtigen. Über ihre ganz persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Kunst und Künstlern berichten die jungen Dichterinnen und Dichter Kaddi Cutz, Karsten Lampe, Christian Ritter, Malte Rosskopf und Leonie Warnke beim Poetry Slam sowie die fünf Stammautoren der alteingesessenen Dresdner Lesebühne Sax Royal, Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth, die bekannt dafür sind, auch ernste Themen mit Heiterkeit zu behandeln. Bei einer Ausgabe der multimedialen Performance-Reihe „Lyrik ist Happening“ der Musikerin Anne Munka verschmelzen Literatur und Kunst auch noch mit Musik.

Alle näheren Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen gibt’s auf der Festival-Seite zum Programm.

Roman Israel mit neuem Roman: „Flugobst“

In Flugobst entführt uns Roman Israel nach Klarabach, in die frühen 1990er. Die Wende hat das verschlafene Bergkaff an der deutsch-tschechischen Grenze ganz schön mitgenommen: Für die Alten gibt es keine Arbeit, für die Jungen kaum Perspektive. Überall wimmelt es plötzlich von Nachwendefreaks – Techno-Omas, Raketenbastler und T-Rex-Punks. Einstige Jobmotoren sind dicht, indes schießen aber Autohändler und Spielbanken wie Pilze aus dem Boden. Abrissbagger fressen sich durch die Stadt. Altes weicht, Neues entsteht in rasantem Tempo und Existenzgründer reiben sich die Hände. Der jüdischstämmige Wolf Czeschlak nutzt die Gunst der Stunde, um sich mit einem Paradiesfrucht-Stand auf Rädern selbständig zu machen. Das Geschäft brummt, vor allem weil sein Partner Gert den Umsatz mit reißerischen Verkaufsperformances in die Höhe treibt – zumindest bis ein Todesfall die Kleinstadt gehörig durcheinander bringt …

Mit viel Liebe zu seinen Figuren erzählt Israel eine unkonventionelle Vater-Sohn-Geschichte inmitten der Provinz: Humorvoll spürt er den kleinen Absurditäten des Alltags nach, ohne dabei seine Protagonisten jemals der Lächerlichkeit preiszugeben.

Roman Israel: Flugobst. Roman. Wien: Luftschacht, 2017, 24 Euro

Neuerscheinung: Michael Bittner „Der Bürger macht sich Sorgen. Neue Satiren und Kolumnen“

Soeben erschienen ist das neue Buch von Michael Bittner mit dem Titel Der Bürger macht sich Sorgen, eine Auswahl seiner trefflichsten Texte aus den letzten, nicht gänzlich ereignislosen Jahren. Das Buch kann man überall bestellen, wo es Bücher gibt. Michael Bittner liest daraus am 27. Oktober in Dresden um 19 Uhr in der Bibliothek Südvorstadt.

 

In seinem neuen Buch stürzt sich Michael Bittner mitten hinein in unsere turbulenten Zeiten. Das Abendland steht vor dem Untergang – doch wütende Bürger drohen, die Apokalypse im letzten Augenblick noch abzuwenden. In der weltumspannenden Krise, die nicht enden will, sucht derweil jeder woanders nach Rettung – bei Liebesratgebern, im Schädel von Karl Marx oder am Tresen bei bewusstem Biergenuss. Michael Bittner blickt in seinen neuen Kolumnen und Satiren auf die Verwirrungen dieser Tage mit Leidenschaft, Heiterkeit und Skepsis zugleich. Auch das eigene Leben spart er nicht aus, denn er weiß: Kritik ohne Selbstkritik ist feige.

Michael Bittner: Der Bürger macht sich Sorgen. Neue Satiren und Kolumnen. Dresden: edition AZUR, 2017, 132 Seiten, 14,90 Euro.

Julius Fischer bei „Olaf macht Mut“

Unser lieber Stammautor Julius Fischer wird in Zukunft noch öfter im Fernsehen zu bestaunen sein. In der neuen Show von Olaf Schubert mit dem Mut machenden Titel Olaf macht Mut wird er als Redaktionsleiter und Blitzableiter auf der Bühne fungieren. Die beiden machen nicht nur zu zweit Spaß, sondern begrüßen auch musikalische und humoristische Gäste. Die erste Folge läuft am 27. April 2017 um 23:30 Uhr in der ARD.

Politischer Buchtipp: „Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen“

Soeben erschienen im Ch. Links Verlag ist die von Heike Kleffner und Matthias Meisner herausgegebene Anthologie Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen. In den Beiträgen des Buches setzen sich Aktivisten, Politiker, Künstler, Schriftsteller, Journalisten und Bürger mit den ganz eigentümlichen sächsischen Verhältnissen auseinander. Unter den Autorinnen und Autoren sind Stefan Locke, Olaf Sundermeyer, Jaroslav Rudiš, Anna Kaleri u.v.m. Unser Michael Bittner durfte eine erweiterte Fassung seiner Abhandlung Die Rückkehr der Döner-Nazis beisteuern.

Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen. Hg. von Heike Kleffner und Matthias Meisner. Berlin: Ch. Links Verlag, 2017, 312 Seiten, 18 Euro

Lesetipp: Stadtluft Dresden

Cover Stadtluft DresdenIn die Läden kommt dieser Tage die erste Ausgabe von Stadtluft Dresden, einer Mischung aus Buch und Magazin mit ungewöhnlichen Geschichten aus und über Dresden. Macher sind der Journalist Peter Ufer, der Fotograf Amac Garbe und der Grafiker Thomas Walther. Texte beigesteuert haben u.a. Thomas Rosenlöcher, Durs Grünbein, Peter Richter, Thomas Brussig und Annamateur. Auch von Michael Bittner ist eine Geschichte mit dem Titel „Meine Dresdner Jahre“ enthalten.

Micha wird auch mit dabei sein, wenn das neue „Bookzin“ mit einer Lesung am 2. Dezember um 15 Uhr in der Hookie – Manufaktur für Motorräder (Großenhainer Str. 137) der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Festival „Literatur Jetzt!“ 2016 in dieser Woche

Literatur Jetzt 2016 Header

Sollte der Weltuntergang wider Erwarten ausbleiben, findet vom 6. bis zum 13. November wieder Literatur Jetzt! statt, das Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur. Es wird in diesem Jahr nicht von unserem Livelyrix e.V. allein, sondern gemeinsam mit dem Deutschen Hygiene-Museum organisiert. Das Motto dieses Jahres lautet „Wir müssen reden“ und das Festival beschäftigt sich dementsprechend mit allen Aspekten der Sprache und Verständigung. Zu Gast sind namhafte Autoren wie Herta Müller, Lukas Bärfuss, Bov Berg u.v.m. Auf der Homepage des Festivals gibt es das komplette Programm. Besonders auf zwei Veranstaltungen sei an dieser Stelle hingewiesen:

Zum einen die traditionelle Nacht der Lesebühnen mit Autoren aus dem Feld der satirischen und komischen Literatur. Sie findet mit den wunderbaren Kollegen Christian Bartel, Elis, Jacinta Nandi und Anselm Neft am Donnerstag (10. November) um 20 Uhr in der scheune statt. Hier gibt’s Tickets im Vorverkauf.

Zum anderen den Poetry Slam am Freitag (11. November) um 21 Uhr im Deutschen Hygiene-Museum. Mit dabei sind tolle Poetinnen und Poeten: der Poetry-Slam-Pionier Bas Böttcher, die außerordentlich talentierte junge Berliner Autorin Zoe Hagen, der politisch versierte Kaleb Erdmann aus Frankfurt am Main und die zurzeit in Wien beheimatete, bayrische Poetin Franziska Holzheimer. Hier gibt’s Tickets im Vorverkauf.

Literaturtipp: Poetry Slam „Literaturen am Fluss“ am Freitag, 23. September

Temye Tesfu 2Am Freitag (23. September) findet in Dresden ein Poetry Slam unter dem Titel „Literaturen am Fluss“ im Rahmen der Aktion „FreiRaum – Brücken bauen für Demokratie und Dialog“ statt. Die Reihe wird von der Stiftung Friedliche Revolution organisiert.

Vier junge Poetinnen und Poeten setzen sich literarisch mit Migration und kulturellem Wandel in Europa auseinander. Michael Bittner wird den Abend moderieren und freut sich auf die Leipziger Autorin und Bloggerin Nhi Le, den Berliner Poeten Temye Tesfu (Foto), die Dichterin Tanasgol Sabbagh aus Friedberg in Hessen und Noah Klaus, den Berliner von der Lesebühne Zentralkomitee Deluxe. Der Spaß findet auf der FreiRaum-Bühne auf dem Theaterplatz statt – bei gutem Wetter draußen, bei schlechtem drinnen. Der Eintritt ist frei!

Literaturtipp: Livelyrix Poetry Slam am Donnerstag in der scheune

Beim letzten Livelyrix Poetry Slam vor der Sommerpause messen sich am Donnerstag (2. Juni) in der scheune noch einmal Wortkünstler aus Dresden und dem Rest der Welt im literarischen Wettbewerb. Das Publikum entscheidet am Ende, welcher Autor oder welche Autorin mit ihren Geschichten oder Gedichten am überzeugendsten war. Es moderieren Stefan Seyfarth und – zum letzten Mal – Michael Bittner.

André HerrmannMit dabei sind diesmal u.a. André Herrmann (Foto) und Julius Fischer aus Leipzig. Gemeinsam gewannen die beiden als „Team Totale Zerstörung“ bereits zwei Mal die deutschsprachige Poetry-Slam-Meisterschaft. Diesmal treten sie aber gegeneinander an. Ebenfalls aus Leipzig kommt Franziska Wilhelm. Die Autorin der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz hat mir ihrem ersten Roman „Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen“ einen schönen Erfolg gefeiert. Auch Roman Israel hat mit „Caiman und Drache“ bereits einen Roman veröffentlicht. In Dresden ist er auch bestens bekannt als Mitglied unserer traditionsreichen Lesebühne Sax Royal.

Livelyrix Poetry Slam | 2. Juni | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 6 Euro, Abendkasse: 6/8 Euro

Literaturtipp: Livelyrix Poetry Slam am Donnerstag (5. Mai) in der scheune

marvin-ruppert-bc3bchne-2015-vanessa-komischkeDer traditionsreichste Dichterwettkampf Dresdens lädt am 5. Mai wieder in die scheune. Beim Livelyrix Poetry Slam messen sich wieder zehn Poetinnen und Poeten aus Dresden und der ganzen Republik mit lustigen Geschichten, mitreißenden Gedichten, Rap-Poesie oder politischer Satire. Das Publikum entscheidet über den Sieger per Applaus. Es moderieren Michael Bittner und Stefan Seyfarth.

Diesmal mit dabei ist u.a. der Marburger Marvin Ruppert (Foto: Vanessa Komischke), der besonders für heitere und kluge Geschichten bekannt ist. Im Buch „Ich mag Regen“ hat er die schönsten von ihnen auch schon veröffentlicht. Am Start ist außerdem Julia Eckert. Die Berliner Poetin ist zum ersten Mal in der scheune mit dabei. Das gilt auch für Björn Gögge aus Essen. Der junge Mann macht auch Musik, feiert aber seit einigen Jahren auch Erfolge auf den Bühnen des Poetry Slams. Mit dabei ist sodann auch Leticia Wahl. Die Lyrikerin aus Marburg trägt in gekonnter Weise mitreißende Gedichte vor.

Livelyrix Poetry Slam | 5. Mai | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 6 Euro, Abendkasse: 6/8 Euro

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