Ihre Premiere erlebt am kommenden Donnerstag die neue Görlitzer Lesebühne GRubenhund um 19:30 Uhr im Theater Apollo. Monatlich wird sie dann immer am dritten Donnerstag des Monats stattfinden. Drei genetisch in der Lausitz vorbildlich verwurzelte Autoren bilden die Stammbesatzung: Der gebürtige Görlitzer Andreas Vent-Schmidt ist auch bei der Lesebühne Cottbus aktiv. Udo Tiffert aus Neusorge ist regelmäßiger Gast zahlreicher Lesebühnen und Poetry Slams. Michael Bittner ist Autor von Sax Royal und schreibt wöchentlich eine literarische Kolumne für das Magazin der Sächsischen Zeitung. Auch Gastpoeten werden die neue Lesebühne ab und an besuchen: Gleich beim ersten Mal wird das niemand geringeres sein als der Erzpoet Max Rademann. Görlitzer und Lausitzer Freunde der Literatur, erscheint in Massen!
Lesebühne GRubenhund | 16. September | Donnerstag | 19:30 Uhr | Theater Apollo | Görlitz, Hospitalstraße 2
Am kommenden Mittwoch, den 24. Februar, präsentieren Michael Bittner und Udo Tiffert ihr neues literarisches Programm mit dem Titel “Arbeit ist nicht alles” in der Bibliothek Reichenbach (Nieskyer Str. 4). Erwerbsarbeit, Beziehungsarbeit, Trauerarbeit – für nichts sind sich die literarischen Schwerstarbeiter zu schade. Los gehts um 19 Uhr.
Wem die Lausitz zu weit ist, der kann am selben Abend Stefan Seyfarth in Dresden erleben: Er liest ebenfalls am Mittwoch, den 24. Februar, gemeinsam mit Spätshopmagnat und “Trieb”-Herausgeber Torsten Israel im Dresdner Ostpol. Zu hören gibts eine Auswahl ihrer schönsten Neustadt-Texte.
Bei unserer letzten Lesebühne wurde mir unter konspirativen Umständen eine CD mit dem rätselhaften Titel Die Schmerzen der Lausitz überreicht. Gestern schaute ich mir den darauf befindlichen Film mit meiner Liebsten an und möchte ihn allen Freunden der Dokumentation und der Lausitz ans Herz legen. Der Regisseur Peter Rocha drehte seinen Film über die Landschaftsvernichtung durch den Braunkohleabbau in der Umbruchsphase 1989/90, was ihn zugleich zum höchst anschaulichen Dokument für die Endphase der DDR macht. In schier endlosen Luftaufnahmen zeigt er das Ausmaß der Lausitzer Tagebaue, zusammen mit der apokalyptischen Musik glaubt man gelegentlich, gerade eine Fortsetzung von Der Wüstenplanet zu sehen. Der singende Baggerführer Gerhard Gundermann erinnert daran, dass es auch in der Zone schon vor 1989 eine ökologische Bewegung gab. Dem Schriftsteller Jurij Koch kommen die Sorben wie die letzten Indianer vor der Ausrottung vor. Ganz so schlimm ist es nun doch nicht gekommen, aber das Bild der vor einem Plattenbau in traditioneller Tracht tanzenden Ureinwohner wird keiner vergessen, der den Film gesehen hat. Ab und zu läuft er wohl noch im Fernsehen oder auf Festivals.

(Verbotsschilder in Waltersdorf, Oberlausitz)
Einen wunderschönen Fotoroman über die Ereignisse auf der Klausur unserer Lesebühne im Zittauer Gebirge hat Roman auf unserer MySpace-Seite zusammengestellt. Unbedingt anschauen, es ist enorm witzig!
Im Dresdner Hechtviertel räumte die Polizei am Sonnabend mit einhundert Beamten ein Haus (Hechtstraße 7) gewaltsam. Angehörige der “linken Szene” hatten ein leerstehendes Haus besetzt und eine spontane, nicht genehmigte Party gefeiert, was zu Beschwerden über den Lärm führte. Drei Demonstranten wurden durch Bisse von Polizeihunden verletzt. [Siehe auch hier und hier.]
In Geheege bei Rothenburg (Oberlausitz) eröffnete die NPD am Sonnabend ihren Wahlkampf mit einem großen Konzert in der Gaststätte “Zur deutschen Eiche” (Betreiber: Steffen Hentschel) und einem eigens errichteten Zelt. Beobachtern zufolge lauschten im Tagesverlauf etwa 800 Nazis aus ganz Deutschland der Musik von Bands wie “Eugenik”, “Nordglanz” und “Sturmwehr”. Ein Einsatzfahrzeug der Polizei überwachte den reibungslosen Ablauf. In Rothenburg protestierten 250 Bürger friedlich gegen das Nazi-Treffen.
Ich war noch nie in Castrop-Rauxel, Bremerhaven oder Neubrandenburg, aber wage dennoch zu behaupten: Görlitz ist eine der schönsten Städte Deutschlands. Als ich letztens wieder einmal durch die Altstadt spazierte, fiel mir aber vor allem auf, wie wenige der Fenster hinter den sanierten Fassaden erleuchtet waren. Ein Viertel seiner Einwohner hat Görlitz seit der Wende verloren. Wer hier sein Abitur macht, ist ein paar Monate später meist schon auf und davon. Bewundernswert ist es da, wie seit der gescheiterten Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas immer neue Projekte auf die Beine gestellt werden. Nur die alteingesessenen Bewohner scheinen sich mit der neuen Kultur noch nicht so richtig anfreunden zu können.
Ob es vielleicht auch daran liegt, dass die Stadt ihre Wurzeln so zwanghaft in einer möglichst weit entfernten Vergangenheit sucht? Manchmal scheint es, als sei seit Jacob Böhme nichts Bewegendes mehr in Görlitz vorgefallen. Wer weiß schon, dass Werner Finck, einer der bedeutendsten deutschen Kabarettisten des 20. Jahrhunderts, in Görlitz aufgewachsen ist? Continue reading Lustige Deutsche (4): Werner Finck…
Manch einer, der sich am Schreibtisch vorm Computer langweilt, fällt gelegentlich auf den Gedanken, ziellos in dem riesigen virtuellen Archiv von Videos zu stöbern, das man unter dem Titel YouTube im Internet finden kann. Vielleicht treibt den einen oder anderen auch der Verdacht, man könnte dort auf intime Videos stoßen, in denen man unfreiwillig eine Hauptrolle spielt. Den sonderbaren Hobbyfilmer von gegenüber hat man ja schon lange im Verdacht. Wenn man Pech hat, stößt man aber auf noch viel Obszöneres, nämlich auf ein Video von Henry Nitzsche. Ich fand da jüngst durch einen unglücklichen Zufall die Aufzeichnung der Rede, in der Henry Nitzsche im Bundestag gegen den EU-Vertrag von Lissabon wetterte.
Sie erinnern sich noch an Henry Nitzsche? Sie wissen schon, das war der Lausitzer Christdemokrat, der in einer geschlossenen Parteiveranstaltung mutig trompetet haben soll, man müsse den deutschen „Schuldkult“ überwinden, damit nie wieder „Multi-Kulti-Schwuchteln“ in Berlin regieren. Als seine nicht eben überraschenden Äußerungen bekannt wurden, wurde er aus der CDU ausgetreten. Dabei hätte man wissen können, dass sich Henry Nitzsche wegen chronischen Ideenmangels gerne bei den Parolen anderer bedient. „Arbeit – Familie – Vaterland“, seinen Slogan zur Bundestagswahl 2005, hatte er sich schließlich auch schon von den französischen Faschisten ausgeborgt. Was könnte man auch dagegen sagen? Haben sie vielleicht etwas gegen die Arbeit? Gegen die Familie? Oder gegen das Vaterland? Mit derselben Logik könnte man freilich auch jemanden einen Schweinehund nennen. Was ist falsch an Schweinen? Oder Hunden?
Nun trat also – mit leichter Verspätung, denn es ist als Hinterbänkler ein weiter Weg nach vorn – der parteilose Abgeordnete Henry Nitzsche ans Rednerpult des Bundestages, um die Ehre des Vaterlandes zu verteidigen. Mit sachlichen Einwänden schlug sich der einzige Aufrechte auch gar nicht lange herum: Alle Abgeordneten, die dem EU-Vertrag zustimmten, missachteten den Willen des deutschen Volkes. Dieser Vertrag sei nichts anderes als ein neues Ermächtigungsgesetz. Die Mode der Vergleiche mit dem Dritten Reich hat inzwischen offenbar Vorschulniveau erreicht: Nazi! Selber Nazi! Mit dem Video, das sogar mit englischen Untertiteln kursiert, ist Henry Nitzsche jedenfalls zum Helden der neuen Rechten im Internet geworden. Der Mann, dem einst schon „der letzte Ali in der letzten Moschee“ bedrohlich vorkam, engagierte sich denn auch auf dem Kölner Kongress gegen „die islamische Erstürmung unserer Vaterländer“. Wenn eine Gegend von Islamisierung bedroht ist, dann ja wohl die Lausitz. Eine eigene Partei hat er inzwischen auch gegründet. Er nannte sie im Geiste christlicher Demut: „Bündnis Arbeit – Familie – Vaterland. Liste Henry Nitzsche“. Bei seiner Kandidatur für einen Landratsposten in der Lausitz erhielt er bei der letzten Kommunalwahl mehr als 13% der Stimmen. Deutschland ist noch nicht verloren.
Meine Beine schlackern schon jetzt genüsslich, wenn ich an in zwei Monaten denke. Da ist wieder so richtig Slam, Slam2008, die deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam, der National oder Näschi, wie ich mir kürzlich ausdachte. Der wird dieses Jahr in der Schweiz stattfinden, das ist gut, die Schweiz ist klein und deswegen sind die Leute da sehr nett. Gegenüber Gästen, schwieriger ist’s, wenn man da wohnen will, aber sei’s drum. Jedenfalls senden wir (livelyriX) insgesamt 6 Starter nach Zürich, als da wären: Udo Tiffert und Franziska Wilhelm für den Dresdner Slam, André Herrmann und mich selbst für Leipzig und Josef Maruan und Toni Grünheid für Jena. Außerdem treten André und ich als Team Totale Zerstörung im Teamwettbewerb an. Das könnte fette Beute geben. Continue reading Hola Schwiz!…
Eine sehr gute Nachricht gibt es für alle Freunde der Literatur in Görlitz. Das als “Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen” bekannte Kantinenlesen gastiert ab sofort einmal im Monat in der Neißemetropole. Manager Dan Richter hat für das “Görlitzer Kantinenlesen” mit dem BASTA! auch den passenden Ort gefunden. Der Klub, für dessen Erhalt übrigens nicht nur ich schon mal Geld gespendet habe, ist in seiner Art in Görlitz ziemlich einzigartig. Schade nur, dass sich der Termin am letzten Freitag des Monats immer mit dem Dresdner Poetry Slam überschneidet. Zum Auftakt sind neben Dan Richter gleich zwei tolle Autoren zu Gast: Uli Hannemann und Jochen Schmidt. Also Görlitzer, macht eurer Stadt keine Schande und geht auch hin!
1. Görlitzer Kantinenlesen | 26. September | Hotherstraße 25 | Einlass: 20 Uhr | 3 Euro
Am Freitag (22. August) gibt es beim tollen Tenne e.V. in Buchholz (Oberlausitz) mal wieder eine Lesenacht, auf die ich hier hinweisen möchte. Zu Gast sein wird diesmal unser lieber Kollege Tobi Kunze aus Hannover. Der von Poetry Slams und der Hannoveraner Lesebühne “Nachtbarden” bekannte Autor hat die lyrische Poesie genau so in seiner Gewalt wie den prosaischen Witz. Er ist zudem Herausgeber der Anthologie Stadtgeschehen bei Mischwetter. Allen Freunden der Lausitz wie der Literatur sei also ein Besuch ans Herz gelegt! Los geht’s um 19:00 Uhr.
Tenne e.V. -Christlicher Kulturverein Buchholz | Buchholz 76 | 02894 Vierkirchen