Lustige Deutsche (5): Ludwig Börne

Ludwig Börne

Gewöhnlich liest man Bücher wohl vor allem deshalb, weil man in ihnen Bekanntes wiederentdecken möchte. Das allgemein Menschliche von Jugendliebe bis Todesangst ist eben allen verständlich. Man freut sich über Helden, mit denen man sich „identifizieren“ kann. Schwerer haben es Schriftsteller, die Texte in den Meinungskampf ihrer Epoche werfen. Die Leidenschaften der Vergangenheit sind uns unbekannt, man muss sie erst mühsam aus den Fußnoten und Anmerkungen kramen. Wer also soll noch etwas von Ludwig Börne (1786-1837) lesen wollen, der für sich selbst eine damals ganz neue Rolle als „Zeitschriftsteller“ erfand?

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Lustige Deutsche (4): Werner Finck

Ich war noch nie in Castrop-Rauxel, Bremerhaven oder Neubrandenburg, aber wage dennoch zu behaupten: Görlitz ist eine der schönsten Städte Deutschlands. Als ich letztens wieder einmal durch die Altstadt spazierte, fiel mir aber vor allem auf, wie wenige der Fenster hinter den sanierten Fassaden erleuchtet waren. Ein Viertel seiner Einwohner hat Görlitz seit der Wende verloren. Wer hier sein Abitur macht, ist ein paar Monate später meist schon auf und davon. Bewundernswert ist es da, wie seit der gescheiterten Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas immer neue Projekte auf die Beine gestellt werden. Nur die alteingesessenen Bewohner scheinen sich mit der neuen Kultur noch nicht so richtig anfreunden zu können.

Ob es vielleicht auch daran liegt, dass die Stadt ihre Wurzeln so zwanghaft in einer möglichst weit entfernten Vergangenheit sucht? Manchmal scheint es, als sei seit Jacob Böhme nichts Bewegendes mehr in Görlitz vorgefallen. Wer weiß schon, dass Werner Finck, einer der bedeutendsten deutschen Kabarettisten des 20. Jahrhunderts, in Görlitz aufgewachsen ist? Continue reading Lustige Deutsche (4): Werner Finck…

Lustige Deutsche (3): Heinrich Heine

heinrich_heine-jugend-1906Nachdem ich aus beruflichen Gründen in den vergangenen Monaten fast ausschließlich durch die Grüfte und Schlüfte der Romantik zu irren hatte, atme ich nun erleichtert auf und sehe wieder das Licht des Tages. Ich darf nämlich Heinrich Heine lesen. Es ist beinahe unmöglich zu überschätzen, was Heine für die deutsche Prosa bedeutet, er hat sie im einem Schlag modern, urban und vor allem: witzig gemacht. Die Deutschen haben es ihm nicht unbedingt gedankt: „Die Gräber der deutschen Helden des Weltkriegs verkommen und werden vergessen, und für die Judensau auf dem Montmartre wirft man das Geld zum Fenster hinaus.“ (Julius Streicher, 1926)

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Lustige Deutsche (2): Georg Büchner

buechner.jpgNachdem im ersten Teil dieser Reihe mit dem paradoxen Titel „Lustige Deutsche“ Ludwig Tieck vorgestellt wurde, widmet sich der zweite einem Autor, der diesen „König der Romantik“ trotz aller Differenzen sehr zu schätzen wusste: Georg Büchner. Den meisten Literaturfreunden werden bei diesem Namen wohl Erinnerungen ihrer Schullektüre von Woyzeck durchs Hirn purzeln. Manch einer weiß vielleicht auch noch aus der Lektüre des Hessischen Landboten, dass der mit 23 Jahren verstorbene Autor zu den wenigen deutschen Dichtern gehörte, die sich ernsthaft auch in die politische Praxis mischten. Aber der echte Kenner schätzt an Büchner ein weit weniger bekanntes Faktum: Er war witzig! >>> Continue reading Lustige Deutsche (2): Georg Büchner…

Lustige Deutsche (1): Der gestiefelte Kater

In dieser neuen Reihe, deren Startschuss hiermit erschallen soll, werde ich nach Ausnahmen von der Regel suchen. Die deutsche Literatur gilt nämlich gemeinhin als nicht eben reich an guten komischen Autoren, Büchern und Stücken – zu Recht. Der Virus des teutschen Tiefsinns hat sich allzu sehr im Volkskörper breit gemacht, die Symptome lassen sich auch heute noch allerorten wahrnehmen. Die Reihe „Lustige Deutsche“ soll Medizin an Hand von Beispielen bieten, die allzu oft in Vergessenheit zu geraten drohen. Es gilt aber: Nur selber lesen macht lustig.

ludwig_tieck.jpgWir beginnen mit der Komödie Der gestiefelte Kater (1797) von Ludwig Tieck. Entgegen anders lautender Meldungen ist Ludwig Tieck der produktivste, vielseitigste und wichtigste Schriftsteller der deutschen Romantik. Und entgegen gängiger Vorurteile ist die deutsche Romantik (zumindest in ihrer frühen Phase) intelligent, modern und – witzig. Dies ist besonders ein Verdienst von Tieck, der über einen sehr schönen Sinn für Humor, aber auch über satirischen Witz verfügte, was sich nirgendwo so kurzweilig zeigt wie in Der gestiefelte Kater, der besten seiner vielen Komödien. >>>

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