Das Urteil:
Harz-IV-Empfänger haben laut einem Urteil des Frankfurter Sozialgerichts Anspruch auf einen gebrauchten Fernseher. In zwei gestern veröffentlichten Urteilen wiesen die Richter die Entscheidungen der zuständigen Behörden zurück, die den Hilfeempfängern kein Geld für die Anschaffung zahlen wollten. Begründung: Ein Fernseher sei für eine geordnete Haushaltsführung nicht notwendig. Er diene nur der Unterhaltung und Information. Laut Gericht aber stelle ein Fernsehgerät den sozialüblichen Standard dar, der auch Harz-IV-Empfängern zugestanden werden müsse. Es bestehe aber nur Anspruch auf ein gebrauchtes Gerät.(Sächsische Zeitung, Freitag, 7.August 2009)
Die sächsische CDU fordert, zukünftig stärker als bisher die im MDR-”Sendegebiet beheimateten Dialekte” zu pflegen. “Sächsisch ist zwar nicht beliebt. Das liegt auch an Walter Ulbrichts Aussprache. Trotzdem hat der MDR die Aufgabe, die Identität der Zuschauer zu stärken”, sagt Steffen Heitmann, CDU-Landtagsabgeordneter in Dresden, einst Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, dem SPIEGEL.
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Beim MDR heißt es, die Prüfung der Frage, ob Sendungen mit sächsischer Sprachfärbung ausgestrahlt werden könnten, habe kurz vor dem Abschluss gestanden. Doch dann sei die Nachricht gekommen, dass Sächsisch der unsympathischste deutsche Dialekt sei. Man prüfe nun weiter.
Es soll Menschen geben, die die Rückkehr von “Peschi und Poschi” bei unserer letzten Lesebühne verpasst haben. Damit ihnen ihr Versäumnis nicht zur ewigen Qual werde, sei ihnen hier die Chance zur Wiedergutmachung gegeben. Viel Spaß!
Vor einer Weile wurde Udo Reiter, der Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks, wieder einmal von den Gremien, die dafür zuständig sind, ihn im Amt zu bestätigen, im Amt bestätigt. Der seit 1991 amtierende Reiter wird damit am Ende seiner nächsten Amtszeit bis 2015 insgesamt 25 Jahre amtiert haben – mindestens! Eine amtliche Leistung, herzlichen Glückwunsch hierzu auch von mir. Regentschaften von einem Vierteljahrhundert konnten ja früher bestenfalls Staatsratsvorsitzende vorweisen. Warum auch nicht? Der MDR ist beständig das erfolgreichste aller dritten Programme, sagen Menschen, die Erfolg an Einschaltquoten messen. Ich nehme an, diese Leute messen den Erfolg von Liebe auch an der Zahl gestopfter Socken. Continue reading Mitteldeutsches Mittelmaß…
Am 29. März um kurz nach Mitternacht (also in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag!) läuft im Deutschlandradio Kultur ein Beitrag unter dem Titel “Lesen, Wüten, Lachen” zur 20-jährigen Geschichte der Lesebühnen. Die Autorin Barbara Kenneweg hatte im Januar auch unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal besucht und uns interviewt. Ab 00:05 Uhr kann der interessierte Literaturfreund hören, was ihr zu uns und uns für sie eingefallen ist.
Die siebte Ausgabe des Feingeistmagazins vom Bischofsweg, wie immer herausgegeben von Torsten Israel und Michel Philip Nierste, ist jetzt in den Filialen der “Spätschicht” erhältlich. Das Literaturmagazin enthält wie immer Lyrisches, Episches, Dramatisches und Essayistisches aus der Feder der Herausgeber, aber auch von anderen nicht minder talentierten Autoren wie zum Beispiel Udo Tiffert. Aber auch Royalisten sind wieder am “Trieb” beteiligt, diesmal kann man Gedichte von Roman Israel und Stefan Seyfarth lesen. Das Heft ist seine 3 Euro zweifellos wert – ich jedenfalls habe sie gestern investiert, als ich bei Stefan im Spätshop schnell auf ein (recte: 4) Bier vorbeischaute.
Besonders erfreulich fand ich, dass Torsten Israel, der Spätshopmagnat und Herausgeber, sich endlich einmal seinen seelischen Verletzungen offen stellt und ein schweres Trauma verarbeitet hat, an dem ich leider nicht ganz unbeteiligt geblieben bin. Wie so oft war die Ursache eine Frau:
“die berühmte frau schwebt mit geländewagen ein und besetzt mit komplettem stab meinen kleinen laden in der alaunstraße. ich darf nicht mit ins bild – das ist verständlich, schließlich habe ich in mehrmonatiger knochen- und geldausgebearbeit nur den laden aufgebaut, kann aber mit dem charismatischen verkäufer, der mit telefonnummern weiblicher fans zugeschmissen wird, nicht mithalten. sein milchgesichtiger literaturfreund, der grundsätzlich immer nach dem kompletten gegenteil von arbeit aussieht – in schal und mantel gehüllt durchschreitet er mit sorgsam gewählten kopfdrehungen und schritten das künstlerviertel -, wird ebenfalls interviewt. gekonnt und präzise erläutert er das wesen seines wohnviertels “Fickpieschen”. ich sorge für kurze unterbrechungen und nehme mit verschwurbelten armen hinter dem filmteam das leergut einiger kunden an, verkaufe sechs hasseröder und drehe dabei noch mit meiner digitalkamera einen kleinen kurzfilm. das versteht die moderatorin nicht. ich dagegen verstehe die kleidung der moderatorin nicht – mit ihren langen weißen affenstiefeln bestätigt sie leider das modeklischee jeder handelsüblichen fernsehtussi, dabei hat sie doch so schöne augen, oder sind das nur die farbigen kontaktlinsen?”
Mithin lustiger als vormals anzuschauen ist das folgende Video (nicht im Bild: Torsten Israel):
Wir waren ja alle immer sicher, dass Max mit seinem Buch “Vom funkelnden Fips und andere geheime Sagen aus dem Erzgebirge” berühmt werden würde. Aber auf welchem Wege das jetzt passiert, das überrascht dann doch. Denn die erste Zeitung, die seine einzigartige Sammlung von Heimatgeschichten würdigte, war keine andere als die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung! Hier der Beweis:
Unter dem Titel “Biss FM”hat sich eine “Initiative für besseres Radio in Sachsen”, man könnte sicher auch sagen: für ein Radio in Sachsen überhaupt, gegründet. Sie fordert in einem Schreiben an die Sächsische Landesmedienanstalt, den Sächsischen Landtag und den Mitteldeutschen Rundfunk, dass endlich auch in Sachsen ein anspruchsvolles, musikalisches und politisches Jugendradio gegründet wird. Wer dieses Anliegen unterstützen will, kann die entsprechende Petition online unterschreiben.
… feiert der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe: Wie der germanische Held Arminius die Römer in der legendären “Schlacht im Teutoburger Wald” besiegte, ist dem Hamburger Unterhaltungsmagazin eine Titelgeschichte wert.
Kein Wunder, dass die Ur-Deutschen sauer über die welschen Eroberer waren:
Hinzu kamen die lockeren Sitten der Eindringlinge. Huren und Marketenderinnen folgten dem Miltär. Für die Germanen bedeutete das Verwirrung. Sie lebten bis zum 20. Lebensjahr enthaltsam. Eheliche Treue galt als hohes Gut.
Gepriesen sei Hermann der Cherusker, der die Deutschen vor der vorzeitigen Entjungferung und der vorzeitigen Zivilisation bewahrte!
Dem kulturellen Behauptungswillen dieses Trotzkopfs ist es zuzuschreiben, dass sich die Legionen und damit auch der römische Lebensstil in der Antike nicht ungehindert ausbreiten konnten. Insofern stärkte Hermann das Bier gegen die Weinrebe, die germanischen Beinlinge gegen die Toga. Ohne ihn gäbe es heute vielleicht weder Currywurst noch Saumagen.
Noch den Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust oder den MDR. Die Geburt der Deutschen? Es lebe die Empfängnisverhütung!
Vielen Dank, liebe deutsche Journalisten, dafür, dass ihr den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf wieder einmal messerscharf als inhaltsleere Polit-Show entlarvt, als mediales Massenspektakel, als kalkulierte Hollywood-Inszenierung, als rauschhaften Personenkult und so weiter und so fort. Da fällt es uns Deutschen doch gleich wieder viel leichter, uns darüber zu freuen, was für langweilige Apparatschiks unsere Politiker sind. Die können zwar keine drei Sätze hintereinander vom Blatt ablesen, ohne sich zu verhaspeln und mit einer Rede nicht einmal ein halb gefülltes Bierzelt begeistern – aber das spricht ja gerade für ihre Seriosität! Wie gut ist es doch, dass wir in Deutschland nicht wie die naiven Amerikaner Personen wählen, sondern lieber Parteien, die dann für uns entscheiden, wer regieren soll. Unsere Demokratie läuft so reibungslos und unspektakulär ab, man vergisst glatt, dass man in einer lebt. Continue reading Die spinnen, die Amis!…