Manchmal hat man ja auch zum Dienstagabend Lust, auszugehen und dazu vielleicht noch ein bisschen Soul und Funk zu hören. Wem noch Prosecco schmeckt, der hat dann heute die Gelegenheit, diesen für den unschlagbaren Preis von einem lausigen Euro zu konsumieren. Dazu legt Max Rademann feine Schallplatten auf, so dass es rein atmosphärisch gesehen eigentlich nur super werden kann. Dies alles, wie gesagt, heute ab 20 Uhr im Alten Wettbüro.
Auch an dieser Stelle sei noch einmal darauf verwiesen, dass Julius Fischer und Christian Meyer aka. The Fuck Hornisschen Orchestra sich in den nächsten Monaten auf eine ausgedehnte Tour begeben. Sie kommen wirklich überall hin, sogar nach Chemnitz, also wirklich überall hin, auch zu euch. Auf den Konzerten bietet sich natürlich auch die günstigste Gelegenheit, die im Sprechstation Verlag erschienene CD vom fohlen und wäldern zu erwerben. Da die Termin-Seite hier platzen würde, nähme ich alle Tourdaten auf, schaut doch einfach auf der MySpace-Seite der Band nach oder aber klickt hier auf eigene Verantwortung:
Mark Oliver Everett ist Sänger und Songwriter der tollen Band Eels, besser gesagt: Er ist die Band Eels. Nun hat er ein Buch geschrieben. Und zwar über sich selbst. Nicht ohne Grund begegnet man Musikern oder sonstigen Berühmtheiten, die ob ihrer Berühmtheit ein Buch schreiben, gar noch ein autobiografisches, mit Misstrauen. In diesem Falle jedoch zu Unrecht. Everett, seit seiner Jugend “E” genannt, hat seine außergewöhnliche Lebensgeschichte mit großer Aufrichtigkeit und vor allem mit Witz erzählt. Das lag bei seiner Geschichte nicht unbedingt nahe: Als Jugendlicher schwankt er zwischen Autismus und Exzess. Seinen Vater, einen verkannten Quantenphysiker, findet er eines Tages tot im Bett. Seine Schwester, eine verzweifelte Provinzschönheit, bringt sich nach unzähligen Versuchen erfolgreich selbst ums Leben. Seine Mutter, eine überforderte Hausfrau, stirbt kurz darauf an Krebs. Von jemandem, der so poetische Songtexte schreiben kann, durfte man einiges erwarten. Aber die Erwartungen sind doch noch übertroffen. Besonders empfohlen sei das Buch allen Künstlern, die um Anerkennung und Selbstvertrauen auf ihrem hindernisreichen Weg ringen. Das Buch wirkt wie eine Platte der Eels: Es führt in die tiefsten Abgründe, aber entlässt den Leser mit Hoffnung.
Mark Oliver Everett: Things the Grandchildren Should Know(2008). Als Paperback Edition bei Abacus für 9,70€.
Oder deutsch unter dem semi-doofen Titel: Glückstage in der Hölle. Wie die Musik mein Leben rettete. Kiepenheuer & Witsch. 2009. 18,95€.
Am 09. April findet die Dresdner Lesebühne Sax Royal wieder ab 21 Uhr in der Scheune statt. Wir versprechen hoch und heilig, dass diesmal die lang angekündigte Record-Release-Party endlich steigt: Royalist Julius Fischer veröffentlicht unter dem Titel Aspekte der Tiefe seine erste CD im Verlag Sprechstation – ein Grund zum Feiern! Aber natürlich haben auch die anderen vier Autoren namens Michael Bittner, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth, wieder brandneue Geschichten und Gedichte im Gepäck, die sie im fliegenden Wechsel den Dresdner Literaturfreunden präsentieren werden.
Es ist erneut soweit, dass ich ein wenig über das wunderbare Phänomen der Musik sinnieren möchte. Heute möchte ich einen ganz ausgezeichneten Radiosender, welchen man sich online zu Gemüte führen kann, empfehlen. Doch vorweg: Alle die gerne Gothik oder Death Metal, vielleicht Singer und Songwriter Musik hören, brauchen jetzt nicht mehr weiterlesen. Wer aber eine Schwäche für funky Tunes hat, dahinschmelzt wenn es soulig wird, oder gar Hip Hop der der frühen neunziger Jahre liebt, der ist hier genau richtig. Auf wefunk.com findet man ein Showarchiv von so krasser Dichte, dass einem das Herz frohlockt. Setlisten von denen man nur träumen kann und ich wünschte auch nur ein DJ in Dresden würde mal wieder so einen Sound spielen. Für mich ist diese Seite das göttlichste Fundstück im world wide web, das ich bisher in musikalischer Hinsicht machen konnte. Der geilste, fetteste Scheiß läuft dort rauf und runter. Ich wünschte ich hätte eine derartige Plattensammlung zu Hause im Schrank stehen. Herrlichster Raw Funk gibt sich die Klinke mit besten Hip Hop Beats in die Hand. Für Leute wie mich ein Traum. Gelobt seien DJ Static und Professor Groove, die Haus-dj´s von wefunk. Knappe zwei Stunden legen die pro Sendung ununterbrochen Musik auf, dass ich nur noch Endorphine produziere.
Ich weiß, dass mein Musikgeschmack nicht von Allerweltscharakter ist, erst gestern wurde mir wieder herangetragen, er wäre glatt scheiße. Aber das glaub ich kaum, ich finde ihn ziemlich gut und er bereitet mir viele glückliche Momente. Wer also wissen möchte, ob er da etwas mit mir gemeinsam hat, sollte den Klick wagen. Ich wünsche viel vergnügen.
Vielleicht ist dies der Moment einer Art neuen Rubrik auf Sax Royal – vielleicht befinde ich mich auch gerade in einem Moment schlichten Wahns. Aber ich höre gerade sehr intensiv Musik (so wie ich es an jedem Abend zwischen 0:00 und 1:30 im Musikzimmer meiner 150 qm Suite zu tun pflege, während ich mir auf die Problemzonen meines Körpers Trimgel auftrage) und mir ist dabei Folgendes aufgefallen: Nämlich! Warum ich die Strokes nicht mehr hören kann, dafür immer wieder “Freaky Styley” von den Red Hot Chili Peppers. Es sind die Dimensionen der Produktion. Die erste Strokesscheibe – geil. Aber der Rest, sinnloser Stadionsound!
Die Peppers hat damals – und nur auf dieser Platte – George Clinton produziert, und da will ich nichts weiter zu sagen, weil da zerfließ ich im Glück wie Honig in der Sommersonne.
Nein!!! Das Entscheidende ist: Die Peppers sind auf diesem Album auch “produziert” wie die Sau, aber man hat dennoch das Gefühl: In einer Garage aufgenommen!
Ich weiß nicht, das ist so ist ein krasses Soundempfinden!!!; ich habe einfach das Gefühl, das kapiert sogar ein musikalisch vollkommen ungeschultes Ohr, wie ich kapiere, dass es einen Unterschied zwischen frischem und gerebeltem Basilikum gibt.
Die Strokes im Garagensound, das könnte ich ihnen abnehmen, aber dieser aalglatte Studiosound, ich weiß nicht.
Okay, vielleicht ist das jetzt alles zu speziell und genau deshalb nun zu meinem eigentlichen Anliegen: A: Jeder sollte “Freaky Styley” mal abgehört haben, und B: Vergleicht mal den Sound – und damit die Wirkung – dieser beiden Alben … ich weiß echt nicht, ob´s nur mir so geht.
Darüber hinaus liebe ich auch sehr den Hip Hop der Neunziger Jahre, aber dieser soll andermal hymnisch lobpreist werden …
Die Leitung des Festspielhauses in Bayreuth ist heiß umstritten. Ganz Deutschland bangt, ob sich ein würdiger und vor allem blutsverwandter Nachfolger für den scheidenden Wolfgang Wagner finden wird. Der Urvater des Festspielhauses, der epochale Komponist Richard Wagner hatte zwei große Träume: das musikalische Gesamtkunstwerk und eine Welt ohne Juden. Wer kommt heute in Frage, in diese übergroßen Fußstapfen zu treten? Im Gespräch sind Nike Wagner und Katharina Wagner, aber auch Eva Wagner-Pasquier. Nicht unterschätzen sollte man auch Herbert Wagner, den ehemaligen Dresdner Oberbürgermeister. Aber der Gartenbauschriftsteller Karl Wagner rechnet sich ebenfalls noch Chancen aus. Man vergesse auch nicht den ehemaligen Gauleiter Josef Wagner sowie die Pop-Prinzessin Jasmin Wagner. Als Geheimfavorit gilt der Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner. Mein persönlicher Wunschkandidat ist und bleibt aber Sturm-und-Drang-Dichter Heinrich Leopold Wagner. Es bleibt spannend!
Ich finde diesen Mann so groß, so freaky, so funky, dass ich einfach nicht umhin komme dazu aufzufordern sich diese Show reinzuziehen. Ich möchte mal behaupten, dass derartige Highlights mehr als spärlich gesät sind. Vor allem in unserer barocken Elbmetropole. Zuletzt konnte man diesen abgefahrenen Soul-Opa zwar im Vorprogramm der Ärzte an der Elbe erleben, allerdings passt er viel besser in einen kleinen Club, wo dann ordentlich der Schweiß von der Decke tropfen kann. Außerdem muss man sich dann nicht über unglaublich intolerante Ärztefans ärgern, die es wagen solch eine Ikone (der Mann hat über 40 Platten produziert und ist seit den 60ern aktiv) von der Bühne zu buhen. Hoffen wir, dass die wahren Nerds den Weg zu dieser sensationellen Freakshow finden. Ich wünsche mir, dass dies eine feine dirty night mit dem guten, alten Blowfly am Freitag (29.08.) in der Groovestation wird. Mir ist jedenfalls schon heiss.
Es steht wieder ein freaky Wochenende an. Manch einer, der in der Neustadt ansässig ist, wird vielleicht die Flucht ergreifen, um drei Tagen Ausnahmezustand zu entfliehen. Ich rate jedoch: Bleibt!
Zwei unbestreitbare Highlights möchte ich allen Musikfreunden wärmstens ans Herz legen. Zunächst am Freitag (13.06.) ab ca. 22.30 Uhr. Da spielt nämlich eine aufstrebende, ganz großartige Dresdner Musikkapelle auf: The Whiteout. Die machen Musik, die ordentlich nach vorne geht, so dass das Tanzbein zuckt. Jaaa, das wird fein! Außerdem ist es die reine Freude, den beiden Frontmännern zuzusehen, von denen einer stimmlich Außerordentliches zu leisten in der Lage ist. Da geht alles, von Brummeln bis Quietschen. Ach, und auch der kleine Gittarero ist eine Wonne für´s Auge. Sie sind alle toll und machen verdammt guten Sound.
Und wenn dann am Sonntag alle vollkommen platt vom Wochenende sind und nur noch chillen wollen, dann sollte der gleiche Ort aufgesucht werden. Um 18 Uhr wird dann Marcos Pachaly (und nicht Parlati wie´s im Dresdner steht) mit seiner Heimorgel warme Klänge unter das Volk streuen und mit Texten bezirzen, die endlich mal wieder Ja sagen zum Leben.
Das Ganze findet auf dem Louise-Schotterplatz statt. Das ist jener Parkplatz, der gleich nach Katy´s Garage rechter Hand kommt, wenn man aus Richtung Königsbrücker Straße in die Neustadt läuft.