Wissen Sie, Dietmar Fischer, Kreisvorsitzender der FDP Dresden …

… dass ein schlechter Stil den hohlen Kopf verrät? Nein? Dachte ich mir – wie hätten Sie sonst folgenden Aufruf fabrizieren können, mit dem Sie ein Bürgerbegehren gegen den Bau eines modernen Gewandhauses auf dem Neumarkt vom Zaun trompeten wollen:

Das Herz unserer Stadt blutet. Das Herz unserer Stadt wurde verwüstet und bis auf die Grundmauern zerstört und steht heute wieder vor einem zarten Aufwuchs. Rund um unsere mächtige Frauenkirche entsteht wieder ein Platz, ein Ort, den wir alle in unseren Herzen tragen und den wir weiter hegen und pflegen. Wir alle, alt wie jung, spüren diese Unvergleichkeit und makellose Schönheit, die das Herz unserer Stadt für uns alle wieder öffnet. Der historische Wiederaufbau unseres Neumarktes ist eines unserer wichtigsten Anliegen. Es ist uns bis heute geradezu beispielhaft gelungen. Unseren Neumarkt als sinnstiftenden Ort, als Zentrum unserer Heimatstadt weiter in diesem historischen Flair zu entwickeln, ist das Gebot der Stunde.

Erheben Sie mit uns Ihre Stimme für den wahren Dresdner Neumarkt. Lassen Sie nicht zu, dass der Gewandhausplatz mit einem modernen Bauwerk verunstaltet wird und die noch frischen Wunden im Herzen unserer Stadt neu aufgerissen werden. Kämpfen Sie mit uns gegen die Arroganz dieser modernen Architektur, kämpfen Sie mit uns für unser historisches Zentrum, damit unser Neumarkt als das Herz unserer Stadt wieder auch in unser aller Herzen einzieht. Schließen Sie sich uns an und unterschreiben Sie mit für die Freiheit dieses Platzes, frei von jeglicher Bebauung, frei für uns als die Bürgerinnen und Bürger Dresdens.

Schauen Sie mal, Herr Fischer, wie ein paar kleine Veränderungen ihrem Text noch viel mehr Leben einhauchen:

Der Arsch unserer Stadt blutet. Der Arsch unserer Stadt wurde verwüstet und bis auf die Grundmauern zerstört und steht heute wieder vor einem zarten Aufwuchs. Rund um unsere mächtig gewaltige Frauenkirche entsteht wieder ein Platz, ein Ort, eine Stelle, eine Freifläche, ein Raum, ein Kontinuum, ein Dingsbums, den wir alle in unseren Ärschen tragen und den wir weiter hegen und pflegen und fegen. Wir alle, alt wie jung, dick wie dumm, spüren diese Unvergleichkeit und makellose Schönheit, die den Arsch unserer Stadt für uns alle wieder öffnet. Der historische Wiederaufbau unseres Neumarktes unseres ist unseres eines unserer wichtigsten unserer Anliegen. Es ist uns bis heute geradezu beispiellos gelungen. Unseren Neumarkt als sinnstiftenden Ort, dem der Sinn stiften geht, als Zentrum unserer Heimatstadt weiter in diesem historischen Flair zu entwickeln, ist das 1. bis 10. Gebot der Stunde, des Tages, der Woche, des Monats, des Jahre, wenn nicht gar der Ewigkeit.

Erheben Sie mit uns Ihre Stimme für den totalen Dresdner Neumarkt. Lassen Sie nicht zu, dass der Gewandhausplatz mit einem modernen Bauwerk entartet und die noch taufrischen Wunden im Arscherl unserer Stadt neu aufgerissen werden. Igitt! Kämpfen Sie mit uns, d.h. mit mir und der liberalen FDP, gegen die Armut, ach nein tschuldigung, lieber gegen die Arroganz dieser modernen Architektur, dieser eitlen Gebäude, kämpfen Sie mit uns (FDP, nicht vergessen!) für unser (naja, im übertragenen Sinne) historisches Zentrum, damit unser (siehe oben) Neumarkt als der Arsch unserer Stadt wieder auch dann bald später in unser aller Ärsche einzieht. Schließen Sie sich uns an und unterschreiben Sie mit für die Freiheit dieses Platzes, die Freiheit aller Menschen, frei von jeglicher “Entwicklung”, frei von “Verstand”, frei von “Geschmack” und gerade deswegen für uns als die Bürgerinnen und Bürger Dresdens.

[via ugly dresden]

Mehr Achtung vor altem Wortgut!

Seit geraumer Zeit ärgere ich mich, dass so viele schöne deutsche Wörter, die unsere Mütter und Großmütter noch kannten, jetzt aussterben. Noch vor 50 Jahren wusste jeder, was ein „Brausebad“ ist. Es wurde durch das französische „Douche“ oder jetzt „Dusche“ verdrängt. Das ist eine Schande! Auch andere wertvolle Worte des deutschen Sprachgebrauchs gibt es nicht mehr. Wer kennt denn heute schon noch die „Docke“ (heute „Puppe“), das „Afterkind“ (heute „uneheliches Kind“), den „Mahlschatz“ (heute das gute alte „Verlobungsgeschenk“) oder die „Klinse“ (die „Spalte“). Oder wer hat das letzte Mal das Wort „Trittoir“ (Fußweg) oder den „Abort“ (Klosett) benutzt?
Darüber hinaus gibt es jetzt viele Anglizismen (wie „Computer“, „cool“, „Broiler“) oder andere hässliche Neu- und Umschöpfungen (wie „geil“, „Alder“, „schwul“). Dabei haben wir doch schon genug passende Entsprechungen für diese Wörter (für „schwul“ z.B. „andersrum“, für „cool“ und „geil“ z.B. „schön“ und „sehr schön“, für „Alder“ z.B. „Junge“ oder „Mensch“, für den „Broiler“ das „Brathuhn“ und für den „Computer“ den „Rechner“). Wir brauchen einfach keine neuen!

Ich möchte deshalb junge Mütter dazu anhalten, ihren Neugeborenen die alten Wörter wieder mit auf den Weg zu geben, damit sie sich wieder einbürgern, es wäre ja sonst schade drum. Denn schließlich sterben mit ihnen nicht nur die Worte sondern auch ein Stück Deutschland und damit auch ein Stück von uns selbst!

Gülz (Sprachretter)

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