Sax Royal zu Gast in Bayreuth am 2. Dezember

Sax RoyalAm Freitag, den 02. Dezember, bestreitet unsere Lesebühne Sax Royal auf Einladung des Literaturcafés Bayreuth ein Gastspiel in Bayreuth. Wir freuen uns drauf, den hoffentlich zahlreich anrückenden Franken eine Auswahl unserer schönsten und komischsten Texte aus sieben Jahren zu präsentieren. Los gehts um 20 Uhr in der BAT CampusGalerie (Foyer Audimax, Uni Bayreuth).

(Ich sehe gerade, dass “BAT” für “British American Tobacco” steht – wir werden also mit unserer Lesung auch fürs Sterben werben…)

Julius und André gewinnen in Hamburg

Große Freude: Julius Fischer und André Herrmann, der eine Stammautor von Sax Royal, der andere Stammgastautor, haben als “Team Totale Zerstörung” in Hamburg bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften den Sieg errungen! Ich war beim Finale dabei und durfte selbst erleben, wie die zwei Granaten im Finale souverän die anderen tollen Kollegen ausstachen und sich die Sympathie des Publikums nicht mehr nehmen ließen, die sie zum Meistertitel trug. Sax Royal gratuliert herzlichst und freut sich drauf, zur nächsten Lesebühne am 10. November in der Scheune mit Julius einen frisch gebackenen Meister in die Arme schließen zu dürfen.

Wer mag, kann sich den Wettbewerb nachträglich im Internet auf http://www.arte.tv/slam noch einmal anschauen. Außerdem hat André für den NDR über seine Zeit in Hamburg einen Slam2011-Blog geschrieben.

Zu Besuch bei Lessing

Nach zwei Jahren in der Kamenzer Straße kam ich nun auch endlich einmal der moralischen Verpflichtung nach, Kamenz zu besuchen. Die Stadt, völlig unbekannt unter dem Namen “Perle der Westlausitz”, überraschte uns als schnuckeliges kleines Städtchen, dass sich an die hügeligen Ausläufer des Oberlausitzer Berglandes schmiegt. Einwohner sah man allerdings auf den Straßen so wenige wie nach dem Abwurf einer Neutronenbombe. Essen kann man gut im Ratskeller, der zum Hotel Goldner Hirsch gehört. Eine großartige Aussicht hat man von einem Turm auf dem Hutberg, fünfzehn Minuten vom Zentrum entfernt.

Hauptanziehungspunkt ist für Freunde der Poesie das Lessing-Museum Kamenz, das sich die Stadt für ihren größten Sohn geleistet hat. Die Aufmachung des kleinen Museums ist modern und erfreulich wenig heimattümlich: Zu sehen gibt es nicht Pfeifenköpfe und Unterhosen, sondern – wie es sich für einen Dichter gehört – vor allem Bücher und Texte. Entdeckungen können sowohl Anfänger als auch Fortgeschritte machen. Ich gehöre zu letzteren und habe meine ersten Zeilen Lessing schon in früher Jugend gelesen, weil ein Auswahlband namens Die Aber kosten Überlegung im elterlichen Bücherregal stand. Man muss diesen Aufklärer jedenfalls mögen: Patriotismus ging ihm am Arsch vorbei, religiöse Engstirnigkeit war ihm zuwider. Heute würde er Polemiken gegen Islamisten wie Islamophobe aus der Hüfte schießen. Seine größte literarische Leistung dürfte, neben der Erfindung des modernen deutschsprachigen Dramas, vor allem eine sein: Er führte den Witz in die Kritik und Gelehrsamkeit ein. Nicht umsonst war er auch der liebste Schriftsteller Heinrich Heines. Neben historischen, antiquarischen, ästhetischen, theologischen, philosophischen, kritischen, literarischen und dramatischen Texten schrieb er auch kleine Gedichte wie dieses:

Ob ich morgen leben werde,
weiß ich freilich nicht;
aber wenn ich morgen lebe,
daß ich morgen trinken werde,
weiß ich ganz gewiß!

Sax Royal im Zittauer Gebirge

Auch in diesem Jahr unternahm die Lesebühne Sax Royal wieder ihren traditionellen Betriebsausflug ins Zittauer Gebirge. André und Julius aka “Team Totale Zerstörung” haben einen kleinen, aber feinen Dokumentarfilm dazu gemacht, der den Spirit der Reise einfängt:

Dialog zweier Liebender am Meer

“Komm, lass uns gemeinsam runter zum Wasser gehen!”

“Ach, wollen wir nicht auf die Flut warten? Dann kommt es uns doch von alleine entgegen.”

Unterwegs in Thüringen

Nur in ICEs hört man tatsächlich einmal außerhalb von Romanen Sätze wie: “Gesundheitlich ist es um euch alle gut bestellt?” +++ Nach der Lesung in Ranis fragt mich ein junger Mann: “Willst du nicht noch was vorlesen?” – “Ich habe schon sechs Bier getrunken.” – “Okay.” +++ Ich verliere beim Kickern. +++ In der Jugendherberge werde ich nach knapp drei Stunden Schlaf gegen 6 Uhr morgens vom Ungeziefer vorm Fenster (Vögel) aufgeweckt. +++ Im Zug von Saalfeld nach Erfurt belausche ich das Telefongespräch einer jungen Frau: “Ich hätte nie diese Ausbildung hier anfangen sollen. Ich hätte direkt nach einem Jahr abbrechen sollen. Es ist wirklich furchtbar, ganz schrecklich. Die Lehrer sind einfach dumm, absolut doof. Stell dir vor, die kommen zu mir und sagen mir, mein Selbstbild stimme nicht mit meiner Persönlichkeit überein. Ich sage denen, sie sollen mit mir reden, wenn sie ein Problem haben. Und diese dämliche Tante antwortet mir: Wir haben gar kein Problem mit ihnen, Sie haben doch das Problem! Thüringer halt. Ich dachte echt, die Thüringer wären locker, aber das sind sie gar nicht. In Sachsen wäre es glaube ich besser. Die Sachsen sollen echt locker sein.” +++ Ich besichtige Erfurt und entdecke, dass es sich um eine sehr schöne Stadt handelt. Zufällig ist gerade “Krämerbrückenfest” und tausende von Rentern schieben sich durch die Straßen. Eine Oma ermahnt einen Opa auf Krücken: “Du kannst dort nicht hingehen, das ist viel zu eng für dich!” – “Ich gehe jetzt dorthin!” – “Du kannst dort nicht …” +++ Ein junges Pärchen aus Bayern hinter mir auf der überfüllten Krämerbrücke, der Kerl ningelt: “Jetzt sage mir mal bitte, was ich hier genießen soll!” +++ In einem Biergarten esse ich ein Schnitzel. Des Regens halber flüchtet sich ein Rentnerehepaar zu mir an den Tisch untern Schirm. Die beiden sind mit dem Reisebus aus Zwickau angereist. Sie essen ihr Schnitzel mit Spargel und Petersilienkartoffeln. “Ist doch schön, wie der Regen die Menschen zusammenführt!”, versuche ich ein Gespräch in Gang zu setzen. +++ Das Schaufenster eines Modegeschäftes für Frauen mit “großen Größen” ist bauarbeitsbedingt komplett mit Brettern vernagelt. Ich sollte mir endlich mal eine Kamera anschaffen, dann könnte ich hier auch lustige Fotos veröffentlichen und müsste mich nicht mühen, alles umständlich zu beschreiben. +++ Im Zug nach Zeulenroda sitzen neben mir zwei Trinker auf dem Heimweg nach Bayern: “Der Thomas hat mich gefragt: Bist du bescheuert? Wieso wollt ihr denn nach Potsam mit dem Wochenendticket kommen? Und ich sage ihm: Weils uns Spaß macht! Wir fahren schön durch die Gegend, steigen ab und zu um und trinken unser Bierchen.” Die beiden Männer haben einen Rollkoffer dabei, gefüllt teils mit vollen, teils mit leeren Bierflaschen. +++ Im “Schieszhaus” in Zeulenroda erzählen wir, dass wir für die Lesung auf den Besuch der “Bunten Republik Neustadt” in Dresden verzichten. Es kommen zur Lesung dann weniger Leute als erwartet, weil “ganz viele bei der Bunten Republik Neustadt sind”. +++ Ich gewinne gegen Stefan Seyfarth im Tischtennis. +++ “Habt ihr hier immer noch Probleme mit Nazis?” – “Na ja, der Hofmann ist immer noch so drauf. Der Lippolt auch.” Schön, dass man in Kleinstädten seine Nazis noch persönlich kennt! +++ Der Erdmittelpunkt befindet sich in der sächsischen Stadt Pausa.

Gedanken beim Gang durchs Szeneviertel

Es flimmert einem vor den Augen, kaum einen Quadratzentimeter haben die Plakatkleber frei gelassen. Gelegentlich sieht man eine ganze Plakathaut, von einer Laterne gerutscht oder einer Wand geblättert, unzählige Schichten übereinander wie Jahresringe. Und ich denke: All diese hoffnungsvollen Bands – für wen spielen sie? Die unzähligen Künstler – wer soll ihre Bilder kaufen? Diese ambitionierten Amateurtheater – wer wird sich ihre Aufführungen anschauen? In Berlin scheint Beuys’ Kitschgedanke, jeder Mensch sei ein Künstler, auf schreckliche Weise verwirklicht. Gibt es auf diesen Straßen irgendjemanden, der kein Projekt plant, kein Demotape in der Tasche trägt, kein Vorsprechen am nächsten Morgen hat? Bestünde die Welt nur noch aus Kreativen, wer bliebe noch übrig, um die undankbare Aufgabe zu meistern, als Publikum zu dienen? (Künstler selbst sind gewöhnlich ja die letzten, die sich für das Schaffen anderer Künstler interessieren.)

Der Mythos des Künstlertums hat offenbar nichts von seiner Anziehungskraft auf junge Menschen verloren. Woran liegt’s? Es scheint so, als wäre der Glaube immer noch verbreitet, Kunst sei als zweckfreies Schaffen ein Fluchtweg aus der gesellschaftlichen Misere ringsum. Eine Möglichkeit der sogenannten Selbstverwirklichung jenseits von Bachelor und Praktikum und PowerPoint. Ein richtiges Leben im falschen. Als wäre das Leben nichts wert, wenn man es nicht schaffte, sich selbst als Ausnahme von der Regel zu inszenieren. Uns so sitzen sie in ihren Cafés, einer individueller als der andere. Ihre Variante der prekären Existenz heißt nicht Hartz 4, sondern Indie-Rock oder Poetry Slam.

Gegen drei Uhr nachts spielt im Habermeyer unaufgefordert ein junger Mann aufdringliche Songs auf der Gitarre. Er hat ein halbes Dutzend Begeisterte gleich mitgebracht, die nach jedem Lied energisch klatschen wie Parteigenossen nach einer Rede Stalins. Ihre bösen Blicke treffen alle, die nicht mittun wollen. Am Ende geht der Künstler mit einem Hut herum. Ich gebe ihm nichts.

Es könnte sich rächen. Vielleicht stehe ich demnächst mit einem leeren Hut vor ihm.

Micha am Wochenende in München

Liebe Münchner! Am Wochenende weile ich in Eurer Stadt, die mir mit jedem Besuch sympathischer wird. Eure “Szeneviertel” sind zwar so aufregend wie Striesen am Sonntag, aber Eure Stadt ist freundlich, entspannt und entgegenkommend.

Ich lese am Sonnabend, den 07. Mai, bei der Lesebühne Westend ist Kiez im Stragula zusammen mit Felix Bonke, Sacha Storz, Volker Keidel, Alex Burkhard und Georg Eggers. Los gehts um 20:00 Uhr.

Und am Sonntag, den 08. Mai, bin ich zu Gast bei der Lesebühne Schwabinger Schaumschläger im Vereinsheim und lese mit Michi Sailer, Moses Wolff und Asta Scheib & Josef Brustmann. Los gehts um 19:30 Uhr.

Die unterschätzte Gefahr: Östrogen im Gemüse

Beim Spaziergang durch Bannewitz entdecke ich am Straßenrand ein liebevoll handgemaltes Schild, das mit einem Landschaftsbild für einen nahe gelegenen Bioladen wirbt. Darüber mit gelber Farbe gesprüht: “SCHWUL”. Wer könnte der Saboteur ökologisch korrekter Ernährung gewesen sein? Man weiß es nicht. Hundert Meter weiter passieren wir das Vereinsheim des Dynamo-Dresden-Fanclubs Bannewitz.

Micha in Görlitz, Weimar und Frankfurt am Main

Am Donnerstag (07. April) lese ich wieder zusammen mit den Kollegen Andreas Vent-Schmidt und Udo Tiffert bei der Görlitzer Lesebühne GRubenhund. Ort des Geschehens ist das Theater Apollo, los gehts wie immer um 19:30 Uhr.

Am Sonnabend (09. April) bin ich zu Gast in Weimar, wo der 5. Weimarer Poetry Slam über die Bühne geht. Der Dichterwettstreit beginnt um 20 Uhr im Jugend- und Kulturzentrum mon ami.

Und am Sonntag (10. April) lese ich zum ersten Mal bei der Lesebühne ihres Vertrauens in Frankfurt am Main. Die findet ab 21 Uhr im Ponyhof statt. Mit dabei sind Tilman Birr, Lisa Danulat, Eils, Severin Groebner und Timon Manoukis.

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