Wir entdecken unsere Heimat

Liebe Dresdner Studenten! Solltet ihr es noch nicht mitbekommen haben: Seit Anfang Oktober dürft ihr mit eurem Semesterticket ganz Sachsen umsonst bereisen. Also auf, schwingt eure Hintern in den nächsten Regionalexpress und sucht das Abenteuer! Zum Beispiel in Zittau, jener sympathischen Metropole der Oberlausitz, die ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal genauer in Augenschein nahm. Gewiss, wenn eine Stadt am Arsch Deutschlands liegt, dann Zittau. Aber wer den weiten Weg ins Nirgendwo auf sich nimmt, der findet eine recht hübsch herausgeputzte alte Kleinstadt mit schönen historischen Gebäuden.

Regelrecht begeistert aber war ich von der erst seit ein paar Jahren öffentlich ausgestellten, neuen touristischen Hauptattraktion der Stadt: den Zittauer Fastentüchern. Fastentuch, das klingt nun zugegebenermaßen wenig nach einem derbe krassen Mega-Flash. Ich kann die Besichtung des „kleinen“ und des „großen“ Zittauer Fastentuches jedoch allen Freunden der sakralen Kunst und der Malerei der frühen Neuzeit nur ans Herz legen. Mit Fastentüchern, also großen bemalten Leinbahnen, wird nach katholischem Brauch der Altar in der vorösterlichen Zeit verhüllt. In der Reformationszeit wurde dieses „Gaukelwerk“ (Luther) im Norden abgeschafft – außer eben in Zittau, wo sich zwei herausragende Exemplare erhalten haben. Das „große“ Zittauer Fastentuch (1472) wird in der größten Museumsvitrine der Welt in einer zum Museum umgewidmeten Kirche ausgestellt. Es zeigt in 90 Bildern Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie apokryphe Geschichten. Unter jedem Bild erklärt jeweils ein lustiger frühneuhochdeutscher Vers, was in dem heiligen Comic gerade zu sehen ist. Das „kleine“ Zittauer Fastentuch (1573) zeigt eine Kreuzigungsszene, inspiriert von Dürer, Grünewald und Michelangelo. Am Rand sind um die Darstellung die verschiedenen Folterwerkzeuge abgebildet, mit denen Jesus traktiert wurde, nebst Judas‘ Kopf in der Schlinge.

Der Besuch beider Tücher kostet ermäßigt 3 Euro. Die Führung ist empfehlenswert. Zu sehen täglich (ab November außer montags) 10 bis 17 Uhr.

Literaturtipp: Am Dienstag lesen Spider und Volker Strübing in der Scheune

Volker StrübingVolker Strübing und Andreas “Spider” Krenzke lesen eine Auswahl ihrer schönsten Geschichten. Volker Strübing war viele Jahre Stammautor der Lesebühnen “Chaussee der Enthusiasten” und “LSD – Liebe statt Drogen”. Er siegte mehrfach bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften und hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt “Mister & Missis.Sippi” beim Dresdner Verlag Voland & Quist. Seine filmische Reihe „Kloß und Spinne“ erscheint soeben auf DVD. Für den Fernsehsender 3Sat hat er zwei Reisereportagen produziert. Andreas “Spider” Krenzke liest jede Woche bei der Lesebühne “LSD” und hat die Bücher „Im Arbeitslosenpark“ und „Imbiss wie damals“ veröffentlicht. Seine Geschichten gewinnen ihren Witz aus der genauen Beobachtung der grotesken sozialen Realität und beweisen, dass komische Literatur noch immer politische Relevanz besitzen kann.

livelyriX Poetry unlimited: Volker Strübing und Andreas “Spider” Krenzke | 05. Oktober | Dienstag | 21 Uhr | Scheune | VVK 5 Euro AK 7 Euro

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