„Schreiborte“ – Ausstellung von Jürgen Matschie in Kamenz

Der Fotograf Jürgen Matschie hat für sein Projekt „Schreiborte“ die Arbeitsplätze zahlreicher Schriftsteller und Schriftstellerinnen fotografiert, die aus der Lausitz stammen oder noch immer in ihr leben. Am Dienstag (25. Juni) wird die vom Lessing-Museum Kamenz organisierte Ausstellung eröffnet. Unser Stammautor Michael Bittner wurde ebenfalls porträtiert. Er wird gemeinsam mit dem Kollegen Udo Tiffert zur Vernissage in Kamenz Texte lesen. Los geht es um 19 Uhr im Malzhaus. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung ist danach noch bis zum 29. September zu sehen.

Zitat des Monats Juni

Den Kneipen verdanke ich, daß ich nie allein war. Das Leben verdiente seinen Namen nur, wenn es geteilt und erhöht wurde durch das kollektive rituelle Gelage. Wenn ich kein Säufer geworden bin, dann unter anderem deshalb, weil mir das einsame Trinken wie ein schlechter Ersatz für das gemeinsame Besäufnis erscheint. Meine Vorstellung vom Paradies ist eine heidnische: Ich sitze auf Walhalla mit meinen Freunden und Kupferstechern zusammen, wir spielen Karten, palavern und trinken in trauter Runde; und in besonders glücklichen Momenten singen wir.

Bernd Wagner: Die Sintflut in Sachsen

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Der Schriftsteller Bernd Wagner, geboren in Wurzen, zuhause in Berlin-Kreuzberg, ist Dresdner Stadtscheiber 2019. Am 27. Juni um 19:30 Uhr findet seine Antrittslesung in der Zentralbibliothek im Kulturpalast statt. Michael Bittner wird die Lesung moderieren. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten (Tel. 8648103, E-Mail: e.ziegler@bibo-dresden.de).

Die Kassierer spielen

Nach dem Abendbrot lese ich noch ein paar Seiten Botho Strauß, dann mache ich mich auf zum Konzert der Kassierer. Der Weg ist nicht weit, aber kalt. Ich spute mich und verzichte auf den Kauf eines Wegbieres, das einem solchen Anlass eigentlich gemäß wäre. Mein Versäumnis reut mich auch sogleich, als ich vor der Konzerthalle stehe, umringt von Hunderten Menschen mit Bierflaschen an den Lippen. Mit trockener Kehle warte ich auf meinen Freund Hagen, mit dem ich zum Konzert verabredet bin. Vor einigen Jahren hatte ich Hagen in Berlin kennengelernt und in ihm einen Schicksalsgenossen erkannt, denn auch ihn hat es aus Sachsen nach Berlin verschlagen. Als wir damals in einer Winternacht aus dem Lokal Feuermelder stolperten, gelobte ich aus Gründen, die mir heute nicht mehr bekannt sind, mit ihm zusammen eines Tages ein Konzert der Kapelle Die Kassierer zu besuchen – ein Eid, an den ich mich seitdem stets gebunden fühlte.

Nun ist es soweit. Während ich allein warte und um mich her die Vorfreude der Massen tobt, beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. Ist meine Seele überhaupt noch jugendfrisch genug für solch einen Abend? Bin ich denn noch fähig zur Ausgelassenheit? Habe ich noch den Punk-Spirit? Bin ich nicht inzwischen viel zu abgeklärt und vergrübelt, um die Musik der Kassierer noch unbeschwert genießen zu können? Es war die Zeit, in der ich mit Freunden den Erwerb meiner Hochschulreife feierte, als mich Hits wie Blumenkohl am Pillemann und Sex mit dem Sozialarbeiter zuerst begeisterten. Das ist nun aber auch schon – Gott sei’s geklagt! – zwanzig Jahre her.

Hagen kommt nicht allein, sondern bringt gleich noch eine Menge Freunde mit. Unter ihnen ragt ein Mensch heraus: eine wohl fast zwei Meter große Frau, die auch sonst eine äußerst auffällige Erscheinung ist. Wie ich rasch erfahre, ist auch sie eine Sächsin im Berliner Exil. So gut wie alle Männer, die an unserer Gruppe vorbeilaufen, bleiben einige Augenblicke mit offenem Mund stehen, verblüfft vom Anblick der Riesenfrau. Zum ersten Mal wird mir wirklich bewusst, wie stark die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern schon dadurch geprägt werden, dass Männer es gewohnt sind, auf Frauen herabzublicken.

Unterdessen haben alle ihre Bierflaschen geleert und wir stellen uns an, zunächst allerdings an der falschen Schlange, wie uns einer der Männer am Einlass mitteilt. Wir müssen uns noch einmal woanders hinten einreihen und uns unter Vorlage unserer Karten einen Stempel abholen. Auf deutschen Punkkonzerten hat alles seine Ordnung. Drinnen ist es schon ziemlich voll. Und ich erfahre von Hagen, dass es noch voller werden wird: Das Konzert ist ausverkauft. Es herrscht eine merkwürdig aufgekratzte und ausgelassene Stimmung, wie auf einem Kindergeburtstag, bei dem Doppelkorn ausgeschenkt wird. Wir geben unsere Jacken ab und holen uns das erste Bier. Hagen kauft sich am Merchandising-Stand gleich ein T-Shirt, auf dem der Refrain des großen Hits Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist gedruckt steht. Dann laufen wir in den großen Saal, um einen Blick auf die Vorband zu werfen. Sie heißt Kotzreiz. Wäre es nicht großartig, denke ich kurz, wenn eine Band mit diesem Namen akustischen Emo-Pop spielen würde? Aber dem ist natürlich nicht so. In ihren sehr eingängigen Liedern propagieren Kotzreiz den Alkoholgenuss, mit einer gewissen Skepsis hingegen begegnen sie dem Nationalsozialismus. Beeindruckend die Entschlossenheit, mit der diese Jungs sich zu ihrer Musik bekennen, mitten in einer Ära, in der Punkrock nicht gerade als heißester Scheiß gilt. Junge Männer, die im Jahr 2007 eine Band namens Kotzreiz gründen, nötigen unbedingt Respekt ab.

Wir verlassen den Saal noch einmal, um neues Bier zu holen. Im Raucherzelt diskutieren wir die Frage, ob der alte Spruch, der Punk sei nicht tot, eigentlich immer noch gültig ist. Wir schauen uns um. Der Klub ist keineswegs nur mit Senioren gefüllt, die meisten Gäste sind wohl um die dreißig Jahre alt, aber Jugendliche sieht man tatsächlich nur wenige. „Ich glaube, Punk ist im Moment bei der jüngsten Generation nicht in Mode, weil ihnen der Sinn für den Reiz des Räudigen abgeht“, spekuliere ich. „Das Anarchische ist zurzeit auch nicht populär. Wenn ich sehr junge Menschen treffe, dann scheint es mir manchmal, als wäre ihr größter Wunsch, möglichst nicht unangenehm aufzufallen. Aber ich will auch kein Pauschalurteil fällen. Letztens beobachtete ich abends in der Dresdner Neustadt auf der Straße eine Gruppe von Schülern beiderlei Geschlechts. Sie liefen in abgerissener Kleidung herum, hörten lauten Punk von einem Rekorder und pissten lachend in die Hauseingänge. Bei diesem Anblick dachte ich: Es besteht Hoffnung! Hör auf, über die Jugend zu meckern, wie es alte Männer tun seit Erschaffung der Welt!“ Hagen fühlt sich von meinen Worten ermuntert, uns sein neues Tattoo zu zeigen. Nachdem der promovierte Werkstoffwissenschaftler seine Schulter entblößt hat, kommt ein schwarz-roter Stern zum Vorschein, in dem sich Spitzhacke und Schaufel kreuzen. Die Tätowierung sieht aus wie das offizielle Emblem der Antifa Erzgebirge. „Du bist wirklich jung geblieben!“, bescheinige ich anerkennend.

Wir kehren in den Saal zurück und kämpfen uns durch die Menge nach vorn. Schon nach wenigen Metern ist meine Kleidung vom Bier durchtränkt, das von allen Seiten herniederregnet, die Schuhsohlen schmatzen auf dem Fußboden. Wir postieren uns rechts vor der Bühne. Von dort aus ist eine kleine Bar an der Seite gut zu erreichen, in deren Angebot jemand Pfefferminzlikör zum Preis von einem Euro entdeckt hat. Als Wolfgang Wendland und seine Kollegen die Bühne betreten, werden sie nicht nur mit Jubel begrüßt, es ist eine riesige Welle der Liebe, die erst die Band überflutet und dann den ganzen Raum füllt. Vom ersten Lied an singt das Publikum begeistert mit. Es dauert nicht lange, da gibt der Sänger dem vielfach aus dem Publikum geäußerten Wunsch nach, sich doch bitte zu entkleiden.

Auch Menschen, denen die Musik der Kassierer unbekannt ist, wissen doch zumeist um die Leidenschaft der Mitglieder dieser Band dafür, sich auf der Bühne auszuziehen. Manche halten dies für kindische Geschmacklosigkeit. Tatsächlich handelt es sich um subversive Praxis. Die Zeigefreudigkeit der Kassierer ist ein Akt der Befreiung nicht nur im persönlichen, sondern auch im gesellschaftlichen Sinne. Denn es ist doch so: Obgleich das männliche Geschlecht die Fantasie und Wirklichkeit unserer Gesellschaft beherrscht, überall im Mittelpunkt steht oder zumindest hängt, ist es in der Öffentlichkeit so gut wie nie sichtbar. Der nackte weibliche Körper wird überall und andauernd gezeigt, muss zur Vermarktung der banalsten Produkte dienen oder ist selbst das Produkt. Der nackte Mann ist hingegen kaum irgendwo zu sehen. So ist der Penis eine Art verborgener Herrscher unserer Welt. Jeder weiß von ihm, alles gehorcht seinen Befehlen, alle richten sich nach seinen Wünschen. Aber der Penis ist nie gezwungen, in der Öffentlichkeit zu erscheinen und seine Macht zu rechtfertigen. Indem die Kassierer sich entkleiden, zeigen sie den Kaiser nackt. Ganz anschaulich führen sie vor Augen, dass die Männlichkeit in Wirklichkeit nicht prachtvoll und gebieterisch aussieht, sondern klein, ein bisschen albern und sogar verletzlich. Es ist ein Akt der Entzauberung im Dienste der Aufklärung, den man auch aus feministischer Perspektive wertschätzen sollte. Zumal sich nicht nur die Musiker im Laufe des Abends immer wieder entkleiden, viele männliche Zuschauer tun es ihnen auf der Bühne nach.

Die körperliche Nacktheit der Kassierer ist dabei nur die sichtbare Entsprechung ihres künstlerischen Prinzips. Deswegen wirkt die Entblößung auch so ungezwungen und naturgemäß. Auch in ihrer Musik entblößen die Kassierer die Männlichkeit. In ihren kunstvoll gereimten Versen zeigen sie die Plumpheit, Dummheit und Geilheit des Mannes ohne jede Verhüllung, ja sogar in grotesker Übertreibung. Selbst vermeintliche Stärke verwandelt sich in dieser Lyrik in Schwäche, wie in dem Kunstlied Großes Glied, in dem einem Mann gerade wegen seines hypertrophen Geschlechts der sexuelle Erfolg verwehrt bleibt. Damit aber untergraben die Kassierer alle Versuche einer Verherrlichung der Männlichkeit. Ihr Anliegen ist mithin ein emanzipatorisches, eminent antisexistisches. Dass die Musiker sich über diese Zusammenhänge völlig im Klaren sind, zeigt sich, als sie mit den Zuschauern den Kanon „Stimmt alle ein, Sexismus ist gemein!“ anstimmen, um dann bruchlos zu ihrem sexpositiven Lied Mach die Titten frei, ich will wichsen überzugehen. Kann es sein, dass einigen männlichen Zuhörern die höhere Ironie des Schauspiels entgeht? Gewiss. Aber das schadet wenig. Die exzessive Selbstverarschung mag bewusst oder unbewusst vonstattengehen, die Männlichkeit wird so oder so nachhaltig entgiftet. Hätte Aristoteles schon die Kassierer gekannt, es wäre ihm vielleicht gelungen, seine Theorie der Katharsis präziser zu fassen.

Während die Band spielt, besuche ich regelmäßig die kleine Bar neben der Bühne. Auch nachdem meine Geldvorräte aufgebraucht sind, muss ich nicht dürsten. Irgendjemand aus der Runde der Freunde sorgt immer wieder großzügig dafür, dass ein Gespann aus Bier und Pfeffi den Weg auch in meinen Rachen findet. Es gibt hier kein Mein und kein Dein mehr, der Kapitalismus muss sich wenigstens für ein paar Stunden geschlagen geben. Mein Orientierungsvermögen lässt nach, ich fange an, mich in der wogenden Masse treiben zu lassen. Es ist berauschend, solch eine gemeinschaftliche Entfesselung von Gefühlen zu erleben, gerade in Zeiten, in denen die linke Jugendkultur oft mehr Gefallen daran zu finden scheint, sich durch immer neue Regeln und Verbote selbst einzuschnüren.

Als das Konzert endet und sich die Menge auflöst, irre ich eine Weile ziellos umher. Ich sehe vermutlich aus wie jemand, der einen Schlängellauf um unsichtbare Slalomstangen absolviert. Dann endlich entdecke ich meine Rettung: Die Riesenfrau ragt aus der Menge der kleinen Männer. Sie weist mir den Weg zurück zu Hagen und den anderen Genossen. Einmal mehr bestätigt sich eine alte Weisheit: Ein Mann in Verwirrung tut gut daran, sich an einer Frau zu orientieren.

Michael Bittner

Roman Israel wird Autor der Reformbühne Heim & Welt

Unser Stammautor Roman Israel hat nun auch eine Lesebühne in Berlin! Er wird neues Mitglied der Reformbühne Heim & Welt, die schon seit 24 Jahren existiert und damit zu den traditionsreichsten Leseformationen der Hauptstadt gehört. Regelmäßig liest er nun sonntags zusammen mit den großartigen Kollegen Ahne, Jakob Hein, Falko Hennig, Heiko Werning und Jürgen Witte. Wie dem Sohn Sachsens die Hauptstadt zu Füßen liegt, kann man erstmals am Sonntag, den 6. Januar, erleben, wenn die Reformbühne zugleich Premiere an ihrem neuen Veranstaltungsort feiert, dem Roten Salon der Volksbühne!

Buchtip: „Mit euch möchten wir alt werden. 30 Jahre Berliner Lesebühnen“

Ende der Achtziger entwickelte sich in Berlin eine neue Form der literarischen Subkultur. Bei den sogenannten Lesebühnen kamen regelmäßig feste Gruppen von Autorinnen und Autoren zusammen, nicht in Literaturhäusern und Buchhandlungen, sondern in Kneipen und Klubs, um dem Publikum in heiterer Atmosphäre Geschichten vorzulesen. Die Storys zeichneten sich durch Kürze, Witz und Nähe zum Alltag aus. Statt Wasser wurde Bier getrunken. Gelesen wurde nicht sitzend, verschanzt hinterm Tischchen, sondern im Stehen. Die Idee verbreitete sich: Nicht nur in Berlin entstanden bald Veranstaltungen, die wöchentlich manchmal hunderte Zuhörer anzogen, auch in anderen Städten wurden mit Erfolg Lesebühnen gegründet. So wie unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal, die seit dem Jahr 2005 in der Scheune auftritt. Viel gelernt haben wir von und viel gelacht mit den Kollegen von Berliner Lesebühnen wie der Chaussee der Enthusiasten, LSD – Liebe statt Drogen, der Reformbühne Heim & Welt, den Surfpoeten oder den Brauseboys. Großen Erfolg haben inzwischen auch jüngere Lesebühnen in Berlin wie die Lesedüne, die Couchpoetos und Fuchs & Söhne. Autorinnen und Autoren, die heute reich und berühmt sind, haben bei den Lesebühnen ihre Karriere begonnen und sind zum Teil immer noch Teil der Szene: Marc-Uwe Kling, Wiglaf Droste, Kirsten Fuchs, Wladimir Kaminer, Sarah Bosetti, Jochen Schmidt und viele andere mehr.

Zum dreißigjährigen Jubiläum der Berliner Lesebühnen hat der Satyr Verlag ein tolles Buch herausgebracht: Mit euch möchten wir alt werden, herausgegeben von Sarah Bosetti, Andreas Scheffler und Volker Surmann. Das Lesebuch versammelt Geschichten, Satiren, Glossen und Traktate von 75 Lesebühnenautorinnen und -autoren, welche die Szene über viele Jahre geprägt haben oder noch prägen werden: Ahne, Mareike Barmeyer, Martin Betz, Tilman Birr, Michael Bittner, Bov Bjerg, Thilo Bock, Daniela Böhle, Paul Bokowski, Sarah Bosetti, Wiglaf Droste, Hans Duschke, Micha Ebeling, Elis, Konrad Endler, Horst Evers, Kirsten Fuchs, Andreas Gläser, Martion „Gotti“ Gottschild, Aidin Halimi, Uli Hannemann, Jakob Hein, Nils Heinrich, Falko Hennig, André Herrmann, Ruth Herzberg, Daniel Hoth, Hinark Husen, Wladimir Kaminer, Andreas Kampa, Noah Klaus, Marc-Uwe Kling, Frank Klötgen, Insa Kohler, Sebastian Krämer, Johannes Krätschell, Andreas „Spider“ Krenzke, Karsten Lampe, Berhard Lassahn, Sebastian Lehmann, Clint Lukas, Thomas Manegold, Maik Martschinkowsky, Manfred Maurenbrecher, Eva Mirasol, Marion Alexa Müller, Jacinta Nandi, Robert Naumann, Meikel Neid, Klaus Nothnagel, Jochen Reinecke, Milena Reinecke, Robert Rescue, Dan Richter, Susanne Riedel, Christian Ritter, Andreas Scheffler, Sarah Schmidt, Jochen Schmidt, Chio Schuhmacher, Dr. Seltsam, Stephan Serin, Ivo Smolak, Frank Sorge, Michael Stein, Lea Streisand, Volker Strübing, Volker Surmann, Maschenka Tobe, Tube, Robert Weber, Piet Weber, Michael-André Werner, Heiko Werning, Jürgen Witte.

Sarah Bosetti, Andreas Scheffler, Volker Surmann (Hrsg.): Mit euch möchten wir alt werden. 30 Jahre Berliner Lesebühnen. 326 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen, ISBN: 978-3-947106-14-1, 20€

„Nacht der Lesebühnen“ am 8. November in der Scheune mit André Herrmann, Ivo Lotion, Maik Martschinkowsky und Ella Carina Werner

Im November räumt unsere Lesebühne Sax Royal ausnahmsweise den angestammten Platz auf dem zweiten Donnerstag des Monats, stattdessen gibt es unsere nächste Show am Mittwoch (!), den 14. November. Der Grund dafür ist aber erfreulich: Am 8. November lädt das Festival „Literatur Jetzt!“ zur traditionsreichen „Nacht der Lesebühnen“ ein. Es erwartet die Zuschauer ein Abend voller Heiterkeit ohne Reue. Denn wie immer lesen und singen in der Scheune vier der besten Autorinnen und Autoren aus dem Feld der komischen und satirischen Literatur, die witzig und dabei zugleich smart sind. Auch in diesem Jahr dürfen sich die Fans auf vier ganz famose Spaßvögel freuen: André Herrmann (Leipzig), Ella Carina Werner (Hamburg), Maik Martschinkowsky (Berlin) und Ivo Lotion (Berlin).

André Herrmann ist in Leipzig Stammautor der Lesebühne „Schkeuditzer Kreuz“ und liest in Berlin bei der Lesebühne „Fuchs & Söhne“. Mit dem Team Totale Zerstörung hat er zweimal die Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam gewonnen. Er schreibt Komisches auch fürs Fernsehen, so fürs „Neo Magazin Royal“ (ZDF), „Olaf macht Mut“ (ARD) und „Comedy mit Karsten“ (MDR). Seinem Erfolgsroman „Klassenkampf“ hat er inzwischen einen zweiten Teil folgen lassen.

Ella Carina Werner (Foto: Vera Tammen) ist Mitglied der Hamburger Lesebühne „Liebe für alle“ sowie Redakteurin des Satiremagazins „Titanic“. Sie veröffentlicht humorvolle Texte u.a. in der taz und dem Missy Magazine und schreibt Kolumnen für die Frankfurter Rundschau. Sie veröffentlichte zwei Romane, „Die mit dem Bauch tanzt“ (Ullstein 2012) und „Rastavati“ (Rowohlt 2017, gemeinsam mit Jutta Weber). Außerdem ist sie Mitbegründerin und Organisatorin des DIARY SLAM, bei dem Erwachsene aus ihren Jugend-Tagebüchern lesen.

 

Maik Martschinkowsky (Foto: Hendrik Schneller) ist in Berlin Stammautor bei der „Lesedüne“, der wohl erfolgreichsten Lesebühne des Landes. Mit seinen Kollegen hat er das Buch „Über Wachen und Schlafen“ herausgebracht. Außerdem liest er auch bei der „PotShow“ in Potsdam und ist seit Jahren Moderator beim „Saalslam“ in Berlin-Neukölln. Seine besondere Neigung gilt der satirischen Gesellschaftskritik, die daraus entstehenden Geschichten hat er in dem Buch „Von nichts kommt was“ gesammelt.

Ivo Lotion ist Mitglied bei „LSD – Liebe statt Drogen“, einer der traditionsreichsten Lesebühnen Berlins. Mit der „Lokalrunde“ moderiert er zudem seine ganz eigene Unterhaltungsshow. Er produziert Filme, am bekanntesten aber ist er als Liedermacher, solo und mit seiner Band „Die Mariachis“. Bei der Nacht der Lesebühnen übernimmt Ivo Lotion den musikalischen Part und singt einige seiner schönsten Lieder.

 

 

 

 

 

Nacht der Lesebühnen. Abend der satirischen Literatur mit André Herrmann, Ivo Lotion, Maik Martschinkowsky und Ella Carina Werner | Scheune | 20 Uhr | Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 6 Euro | Karten im Vorverkauf

„Literatur Jetzt!“ 2018 – Festival zeitgenössischer Literatur in Dresden vom 4. bis 14. November

Was wäre der Preis für einen Sieg über die Sonne? Ein Leben im Untergrund mit Kunstlicht in ewiger Dunkelheit? „Sieg über die Sonne“, der Titel der Ausgabe von „Literatur Jetzt!“ im Jahr 2018 zitiert die gleichnamige russische Oper aus dem Jahr 1913, die als erstes futuristisches Gesamtkunstwerk gilt. Das skandalträchtige Werk, an dessen Entstehung Welimir Chlebnikow, Kasimir Malewitsch und andere Avantgardisten beteiligt waren, schildert den Triumph der menschlichen Ingenieurskunst über die Sonne. Einerseits feierte die Oper die technische Bändigung der elementaren Energie unseres Zentralgestirns, andererseits wies sie bereits prophetisch auf die politische Sonnenfinsternis voraus, die aus einer zur totalitären Herrschaft verkommenen Utopie entstehen sollte.

Das Festival Literatur Jetzt! 2018 findet im zehnten Jahr seines Bestehens in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum statt – diesmal parallel zur Sonderausstellung „Shine on me. Wir und die Sonne“. Wie die Ausstellung umkreist auch das Festival die Sonne als das lebensspendende, potenziell aber auch zerstörerische Zentrum unseres Kosmos‘. In den meisten Kulturen der Menschheit erscheint die Sonne bis heute als ein grandioses poetisches, religiöses und politisches Symbol, als Sinnbild einer Kraft, die über alles menschliche Maß hinausgeht. Im Dialog von Literatur, Solarforschung und Kulturwissenschaft vermisst das diesjährige Literaturfest diesen Raum zwischen Utopie und Untergang, zwischen dem Alltäglichen und dem Spektakulären, das sich immer aufs Neue unter der Sonne vollzieht.

Wir – die Menschen – sind ihr – der Sonne – vollkommen egal. Aber was bedeutet sie uns und vor allem der Literatur, aus der sie nicht wegzudenken ist – egal, ob sie gerade auf- oder untergeht? Literatur Jetzt! 2018 bietet ein energiegeladenes Programm aus Lesungen prominenter Autorinnen und Autoren, Buchvorstellungen, Podiumsgesprächen und multimedialen Aktionen, ein Poetry Slam und ein poetisches Stationendrama sowie eine Familientag mit Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene.

Alle näheren Informationen finden sich auch auf der Homepages unseres Festivals.

Hier das Programm des Festivals:

4. November | Sonntag

Alexander Kluge: Dresden. Ein Abend mit Corinna Harfouch und Marcel Beyer | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | 19 Uhr | Eintritt: 20 / ermäßigt 15 Euro | Karten im Vorverkauf

 

5. November | Montag

Denis Scheck: Druckfrisches | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | 19 Uhr | Eintritt: 12 Euro / ermäßigt 8 Euro | Karten im Vorverkauf

 

6. November | Dienstag

Figuren der Unterwelt. Ein Leseabend mit Nora Gomringer und Georg Klein | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | 19 Uhr | Eintritt: 12 Euro / ermäßigt 8 Euro | Karten im Vorverkauf

 

7. November | Mittwoch

Museum der Poesie. Eine Lesung mit Artur Becker, Lütfiye Güzel und Ron Winkler mit Musik von Richard Ebert (Saxofon) | Deutsches Hygiene-Museum, Ausstellung „Shine on me“ | 19 Uhr | Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 6 Euro | Karten im Vorverkauf

 

8. November | Donnerstag

Das Universum, die Astrophysik und das 20. Jahrhundert. Ein Gespräch mit Sibylle Anderl und Thomas Lehr | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | 19 Uhr | Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 6 Euro | Karten im Vorverkauf

Nacht der Lesebühnen. Abend der satirischen Literatur mit André Herrmann, Ivo Lotion, Maik Martschinkowsky und Ella Carina Werner | Scheune | 20 Uhr | Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 6 Euro | Karten im Vorverkauf

 

9. November | Freitag

Wie wir uns erinnern werden. Zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht 1938. Ein Vortrag von Andreas Eberhardt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ | Deutsches Hygiene-Museum, Kleiner Saal | 18 Uhr | Eintritt frei

Afrofuturism – The Future is unwritten. A talk between Philipp Khabo Koepsell and Priscilla Layne (in englischer Sprache) | Deutsches Hygiene-Museum, Hörsaal | 19 Uhr | Eintritt: 5 Euro / ermäßigt 3 Euro (Ticket berechtigt auch zum Besuch der nachfolgenden „Ostkap“-Lesung) | Karten im Vorverkauf

Hinterm Horizont geht zu weit. Ostkap präsentiert junge Literatur | Deutsches Hygiene-Museum, Hörsaal | 21 Uhr | Eintritt: 5 Euro / ermäßigt 3 Euro | Karten im Vorverkauf

 

10. November | Sonnabend

Über das Reisen als Erfahrung. Ein „Reportagen“-Abend mit Esther Göbel und Juliane Schiemenz | Deutsches Hygiene-Museum, Hörsaal | 17 Uhr | Eintritt: 5 Euro / ermäßigt 3 Euro (Ticket berechtigt auch zum Besuch der folgenden Filmvorführung „Der Sonnenfuchs“) | Karten im Vorverkauf

Vom Einverstandensein mit allem Leben. Filmpremiere „Solreven – der Sonnenfuchs“ von und mit Regisseur Frank Wierke | Deutsches Hygiene-Museum | 19 Uhr | Eintritt: 5 Euro / ermäßigt 3 Euro | Karten im Vorverkauf

Lucy Fricke: „Töchter“. Ein Roadnovel | Deutsches Hygiene-Museum, Hörsaal | 20 Uhr | Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 6 Euro | Karten im Vorverkauf

Poetry Slam „Zur Sonne“ mit Dominik Bartels, Kaddi Cutz, Kirsten Fuchs, Christian Kreis, Jacinta Nandi und Stefan Seyfarth (mit Gebärdendolmetscher) | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | 21 Uhr | Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 6 Euro | Karten im Vorverkauf

Festival-Lounge. Marcel Beyer legt auf | Deutsches Hygiene-Museum, Empfangshalle | 22 Uhr | Eintritt frei

 

11. November | Sonntag

„Verzeichnis einiger Verluste“. Eine Sonntagsmatinee mit Judith Schalansky | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | 11 Uhr | Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 6 Euro | Karten im Vorverkauf

Familiensonntag „Wunder Sonne“ | 10-18 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum

Sonnenwerkstatt. Kreative Angebote und Experimente rund um das Thema Sonne | 10-18 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum, Empfangshalle | Eintritt frei

Führung Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ (mit Museumsticket) | Deutsches Hygiene-Museum | 11 Uhr in Leichter Sprache, 14 Uhr öffentliche Führung

Führung Sonderausstellung „Shine on me“ (mit Museumsticket) | Deutsches Hygiene-Museum | 15 Uhr Sonne, Mond und Sterne – öffentliche Familienführung, 16 Uhr Walking on Sunshine – öffentliche Führung

„Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler für Kinder gelesen von Ulrich Wenzke (ca. 30 Minuten) | Deutsches Hygiene-Museum, Kleiner Saal | 11 Uhr und 14:30 Uhr (14:30 mit Gebärdendolmetscher) | Eintritt frei

 

13. November | Dienstag

Verstummte Musik. Künstler im Exil. Dialog-Salon | Deutsches Hygiene-Museum, Marta-Fraenkel-Saal | 19 Uhr | Eintritt: 4 Euro | Karten im Vorverkauf

 

14. November | Mittwoch

Uwe Timm: „Ikarien“ | DIE VERANSTALTUNG MUSS AUS PERSÖNLICHEN GRÜNDEN LEIDER ENTFALLEN

Mittwoch, 5. September: Michael Bittner und Max Rademann lesen und singen im Kabarett Breschke & Schuch

Am Mittwoch (5. September) bestreiten Michael Bittner und Max Rademann eine gemeinsame Show in der Sommereihe „Gartengeflüster“ im Dresdner Kabarett Breschke & Schuch. Getreu dem Motto der Reihe „Text miez Musik“ werden dabei zur Freude des Publikums Geschichten auf Lieder treffen.

Michael Bittner ist in Dresden bekannt als satirischer Kolumnist der Sächsischen Zeitung, Stammautor der Lesebühne Sax Royal und „der Hasspabst“ (Lutz Bachmann). Er liest Texte aus seinem aktuellen Buch „Der Bürger macht sich Sorgen“, aber auch ganz neue Geschichten. Dabei stürzt er sich hinein in unsere turbulenten Zeiten. Das Abendland steht vor dem Untergang – doch wütende Bürger drohen, die Apokalypse im letzten Augenblick noch abzuwenden. In der weltumspannenden Krise sucht derweil jeder woanders nach Rettung – bei Liebesratgebern, im Schädel von Karl Marx oder am Tresen bei bewusstem Biergenuss. Michael Bittner blickt in seinen Kolumnen und Satiren auf die Verwirrungen dieser Tage mit Leidenschaft, Heiterkeit und Skepsis zugleich.

Den musikalischen Part des Abends übernimmt Max Rademann. Der Sohn des Erzgebirges ist ebenfalls Mitglied der Lesebühne Sax Royal, bekannt aber auch als Liedermacher und Moderator des musikalischen Dienstagssalons im Festspielhaus Hellerau. Seine durch Soul und Funk beschwingten, auf dem E-Piano vorgetragenen Songs widmen sich unterschiedlichsten Themen: heldenhaften Dresdner Taxifahrern, jungen Frauen mit Alkoholproblem und der Nichtigkeit der Menschheit im Angesicht des Universums. Gemeinsam ist allen Liedern enormer Groove und der Charme absurden Humors.

„Gartengeflüster“ mit Michael Bittner und Max Rademann | 5. September 2018 | Mittwoch | 19:30 Uhr | Kabarett Breschke & Schuch | Tickets für 15 Euro: Reservierung oder Vorverkauf

Max Rademann und Falk Töpfer als „The Equipment“ beim Schaubudensommer 2018

Zusammen mit Falk Töpfer bildet unser Max Rademann seit Neuestem die Boyband The Equipment. Beim Schaubudensommer 2018 hinter der Dresdner Scheune haben sie bald zwischen dem 15. und 18. Juli ihre ersten großen Auftritte. Ihr gewagter Mix aus Eurodance, Disco und klassischer Liedermacher-Ästhetik bietet auf der Bühne ein explosives Feuerwerk für Jung und Alt und alle drei Geschlechter. Dabei ist Falk Töpfer wirklich überzeugend, sexy und hübsch. Seine draufgängerische Bühnenpräsenz findet mit Rolf Markus Rademann die perfekte Ergänzung. Der stoische Erzgebirger brilliert durch zurückhaltende Raffinesse und spannt sein musikalisches Können wie ein Auffangnetz unter die stürmische Strahlkraft Töpfers. The Equipment agieren wie zwei Tiere. Wiesel und Uhu bilden hier eine nie da gewesene Symbiose der Unterhaltungskunst.

Roman Israel als Sommergast bei der Reformbühne Heim & Welt in Berlin

Liebe Freunde, wir befinden uns gerade in der Sommerpause, aus der wir erst am 22. August mit unserer traditionellen Spezial-Show im Deutschen Hygiene-Museum zurückkehren. Aber alle von euch, die es im Sommer von Dresden mal nach Berlin verschlägt, sollten in der gemütlichen Jägerklause in Friedrichshain vorbeischauen. Unser Roman Israel ist dort nämlich als Sommergast im Juli und August jeden Sonntag Gastautor bei den großartigen Kollegen der traditionsreichen Reformbühne Heim & Welt. Er liest immer ab 20 Uhr mit den Stammautoren Ahne, Jakob Hein, Falko Hennig, Heiko Werning, Jürgen Witte sowie weiteren literarischen und musikalischen Gästen. Erstmals am 1. Juli!

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