Micha’s Lebenshilfe (38)

Wenn man auf einer Bühne eine gute Viertelstunde an einem Mikrofon steht, sollte man darauf achten, dabei keine unnatürliche Körperhaltung einzunehmen, weil man sonst nach dem Abgang möglicherweise von einem Beinkrampf geschüttelt wird, humpelnd zu seinem Platz zurückkehrt und dort zum ersten Mal im Leben mit Recht den Satz aussprechen darf: Ich habe mich verstanden.

Micha’s Lebenshilfe (37)

Wenn man im Wald eine große Menge junger Birkenpilze im Moos entdeckt, noch dazu in einem Waldstück ohne Birken, dann sollte man besser gleich Verdacht schöpfen, schon vom ersten geernteten Pilz eine Geschmacksprobe nehmen, um nicht erst viel später zu der bitteren Erkenntnis zu gelangen, dass man zehn Gallenröhrlinge ganz unnützerweise ihrer Existenz beraubt hat.

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Wer mag, kann hier alle Beiträge der Reihe nachlesen.

Micha’s Lebenshilfe (36)

Wenn man in einem Kaufhaus eine Packung Unterhosen erwirbt, auf der das Versprechen 3 zum Preis von 2 prangt, sollte man nicht unbedingt davon ausgehen, zu Hause beim Öffnen in der Packung drei Schlüpfer vorzufinden, da es sein könnte, dass sie nur einen einzigen enthält und man, um den versprochenen Preisvorteil zu erlangen, zwei Packungen hätte kaufen müssen.

Micha’s Lebenshilfe (35)

Wenn man die Absicht hat, in einer Berliner S-Bahn Platz zu nehmen, sollte man unbedingt nicht nur optisch, sondern auch tastend die Beschaffenheit des Sitzes prüfen, bevor man sein Gesäß niederlässt, da man sich sonst möglicherweise überraschend in einer Pfütze wiederfindet, deren Nässe augenblicklich die Hosen durchweicht, wonach einem nur noch die Hoffnung bleibt, dass hier bloß jemand sein Bier verschüttet hatte.

Micha’s Lebenshilfe (34)

Wenn man hinter der Supermarktkasse seine bezahlten Waren in Tüten und Taschen stopft, sollte man bei aller Eile doch darauf achten, nicht versehentlich Güter des nachfolgenden Kunden einzustecken, da man sonst möglicherweise zu Hause beschämt feststellen muss, dass man einem kleinen Jungen unabsichtlich ein Stück irische Butter gestohlen hat.

Micha’s Lebenshilfe (33)

Wenn man sich auf Reisen begibt, dann sollte man stets eine kosmetische Schere mit sich führen, da es immer passieren kann, dass man nach einem Tag plötzlich gewahr wird, wie einem Haare aus der Nase sprießen, woraufhin man sich in einen Drogeriemarkt begibt, in dem man aber beim Anblick des Preisschildes „Nagelschere – 19,95 Euro“ erschrocken wieder kehrt macht, um in einer Filiale der Schreibwarenkette McPaper stattdessen eine Kinderbastelschere zum Preis von 2,95 Euro zu kaufen, die ihre Aufgabe zwar auch erfüllt, dabei aber recht unangenehme Schmerzen verursacht.

Micha’s Lebenshilfe (32)

Wenn man seinen Zahnarzt aufsuchen muss, dann sollte man vor dem Verlassen der Wohnung noch einmal überprüfen, ob man seinen Pullover möglicherweise verkehrt herum angezogen hat, denn in der Praxis wird man auf ein derartiges Missgeschick sicher nicht hingewiesen, weil die anwesenden Personen sich lieber still über das fremde Versehen amüsieren und sich schon darauf freuen, ihren Kindern und Kindeskindern davon zu berichten.

Micha’s Lebenshilfe (31)

Wenn man eine ungefähr einstündige Reise mit der S-Bahn aus Potsdam in den Osten Berlins absolvieren muss, sollte man darauf verzichten, sich während der Fahrzeit zwei Flaschen Bier oder mehr einzuflößen, da das genannte Fortbewegungsmittel nicht über sanitäre Einrichtungen und der menschliche Körper nur über einen begrenzten Stauraum verfügt.

Micha’s Lebenshilfe (30)

Wenn man es unternimmt, sich Rote Bete selbst zuzubereiten, dann sollte man beim Schälen der weichgekochten Rübchen unbedingt – der ästhetischen Fragwürdigkeit zum Trotz – eine Küchenschürze tragen, um nicht bei der abendlichen Heimkehr von eventuellen Mitbewohnern in den Verdacht zu geraten, soeben in der eigenen Wohnung ein Massaker oder einen Selbstmordversuch verübt zu haben.

Micha’s Lebenshilfe (29)

Wenn man sich ins Zentrum der Hauptstadt begibt, um in der Staatsbibliothek Unter den Linden bedeutsame Werke zu lesen und zu exzerpieren, dann sollte man auch einen Stift mitführen, da man sonst in die Verlegenheit geraten könnte, auf der Suche nach einem Schreibutensil einzig einen nahe gelegenen Souvenirshop zu finden, wo man sich dann vielleicht gezwungen sieht, einen Kugelschreiber mit der Aufschrift „I ♥ Berlin!“ zum Preis von 2,50 Euro zu kaufen. (Unterliefe einem dieses Missgeschick sogar zwei Mal im Laufe einer einzigen Woche, sollte man sich dringend Sorgen um den eigenen Geisteszustand machen.)

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